{"id":150,"date":"2016-09-13T16:45:26","date_gmt":"2016-09-13T14:45:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=150"},"modified":"2019-05-30T16:55:21","modified_gmt":"2019-05-30T14:55:21","slug":"29-die-maria-vom-siege-und-die-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2016\/09\/13\/29-die-maria-vom-siege-und-die-wissenschaft\/","title":{"rendered":"28. Frust auf dem &#8222;Micky Maus-Lehrstuhl&#8220;"},"content":{"rendered":"<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\"><strong>Soziologie in Passau oder die Kunst, ein Kleinst- und Solit\u00e4rfach zu vertreten<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">\u00bbHerr Mintzel, was wollen Sie auf dem Micky Maus-Lehrstuhl in Passau?\u00ab So hatte mich mein Mannheimer Kollege Prof. Dr. Max Kaase 1981 bei meinem Abschied aus Mannheim gefragt. Er war es als Wahlforscher gew\u00f6hnt, im Forschungsverbund einer sozialwissenschaftlichen Fakult\u00e4t zu arbeiten. Er war kein \u203aSolit\u00e4r\u2039 unter lauter fachfremden Kollegen. Was hatte er mir mit seiner Frage sagen wollen? F\u00fcr mich war damals doch klar gewesen: Es ging in erster Linie um mein \u00dcberleben als Wissenschaftler und um die Versorgung meiner Familie. Gewiss war der Wechsel nach Passau auch mit der Hoffnung verbunden gewesen, am dortigen Lehrstuhl f\u00fcr Soziologie mein Traumprojekt verwirklichen zu k\u00f6nnen: eine politische Gesellschafts- und Staatsgeschichte Bayerns nach 1945.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Nach dem Grundaufbau des Faches richtete ich 1985 das auf Dauer angelegte Forschungsprojekt \u203aBayern nach 1945: Gesellschaft\u2013Politik\u2013Staat\u2039 ein. Daneben rief ich die \u203aArbeitsgruppe Parteienforschung\u2039 ins Leben. Aus ihr gingen mehrere Magisterarbeiten und Dissertationen hervor. Doch holte mich die Realit\u00e4t ein. Der Aufbau des Faches in der neugegr\u00fcndeten Universit\u00e4t von Null an, die allgemeinen und spezifischen Anforderungen an ein \u203aSolit\u00e4rfach\u2039 in einer bunt gef\u00e4cherten Philosophischen Fakult\u00e4t und eine v\u00f6llig ver\u00e4nderte Lehrsituation durch die Einf\u00fchrung eines neuen Studienganges machten die Pl\u00e4ne zunichte, die ich f\u00fcr die Parteienforschung gehegt hatte. Ein Ausbau des Faches zu der von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie angestrebten Mindestausstattung f\u00fcr ein Hauptfach scheiterte an den abschl\u00e4gigen Entscheidungen des bayerischen Kultusministeriums und nicht zuletzt an Interessenlagen in der Philosophischen Fakult\u00e4t. Niemand schien das Fach Soziologie wachsen lassen zu wollen. Meine Vorst\u00f6\u00dfe blieben erfolglos, Frust stellte sich ein. Wer mit dem Innenleben von Universit\u00e4ten und Fakult\u00e4ten nicht vertraut ist, kann sich kaum vorstellen, wie es in den Ehrenhallen der Wissenschaft \u203amenschelt\u2039. Trotzdem \u2013 ich hatte Gl\u00fcck und selbst unter den eingeschr\u00e4nkten M\u00f6glichkeiten und trotz so mancher Konflikte mit Passauer Kollegen und B\u00fcrgern wurde ich dort heimisch. Dennoch war wom\u00f6glich auch dieser Frust mit im Spiel, als ich Ende des Jahres 1990 den sogenannten Passauer Madonnen-Streit vom Zaune brach.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-749 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_002-700x592.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"592\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_002-700x592.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_002-300x254.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_002-768x650.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_002-800x677.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_002.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Prof. Paul Lankes (Lehrstuhl f\u00fcr Kunstp\u00e4dagogik), Bleistiftskizze \u203aKollegen in einer Fachratssitzung\u2039, 1980er Jahre;<br \/>\n<\/em><em>von links: Prof. Dr. Sascha Felix (Lehrstuhl f\u00fcr Allgemeine Linguistik), Prof. Dr. Heinrich Oberreuter (Lehrstuhl f\u00fcr Politikwissenschaft), Prof. Dr. Johann Albrecht (Alf) Mintzel (Lehrstuhl f\u00fcr Soziologie)<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Der Atomphysiker J. Robert Oppenheimer lud in seinem Buch \u203aWissenschaft und allgemeines Denken\u2039 (1958, S. 80f) dazu ein, in das offene Haus der Wissenschaft hineinzugehen und die vielen R\u00e4ume zu besuchen. Er schilderte es als ein riesengro\u00dfes, un\u00fcberschaubares und weitl\u00e4ufiges Haus. Es sei weder in einem Quadrat oder Kreis noch in der Form einer Pyramide gebaut, sondern wunderbar aufs Geratewohl, so dass es den Eindruck unaufh\u00f6rlichen freien Wachstums erwecke. Eines, so sagte Oppenheimer, gelte f\u00fcr das ganze Haus: es g\u00e4be keine Schl\u00f6sser, keine verschlossenen T\u00fcren. Wo immer wir hineingingen, hie\u00dfen uns Zeichen und gew\u00f6hnlich auch Worte willkommen: es sei ein offenes Haus, offen f\u00fcr alle, die eintreten wollten. Ich bezweifele das aus mehreren Gr\u00fcnden. In Universit\u00e4ten werden T\u00fcren verschlossen, zwischen Disziplinen, in Disziplinen und auf Korridoren. Viele Zeichen f\u00fchren in den labyrinthischen Geb\u00e4uden der Wissenschaft in die Irre. Oppenheimers Idealbild vom Wissenschaftler, der um der Sache und der Erkenntnis willen in seine R\u00e4ume einl\u00e4dt, wurde durch die Wirklichkeit, sofern es je zugetroffen haben sollte, l\u00e4ngst \u00fcberholt. Der moderne Massenuniversit\u00e4tsbetrieb, die weitl\u00e4ufige Ausdifferenzierung der F\u00e4cher und des Wissenschaftsbetriebes und der ungeheure Anstieg des Wissens erschweren es ungemein, in andere R\u00e4ume hineinzugehen und sich zurechtzufinden. In den Bauh\u00fctten der Wissenschaften haben sich viele gesch\u00e4ftige Arbeiter in Geheimlogen zusammengeschlossen. Wissenschaftler organisieren sich in M\u00e4nnerb\u00fcnden mit dem\u00fctigenden Initiationsriten, wachen eifers\u00fcchtig \u00fcber ihre Pfr\u00fcnden, schrecken nicht vor Plagiaten zur\u00fcck, bilden Zitierkartelle, betreiben Gesinnungsschn\u00fcffelei, Schwindeleien und Rufmord. Die allzu menschlichen Eigenschaften von Wissenschaftlern erlebte ich in Berlin in der sogenannten APO-Zeit und an der Universit\u00e4t Passau im Gewande eines au\u00dferwissenschaftlichen Traditionalismus. Trotzdem wurde das gro\u00dfe, in vielen Generationen von abertausenden Wissenschaftlern errichtete Labyrinth meine Heimat. Denn \u00fcberall da, wo eine freie, autonome wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung erm\u00f6glicht und garantiert wird, war mein zu Hause. Lediglich in Hinblick auf die USA muss ich eine Einschr\u00e4nkung machen, denn nicht in allen dortigen Bundesstaaten ist es erlaubt, beispielsweise die biologische Evolutionstheorie zu lehren.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\"><strong>\u203aSprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien\u2039 \u2013 eine neue Herausforderung<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Gegen Ende der 1980er Jahre wurde mir vollends klar, dass ich mein lang gehegtes Traumprojekt unter den Passauer Arbeitsverh\u00e4ltnissen nicht w\u00fcrde verwirklichen k\u00f6nnen. Auf der Professoren-Ebene blieb die Soziologie ein Ein-Mann-Betrieb, und dies auch auf der Ebene wissenschaftlicher Mitarbeit. Erst 1989 wurde eine zweite Assistentenstelle genehmigt. Der Lehrstuhlinhaber und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter mussten das Fach in vielf\u00e4ltiger Weise vor allem als Zweitfach oder Nebenfach f\u00fcr andere Studieng\u00e4nge vertreten. Der Anteil der im Hauptfach Soziologie Studierenden blieb unter zehn Prozent. Die Verh\u00e4ltnisse \u00e4nderten sich im Wintersemester 1989\/90 schlagartig mit dem in der Philosophischen Fakult\u00e4t neu eingef\u00fchrten Studiengang \u203aSprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien\u2039 (kurz \u203aKUWI\u2039 \u2013 Kulturwirt). Die Initiatoren des Studienganges und ich hatten in der Startphase nur mit mehreren Dutzend Studierenden gerechnet. Wir waren v\u00f6llig \u00fcberrascht, als sich sogleich 1000 Studierende aus ganz Deutschland einschrieben. An der Philosophischen Fakult\u00e4t traten im Lehrbetrieb bis Anfang der 1990er Jahre durch den neuen Studiengang chaotische Zust\u00e4nde ein. Die Passauer Lokalpresse schlug Alarm: \u00bbDie \u203aKuwis\u2039 kosteten der Uni Passau den Ruf\u00ab. Von \u00bbJagdszenen vor den H\u00f6rs\u00e4len\u00ab war die Rede. Die Universit\u00e4t liefe Gefahr, wegen ihrer unzul\u00e4nglichen infrastrukturellen Voraussetzungen Ansehen zu verspielen, das sie sich in jahrelanger Kleinarbeit in manchen Fakult\u00e4ten erworben habe (Passauer Woche\/PAWO Nr. 47\/8, 22.11.1990). Die neuen \u203aKuwis\u2039 str\u00f6mten zu einem nicht geringen Teil in soziologische Lehrveranstaltungen. In Einf\u00fchrungsseminaren sa\u00dfen bis zu 400 Studierende, so dass der Seminarcharakter nicht gewahrt werden konnte. Nicht alle Kollegen waren von dem Konzept und Nutzen der Kulturraumstudien \u00fcberzeugt. Einige versagten anfangs sogar ihre Mitarbeit. Unter meiner Leitung nahm das Fach Soziologie die Herausforderung an und half mit, den neuen Studiengang zu etablieren und attraktiv zu machen. Gegen Ende meiner Amtszeit musste ich die angebotenen Seminare wegen des gro\u00dfen Zuspruchs doppelt durchf\u00fchren, weil die Studierenden bef\u00fcrchteten, mein Nachfolger werde das Lehrprogramm nicht fortsetzen oder andere Schwerpunkte setzen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Das auf den Studiengang zugeschnittene soziologische Lehrprogramm, der Vergleich europ\u00e4ischer Gesellschaften, genoss von Anfang an gro\u00dfen Zuspruch. Die Fragestellungen unter anderem nach dem Verlauf des demografischen Wandels, nach Formen der Elitenrekrutierung und der Elitenprofile im europ\u00e4ischen Raum oder nach Migrationseffekten weckten das Interesse vieler Studierenden. Die Ausformulierung des Lehrprogramms nahm einen Gro\u00dfteil meiner Arbeitskraft und Ressourcen in Anspruch. Mein Lehrwerk \u00fcber \u203aMultikulturelle Gesellschaften in Europa und Nordamerika\u2039, das ich f\u00fcr die \u203aKuwis\u2039 entwickelte und bis zum Ende meiner Amtszeit zusammen mit meinen Wissenschaftlichen Mitarbeitern (Dr. Stefan Immerfall, Dr. Peter Schimany, Dr. Barbara Wasner) als Kernst\u00fcck der soziologischen Kulturraumstudien anbot, erschien 1997 als Buch. Es fand eine breite Resonanz und wurde gut angenommen. Ein weiterer Schwerpunkt war die Makroanalyse multiethnischer und multikultureller Megast\u00e4dte, Megalopolen und Metropolen in Europa und Nordamerika. Auch hierzu publizierte ich ein Begleitheft mit Lehrmaterialien.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-753 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_006_P1030150-700x1060.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1060\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_006_P1030150-700x1060.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_006_P1030150-198x300.jpg 198w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_006_P1030150-768x1163.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_006_P1030150-800x1212.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_006_P1030150.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Umschlagtitel: Multikulturelle Gesellschaften in Europ und Nordamerika, 1997<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-748 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_001-700x986.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"986\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_001-700x986.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_001-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_001-768x1082.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_001-800x1127.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_001.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Umschlagtitel: Multiethnische und multikulturelle Megast\u00e4dte, Megalopolen und Metropolen in Nordamerika und Europa, 1999<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Es handelte sich im Wesentlichen um die Einf\u00fchrung in Problemstellungen der einschl\u00e4gigen sozialwissenschaftlichen und historiografischen Literatur sowie um die Vermittlung von internationalen Forschungsergebnissen. Diese Lehrprogramme f\u00fchrten weit weg von der Parteienforschung, wie ich sie bisher betrieben hatte, und erst recht von meinem Bayern-Projekt. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten sich nur noch sporadisch der Erforschung der bayerischen Parteienlandschaft widmen. Es blieb bei kleineren, teilweise mit geringen Drittmitteln finanzierten empirischen Gelegenheitsarbeiten. Manche waren eine Art Fortschreibung meiner Forschungsergebnisse aus aktuellen Anl\u00e4ssen. Ich konnte mich jedenfalls nicht mehr f\u00fcr eine empirisch und theoretisch anspruchsvolle Parteienforschung freistellen, geschweige denn ein gro\u00dfformatiges Projekt finanzieren. Schon 1975 hatte ich bedauert, dass in der Parteienforschung die vereinzelte Kleinproduktion vorherrsche, die kaum aufeinander abgestimmte, sozusagen komplement\u00e4re Arbeiten entstehen lie\u00df.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Die Interessen verlagerten sich auf andere Forschungsfelder, vor allem auf Probleme des europ\u00e4ischen Gesellschaftsvergleichs und auf Varianten des europ\u00e4ischen Wohlfahrtstaates. Barbara Wasner, die zusammen mit mir mit Beitr\u00e4gen zum Parlamentarismus in Bayern und mit einer Studie \u00fcber den Politischen Aschermittwoch in Passau hervorgetreten war, wandte sich dann ebenfalls Fragen nach den sozialen Entwicklungslinien in Westeuropa zu. Freistellungen f\u00fcr Forschungsaufenthalte in den USA, die trotz der zu geringen personellen Ausstattung des Lehrstuhls schwerlich abgeschlagen werden konnten, und Personalwechsel im Mitarbeiterstab brachten Engp\u00e4sse und Unterbrechungen im Lehrangebot mit sich. Die Einf\u00fchrung in die empirischen Methoden wurde von einem Lehrbeauftragten bew\u00e4ltigt. Ich trug als Lehrstuhlinhaber die Gesamtverantwortung.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Hinzu kam, dass ich vom bayerischen Staatsministerium f\u00fcr Unterricht und Kultus zum Pr\u00fcfer f\u00fcr ganz Bayern bestellt worden war. Am Semesterende wurden mir die Klausuren, die an den bayerischen Universit\u00e4ten im ersten Staatsexamen in sozialwissenschaftlichen und p\u00e4dagogischen F\u00e4chern geschrieben worden waren, zur Korrektur und Beurteilung zugesandt. Achtzig bis hundert Klausuren waren das regelm\u00e4\u00dfige Pensum. Ich h\u00e4tte mich den Lehranforderungen, die insbesondere durch den Kulturwirt-Studiengang auferlegt wurden, rigoros verweigern und auch soziologische Lehranteile vernachl\u00e4ssigen m\u00fcssen, um mein Bayern-Projekt weiterhin verfolgen zu k\u00f6nnen. Die Politikwissenschaft war mit zwei Lehrst\u00fchlen und vier wissenschaftlichen Mitarbeitern und einem Lehrbeauftragten ausgestattet, die Geschichtswissenschaft mit mehreren Professuren. In diesen F\u00e4chern konnte die gro\u00dfe Last der zus\u00e4tzlichen Anforderungen auf mehrere Schultern verteilt werden. Die unzureichende Ausstattung und beschr\u00e4nkten Forschungsm\u00f6glichkeiten des Passauer Lehrstuhls f\u00fcr Soziologie machten mir schwer zu schaffen und brachten Konflikte mit sich. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter litten unter diesen Verh\u00e4ltnissen und hatten M\u00fche, mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten voran und zuende zu kommen. Ich fragte mich wiederholt, ob ich die richtigen Entscheidungen getroffen hatte.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Max Kaases belustigte Frage, was ich auf dem Passauer Lehrstuhl wolle, beruhte auf einer realistischen Einsch\u00e4tzung. Doch war die berufene Micky Maus, hier in Gestalt eines Ordinarius, wie wir von Walt Disney wissen, ein munterer, quirliger Geselle, der es liebte, Neues auszuprobieren. Er war zu allerhand \u203aWohltaten\u2039 und auch \u203aSchandtaten\u2039 aufgelegt. Wehe dem Professor Donald Duck, der ihm in die Quere kam!<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\"><strong>Ende einer Illusion<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Um zur komplexen Realit\u00e4t der gesellschaftlichen, politischen und staatlichen Entwicklung Bayerns seit 1945 empirisch-analytisch vorzudringen und die verschiedenen Aspekte seiner politischen Kultur untersuchen zu k\u00f6nnen, bed\u00fcrfte es eines angemessenen und ausgereiften interdisziplin\u00e4ren Forschungsdesigns. Die Erarbeitung einer Gesellschafts- und Staatsgeschichte Bayerns war ein langfristiges Superforschungsprogramm von NASA-Format, das von keinem Lehrstuhlbetrieb allein h\u00e4tte durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, schon gar nicht von einem Kleinstfach mit ganz anders gewichteten Anforderungen. Ein solches Gro\u00dfprojekt anzupacken und in seinen verschiedenen Teilen zu verwirklichen, konnte nur Sache und Aufgabe von gro\u00dfen interdisziplin\u00e4ren Forschungsinstituten sein, die \u00fcber das hierf\u00fcr notwendige Personal und den Hilfsapparat verf\u00fcgten. Professoren f\u00fcr bayerische Landesgeschichte w\u00e4ren als Einzelg\u00e4nger mit derartigen Aufgaben ebenfalls \u00fcberfordert gewesen. Meine gro\u00dfen Studien \u00fcber die CSU und Bayern hatten in den 1970er Jahren in diesem Format und mit diesem materiellen und finanziellen Aufwand nur unter den privilegierten Arbeitsbedingungen eines gro\u00dfen Forschungsinstituts verwirklicht werden k\u00f6nnen. Sie w\u00e4ren als private Forschungsleistung nicht zu leisten gewesen. Allein schon die Druckkosten f\u00fcr meine erste gro\u00dfe Studie, f\u00fcr die \u203aAnatomie einer konservativen Partei\u2039, hatten sich 1975 auf 60 000 Deutsche Mark belaufen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">An der Universit\u00e4t Passau standen dem Lehrstuhl f\u00fcr Soziologie f\u00fcr alle Sachkosten (B\u00fcromaterialien, Telefon, Kopien, Lehrmaterialien usw.) ein j\u00e4hrliches Sachbudget von insgesamt nur 6000 Deutschen Mark zur Verf\u00fcgung. Der Lehrstuhl f\u00fcr Soziologie organisierte im Auftrag der Fakult\u00e4t zusammen mit der Management Akademie M\u00fcnchen (MAM) Seminare in Kommunikationsverhalten, Rhetorik und Moderationstechniken, die in jedem Semester von geschulten Trainern durchgef\u00fchrt wurden. Ich wurde Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der MAM. Deren Koordinator hielt meinen Lehrstuhl f\u00fcr eine gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Organisationszentrale, setzte sich an meinen Schreibtisch und f\u00fchrte lange Ferngespr\u00e4che, um Trainer f\u00fcr die Seminare zu gewinnen und zu verpflichten. Als ich ihm sagte, der Lehrstuhl m\u00fcsse im Jahr mit 6000 Deutschen Mark auskommen, kam der Herr aus dem Staunen nicht mehr heraus. Er hatte wohl mindestens eine f\u00fcnfstellige Zahl im Kopf. Er lie\u00df dann davon ab, von meinem Schreibtisch aus das Ausbildungsprogramm zum Laufen zu bringen. Diese Arbeiten mussten meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unentgeltlich \u00fcbernehmen. Ich selbst absolvierte ebenfalls alle Seminare, um \u00fcber die neuen Ausbildungsm\u00f6glichkeiten genau im Bilde zu sein. Zus\u00e4tzlich boten wir noch ein Seminar \u00fcber F\u00fchrungsstile an. Alle Mitglieder des Lehrstuhls waren voll ausgelastet. Die in Kooperation mit der Managementakademie durchgef\u00fchrten Seminare f\u00fchrten von den klassischen Kerngebieten des Faches Soziologie weit weg. Ich hegte Skrupel gegen\u00fcber der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie, die darauf achten musste, dass das Fach nicht professionell ausfranste.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">So f\u00fchrten der epochale Umbruch in Europa und die neuen Entwicklungen im Wissenschaftsbetrieb der Universit\u00e4t Passau zu einem tiefgreifenden Wendepunkt in meinem beruflichen Leben. Unter \u00e4u\u00dferst schwierigen Arbeitsbedingungen konnte ich auf Gebieten der Parteienforschung gerade noch drei gr\u00f6\u00dfere Publikationsprojekte zum Abschluss bringen: 1990 das zusammen mit Heinrich Oberreuter in der Schriftenreihe der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung herausgegebene Sammelwerk \u203aParteien in der Bundesrepublik Deutschland\u2039, 1993 die im Auftrag des Instituts f\u00fcr Zeitgeschichte M\u00fcnchen zusammen mit Barbara Fait und Thomas Schlemmer herausgegebenen \u203aProtokolle und Materialien zur Fr\u00fchgeschichte der Christlich-Sozialen Union\u2039 (Die CSU 1945\u20131948) und 1998, gegen Ende meiner Amtszeit, eine Zusammenfassung meiner Bayern-Forschung, \u203aDie CSU-Hegemonie in Bayern\u2039.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-750 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_003_P1030154-700x1084.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1084\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_003_P1030154-700x1084.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_003_P1030154-194x300.jpg 194w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_003_P1030154-768x1189.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_003_P1030154-800x1239.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_003_P1030154.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Umschlagtitel: Die CSU-Hegemonie in Bayern, 1998<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Das Sammelwerk \u00fcber die \u203aParteien in der Bundesrepublik Deutschland\u2039 musste von den Herausgebern und Autoren schon kurz nach seinem Erscheinen in gro\u00dfen Teilen \u00fcberarbeitet und erg\u00e4nzt werden, weil sich das Parteiensystem nach dem Untergang der DDR und seit der Wiedervereinigung gewandelt hatte. Die m\u00fchevolle \u00dcberarbeitung zog sich \u00fcber Monate hin. In einer Schlussbetrachtung zeigte ich zusammen mit Oberreuter Zukunftsperspektiven des deutschen Parteiensystems auf, wobei ich meine theoretischen \u00dcberlegungen zur Wirklichkeit und Entwicklung der Gro\u00dfparteien einbrachte. Die Hanns-Seidel-Stiftung lud mich zu einer Expertise \u00fcber die Lage der CSU im wiedervereinigten Deutschland ein. Die Edition der \u203aProtokolle und Materialien zur Fr\u00fchgeschichte der CSU\u2039 stand an. Eine extreme Arbeitsbelastung machte mir das Leben schwer. Ich f\u00fchlte mich zwischen Lehranforderungen und Publikationsverpflichtungen hin und her gerissen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\"><strong>Die Edition der Protokolle und Materialien zur Fr\u00fchgeschichte der CSU, 1993<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Das Institut f\u00fcr Zeitgeschichte in M\u00fcnchen war die richtige Forschungsst\u00e4tte. \u00dcber Jahre schon hatte ich mit seinem Leiter, mit Prof. Dr. Martin Broszat, in Kontakt gestanden. Er war es, der meine Forschungsarbeiten \u00fcber Bayern mit Interesse verfolgt und mich h\u00e4ufig nach M\u00fcnchen zu Vortr\u00e4gen eingeladen hatte. Kurz bevor er 1989 starb, hatte ich mit ihm und Dr. Hans Woller vereinbart, meine gesamte Quellensammlung zur CSU-Geschichte dem Institut f\u00fcr Zeitgeschichte zu \u00fcberlassen. Ich hatte mir allerdings ausbedungen, an der geplanten Herausgeberschaft beteiligt zu werden. Vertreter der Hanns-Seidel-Stiftung hatten mehrmals versucht, mich zu einer \u00dcbergabe meines Materials an die CSU-nahe Stiftung zu bewegen. Doch war mir eine hochrenommierte, parteiunabh\u00e4ngige Forschungseinrichtung lieber. Martin Boszat hatte mich in schwierigen Berliner Berufsjahren als Wissenschaftler unterst\u00fctzt und gef\u00f6rdert. Dr. Hans Woller, ein renommierter Historiker und Mitarbeiter des Instituts, griff den Editionsplan auf, so dass ich als Mitherausgeber in eine schier unentrinnbare Arbeitsfalle geriet. Ich konnte mich zu meinem gro\u00dfen Kummer nicht an der Abfassung der Einleitung beteiligen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-769 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_nna_P1030216-700x656.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"656\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_nna_P1030216-700x656.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_nna_P1030216-300x281.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_nna_P1030216-768x720.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_nna_P1030216-800x750.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_nna_P1030216.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Umschlagtitel: Die CSU 1945\u20131948, Protokolle und Materialien zur Fr\u00fchgeschichte der Christlich-Sozialen Union, B\u00e4nde 1 und 2<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Die Ver\u00f6ffentlichung der Protokolle und Materialien zur Fr\u00fchgeschichte der CSU hatte allerdings f\u00fcr meine bisherigen Publikationen, zumindest was die ersten drei Nachkriegsjahre anbelangt, gravierende Folgen. Galten bis dahin meine Studien und zahlreichen Zitate aus den bisher unver\u00f6ffentlichten Prim\u00e4rquellen als DER Quellenfundus schlechthin, so konnten Forscher nun direkt auf diese dreib\u00e4ndige Quellenedition zur\u00fcckgreifen. Eine Nachfrage bei mir war nicht mehr notwendig. Meine \u00bbErsatz\u00fcberlieferung\u00ab (Thomas Schlemmer) hatte in Teilen ausgedient. Meine Forschung wurde als Pionierleistung der 1960er, 1970er und auch noch 1980er Jahre hochgesch\u00e4tzt, aber zusehends von neueren Forschungen \u00fcber die CSU und Bayern abgel\u00f6st. Mein Nimbus als CSU-Experte begann zu verblassen. Es war zu erwarten, dass j\u00fcngere Forscher auf meiner bisherigen Dom\u00e4ne arbeiten und eine nachwachsende Generation meine zeitlich begrenzten Pionierarbeiten durch ihre neuen Forschungen \u00fcberholen w\u00fcrden. Max Weber beschrieb in seinem Vortrag \u203aVom inneren Beruf zur Wissenschaft\u2039 diesen \u00dcberholvorgang auf eindringliche Weise: \u00bbJeder von uns (\u2026) in der Wissenschaft wei\u00df, dass das, was er gearbeitet hat, in 10, 20, 50 Jahren veraltet ist. Das ist das Schicksal, ja: das ist der Sinn der Arbeit der Wissenschaft, dem sie, in ganz spezifischem Sinne gegen\u00fcber allen anderen Kulturelementen, f\u00fcr die es sonst noch gilt, unterworfen und hingegeben ist: jede wissenschaftliche \u203aErf\u00fcllung\u2039 bedeutet neue \u203aFragen\u2039 und will \u203a\u00fcberboten\u2039 werden und veralten. Damit hat sich jeder abzufinden, der der Wissenschaft dienen will.\u00ab<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Mit Beginn der 1990er Jahre sp\u00fcrte ich zunehmend die Bitternis, auf meinem ureigenen Forschungsfeld, meiner Dom\u00e4ne, nicht mehr an der Spitze der Forschung stehen zu k\u00f6nnen. Der innere Abschied von dem, was ich bis Ende der 1980er Jahre als mein Traumprojekt angesehen hatte, fiel mir schwer. Ich suchte auf k\u00fcnstlerischem Gebiet einen Ausgleich und wandte mich der Objekt-Kunst zu.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-752 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_005-700x494.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"494\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_005-700x494.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_005-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_005-768x542.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_005-800x565.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_005.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, m\u00e4nnliche und weibliche Idole, Schmiede- und Gusseisenfundst\u00fccke, 1994<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-751 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_004-700x483.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_004-700x483.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_004-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_004-768x530.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_004-800x553.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_004.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, W\u00e4chterfiguren (meine Schutzgeister), Fundst\u00fccke aus Schmiede- und Gusseisen, 1996\/97<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Die \u00f6ffentliche Vorstellung der dreib\u00e4ndigen Edition hatte 1993 \u00fcbrigens einen unangenehmen Beigeschmack. Der Leiter des Instituts f\u00fcr Zeitgeschichte, Prof. Dr. Horst M\u00f6ller, machte bei seiner Selbstinszenierung als Institutsleiter die Herausgeber, w\u00f6rtlich gemeint, zu wissenschaftlichen Hinterb\u00e4nklern. Er lie\u00df, so meine ich mich erinnern zu k\u00f6nnen, bei seiner instituts\u00f6ffentlichen Pr\u00e4sentation im Dunkeln, wie diese gro\u00dfe Dokumentation zustande gekommen war. Frau Dr. Barbara Fait, Dr. Thomas Schlemmer und ich waren im Raum nicht einmal Staffage f\u00fcr sein Ego. Wir existierten quasi nicht. Das w\u00e4re dem fr\u00fcheren Institutsleiter Martin Broszat nicht passiert. Diese Vorstellung der Edition veranlasste mich, \u00fcber das \u00bbgeheimnisvolle CSU-Spezialarchiv Mintzel\u00ab (Thomas Schlemmer), das mit etwa 1200 Seiten zu Buche geschlagen hatte, mehr preiszugeben, als ich das bisher aus wohlerwogenen Gr\u00fcnden getan hatte. In einem vervielf\u00e4ltigten Skript verteilte ich an einen kleinen Forscherkreis und einige Journalisten die \u203aGeschichten hinter der Geschichte\u2039 und l\u00fcftete darin das Geheimnis, wie es zur \u203aSammlung Mintzel\u2039 gekommen war. Die Frankfurter Rundschau berichtete \u00fcber diese \u00bbSternstunde der Parteienforschung\u00ab.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">So gro\u00df die Arbeitsbelastung im Passauer Solit\u00e4rfach Soziologie auch war, die der neue Kulturwirt-Studiengang und meine Publikationsverpflichtungen mit sich brachten, so gern engagierte ich mich f\u00fcr die anspruchsvollen Lehrprogramme. Sie lenkten den Blick weit hinaus und hin zu globalen gesellschaftlichen Wirkkr\u00e4ften. \u00bbEuropa \u2013 was ist das?\u00ab Diese Fragestellung unter kultursoziologischen und makro-soziologischen Gesichtspunkten zu verfolgen und mit den Studierenden zu diskutieren, machte mir, der sich dem Projekt Europa verpflichtet f\u00fchlte, gro\u00dfe Freude. Wie sieht die mentale und kognitive Landkarte (\u203amental map\u2039) in den K\u00f6pfen von Europ\u00e4ern aus? Welche Identit\u00e4ten haben Europ\u00e4er? Was ist das allgemein Europ\u00e4ische in Europa? Welche Institutionen und Organisationen konstituieren Europa? Gibt es eine unbestreitbare kulturelle Identit\u00e4t Europas? Welche gemein-europ\u00e4ischen Elemente charakterisieren tats\u00e4chlich oder fiktiv die kulturelle Herkunftseinheit Europa? Wird der historische multikulturelle Unterbau Europas von einem gemeineurop\u00e4ischen kulturellen \u00dcberbau \u00fcberw\u00f6lbt? Mit den Studierenden unter solchen und anderen Fragestellungen kultursoziologische Streifz\u00fcge durch Europa zu unternehmen, kontroverse Positionen zu er\u00f6rtern und dazu vom Studiengang vorgeschriebene Exkursionen zu leiten, entsch\u00e4digte meinen Verlust, in der sozialwissenschaftlichen Parteienforschung nicht mehr an der vordersten Front mitwirken zu k\u00f6nnen. \u203aMeriten\u2039 gewann ich nicht mehr in meiner alten Dom\u00e4ne, sondern vor allem in der Lehre, und da insbesondere im Studiengang \u203aSprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien\u2039. Die im deutschen Universit\u00e4tsbetrieb noch in den 1990er Jahren notorische Untersch\u00e4tzung der Lehre brachte es mit sich, dass diese Leistungen nicht gleicherma\u00dfen bewertet wurden. Fachwissenschaftliches Renommee war fast ausschlie\u00dflich durch Forschung zu gewinnen. Mit meinen Lehrheften und meiner Publikation \u00fcber \u203aMultikulturelle Gesellschaften in Europa und Nordamerika\u2039 wollte ich mich zumindest mit einem anspruchsvollen Lehrwerk als Fachvertreter ausweisen. Niemand sollte sagen d\u00fcrfen, dass auf dem Passauer \u203aMicky Maus-Lehrstuhl\u2039 keine solide Arbeit geleistet wurde.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Sich in einer wissenschaftlichen Bereichs- und Kompetenz-Rangordnung selbst zu platzieren, w\u00e4re ein heikles Unterfangen. Der Mensch ist gro\u00df darin, sich selbst mit Bedeutung aufzupumpen. Es gibt jedoch einige objektive Kriterien, die es unabh\u00e4ngig von Eitelkeiten und egomanischen All\u00fcren erm\u00f6glichen, die Reputation eines Wissenschaftlers zu ermessen. Ein institutionelles Kriterium bietet zum Beispiel der Weltkatalog (WorldCat Identities). Des Weiteren kommen \u00dcbersetzungen in andere Sprachen, Zitationen und aktive nationale und internationale Konferenzteilnahmen in Betracht. Meine Beitr\u00e4ge zur Geschichte und Politik der CSU sowie zur allgemeinen Parteienforschung wurden in vier Sprachen \u00fcbersetzt, ins Englische, Russische, Spanische und Italienische; meine Publikationen \u00fcber die CSU in Japan besprochen (siehe Anhang). Es mag vermessen sein zu glauben, man k\u00f6nne seine wissenschaftliche Reputation auf diese Weise objektivieren. Die Auswahl erbringt nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein paar Indizien. Ich k\u00f6nnte, wenn das f\u00fcr einen leidenschaftlichen Wissenschaftler \u00fcberhaupt eine emotionale Kategorie w\u00e4re, zufrieden sein.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Anhang: Rezeption in Fernost<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Takeshi Nakai \u203aUrspr\u00fcnge des deutschen Konservativismus\u2039 aus: Die Welt, November 1989, S. 264, \u00dcbersetzung:<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">\u00bbWorauf zielen der \u203aStrau\u00dfismus\u2039 und die CSU ab, in denen sich der traditionelle bayerische Konservativismus und der Katholizismus zu einer Neuen Rechten vereinigen? Der Politologe und CSU-Forscher Alf Mintzel hat in seinem Buch \u203aDie Geschichte der CSU\u2039 (1977) eine detaillierte Analyse vorgelegt, aus der sich zwei Hauptmerkmale der CSU ergeben. Eines betrifft die Rolle der CSU als Partei des unabh\u00e4ngigen Freistaates Bayern, das andere die Koalition mit der CDU auf Bundesebene.<br \/>\nHier zeigen sich zwei Aspekte des westeurop\u00e4ischen F\u00f6deralismus:<br \/>\n1. der bayerische Regional-Nationalismus,<br \/>\n2. der katholisch gef\u00e4rbte Deutsch-Nationalismus.<br \/>\nLetzeren repr\u00e4sentiert Strau\u00df; seine Kerntruppe ist die CSU-Fraktion im Bundestag, die \u00fcberwiegend mit \u203amilitanten\u2039 Strau\u00df-Anh\u00e4ngern besetzt ist.<br \/>\nDennoch gibt es unabl\u00e4ssig starke Kr\u00e4fte, die darauf abzielen, den \u203aStrau\u00dfismus\u2039, der sowohl die Ausdehnung des bayerischen als auch des deutschen Einflusses betreibt, auf den rein bayerischen Raum zur\u00fcckzuholen. Obwohl Strau\u00df gleichzeitig Bundespolitiker als auch bayerischer Ministerpr\u00e4sident ist, ist es f\u00fcr ihn schwierig, die Bayern und seine Parteimitglieder, die durch eine starke Heimatverbundenheit und ein Anti-Preu\u00dfentum gepr\u00e4gt sind, auf rein regional-bayerischem Boden zur\u00fcckzuhalten. Strau\u00df, der in dieser Hinsicht oftmals kritisiert wird, steht vor dem Dilemma, die Region Franken, die sich vom engstirnigen bayerischen Patriotismus gel\u00f6st hat, mit einzubeziehen, was jedoch starke Skeptik bei den Altbayern ausl\u00f6st. Der altbayerische Nationalismus ist nicht expansiv, sondern von seinem Wesen her defensiv. Die Altbayern sind sich ihrer Kultur und Politik bewu\u00dft, denken jedoch nicht daran, die Kultur und Politik Norddeutschlands offen zu befehden. Es ist f\u00fcr sie vielmehr eine Art kategorischer Imperativ, Bayern vor dem kulturellen und politischen Einflu\u00df des Nordens zu sch\u00fctzen. Da Strau\u00df ein Kind Bayerns ist, pr\u00e4gt sein Deutsch-Nationalismus und europ\u00e4ischer Internationalismus den bayerischen Nationalismus, was f\u00fcr die westdeutsche Linke ein ausgesprochen gl\u00fccklicher Umstand war. Der eiserne Mann, eine Art \u203awestdeutscher Thatcher\u2039, ruft bei den Norddeutschen am ehesten eine Form respektvoller Distanz hervor.\u00ab<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-754 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_007-700x1005.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1005\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_007-700x1005.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_007-209x300.jpg 209w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_007-768x1103.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_007-800x1149.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_007.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-755 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_008-e1559227832758-700x498.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"498\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_008-e1559227832758-700x498.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_008-e1559227832758-300x213.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_008-e1559227832758-768x546.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_008-e1559227832758-800x569.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-756 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_009-e1559227870302-700x491.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"491\" \/><em>Die Welt, Nr. 420, November 1980<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-757 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_012-700x1038.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1038\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_012-700x1038.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_012-202x300.jpg 202w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_012-768x1139.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_012-800x1186.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_012.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-758 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_013-e1559228031686-700x999.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"999\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_013-e1559228031686-700x999.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_013-e1559228031686-210x300.jpg 210w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_013-e1559228031686-768x1096.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_013-e1559228031686-800x1142.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/28_013-e1559228031686.jpg 1121w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soziologie in Passau oder die Kunst, ein Kleinst- und Solit\u00e4rfach zu vertreten \u00bbHerr Mintzel, was wollen Sie auf dem Micky Maus-Lehrstuhl in Passau?\u00ab So hatte mich mein Mannheimer Kollege Prof. Dr. Max Kaase 1981 bei meinem Abschied aus Mannheim gefragt. 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