{"id":106,"date":"2016-06-27T22:30:50","date_gmt":"2016-06-27T20:30:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=106"},"modified":"2019-04-09T00:47:53","modified_gmt":"2019-04-08T22:47:53","slug":"17-wie-franz-josef-strauss-mir-csu-tueren-oeffnete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2016\/06\/27\/17-wie-franz-josef-strauss-mir-csu-tueren-oeffnete\/","title":{"rendered":"17. Wie Franz Josef Strau\u00df mir CSU-T\u00fcren \u00f6ffnete"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein denkw\u00fcrdiges Ereignis<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Seit 1967 fuhr ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter des damals von Prof. Dr. Otto Stammer geleiteten Instituts f\u00fcr politische Wissenschaft (des sp\u00e4teren Zentralinstituts f\u00fcr sozialwissenschaftliche Forschung) an der Freien Universit\u00e4t quasi im Auftrag des institutsinternen \u201eArbeitskreises Parteienforschung\u201c kreuz und quer durch Bayern und besuchte fast alle Parteigesch\u00e4ftsstellen und Gro\u00dfveranstaltungen der CSU. Stammer war neben Prof Dr. Ossip K. Flechtheim und anderen Hochschullehrern der \u00e4lteren Generation einer der Nestoren der Parteienforschung und ein Mentor meiner CSU-Forschung. Nur mit seiner uneingeschr\u00e4nkten Unterst\u00fctzung konnte ich fast zehn Jahre lang meine Bayern-Expeditionen durchf\u00fchren und dramatische Situationen durchstehen. Viele Male besuchte ich in den 1960er und 1970er Jahren nicht nur die CSU-Landesleitung, sondern auch alle zehn Bezirksverb\u00e4nde. Mit der Zeit wurde ich von der Landesleitung automatisch eingeladen und unter die Ehreng\u00e4ste platziert. Oft sa\u00df ich ganz vorne und damit nahe am \u201eCSU-Machtzentrum\u201c. Allm\u00e4hlich geh\u00f6rte ich \u2013 auch optisch \u2013 irgendwie dazu.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und so kam es 1968 zu einem denkw\u00fcrdigen Ereignis. Als Ehrengast zu einem gro\u00dfen Empfang ins Antiquarium der M\u00fcnchner Residenz geladen, ging ich auf Franz Josef Strau\u00df zu und bat ihn pers\u00f6nlich darum, mir den Zugang zu und die Auswertung von parteiinternen Materialien zu erm\u00f6glichen. Ich hatte ihm vorher mein Forschungskonzept schriftlich vorgetragen. Strau\u00df stand im Kreise h\u00f6chster CSU-Amtstr\u00e4ger, darunter auch der damalige Generalsekret\u00e4r Max Streibl. Ich setzte alles auf eine Karte und drang freundlich, aber nachdr\u00fccklich auf eine Entscheidung. \u201eK\u00f6nnten Sie das nicht gleich mit Herrn Streibl abkl\u00e4ren?\u201c Auf meine inst\u00e4ndige Bitte hin wandte sich Strau\u00df seinem Generalsekret\u00e4r zu und gab ihm die Anweisung, sich um mein Forschungsprojekt zu k\u00fcmmern. Kurz darauf erhielt ich uneingeschr\u00e4nkten Zugang zu den Akten des Generalsekretariats und untergeordneter Abteilungen. Viele Wochen lang wurden mir in der Lazarettstra\u00dfe, dem damaligen Domizil der Landesleitung und des Bezirksverbandes Oberbayern, Tag f\u00fcr Tag\u00a0 kurz nach acht Uhr\u00a0morgens mit einer Lore etwa acht Leitzordner zur Auswertung vorgefahren. Die Ordner enthielten die Wortprotokolle h\u00f6chster Parteiorgane und parteiamtliche Korrespondenzen aller Art. Das war eine Sternstunde der Parteienforschung. Ich nutzte diese au\u00dferordentliche Chance und machte sie zu meiner Sache.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auf vielen Landesversammlungen war ich mit hochrangigen Amtstr\u00e4gern der CSU und nun auch mit Franz Josef Strau\u00df im Gespr\u00e4ch gesehen worden. Der bekannterma\u00dfen autorit\u00e4re F\u00fchrungsstil von Strau\u00df, ein fast untert\u00e4niger Respekt vor dem gro\u00dfen Vorsitzenden und ein Schuss bayerischer Gutm\u00fctigkeit hatten anscheinend dazu gef\u00fchrt, dass mir Parteiangestellte getreu einer vermeintlichen Dienstanweisung alte und neueste Akten ohne Vorsichtung und Beschr\u00e4nkung werkt\u00e4glich zur Auswertung vorfuhren. Der altbayerische, erzkatholische Streiter Gottes Alois Hundhammer h\u00e4tte vor Zorn gebebt, h\u00e4tte er erfahren, was mir nun im Aktenkeller des CSU-Bezirksverbandes Oberbayern zug\u00e4nglich gemacht worden war. \u00c4hnliches geschah auch in anderen Bezirksgesch\u00e4ftsstellen der CSU. Es hie\u00df, Mintzel sei von Strau\u00df beauftragt worden, die Akten f\u00fcr eine Geschichte der CSU einzusehen. Ohne jedwede Einschr\u00e4nkung in Bezug auf Umfang und Inhalt machte ich ohne weitere R\u00fccksprache exzessiven Gebrauch von der Erlaubnis zu kopieren. Die zust\u00e4ndigen\u00a0 Abteilungsleiter hatten\u00a0 keine Gewissheit dar\u00fcber, wie viel ich kopierte, keiner \u00fcbte eine Kontrolle aus.\u00a0 Ich nutzte diese Gelegenheit stillschweigend aus. Eine Bezirksgesch\u00e4ftsstelle gab mir einmal sogar Akten zur Auswertung mit nach Berlin, als ich vor Ort mit der Durchsicht nicht fertig geworden war. Nachdem ich einmal an der deutsch-deutschen Grenze von Volkspolizisten und Stasi-Offizieren durchsucht, verh\u00f6rt und zur Mitarbeit aufgefordert worden war, war ich dazu \u00fcbergegangen, meine stillschweigend kopierten Materialien Paket f\u00fcr Paket per Luftfracht nach Westberlin transportieren lassen. Ich hatte mir \u00fcberhaupt nichts dabei gedacht, sondern mich nur vor einem Zugriff der Grenzkontrolleure sch\u00fctzen wollen. Wie arglos und unbek\u00fcmmert ich in der Sache war, geht auch daraus hervor, dass ich nach Abschluss meiner Arbeit um einen Termin bei Generalsekret\u00e4r Streibel bat, um ihn \u00fcber meine Arbeit und Eindr\u00fccke Bericht zu erstatten. Mit diesem Gespr\u00e4ch begann sich meine Forschungsarbeit zu einer kleinen, aufregenden Kriminalgeschichte zu entwickeln. Der Generalsekret\u00e4r wurde n\u00e4mlich durch meinen Bericht \u00fcberhaupt erst auf das ganze Ausma\u00df meiner hausinternen Recherchen\u00a0 aufmerksam. Er argw\u00f6hnte zu Recht, dass ich auch an <em>top secret<\/em>\u00a0 -Material herangekommen war und ein ungeheuerliches Wissen gesammelt hatte.\u00a0 Er wollte nun den Schaden so gering wie m\u00f6glich halten und forderte mich auf, das gesamte kopierte Material unverz\u00fcglich wieder zur\u00fcckzugeben. In dem Moment musste ich bef\u00fcrchten, dass meine wochenlange Arbeit umsonst gewesen war. Meine Arglosigkeit und Offenheit wandelte sich, als ich um das Ergebnis meiner Arbeit bangen musste, in Schlitzohrigkeit. Ich begann fieberhaft dar\u00fcber nachzudenken, wie ich die Materialien retten konnte. Den gr\u00f6\u00dften Teil hatte ich ja schon per Luftfracht nach Berlin\u00a0 geschickt. Mit den Resten des Material, die ich noch in H\u00e4nden hatte, fuhr ich sofort nach W\u00fcrzburg und kopierte in der Firma eines ehemaligen Schulfreundes ca. 500 Blatt nochmal und gab diese Beute an die Landesleitung zur\u00fcck. Sie wussten ja nicht, was und wieviel ich in M\u00fcnchen in der Landesleitung kopiert hatte. Sowohl in der CSU-Landesleitung wie im Berliner Forschungsinstitut kam es derweil zu dramatischen Sitzungen,\u00a0 um den Fall zu kl\u00e4ren. Otto Stammer, mein wissenschaftlicher Mentor, verb\u00fcrgte sich in einem Schreiben an den Generalsekret\u00e4r daf\u00fcr, dass ich meine Materialien und mein Wissen nicht ohne Einvernehmen mit der CSU-F\u00fchrung wissenschaftlich verwerten und publizieren w\u00fcrde. Die Wogen konnten zun\u00e4chst einmal durch gegenseitige Versicherungen gegl\u00e4ttet werden, doch Stammers Schreiben verpflichtete mich in mancher Hinsicht zum Schweigen. Das war eben der Preis, den ich zahlen musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">B\u00f6se Zungen k\u00f6nnten mir nachsagen, ich habe die CSU ausspioniert, mich unter Vort\u00e4uschung falscher Tatsachen eingeschlichen oder absichtlich vorgegeben, von Strau\u00df mit einer Studie beauftragt worden zu sein. Mitnichten! Ich hatte mich an alle Gesch\u00e4ftsstellen und Schl\u00fcsselpersonen immer mit Schreiben des Berliner Instituts gewandt, mein Forschungsprojekt erl\u00e4utert und mich immer f\u00fcr den ausgegeben, der ich wirklich war. Letztendlich verantwortlich f\u00fcr den kommunikativen Irrtum war Generalsekret\u00e4r Streibl, der den Auftrag von Strau\u00df einfach nach unten weitergegeben hatte. Parteiinterne Kommunikationsfl\u00fcsse, welche ich nicht hervorgerufen hatte, waren mir unversehens zur Hilfe gekommen. Erst als ich ihm nach getaner Arbeit mitteilte, die Sichtung und Auswertung der Akten und Archivalien beendet zu haben, wurde Streibl klar, was geschehen war. Erst jetzt erkannte er das ganze Ausma\u00df des vermeintlichen Schadens, sprich meiner Forschungsarbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Der \u201eM\u00fcnchner Merkur\u201c unterstellt mir Wallraff-Methoden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das \u201eAbenteuer Forschung\u201c erlebte dann sieben Jahre sp\u00e4ter einen weiteren H\u00f6hepunkt, als meine erste gro\u00dfe Studie \u00fcber die CSU in Druck gegangen war. Schon meine ersten kleinen Vorstudien von 1973 hatten in der Fachwelt und Presse Aufmerksamkeit erregt. Bevor ich selbst als Autor auch nur eine gedruckte Seite zu Gesicht bekommen hatte, waren Gerold Tandler, dem Nachfolger Streibls im Amt des Generalsekret\u00e4rs der CSU, die Druckfahnen zugespielt worden. Tandler forderte mich in einem Telefongespr\u00e4ch auf, unverz\u00fcglich nach M\u00fcnchen zu kommen. Er drohte mit einer einstweiligen Verf\u00fcgung. Turbulente Tage folgten. Wieder Beratungen im Berliner Zentralinstitut f\u00fcr sozialwissenschaftliche Forschung, wieder Rechtshilfe, der Dekan der juristischen Fakult\u00e4t wurde um Rat gebeten. Es ging dabei nicht zuletzt auch um Kosten. Mein Buch hatte achthundert Druckseiten, die Druckkosten beliefen sich auf 60.000 die Gesamtkosten des Forschungsprojektes auf etwa 300.000 Deutsche Mark. Die Institutsleitung forderte den CSU-Generalsekret\u00e4r auf, genau anzugeben, was in der Studie zu beanstanden sei, welche Fehler oder Fehlinterpretationen unterlaufen seien. Sie w\u00fcrden selbstverst\u00e4ndlich noch korrigiert. Es stellte sich heraus, dass die Beanstandungen geringen Umfangs waren und das Gesamtwerk nicht in Frage stellten. Nach wenigen wissenschaftlich vertretbaren Nachbesserungen konnte die \u201eAnatomie einer konservativen Partei\u201c erscheinen. Die Nachbesserungen wurden noch w\u00e4hrend der Drucklegung in einem Anhang eingef\u00fcgt, so dass auch dieser Vorgang \u00fcberpr\u00fcfbar war. Die Dramatik der Situation geht allerdings daraus nicht hervor. Die Geschichten hinter der Geschichte blieben verborgen. Es war sp\u00e4ter j\u00fcngeren Parteienforschern schwer zu vermitteln, unter welchen Strapazen der Forschung diese Studie zustande gekommen war. Die Publikation wurde zu einem Bestseller der Parteienforschung und erlebte 1978 eine zweite Auflage, die ebenfalls rasch verkauft war.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch kaum war Anfang Oktober 1975 das Buch ausgeliefert, stand im M\u00fcnchner Merkur zu lesen, ich h\u00e4tte mich in die Landesleitung der CSU eingeschlichen und mich \u201eein Jahr lang als bezahlter Mitarbeiter im CSU-Archiv umschauen\u201c k\u00f6nnen. Mir wurden also Wallraff-Methoden unterstellt. Das war purer Unsinn und juristisch gesehen eine Verleumdung. Der vermeintliche Schaden\u201c f\u00fcr die Partei wurde, so der Bericht des CSU-nahen M\u00fcnchner Merkurs, in einen Gewinn umgem\u00fcnzt. Der Journalist schrieb: \u201eAls sp\u00e4ter bekannt wurde, welchen Nebenzweck Mintzels Werkstudentenzeit in der Lazarettstra\u00dfe verfolgte, machte Gerold Tandler gute Miene zum Mintzel-Spiel in der Hoffnung, dass das wissenschaftliche Werk schon nicht so negativ ausfallen werde.\u201c Ich hatte mit Klischeevorstellungen \u00fcber die CSU aufger\u00e4umt und nachgewiesen, dass die CSU im Modernisierungsprozess Bayerns auf breiter Basis zu einer hochorganisierten Volkspartei geworden war und damit eine Erfolgsgeschichte aufgezeigt. Von dem Bericht im M\u00fcnchner Merkur sah ich mich presserechtlich gen\u00f6tigt, eine Richtigstellung zu verlangen. Die Zeitung lie\u00df daraufhin in ihrem \u201eWei\u00df-blauen Notizbuch\u201c von ihren Unterstellungen ab. Eine Woche sp\u00e4ter folgte ein Bericht \u00fcber meine Forschungen, in dem der Sachverhalt richtig gestellt wurde. Solche St\u00f6rungen aus der Welt der Presse k\u00f6nnen einen laufenden Forschungsprozess empfindlich beeintr\u00e4chtigen oder gar zum Stillstand bringen, denn auch der Untersuchungsgegenstand reagiert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-652 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/17_001b-700x1612.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1612\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/17_001b-700x1612.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/17_001b-130x300.jpg 130w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/17_001b-768x1769.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/17_001b-800x1843.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/17_001b.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Ungerechtfertigter Anwurf im M\u00fcnchner Merkur vom 31.10.1975 &#8230;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-632 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/17_002-700x1613.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1613\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/17_002-700x1613.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/17_002-130x300.jpg 130w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/17_002-768x1769.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/17_002-800x1843.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/17_002.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>&#8230; und Richtigstellung im M\u00fcnchner Merkur vom 8.\/9.11.1975<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Jahr 2008 lud mich die Bayern-Redaktion des M\u00fcnchner Merkurs ein, aus Anlass des 20. Todestages von Franz Josef Strau\u00df einen Artikel zu schreiben. Als ich am 9. Oktober 2008 die Zeitung aufbl\u00e4tterte, fand ich meinen Beitrag unter einem Titel, den ich ihm nicht gegeben hatte: \u201eStrau\u00df und sein CSU-Professor\u201c. Ich hatte mich an solche und \u00e4hnliche Etikettierungen l\u00e4ngst gew\u00f6hnt. Aktuelle Parteienforschung l\u00e4uft immer Gefahr politisch und pressemedial verwertet zu werden. Parteienforschung, verstanden als Demokratieforschung, h\u00e4tte dagegen nichts einzuwenden, wenn printmediale Verwertung von Forschungsergebnissen dazu diente, Prozesse und Strukturen demokratischer Herrschaftsordnung transparent zu machen. Die Ergebnisse der Parteienforschung sind nicht nur f\u00fcr den wissenschaftsinternen Diskurs bestimmt, sondern auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-608 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/26_003-700x492.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/26_003-700x492.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/26_003-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/26_003-768x540.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/26_003-800x563.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/26_003.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Strau\u00df und sein CSU-Professor, M\u00fcnchner Merkur Nr. 235, 9. Oktober 2008<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die T\u00fcren der CSU-Landesleitung und der Bezirksgesch\u00e4ftsstellen waren trotz dieser Unterstellungen f\u00fcr mich offen geblieben. Allerdings musste ich einigen Opfern des kommunikativen Irrtums im Nachhinein Schutzbehauptungen zubilligen. Meine unfreiwilligen Helfer oder \u201cProjekt-Mintzel-Betreuer\u201d, die mir in der Landesleitung die Materialien zug\u00e4nglich gemacht hatten, waren in eine schwierige Situation geraten und mussten nun erkl\u00e4ren, wie das Ganze hatte passieren k\u00f6nnen. Weil sich die Helfer irgendwie herausreden mussten, entstanden in dieser Situation Behauptungen wie die, ich h\u00e4tte mich als Werkstudent eingeschlichen, h\u00e4tte undercover gearbeitet und schlussendlich auch die Zweckbehauptung , dass ich mit einem Hausverbot belegt worden sei. Dies war aber nicht der Fall. Ich konnte meine Forschungen \u00fcber diese Partei mit kr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung fortf\u00fchren, wenn gleich es immer auch Bedenken gab, den Mintzel zum Mitwisser zu machen. Mein zweites Buch, die \u201eGeschichte der CSU\u201c, folgte 1977 und war nach drei Wochen vergriffen. Der Westdeutsche Verlag lie\u00df ein Kontingent nachdrucken. Franz Josef Strau\u00df, der 1968 in einem g\u00fcnstigen Moment zu meinem T\u00fcr\u00f6ffner geworden war, schrieb sich sp\u00e4ter in mein Privatexemplar mit herzlichem Dank und freundlichen Gr\u00fc\u00dfen ein. Er war seinen Dienern immer um mehrere L\u00e4ngen voraus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-746 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_001_P1030133-700x1188.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1188\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_001_P1030133-700x1188.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_001_P1030133-177x300.jpg 177w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_001_P1030133-768x1304.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_001_P1030133-800x1358.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_001_P1030133.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-747 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_002-700x1116.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1116\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_002-700x1116.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_002-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_002-768x1224.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_002-800x1276.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/17_csu_002.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, Geschichte der CSU; oben Umschlagtitel, unten Vorsatzblatt mit pers\u00f6nlicher Widmung von Franz Josef Strau\u00df, 29.8.1980<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Zwischen bayerischer Hegemonialpartei und ihren Oppositionsparteien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mein Wissen und meine publizierten Analysen \u00f6ffneten mir auch T\u00fcren zur SPD, FDP und sp\u00e4ter zu den Gr\u00fcnen in Bayern. Die SPD verlor in Teilen und dann in ganz Bayern ihren Charakter als Volkspartei. Sie wurde zu einer Diaspora-Partei, die sich vergeblich abm\u00fchte, ihre bayerische Leidensspirale in eine Erfolgsspirale umzudrehen. Die Oppositionsparteien waren an Expertisen interessiert und wollten wissen, was die St\u00e4rke der CSU ausmachte, und was zu tun sei, um in Bayern aus der Oppositionsrolle herauszukommen. Dieses Verwertungsinteresse an meinen Untersuchungen und ver\u00f6ffentlichten Studien verschaffte mir den Vorteil, auch die internen Verh\u00e4ltnisse bei der SPD und dann auch bei der FDP und den Gr\u00fcnen in Bayern systematisch erforschen zu k\u00f6nnen. Hierzu waren ebenso empirische Expeditionen notwendig. Ich lernte f\u00fchrende politische K\u00f6pfe kennen, bei der SPD unter anderen Bruno Friedrich, Renate Schmidt, Dr. Peter Glotz und Wolfgang Hoderlein, bei der FDP Sabine Leutheuser-Schnarrenberger, Otto Graf Lambsdorff und Staatssekret\u00e4r Dr. Max Stadler. Meine Vortr\u00e4ge und Gepr\u00e4che auf oppositionellen Parteipodien und parteinahen Foren sch\u00e4rften meinen analytischen Blick auf das bayerische Parteiensystem und seine speziellen Verh\u00e4ltnisse. Ich war nicht nur ein \u201eCSU-Forscher\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In den Wechselg\u00e4ngen wurden, allerdings nur f\u00fcr kleine Insider\u2013 und Mitwisser-Kreise, wiederum die komplexen sozialen und politischen Kontextbedingungen f\u00fcr einen erfolgreichen Forschungsprozess sichtbar. Die sensible \u201eReaktivit\u00e4t\u201c meiner Forschungsgegenst\u00e4nde, der untersuchten Parteien, machten Begegnungen und Informationsvermittlungen manchmal zu schwierigen Gratwanderungen. Menschen und ihre politischen Organisationen k\u00f6nnen sich aus verschiedenen Gr\u00fcnden und zu unterschiedlichen Bedingungen wissenschaftlicher Neugierde verschlie\u00dfen oder \u00f6ffnen. Die CSU war tagespolitisch hei\u00df umstritten. Strau\u00df besa\u00df in Bayern eine gro\u00dfe Integrationskraft, au\u00dferhalb Bayerns hatte er aber eine stark polarisierende Wirkung, was innerhalb und au\u00dferhalb der Wissenschaft auf meine Forschungsarbeit einwirkte und abf\u00e4rbte. Im engeren Kollegenkreis wurden gewisse Verwertungszusammenh\u00e4nge scharf kritisiert. Meine CSU-Informanten baten mich gelegentlich, ihnen f\u00fcr parteiliche Zwecke, etwa f\u00fcr Organisationsberichte oder f\u00fcr Feierlichkeiten, mein Wissen und meine Forschungsergebnisse zur Verf\u00fcgung zu stellen. In Einzelf\u00e4llen war ich dazu bereit, insbesondere dann, wenn ich selbst bestimmte Vorteile f\u00fcr meine Forschungsarbeit erwarten konnte. Es kam punktuell sogar zu einem Austausch von Arbeitsergebnissen, was die Quellendichte meiner Forschung ungemein bereicherte. Denn nebenbei erfuhr ich aus erster Hand viel \u00fcber aktuelle Entscheidungen und Vorg\u00e4nge. Je intimer meine Kenntnisse \u00fcber innerparteiliche Verh\u00e4ltnisse und aktuelle politische Vorg\u00e4nge geworden waren, desto gezielter und erfolgreicher konnte ich weiter recherchieren. Ich hatte Insider-Wissen, das zeitweise vergessen lie\u00df, dass ich von au\u00dfen kam. Aus dem Zusammenwirken eigener wissenschaftlicher und fremder au\u00dferwissenschaftlicher Verwertungsinteressen ergaben sich jedenfalls zus\u00e4tzliche empirische Forschungsm\u00f6glichkeiten und Erkenntnisgewinne. Vieles davon fand sp\u00e4ter seinen publizistischen Niederschlag in meiner Monografie \u00fcber \u201eDie CSU-Hegemonie in Bayern. Strategie und Erfolg. Gewinner und Verlierer\u201c, die in der \u00c4ra des Ministerpr\u00e4sidenten Edmund Stoiber 1998 erschien.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Erscheinungstermine und politische Zeitumst\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Meine Werke \u00fcber die CSU, \u201eDie Anatomie einer konservativen Partei (1975, 1978) und die \u201eGeschichte der CSU\u201c (1977), erschienen zu einer Zeit, in der die CSU auf dem H\u00f6hepunkt ihrer Geschichte stand. Die Erscheinungstermine und die politischen Zeitumst\u00e4nde trafen sich auf`s Beste. Die CSU hatte in der Landtagswahl 1974 mit 62,1 Prozent der g\u00fcltigen Stimmen ein triumphales Wahlergebnis erreicht. In der Bundestagswahl 1976 hatte sie ihren Siegeszug mit einem spektakul\u00e4ren Ergebnis fortgesetzt. Sie war in Bayern mit 60 Prozent der Stimmen aus der Wahl hervorgegangen, was ihre Stellung in der Bonner Fraktionsgemeinschaft von CDU\/CSU ungemein gest\u00e4rkt hatte. In der Landtagswahl 1974 hatte sie die nationalliberale Barriere des evangelischen Frankens \u00fcberwunden, die letzten Wahlkreisinseln der SPD eingenommen und, was f\u00fcr die bayerische SPD besonders schmerzlich gewesen war, die elf Stimmkreise der Landeshauptstadt gewonnen. Die CSU war zu einer gesamtbayerischen, interkonfessionellen Massenpartei volksparteilichen Charakters geworden. Es hatte sich unverkennbar gezeigt, dass der gesellschaftliche Umbruch Bayerns entgegen politisch-\u00f6konomischen Annahmen zugunsten der CSU verlief. Die CSU konnte die neue Mittelschicht des sich verbreiternden Dienstleistungssektors an sich binden und Teile der Arbeiterschaft zu sich her\u00fcberziehen. Mit ihren triumphalen Erfolgen hatte die Partei in Bayern ihre Alleinregierung ausbauen und im Bundesparlament ihren Einfluss betr\u00e4chtlich vergr\u00f6\u00dfern k\u00f6nnen. Die kraftstrotzende bayerische \u201eStaats- und Ordnungspartei\u201c, die sich in der Unionsgemeinschaft als harten Kern und auf dem richtigen innen- und au\u00dfenpolitischen Kurs gesehen hatte, war in der Union von CDU und CSU zu einem unbequemen Partner geworden. Franz Josef Strau\u00df hatte, befl\u00fcgelt durch die Wahlerfolge, gegen\u00fcber der CDU aufgetrumpft und sie in der Zeit der sozialliberalen Koalition in Bonn zu einer scharfen Konfrontationspolitik verpflichten wollen. Im November 1974 hatte er seine ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Sonthofener Konfrontationsrede gehalten, wonach es in der gro\u00dfen innen- und au\u00dfenpolitischen Entscheidungsschlacht um \u201eFreiheit oder Sozialismus\u201c ginge. \u201eWir m\u00fcssen die Auseinandersetzung hier im Grunds\u00e4tzlichen f\u00fchren. Da k\u00f6nnen wir nicht genug an allgemeiner Konfrontation schaffen (\u2026). Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr die Freiheit, gegen den Sozialismus, f\u00fcr die Person und das Individuum, gegen das Kollektiv, f\u00fcr ein vereinigtes Westeuropa, gegen eine sowjetische Hegemonie \u00fcber ganz Europa (\u2026). Dieses Europa kann nicht gesund werden, wenn die Bundesrepublik nicht wieder wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch, milit\u00e4risch ein Stabilisationsfaktor erster Ordnung wird.\u201c (Franz Josef Strau\u00df, 18.\/19.11.1974 in Sonthofen). Aus der CSU-F\u00fchrung war gedroht worden, in anderen Bundesl\u00e4ndern eine mit der CSU assoziierte \u201eVierte Partei\u201c zu gr\u00fcnden. Au\u00dferhalb Bayerns hatten sich \u201eFreundeskreise der CSU\u201c gebildet, die als Gr\u00fcndungskerne h\u00e4tten dienen k\u00f6nnen. Die Spannungen zwischen der CSU und Teilen der CDU waren nach der verlorenen Bundestagswahl 1976 mit dem Wildbad Kreuther Beschluss vom 18.\/19.11.1976 zur Zerrei\u00dfprobe geworden. Die CSU-Landesgruppe hatte auf ihrer Klausurtagung am 19. November 1976 in geheimer Abstimmung mit 30 gegen 18 Stimmen und einer Enthaltung die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufgek\u00fcndigt und beschlossen, sich im 8. Deutschen Bundestag als selbst\u00e4ndige Fraktion eine breitere Operationsbasis in der Opposition zu verschaffen. Dieser Beschluss, der noch im Dezember 1976 zur\u00fcckgenommen worden war, hatte damals gro\u00dfes Aufsehen erregt. Das traditionell schwierige B\u00fcndnisverh\u00e4ltnis zwischen CDU und CSU war einer extremen Belastung ausgesetzt gewesen. Mein Arbeitszimmer an der Universit\u00e4t war in diesen turbulenten Wochen zu einer \u00f6ffentlichen Auskunftei geworden. Manche Beobachter hatten geglaubt, das Ende der Union sei gekommen. Journalisten gro\u00dfer Bl\u00e4tter wollten wissen, wie ich die Lage und Entwicklung einsch\u00e4tze. Sofort nach dem Kreuther Beschluss machte ich mich an eine politikwissenschaftliche Expertise zur Lage und weiteren Entwicklung der CSU, die in der n\u00e4chsten Nummer der Zeitschrift f\u00fcr Parlamentsfragen publiziert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Alle Welt schaute auf die CSU und auf ihren weltbekannten Vorsitzenden Franz Josef Strau\u00df. Das Ph\u00e4nomen Bayern war vielen ein R\u00e4tsel. Wie waren die Wahlerfolge zu erkl\u00e4ren? Wie kam es zur \u201eDualit\u00e4t von Partei und Staat\u201c? Welche Wirkfaktoren waren im Spiel, die der CSU diese Erfolge erm\u00f6glichten? Viele sahen in der CSU und in Bayern nur die Kultivierung einer Strau\u00df-Bauerndemokratie und verkannten, dass der CSU eine gesellschaftsgestaltende Kraft zugewachsen war, welche die alten innerbayerischen Sozialmilieus zu einer neuen staatsbayerischen Gesellschaft fermentierte. Angesichts des Ph\u00e4nomen Bayerns und der Riesenerfolge der bayerischen \u201eStaats- und Ordnungspartei\u201c bestand ein \u00fcberaus gro\u00dfes Informationsbed\u00fcrfnis, das meine B\u00fccher unter den gegebenen Marktverh\u00e4ltnissen f\u00fcr wissenschaftliche Literatur zu Rennern werden lie\u00df. Gleich nach ihrem Erscheinen machten sie mich weit \u00fcber die Grenzen der Bundesrepublik hinaus bekannt. Printmedien, Fernsehredaktionen und Verlage wurden auf mich aufmerksam. Renommierte Journalisten bedienten sich aus den B\u00fcchern des \u201eCSU-Chronisten\u201c (Herbert Riehl-Heyse, 1979, S 18, 191) und schlachteten sie mit ge\u00fcbtem Blick f\u00fcr das Sensationelle und f\u00fcr historisch interessante Episoden aus. Sie \u00fcbernahmen griffige Formeln wie \u201eBollwerk-Bayern-Politik\u201c (Herbert Riehl- Heyse, 1979, S. 23), \u201ebayerische Staats- und Ordnungspartei\u201c und andere mehr. Ich \u00e4rgerte mich, wenn ich als \u201eCSU-Chronist\u201c oder gar als \u201eHofschreiber der CSU\u201c (N\u00fcrnberger Nachrichten) bezeichnet wurde. Sp\u00e4ter musste ich mich damit abfinden, dass an mir das Etikett \u201eCSU-Mintzel\u201c haften blieb. Von der Redaktion einer angesehenen fachwissenschaftlichen Zeitschrift wurde einer meiner Artikel \u00fcber die CSU mit der Begr\u00fcndung zur\u00fcckgewiesen, er sei zu CSU-freundlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am 27. August 1977 traf ich in K\u00f6ln beim Westdeutschen Rundfunk in einer Live-Sendung den \u00e4lteren, renommierten Kollegen Professor Wilhelm Hennis.\u00a0Dieser lobte meine \u201eAnatomie einer konservativen Partei\u201c (1975) als &#8222;hervorragende Arbeit, die mich auf einen Schlag \u00fcber die Masse der Politologen herausgehoben habe.\u201c Nach den Strapazen einer fast zehnj\u00e4hrigen h\u00f6chst aufw\u00e4ndigen Forschung taten solche Urteile wohl. Neid und Missgunst, aber auch Kritik, die sich mit dem Erfolg einstellten, lie\u00dfen sich leichter ertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Spiegel-Bericht hatte fast 500 Bestellungen meiner \u201eGeschichte der CSU\u201c zur Folge. Meine \u201eAnatomie einer konservativen Partei\u201c erlebte trotz ihres abschreckend hohen Kaufpreises von 98 Deutschen Mark 1978 eine zweite Auflage. Die CSU-Landesleitung kaufte ein Kontingent Exemplare f\u00fcr CSU-Gesch\u00e4ftsstellen. \u00c4hnliches Gl\u00fcck hatte der Soziologe Ulrich Beck 1986 mit seinem sozialwissenschaftlichen Bestseller \u201eDie Risikogesellschaft\u201c. Kurz nach Erscheinen ereignete sich die Katastrophe im Atomreaktor von Tschernobyl. Und so blieb auch der Erfolg meiner CSU-Forschung eine Mischung aus\u00a0harter\u00a0Arbeit\u00a0und gl\u00fccklichem Zufall.<\/p>\n<p><strong>Dokumentarischer Anhang<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-627 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_003-700x820.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"820\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_003-700x820.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_003-256x300.jpg 256w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_003-768x899.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_003-800x937.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_003.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel: Franz Josef Strau\u00df und die CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, in: Friedrich Zimmermann (Hrsg.): Anspruch und Leistung, Widmungen f\u00fcr Franz Josef Strau\u00df, Stuttgart 1980; Innentitel mit Widmung von Franz Josef Strau\u00df<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-628 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_004-700x982.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"982\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_004-700x982.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_004-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_004-768x1078.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_004-800x1123.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_004.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-629 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_005-700x996.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"996\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_005-700x996.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_005-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_005-768x1093.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_005-800x1138.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/21_005.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Brief von Franz Josef Strau\u00df, 5. M\u00e4rz 1985<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein denkw\u00fcrdiges Ereignis Seit 1967 fuhr ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter des damals von Prof. Dr. Otto Stammer geleiteten Instituts f\u00fcr politische Wissenschaft (des sp\u00e4teren Zentralinstituts f\u00fcr sozialwissenschaftliche Forschung) an der Freien Universit\u00e4t quasi im Auftrag des institutsinternen \u201eArbeitskreises Parteienforschung\u201c kreuz und quer durch Bayern und besuchte fast alle Parteigesch\u00e4ftsstellen und Gro\u00dfveranstaltungen der CSU. 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