{"id":159,"date":"2016-09-13T16:58:04","date_gmt":"2016-09-13T14:58:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=159"},"modified":"2019-03-06T01:59:18","modified_gmt":"2019-03-06T00:59:18","slug":"30-die-phalanx-der-katholischen-streitkraefte-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2016\/09\/13\/30-die-phalanx-der-katholischen-streitkraefte-2\/","title":{"rendered":"30. Die Phalanx der katholischen \u201eStreitkr\u00e4fte\u201c"},"content":{"rendered":"<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Es war zu erwarten, dass die Expedition in das Innenleben der Universit\u00e4t zu einem aufregenden und strapazi\u00f6sen Abenteuer der Wissenschaft werden w\u00fcrde. Der Antrag auf Abschaffung des Marienlogos hatte eine Doppelfunktion: Zum einen ging es um eine in der Sache vorbereitete und aus wissenschaftlicher \u00dcberzeugung vorgetragene Forderung. Zum anderen stellte der Antrag eine soziologische Intervention im Sinne einer experimentellen Aktion dar, um aus den Reaktionen zu erschlie\u00dfen, welche religi\u00f6s-konfessionellen und s\u00e4kulare Sinnwelten universit\u00e4tsintern und -extern zum Vorschein kommen w\u00fcrden. Zu Anfang war nicht auszuschlie\u00dfen, dass das fragliche Emblem tats\u00e4chlich jeglichen religi\u00f6s-konfessionellen Gehalt verloren hatte, also reines Dekor war, wie die Universit\u00e4tsleitung behauptete, und der Antrag auf v\u00f6lliges Desinteresse sto\u00dfen w\u00fcrde. Der Antrag h\u00e4tte als eine absurde und realit\u00e4tsferne Forderung mit amtlicher Nichtbefassung beschieden werden k\u00f6nnen. Er h\u00e4tte an einer allgemeinen s\u00e4kularen Indifferenz scheitern und bestenfalls zu einem Lehrst\u00fcck f\u00fcr die weitgehende Verfl\u00fcchtigung religi\u00f6s-konfessioneller Inhalte werden k\u00f6nnen. Der Autor w\u00e4re dann mit den seiner Aktion zugrundeliegenden Hypothesen gescheitert. Die beschwerliche Expedition h\u00e4tte sich nicht gelohnt.<br \/>\nEs kam aber anders: Innerhalb und au\u00dferhalb der Universit\u00e4t traten vor allem katholische \u201eStreitkr\u00e4fte\u201c zur Gegenwehr und Abwehr auf den Plan. Die \u00f6ffentlichen und nicht\u00f6ffentlichen Reaktionen waren \u00e4u\u00dferst heftig. Sozialwissenschaft kann immer dann, wenn sie vermeintlich Selbstverst\u00e4ndliches infrage stellt, zu einem gef\u00e4hrlichen Abenteuer werden. Ich will darauf noch ein paar Scheinwerfer richten.<br \/>\nZu den sch\u00e4rfsten Widersachern und Verteidigern des Marienlogos geh\u00f6rten, wie sich im Laufe der Auseinandersetzungen herausstellte, Professoren, die in katholischen Institutionen, Organisationen und Vereinen Mitglied waren und F\u00fchrungsfunktionen inne hatten, so zum Beispiel der damalige Vorsitzende des Katholischen Hochschulkreises, \u201eAlte Herren\u201c der katholischen Burschenschaft \u201eDanubia\u201c, Ehrenprofessoren kirchlicher Hochschulen, Repr\u00e4sentanten der G\u00f6rres-Gesellschaft und Mitglieder der Kommission f\u00fcr Zeitgeschichte der Katholischen Akademie in Bayern. Sie und Honoratioren aus der Stadt und aus dem Landkreis Passau bildeten, um es milit\u00e4risch auszudr\u00fccken, geradezu eine Phalanx katholischer Streitkr\u00e4fte. In ihren geschlossenen Zirkeln wurde kr\u00e4ftig \u00fcber mich hergezogen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Eine Verteidigungsstrategie der Kritiker war, das Emblem nicht inhaltlich unter historischen ikonografischen und vor allem ikonologischen Gesichtspunkten zu diskutieren, sondern mit Kritik an Formalien von dem eigentlichen Streit und seiner Kernforderung abzulenken. Bekennende Katholiken aus der Philosophischen Fakult\u00e4t warfen mir vor, ich wisse nicht, was ein Siegel oder Wappen oder Emblem bedeute. Ich k\u00e4mpfe mit falschen Begriffen und habe mich somit als Wissenschaftler selbst unglaubw\u00fcrdig gemacht. Ich trete mit wissenschaftlichem Anspruch auf, h\u00e4tte mich aber weder von Seiten der Geschichtswissenschaft noch der Emblematik dar\u00fcber kundig gemacht, was ein Siegel bedeute (so laut Prof. Dr. Egon Boshof in: DIE ZEIT Nr. 52, 21.12.1990, S.18). Kollege Prof. Dr. jur.\u00a0 Bernhard Haffke hatte jedoch auch in meinem Namen vom Universit\u00e4tspr\u00e4sidenten um Auskunft gebeten, welchen Rechtscharakter die Universit\u00e4tsikone, was immer sie auch sei, tr\u00fcge. Prof. Dr. jur. Otfried Seewald, ebenfalls Mitglied der Juristischen Fakult\u00e4t, stie\u00df in seinem Schreiben vom 28.01.1991 an den Pr\u00e4sidenten nach: \u201eIch w\u00e4re Ihnen dankbar, wenn Sie mich \u2013 und zweckm\u00e4\u00dfigerweise wohl auch die \u00fcbrigen Mitglieder des Senats \u2013 zur Vorbereitung (\u2026) dar\u00fcber informieren lassen k\u00f6nnten, welche Rechtsnatur das z. Z. in der Kritik befindliche &gt;Siegel-Emblem&lt; Ihrer Ansicht nach hat\u201c.<br \/>\nBezeichnenderweise blieben die Anfragen unklar beantwortet. Die Universit\u00e4tsleitung musste sich offenbar selbst erst kundig machen. Der Sphragistiker der Philosophischen Fakult\u00e4t unterrichtete den Pr\u00e4sidenten \u00fcber den siegelkundlichen Charakter und warnte vor den rechtlichen Folgen einer \u00c4nderung. Der Inhaber der Professur f\u00fcr Historische Hilfswissenschaften kam zu dem tiefsinnigen Schluss: \u201eDas Passauer Siegelbild h\u00e4tte also auch dann nicht die geisteswissenschaftliche Bedeutung der &gt;Maria vom Siege&lt;, wenn man dies bei der Einf\u00fchrung des Siegelbildes aus sphragistischer Unkenntnis beabsichtigt h\u00e4tte.\u201c Die Universit\u00e4tsleitung hatte tats\u00e4chlich, wie wohl die meisten Mitglieder der Universit\u00e4t, Unterricht in Sphragistik n\u00f6tig \u2013 auch ich. Boshof h\u00e4tte somit so gut wie allen Wissenschaftlern der Universit\u00e4t wissenschaftliche Glaubw\u00fcrdigkeit absprechen m\u00fcssen. Es ging aber letztendlich nicht um den Rechtscharakter, sondern um die fragw\u00fcrdige Traditionspflege mit dieser Ikone. Mit positivistischem Rechtsformalismus wurde die eigentliche Tiefendimension der Problematik ausgeblendet. Der Pr\u00e4sident h\u00fcllte sich gern in taktisches Schweigen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Einer von denen, die mich universit\u00e4ts\u00f6ffentlich blo\u00dfzustellen versuchte, war der Emeritus im Fach Alte Geschichte, der am 4. Februar 2012 verstarb. Aus einer Todesanzeige ging hervor, dass dieser ehemalige Lehrstuhlinhaber (1980\u20132007) \u201eRitter vom Heiligen Grab zu Jerusalem\u201c gewesen war. Aus einer anderen glaubw\u00fcrdigen Quelle verlautete, der Althistoriker sei vom protestantischen zum katholischen Glauben konvertiert. Er hatte sich 1991 am Aschermittwoch vom Bischof das Aschenkreuz auf seine Stirne zeichnen lassen, was die besondere Aufmerksamkeit der \u201ePassauer Neuen Presse\u201c gefunden hatte und mit einem Foto dokumentiert worden war (PNP Nr. 39, 15. 02.1991, S.21). In einem Nachruf (PNP Nr. 23, 09.02.2012, S. 33) hie\u00df es: \u201eGepr\u00e4gt von einem starken christlichen Glauben forschte er auch \u00fcber die Ausbreitung des Christentums in Bayern\u201c. Auch f\u00fcr diesen Kollegen hatte das Marienlogo gewiss nicht nur dekorativen Charakter oder allein eine Traditionsfunktion. Kein Wunder, dass er so scharf reagiert hatte. Erst in sp\u00e4teren Jahren kam heraus, warum Universit\u00e4tsprofessoren \u201eihre Maria\u201c hartn\u00e4ckig und denunziatorisch verteidigt hatten. Im Nachhinein kam der eminent katholisch-konfessionelle Charakter der Abwehr in der Philosophischen Fakult\u00e4t noch viel deutlicher zum Vorschein. Ich h\u00f6rte wiederholt, selbst ein kirchenferner Katholik h\u00e4tte es nicht gewagt, die Madonna anzugreifen. Im Kontrast dazu wurde ich meiner protestantischen Herkunft gewahr. Mein Protestantismus hatte zu religi\u00f6s-konfessionellen Symbolen ein ganz anderes Verh\u00e4ltnis, vor allem zu einstmals gegenreformatorischen Kampfsymbolen. In den Auseinander-setzungen waren, ungeachtet vorherrschender s\u00e4kularer Gleichg\u00fcltigkeit, zwei konfessionelle Entwicklungen und Kulturen aufeinandergetroffen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Entproblematisieren, Entkonfessionalisieren, Verharmlosen, Ausblenden<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Aus der Philosophischen Fakult\u00e4t erreichte mich unter anderen folgender Brief: 18.10.1994: \u201eAm Wappen der Universit\u00e4t Passau hat mich bisher h\u00f6chstens die m. E. nicht vollbefriedigende graphische Gestaltung gest\u00f6rt. Irgendeine symbolhafte Bedeutung oder ein Programm konnte ich darin nicht entdecken. Deshalb habe ich auch die von Ihnen begonnene Diskussion zwar aufmerksam verfolgt, aber bisher auch keine Veranlassung zu einer Meinungs\u00e4u\u00dferung gesehen, zumal es sich nach meiner Ansicht um h\u00f6chst vorgestrige Probleme handelt. Wenn auch die Mariendarstellung im 16. und 17. Jahrhundert in einem k\u00e4mpferischen Sinn gesehen worden sein mag, so sind doch seither nicht nur 3 Jahrhunderte vergangen, sondern, was ganz entscheidend ist, ganz gewaltiges Ver\u00e4nderungen im Denken der Menschen und in der Problemstellung bei der Bew\u00e4ltigung der Existenz erfolgt. Ich glaube, dass kaum jemand im Wappen etwas anderes sieht, als das Ankn\u00fcpfen an die vorhergehende theologische Hochschule, es sei denn er ist oder wird ideologisch indoktriniert (\u2026) Zum Schluss nun meinerseits eine Frage, ob das Problem wirklich den gro\u00dfen Aufwand an Geist, Zeit und M\u00fche lohnt und ob es nicht dringendere Fragen gibt, die der M\u00fche wert w\u00e4ren. Sie vertreten Ihre Meinung \u2013 ich habe mir erlaubt meine darzulegen und verbleibe mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen. Professor Dr. Hans-J\u00f6rg Kellner.\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Er hatte ja Recht zu betonen, es g\u00e4be gewaltige Ver\u00e4nderungen im Denken und dringendere Fragen, als sich mit dieser Mariendarstellung auseinanderzusetzen. Es w\u00e4re idiotisch, das zu \u00fcbersehen. Aber gesellschaftliche und politische Konfliktherde setzen sich aus zahllosen Mikrowelten zusammen, deren kleine Probleme sich auf der Makroebene zu Brennpunkten entwickeln k\u00f6nnen. Kollege Kellner (1920-2015) stellte die Auseinandersetzung auf die Ebene eines blo\u00dfen Meinungsaustausches, als ginge es nur um pers\u00f6nliches Empfinden. Er stellte seine Behauptungen als Tatsachen hin, ohne sie empirisch zu begr\u00fcnden. \u201eH\u00f6chst vorgestrige Probleme\u201c? Die marianischen Maienandachten vor den T\u00fcren der Universit\u00e4t? Marie Himmelfahrt am 15. August jeden Jahres vor den T\u00fcren der Universit\u00e4t? Die \u201eMarianische Kongregation\u201c in Passau? Angebliche Marienerscheinungen und Wallfahrten nach Alt\u00f6tting, Fatima und woanders hin?? Die vehementen marianischen Glaubensbekenntnisse aus der katholischen Passauer Bev\u00f6lkerung \u2013 alles nur \u201eh\u00f6chst vorgestrige Probleme\u201c? Nur ein \u201eAnkn\u00fcpfen an die vorherige theologische Hochschule? Kellner nahm auch nicht die katholisch-institutionellen und doktrin\u00e4ren Anl\u00e4sse zur Kenntnis, welche die vormalige Hochschule erst 1950 veranlasst hatte, dieses marianische Logo einzuf\u00fchren. Warum rief der Antrag, den Gebrauch der Ikone zu beenden, in der katholischen Bev\u00f6lkerung Passaus so heftige Reaktionen hervor? Warum k\u00e4mpften vor allem kirchentreue katholische Professoren f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des Logos? Kellner blendete weite Bereiche katholisch-institutioneller und katholisch-dogmatischer Wirklichkeit aus, um seiner Meinung die Dignit\u00e4t eines Wahrheitsbeweises zu verleihen und andere als ideologisch indoktrinierte Vorgestrige zu denunzieren. Er bediente sich dabei der Techniken der Entproblematisierung, Verharmlosung und Ausblendung. Sein Fazit, er habe keine symbolhafte Bedeutung oder gar ein Programm darin entdecken k\u00f6nnen, dr\u00e4ngt geradezu die Frage auf: Durch wie viel Blindheit oder Ignoranz darf sich ein Professor an der Universit\u00e4t Passau auszeichnen? Oder war es der blinde Fleck s\u00e4kularer Gleichg\u00fcltigkeit? \u201eDeutschland braucht Mariens Hilfe\u201c, eine Postwurfsendung an Passauer Haushalte, schien bei ihm nicht eingeworfen worden zu sein.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-479 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_4-Blick-700x437.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"437\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_4-Blick-700x437.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_4-Blick-300x187.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_4-Blick-768x479.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_4-Blick-800x499.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_4-Blick-482x300.jpg 482w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_4-Blick.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><em>Deutschland braucht Mariens Hilfe \/ Lassen Sie diesen Blick auf sich ruhen! (Postwurfsendung an Passauer Haushalte)<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">F\u00fcr ihn war anscheinend v\u00f6llig unerheblich, was in einer preisgekr\u00f6nten Passauer Dissertation \u00fcber die \u201eMaria vom Siege\u201c abgehandelt worden war. Forschungsergebnisse dieser Art wurden offenbar f\u00fcr folgenlose Nichtigkeiten gehalten. Wer liest schon Doktorarbeiten! Kellner war ein vielfach geehrter und renommierter Numismatiker. In Umkehrung seiner polemischen Frage dr\u00e4ngte sich die R\u00fcckfrage auf, ob es nicht dringendere Fragen g\u00e4be als Spezialfragen der Numismatik. Das w\u00e4re aber eine zu platte Retourkutsche. Kellner, ein gl\u00e4ubiger Katholik (SZ Nr.149, S. 14), war viele Jahre zweiter Vorsitzender der Kommission f\u00fcr bayerischen Landesgeschichte gewesen. Es k\u00f6nnte sich auch in seinem Fall um eine konfessionell getrimmte Verteidigung mit dem Mittel der Entproblematisierung und Verharmlosung gehandelt haben. Oder dr\u00fcckte sich in seiner Meinung religi\u00f6s-konfessionelle Gleichg\u00fcltigkeit aus?<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Apropos \u201eh\u00f6chst vorgestrige Probleme!\u201c Oder doch brandaktuell? Der Spruch, der aus einem bayerischen Wallfahrtsgebetbuch von 1726 stammt, k\u00f6nnte auf einen immer noch h\u00f6rbaren Nachhall historischer Konfliktlagen schlie\u00dfen lassen: \u201eLa\u00df man nur die T\u00fcrkhen klagen \/ Wie Maria sie erschlagen.\u201c Die \u201eMaria vom Siege\u201c der Universit\u00e4t Passau als christlich-abendl\u00e4ndischer Auftrag, der als bedrohlich empfundenen Einwanderung aus islamischen Gebieten des Balkans und Vorderen Orients nach Deutschland Einhalt zu gebieten? Eine blitzschleudernde jesuitische Kampfmadonna gegen die angebliche Islamisierung Deutschlands? Macht die Balkanroute zu! Die \u201eMaria vom Siege\u201c im Logo f\u00fchren, aber bitte nichts dabei denken! Es ist ja nur Dekor!<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-480 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_5-Tu\u0308rken-700x948.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"948\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_5-Tu\u0308rken-700x948.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_5-Tu\u0308rken-222x300.jpg 222w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_5-Tu\u0308rken-768x1040.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_5-Tu\u0308rken-800x1083.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_5-Tu\u0308rken.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><em>Maria schleudert Blitze gegen die T\u00fcrken in der Schlacht bei Lepanto<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Vom Elend der r\u00f6misch-katholischen Theologie in Passau<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Die r\u00f6mische Kongregation f\u00fcr das Katholische Bildungswesen erkl\u00e4rte in ihrem Schreiben \u201eA segunda\u201c vom 5. M\u00e4rz 1988 aus Anlass des Marianischen Jahres 1987\/88 zum Thema \u201eDie Jungfrau Maria in der intellektuellen und spirituellen Ausbildung\u201c:<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">\u201eMaria \u2013 jene &gt;Frau&lt; der Bibel \u2013 geh\u00f6rt eng zum Heilsmysterium Christi und ist daher in besonderer Weise auch im Mysterium der Kirche gegenw\u00e4rtig. Da &gt;die Kirche in Christus gleichsam das Sakrament (\u2026) f\u00fcr die innigste Vereinigung mit Gott wie f\u00fcr die Einheit der ganzen Menschheit&lt; ist, denken wir bei dieser besonderen Gegenwart der Gottesmutter im Geheimnis der Kirche an die einzigartige Beziehung zwischen dieser &gt;Frau&lt; und der ganzen Menschheitsfamilie\u201c. Und so weiter!\u00a0(http:\/kathpedia.com\/index.php?title-Marianisches_Jahr 13.03.2016).<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Man braucht kein Mitglied der r\u00f6misch-katholischen Kirche und ihrer Vorfeldorganisationen zu sein, um zu wissen, welche zentrale heilsgeschichtliche Stellung und welches Mysterium die r\u00f6misch-katholische Dogmatik der Gottesmutter zuspricht. Jeder katholische Theologe wei\u00df, welche spirituelle Bedeutung Maria in der Glaubenslehre, der Glaubenspraxis und der katholischen Volksfr\u00f6mmigkeit hat. Die Passauer Neue Presse liefert daf\u00fcr fast t\u00e4glich Beispiele. Jeder Interessierte kann im katholischen Katechismus nachlesen, was \u201edie Lehre von Maria\u201c (die Mariologie) dazu sagt. \u201eDie Kirche ist Jungfrau und Mutter\u201c. Kardinal Ratzinger hob \u201edas Ineinander von Maria und Kirche\u201c hervor womit sich die katholische Mariologie und die Lehre von der una sancta, von der heiligen r\u00f6misch-katholischen Kirche, von anderen Glaubenslehren scharf abgrenzt. Auf den kardinalen Punkt gebracht: Wer die Ikone Maria infrage stellt, Dekor oder Nicht-Dekor, und ihre Abschaffung fordert, wendet sich automatisch gegen die r\u00f6misch-katholische Kirche. Professoren der Theologisch-Katholischen Fakult\u00e4t \u00fcbten, indem sie den universit\u00e4tsamtlichen Gebrauch rechtspositivistisch zur Formalie erkl\u00e4rten und dem s\u00e4kularen Argument folgten, es handele sich um ein reines Traditionsdekor, zugespitzt gesagt, Verrat an ihrer eigenen theologischen Dogmatik. Sie entzogen sich in den mehr oder weniger verdeckten Auseinander-setzungen einer theologischen Diskussion. Katholische Christologie, Mariologie und die Lehre von der Kirche, die sie in den H\u00f6rs\u00e4len lehrten, schnitten sie kurzerhand mit dem Zwick-Zwack-Argument der \u201eakademischen Passauer Traditionswahrung\u201c ab und verleugneten damit fundamentale Ausf\u00fchrungen und Definitionen des Weltkatechismus zur Mariologie, zur Existenz und zum Wirken der Gottesmutter. In ihren Predigten huldigten sie gl\u00e4ubig der Gottesmutter, in der Universit\u00e4t spielten sie das religi\u00f6se Symbol herunter. Die ikonografische und theologisch-ikonologische Problematik wurde auf den Rechtscharakter des Emblems (\u201eSiegel\u201c) zur\u00fcckgeschnitten und eine andere Herangehensweise als absurd abgetan. Sie versuchten die Ikone im Universit\u00e4tsemblem f\u00fcr den Alltagsgebrauch zu entsch\u00e4rfen und setzten mit Verharmlosungen au\u00dfer Kraft, was sie in Lehre und Predigt als ewige Glaubenstatsachen ausgaben. Sie merkten anscheinend nicht, dass sie mit ihrer verk\u00fcrzenden Argumentation der verbreiteten Indifferenz gegen\u00fcber religi\u00f6s-konfessioneller Symbolik Vorschub leisteten. Das intellektuelle Niveau war, sieht man von wenigen Ausnahmen ab, f\u00fcr eine Universit\u00e4t besch\u00e4mend.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Nach ihrer Ansicht gefragt, bedienten sich die Theologen eines argumentativen Kniffs, indem sie sich hinter einer Mehrheit in Stadt und Land versteckten. Sie verkrochen sich hinter den ver\u00f6ffentlichten Stellungnahmen von Passauer B\u00fcrgern und verwiesen auf Reaktionen der katholischen Bev\u00f6lkerung. Es fehlte ihnen offenbar an Mut, die eigene Ansicht preiszugeben und klipp und klar Position zu beziehen. Es fehlte in den vagen Antworten ein theologisch \u201ebekennendes Ich\u201c, ein mutiges \u201eIch\u201c, eine pers\u00f6nliche Aussage. Die Theologen betrieben ihr Versteckspiel zumindest dann, wenn sie sich nicht unter ihresgleichen bewegten und sich nicht in der Deckung einer Gruppe Gleichgesinnter w\u00e4hnten. Wenn sie \u00fcberhaupt zu einer Verteidigung ihrer Madonna ansetzten, dann ausschlie\u00dflich unter dem Blickwinkel einer lokalen und regionalen Tradition, die glorifiziert, aber nicht weiter hinterfragt wurde. Sie befanden sich in einer argumentativen Zwickm\u00fchle und duckten sich weg. Die Ikone der \u201eMaria vom Siege\u201c als reines Dekor und folkloristischen Kulturtand hinzustellen war ebenso fraglich, wie sie zum akademischen Traditionssymbol zu veredeln. Erst recht h\u00e4tte eine Verteidigung aus der katholischen Glaubenslehre heraus im Raum freier Wissenschaft den weiteren Gebrauch obsolet gemacht. Sie zogen es vor, in der \u00d6ffentlichkeit zu schweigen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><strong>O Heilige Simplicitas!<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Daf\u00fcr, wie d\u00fcrftig theologisch-professorale Einlassungen mitunter waren, bot insbesondere der Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Neutestamentliche Exegese, Prof. Dr. Friedrich Schr\u00f6ger (1931\u20131994), ein aufschlussreiches Beispiel. In seinen Lehrveranstaltungen, so berichteten Studenten der Theologie, zog Schr\u00f6ger im Wintersemester 1990\/91 kr\u00e4ftig \u00fcber uns Kollegen her, die wir beim Senat der Universit\u00e4t Passau den Antrag gestellt hatten, das Marienlogo aus dem Verkehr zu ziehen. Schr\u00f6ger verteidigte die Ikone im Siegel und Emblem der Universit\u00e4t mit treuherzigen Traditionsargumenten. Sie geh\u00f6re nun einmal zur Hochschultradition Passaus. Professoren, die nach Passau berufen w\u00fcrden, m\u00fcssten die katholisch-kulturelle Landschaft und ihre Symbole akzeptieren. Die Universit\u00e4t Passau sei ein Bestandteil dieses Kulturraumes, folglich st\u00fcnde es ihr gut an, ein akademisches Traditionssymbol dieses Ortes zu f\u00fchren. Eine neugegr\u00fcndete Universit\u00e4t habe sich der katholischen Tradition und ihrer Symbole anzubequemen. Wer sich daran st\u00f6re, brauche nicht nach Passau zu kommen oder k\u00f6nne sich wegbewerben. Auch die Devotionalien seien nicht anst\u00f6\u00dfig. In Wallfahrtsorten w\u00fcrden solche Dinge wie Anstecknadeln, Bierkr\u00fcge und andere Gegenst\u00e4nde mit Heiligenbildern vertrieben. Warum sollte das Siegelemblem mit der \u201eMaria vom Siege\u201c nicht auf Artikeln der Universit\u00e4t abgebildet werden? Katholiken stie\u00dfen sich nicht daran. \u00dcberhaupt sei Tradition ein wichtiges Element. Die neugegr\u00fcndete Universit\u00e4t habe sich nun einmal in die katholische Sinn- und Symbolwelt einzuf\u00fcgen. Wer das hinterfrage, der st\u00f6re, oder, noch krasser, der sei ein Spinner. Diese Selbstherrlichkeit des regionalen und lokalen Katholizismus reichte bis weit in die Universit\u00e4t hinein. Aber es gab auch, was ich nicht genug hervorheben kann, unter den Kollegen bekennende Katholiken, die mein Bestreben verstanden und als eine legitime Aufdeckung der Verh\u00e4ltnisse anerkannten Zu ihnen geh\u00f6rte mein Kollege Prof. Dr. Heinrich Oberreuter. Ihm bescherte ich in der Fakult\u00e4t und in institutionellen Bereichen des Katholizismus Unbequem-lichkeiten und den Vorwurf, er habe meine Berufung an die Universit\u00e4t Passau bef\u00fcrwortet. Er und wenige andere sprachen sich in den zust\u00e4ndigen Universit\u00e4tsgremien 1990\/91 daf\u00fcr aus, das religi\u00f6s-konfessionell belastete Logo aus dem Verkehr zu ziehen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Die evangelisch-lutherische Amtskirche will sich \u201enicht in die Feldschlacht begeben\u201c<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Die evangelisch-lutherische Amtskirche von Passau verfolgte den Streit, hielt sich jedoch bedeckt. Sie nahm dazu nicht \u00f6ffentlich Stellung. Von Amtsinhaber zu Amtsinhaber gab es indes pers\u00f6nlichen Kontakt und indirekte Unterst\u00fctzung. Der Dekan der evangelisch-lutherischen Kirche Passau, Albert Strohm, bat um \u201eein gewisses Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass sich unsereiner an dieser Stelle nicht in die Feldschlacht begeben\u201c k\u00f6nne, versorgte mich aber mit neuestem Material zur theologischen Auseinandersetzung der evangelischen Kirche mit der katholischen Marienverehrung und Mariologie. (Schreiben mit Anlage vom 16.10.1992 an den Verfasser)<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Man k\u00f6nnte sagen, Dekan Strohm munitionierte mich f\u00fcr die \u201eFeldschlacht\u201c auf dem Gel\u00e4nde der Universit\u00e4t, an der er als kirchlicher Repr\u00e4sentant der Evangelischen selbst nicht teilnehmen wollte. Kenner der konfessionellen sozial-moralischen Milieus sch\u00e4tzten die Passauer Verh\u00e4ltnisse so ein: Im protestantischen Milieu g\u00e4be es eine gro\u00dfe Anpassungsbereitschaft und -willigkeit an das katholische Milieu. Die meisten Protestanten seien prononciert konservativ. Sie wagten nicht sich in der katholischen Umwelt laut zu \u00e4u\u00dfern. Sie h\u00e4tten zudem die Neigung, sich selbstgen\u00fcgsam in der katholischen Alltagswelt abzukapseln. Obschon man friedlich zusammenlebe, h\u00e4tten es Protestanten in dieser dominant katholischen Umwelt nun einmal schwer. Protestanten hafte in der katholischen Atmosph\u00e4re Passaus, trotz gewisser Ver\u00e4nderungen und Lockerungen noch immer etwas Fremdes an. Eine \u00f6ffentliche Stellungnahme oder gar offene Unterst\u00fctzung von Seiten evangelischer Christen sei nicht zu erwarten. In privaten Gespr\u00e4chen erfuhr ich allerdings viel Zustimmung.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Von evangelisch-kirchlicher Seite nahm lediglich Studentenpfarrer R\u00fcdiger Kretschmann als Betreuer der Evangelischen Studentengemeinde Passau (esg) Stellung, und dies auch nur universit\u00e4tsintern. Er thematisierte im Mitteilungsblatt der \u201eesg\u201c das Streitthema \u201eMaria vom Siege\u201c und lud im Rahmen der \u201eesg\u201c zu \u201e\u00f6kumenischen Gespr\u00e4chen\u201c mit Professor Dr. Schr\u00f6ger, mir und Seminaristen ein. Im Mitteilungsblatt erschienen hierzu Informationsvorgaben, in denen auf die kurze akademische Geschichte dieses vermeintlich alteingef\u00fchrten Logos und seinen fraglichen Gebrauch hingewiesen wurde. Unter der \u00dcberschrift \u201eDie &gt;Maria vom Siege&lt; mu\u00dfte weichen\u201c wurde mit einer unverkennbaren Genugtuung darauf aufmerksam gemacht, dass das neue Vorlesungsverzeichnis ohne Uni-Logo erschienen war. In einem Kasten wurde redaktionell hervorgehoben, dass \u201edie Katholisch-Theologische Hochschule in Passau (\u2026) das Emblem erst im Tausch gegen das bayerische Staatswappen 1950 eingef\u00fchrt (hatte). \u201eEs war in dem Jahr\u201c, so wurde besonders betont, \u201eals Papst Pius XII. das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel formulierte. Damit sei \u201edas marianische Motiv dogmatisch neu besetzt worden, nachdem es als Kampfsymbol im Mittelalter gegen T\u00fcrken, im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation gegen den Protestantismus eingesetzt worden war.\u201c Studentenpfarrer Kretschmann schrieb gerade dieser Ikone die Eigenschaft zu, dogmatisch neu aufgeladen worden zu sein. Insoweit hatte der \u201ePassauer Madonnen-Streit\u201c doch auch in protestantischen Kreisen eine wenngleich nur sehr ged\u00e4mpfte Resonanz hervorgerufen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><strong>David gegen Goliath<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Schon kurz nach dem Paukenschlag des Antrages unterzeichneten drei Dutzend Mitglieder aus verschiedenen Fakult\u00e4ten ein Formular, das wir gegen die weitere Verwendung der \u201eMaria von Siege\u201c in Umlauf gebracht hatten, und unterst\u00fctzten unsere Aktion.<br \/>\nDer hohe \u00f6ffentliche Aufmerksamkeitswert, den der universit\u00e4tsinterne Streit im Nu gewann, best\u00e4tigte die Brisanz des Logos und seines Symbols. \u00dcber den Akteur Mintzel schwappte zweimal eine Welle der \u00f6ffentlichen Kritik hinweg. Passauer Katholiken bedachten mich in Leserbriefen an die Passauer Neue Presse mit \u201eEhrenbezeichnungen wie \u201eSpinner\u201c, \u201eSt\u00f6rer\u201c, \u201eNarr\u201c, \u201eTeufel\u201c und \u201eFreimaurer\u201c. Mir wurde vorgehalten, ich habe den Sinn der Wissenschaft missverstanden. \u201eEs (sei) ersch\u00fctternd, anzusehen, wie alles, was an christlichen Glauben, vor allem an die fundamentalen Glaubenswahrheiten der katholischen Kirche erinnert, aus dem Bewusstsein der Menschen verbannt oder l\u00e4cherlich gemacht wird.\u201c \u201eWer die Geheime Offenbarung des Apostel Johannes liest, dem wird klar, wer hier am Werk ist und in welcher Zeit wir uns befinden.\u201c \u201eDie Bezeichnung &gt;Maria vom Siege&lt; sei wohl darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass sie durch ihr klares Ja zu Gottes Plan das B\u00f6se \u00fcberwunden hat. Darum kann und soll sie allen Menschen dieser Erde Vorbild sein. Wir nennen sie auch Mittlerin und F\u00fcrsprecherin bei Gott und rufen in unseren Sorgen und N\u00f6ten zu ihr. Was hat das mit dem Kampf gegen Andersgl\u00e4ubige zu tun\u201c.<br \/>\nOder auf einer Postkarte an mich vom 1. November 1990: \u201eDer Umweltengel als Emblem f\u00fcr unsere Universit\u00e4t w\u00e4re Ihnen wohl lieber, Sie rote Sau!\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-488 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/30_8-Grusskarte-700x397.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/30_8-Grusskarte-700x397.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/30_8-Grusskarte-300x170.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/30_8-Grusskarte-768x436.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/30_8-Grusskarte-800x454.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><em>Postkarte an die \u201erote Sau\u201c Prof. Dr. Albrecht Mintzel vom 01.11.1990<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Professoren im Allgemeinen und Soziologen wie Alf Mintzel im Besonderen sind in Passau so \u00fcberfl\u00fcssig wie ein Kropf.\u201c In dem Antrag, das Logo mit der \u201eMaria vom Siege\u201c nicht mehr zu verwenden, wurde ein Angriff auf die Patrona Bavaria gesehen. \u201eDas Land steht unterm Schutz der Mutter Gottes\u201c, hie\u00df es in Leserbriefen an die \u201ePassauer Neue Presse\u201c. Der Antrag und \u201edie gesamte Angelegenheit (sei) ein Skandal erster Gr\u00f6\u00dfenordnung.\u201c \u201eDie Universit\u00e4tsleitung und ggf. das Bayerische Staatsministerium f\u00fcr Unterricht und Kultus sollte den beiden Herren [den Professoren Alf Mintzel und Bernhard Haffke \u2013 A.M.] verbal auf die Finger klopfen, die die Freiheit von Geist, Forschung und Lehre gr\u00fcndlich missverstanden haben.\u201c Ein ortsans\u00e4ssiger Organisator der Wallfahrtsreisen zu den angeblichen Marienerscheinungen in Medjugorje schrieb in seinem Leserbrief: \u201eSehr traurig stimmt mich aber, dass es Ihnen n\u00f6tig erscheint, &gt;Maria vom Siege&lt; wissenschaftlich zu erforschen und fachwissenschaftlich beurteilen zu lassen. Gehen Sie doch aus Ihrem Hause (in) die katholische Fakult\u00e4t und schlagen Sie die Heilige Schrift auf \u2013 die Bedeutung Mariens wird Ihnen schnell klar sein werden: Am Anfang ist Maria als Feindin des Satans angek\u00fcndigt\u201c- und so weiter. \u201eOder machen Sie es sich einfacher: Fahren Sie, anstelle die Bibel aufzuschlagen, im Rahmen der von Ihnen so geliebten Experimente in die tiefsten Winkel Niederbayerns zu einfachen, gl\u00e4ubigen Menschen, vielleicht zu einem armen, alten M\u00fctterlein, das schon lange den Rosenkranz betet.\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-481 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_6-wochenblatt-700x465.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"465\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_6-wochenblatt-700x465.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_6-wochenblatt-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_6-wochenblatt-768x510.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_6-wochenblatt-800x531.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_6-wochenblatt.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-482 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_7-PNP-700x501.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"501\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_7-PNP-700x501.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_7-PNP-300x215.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_7-PNP-768x549.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_7-PNP-800x572.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/29_7-PNP.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><em>\u201eUns erschien die ehrw\u00fcrdige Muttergottes\u201c. Zeitungsausschnitte aus der Passauer Neuen Presse 1990\/91<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Die schwersten Kaliber der \u00f6ffentlichen Diskriminierung und sp\u00f6ttischen Belehrung kamen aus dem Zwischenbereich von Universit\u00e4t und sozialer Umwelt. Insbesondere im Passauer Stadtmagazin \u201eEinblicke\u201c wurden in elaborierten Beitr\u00e4gen alle klassischen Methoden der pers\u00f6nlichen Verunglimpfung angewandt: unglaubw\u00fcrdig machen, l\u00e4cherlich machen, blo\u00dfstellen, karikieren, Charakterm\u00e4ngel nachsagen, stigmatisieren, entw\u00fcrdigen, an den Pranger stellen. \u201eDer Brillentr\u00e4ger will die Madonna im Siegel der Universit\u00e4t Passau nicht anerkennen.\u201c Nach dem Muster \u201eWanted\u201c wurde ein Portr\u00e4tbild abgedruckt. Ich wurde als ein Mann des Teufels bezeichnet, der die Wissenschaft \u201efalsch\u201c verstehe und deshalb sein Recht verwirkt habe, an der Universit\u00e4t Passau zu lehren. Auf den \u201eTeufel\u201c Mintzel wurde auf der Stra\u00dfe mit den Fingern gezeigt. Das ist er! An den katholischen Stammtischen kochte der \u201eVolkszorn\u201c. Verbalaggressionen entluden sich in Drohanrufen am Lehrstuhl. Meine Sekret\u00e4rin, einer braven Katholikin, wurde mit Beschimpfungen \u00fcberh\u00e4uft. In der Passauer Neuen Presse wurde ich in Leserbriefen aufgefordert, Bayern zu verlassen und \u201enach dr\u00fcben zu gehen\u201c, das hie\u00df in die Deutsche Demokratische Republik umzuziehen. Die katholische Kanaille schoss ihre F\u00e4kalien aus allen Kanonen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Die alten Strickmuster der Diffamierung und Ausgrenzung funktionierten auch im akademischen Betrieb. Bis weit in die Universit\u00e4t hinein wurde versucht, mich auszugrenzen. Katholische Kollegen verteidigten ihre Madonna mit Z\u00e4hnen und Klauen gegen den protestantischen St\u00f6rer. Sie hielten die \u201eImmaculada militante\u201c f\u00fcr ein Logo, das auch einer Universit\u00e4t gut anst\u00fcnde, symbolisiere es doch den Kampf um die \u201eWahrheit\u201c. Jede geschichtsklitternde Umdeutung war den Glaubenseiferern recht, um die Madonna zu retten. Niederbayern l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen! Der Pr\u00e4sident der Universit\u00e4t meinte im offiziellen Gespr\u00e4ch, ich solle die Universit\u00e4t wechseln, wenn mir das Logo nicht passe, ich solle mich an eine andere Universit\u00e4t bewerben. Eine halbe Ausweisung nach historischen Mustern, die Geb\u00e4rde der Macht, wenn die Argumente knapp werden. Meine Vorfahren Mintzel, lutherische und calvinistische Pfarrer, Schulmeister und Buchdrucker, waren im Zuge der Rekatholisierung der Oberpfalz 1622\/23 ihrer \u00c4mter enthoben und ausgewiesen worden. Ihnen war ein Exulanten- und Migrantenschicksal auferlegt worden. Pr\u00e4sident Pollok zeichnete als Herausgeber der universit\u00e4tsamtlichen \u201eNachrichten und Berichte\u201c, in denen nicht ein Wort \u00fcber die Auseinandersetzungen ver\u00f6ffentlicht werden durfte. Pollok \u00fcbte direkt Zensur aus. Er verhinderte den Abdruck eines Beitrages, den ein Kollege aus der Katholisch-Theologischen Fakult\u00e4t zu strittigen Fragen des Symbolcharakters der \u201eMaria vom Siege\u201c verfasst hatte. Horst K\u00e4mmerer, der Pressereferent, gab mir zu verstehen, es gen\u00fcge schon ein presseamtlicher Hinweis allein auf die Tatsache, es sei ein Streit um das Logo im Gange, und er m\u00fcsse er seinen Hut nehmen. \u00dcber den \u201eKampf um die Wahrheit\u201c durfte in den \u201eNachrichten und Berichten\u201c der Universit\u00e4t nichts verlauten. Mit der \u201eMaria vom Siege\u201c hatte die Freiheit der Wissenschaft ein Ende. Die Universit\u00e4tsleitung praktizierte eine Redaktionslinie, die der Chefredakteur der Passauer Neuen Presse, Erwin Janik, in den 1970er und 1980er Jahren verfolgt hatte: Sie boykottierte eine Berichterstattung \u00fcber unbequeme und unerw\u00fcnschte Auseinandersetzungen. Es sollte nichts nach drau\u00dfen verlauten. Innen wollte sie alles unter den Teppich kehren. Die Universit\u00e4tsleitung verhielt sich wie ein autorit\u00e4res Regime. Ich begegnete dem presseamtlichen Boykott mit wissenschaftlichen Publikationen \u00fcber diesen Streit. Hinter den idyllischen Fassaden von Universit\u00e4ten lauerten noch die alten weltanschaulichen D\u00e4monen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Die paternalistische Einmischung des \u201eExegeten\u201c Hans Maier<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Hans Maier, der ehemalige Staatsminister f\u00fcr Wissenschaft Unterricht und Kultus, mischte sich aus Anlass seiner Ehrenpromotion in einer Akademischen Feier am 17. Dezember 1991 in den Streit ein (PNP Nr. 292, 19. 12. 1991, S. 27). Er hob in paternalistischer Weise seine Sicht der Dinge hervor:<br \/>\n\u201eSie sehen, die Kirche hat kr\u00e4ftige bauliche Hilfe geleistet in den Anf\u00e4ngen, und unter diesem Gesichtspunkt sehe ich ein wenig den Streit um das Passauer Universit\u00e4tssiegel. Ich glaube schon, dass diese Hilfestellung der Kirche sich auch in einem Siegel ausdr\u00fccken darf. Aber wer M\u00fche hat mit dem Siegel, dem will ich mit einem kleinen exegetischen Hinweis unter die Arme greifen. Der Drache, den Maria hier auf diesem Universit\u00e4tssiegel erlegt, ist nat\u00fcrlich ein ganz besonderer Drache. Er ist f\u00fcr mich ein Symbol der Unvernunft, der Torheit, der gepanzerten Verstocktheit, des hartleibigen Eigensinns, die man in einer Universit\u00e4tsstadt wohl bek\u00e4mpfen darf, ja sogar bek\u00e4mpfen muss, wenn f\u00f6rderliche akademische Wissenschaft aus dieser Universit\u00e4t hervorkommen soll.\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Was autorisierte den ehemaligen bayerischen Kultusminister und Pr\u00e4sidenten des Deutschen Katholikentages seine private Sinndeutung als verbindliche zum Besten zu geben? Setzte er aus durchsichtigen Gr\u00fcnden nicht nur eine weitere Privatexegese hinzu, um das fragw\u00fcrdige Emblem zu rechtfertigen, das zu seiner Amtszeit vom bayerischen Staatsministerium f\u00fcr Unterricht und Kultus amtlich abgesegnet worden war? Wem wollte er mit seiner Einmischung unter die Arme greifen? Dem Sozialwissenschaftler und Intellektuellen Mintzel? Oder wollte er mit seiner Exegese auf das stockkatholische Milieu Passaus hinweisen, auf dessen \u201egepanzerte Verstocktheit\u201c und auf dessen \u201ehartleibigen Eigensinn\u201c? Dann h\u00e4tte er das Logo als einen Auftrag an die Universit\u00e4t Passau umgedeutet, den r\u00f6misch-katholischen Eigensinn und die Passauer Verstocktheit zu bek\u00e4mpfen. Auch Maiers private Sinndeutung war ein Beispiel der Beliebigkeit, die an der Universit\u00e4t grassierte und zu keiner L\u00f6sung des Problems f\u00fchren konnte. Er wollte wohl der Universit\u00e4tsleitung zur Hilfe kommen, die im Streitfall unbeholfen reagierte und sich darin wiederholte, stumpfsinnig und verstockt auf die hochschulgeschichtliche Tradition zu verweisen, die in dem Logo angeblich zum Ausdruck gebracht werde. Maiers Absicht war es, die angeblich harmlose Marien-Ikone zu verteidigen. Seine Einmischung kam nicht nur aus dem Munde des ehemaligen bayerischen Kultusministers, in dessen Amtszeit das Logo genehmigt und in seiner damals kultusministeriell gemeinten Bedeutung ausdr\u00fccklich bestimmt worden war, sondern auch aus dem Mund des ehemaligen Pr\u00e4sidenten des Deutschen Katholikentages. Wer Maiers Autobiografie \u201eB\u00f6se Jahre, gute Jahre\u201c (2013) genau liest, dem kann nicht entgehen, dass vor der versammelten Universit\u00e4t der Katholik Maier gesprochen hatte. Seine Einlassung betraf die h\u00f6chste Heilige der katholischen Kirche. Maier erwies den Verteidigern einen B\u00e4rendienst, als er sich an der konfessionellen Wiederaufladung des Logos als religi\u00f6ses Symbol beteiligte. Die universit\u00e4tsamtliche Behauptung, es drehe sich bei der Maria um reines Dekor, best\u00e4tigte Maier unfreiwillig einmal mehr als unhaltbar.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Das Ende des unzeitgem\u00e4\u00dfen Streites<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Der sogenannte Madonnen-Streit der Universit\u00e4t Passau ist ausgestanden. Die Universit\u00e4tsleitung lie\u00df im Jahre 2003 von einem professionellen Designer ein neues Logo entwerfen, das seither von der gesamten Universit\u00e4t in Gebrauch genommen wird. Die bisch\u00f6flichen Einladungen aller (!) Universit\u00e4tsprofessoren und ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Teilnahme an der Fronleichnamsprozession wurden nicht mehr amtlich via Universit\u00e4tsleitung verschickt. Der neu gew\u00e4hlte Pr\u00e4sident der Universit\u00e4t Passau, Prof. Dr. Freitag, entfernte aus seinem Editorial zum Uni-Magazin \u201eCampus\u201c das Marienlogo, das der alte Pr\u00e4sident noch als Aureole f\u00fcr seines benutzt hatte. Die bisch\u00f6flichen Sondereinladungen der Universit\u00e4tsprofessoren, ihrer Gattinnen und Lebensgef\u00e4hrten sowie ausgew\u00e4hlter Mitglieder der Verwaltungsspitze zu einem gemeinsamen \u201eAbendmahl\u201c wurden eingestellt. Bisch\u00f6fliche Begr\u00fcndung: Das sei \u201enicht mehr zeitgem\u00e4\u00df\u201c. Als der neue Passauer Bischof nach seinem Amtsantritt im Sommer 2014 die Universit\u00e4t besuchte, betonte der Pr\u00e4sident im Gespr\u00e4ch, die Universit\u00e4t pflege einen \u201eintellektuellen Dialog mit den Religionen\u201c. Die Zeit einseitiger Vereinnahmung der Universit\u00e4t durch katholische Emblem-, Bild- und Devotionalien-Politik ging zu Ende. \u201eDavid\u201c Mintzel hatte mit seiner intellektuellen Steinschleuder die Schwachstellen des katholischen Traditionalismus getroffen. Die \u201eBayerische Staatszeitung\u201c hatte mich gegen die falschen Marienverehrer in Schutz genommen, nicht die Universit\u00e4t, die noch heute so tut, als habe es den Streit nie gegeben.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Der damalige Pressereferent der Universit\u00e4t, Dr. Horst K\u00e4mmerer, der durch den t\u00e4glichen amtlichen Kontakt seinen Dienstherrn sehr gut kannte und einzusch\u00e4tzen wusste, \u00e4u\u00dferte in einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch mit mir sinngem\u00e4\u00df: Unter Polloks langer Regentschaft als Pr\u00e4sident w\u00e4ren die F\u00fchrungsstrukturen verkrustet. Pollok sei eine autorit\u00e4re Person gewesen, aus der man letzten Endes nicht schlau geworden sei. Oberstes Prinzip sei gewesen, dass in der Universit\u00e4t nicht gestritten werde und es die anderorts \u00fcblichen Konflikte in Passau nicht gebe. Des Pr\u00e4sidenten Ziel sei gewesen, aus der Universit\u00e4t Passau eine besondere zu machen, vor allem eine ruhige Arbeitsuniversit\u00e4t. Der Madonnen-Streit sei gegen dieses Grundprinzip der Universit\u00e4tsf\u00fchrung gelaufen und auch deshalb auf scharfe Ablehnung gesto\u00dfen. Es sei aber ein Effekt eingetreten: \u201e50 Prozent h\u00e4tten daraus gelernt, 50 Prozent nicht\u201c. Ich h\u00e4tte mit meinem Vorsto\u00df einen Erfolg erzielt, es habe sich etwas ver\u00e4ndert. (Notizen &amp; Skizzen, Band 5, 30.08.1997).<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">Eine universit\u00e4tsinterne Umfrage zum Universit\u00e4tsemblem ergab 1994 Folgendes: Auf die Frage: \u201eW\u00fcrden Sie gern sehen, wenn die Universit\u00e4t ein anderes, konfessionsneutrales Logo w\u00e4hlen w\u00fcrde, antworteten bei einem au\u00dfergew\u00f6hnlich hohen Fragebogenr\u00fccklauf von 53 Prozent immerhin 36,1 Prozent der Befragten mit \u201eJa\u201c, 28,8 Prozent mit \u201eNein\u201c, 20,7 Prozent zeigten sich \u201cgleichg\u00fcltig\u201c, unentschieden immerhin14,4 Prozent.<br \/>\nDie madonnengezierten Devotionalien der Universit\u00e4t hielten 2,6 Prozent der Befragten f\u00fcr inakzeptabel, 14,4 Prozent f\u00fcr unpassend, 6,6 Prozent f\u00fcr Missbrauch, 18,9 Prozent f\u00fcr Folklore, 10,7 Prozent war es egal, 6,6 Prozent meinet \u201eanything goes\u201c.<br \/>\nDie Ergebnisse der Umfrage best\u00e4tigten klar, dass sich die meisten Mitglieder der Universit\u00e4t \u00fcber dieses Symbol nicht mit ihrer Universit\u00e4t identifizierten. Im kognitiven System kamen aber zugleich typische Mentalit\u00e4tssperren zum Ausdruck. Prof. Dr. jur. Michael Kobler, erkl\u00e4rter Bef\u00fcrworter religi\u00f6ser Symbole im modernen Wissenschaftsbereich, stellte in einem gedruckten und von ihm verteilten Flugblatt fest: \u201eMintzel hat als Streiter (\u2026) wider das apokalyptische Weib im Siegel der Universit\u00e4t Passau einen klaren antifeministischen Teilerfolg erzielt: Das Siegel ist vom Umschlag des Vorlesungsverzeichnisses verschwunden. Die Apokalypse im \u00fcbrigen wird sich nicht aufhalten lassen.\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\">In der Alltagswirklichkeit und Alltagswelt \u201eUniversit\u00e4t\u201c existieren wie in den Sinnwelten nebenan dumpfer Traditionalismus, s\u00e4kulare Blindheit und\/oder Indifferenz gegen \u00fcber religi\u00f6sen Symbolen, Ignoranz, religi\u00f6s-konfessionelle Weltsicht, eifernder r\u00f6misch-katholischer Fundamentalismus, Rationalismus und Irrationalismus nebeneinander. In der Frage des r\u00f6misch-katholischen Glaubens- und Kultsymbols konnten die fragmentierten Sinnwelten \u00fcber den wissenschaftlichen Diskurs nicht mit einander vers\u00f6hnt, geschweige denn eine inhaltliche L\u00f6sung gefunden werden. Es blieb nur der Weg einer pragmatischen Entscheidung offen, n\u00e4mlich Konsens durch Verfahren herzustellen. Das Logo und die Devotionalien wurden faktisch und generell abgeschafft und ein neues Logo kreiert. So lie\u00dfen sich im sozialen System der Universit\u00e4t Harmoniebed\u00fcrfnisse besser befriedigen als \u00fcber den im kognitiven System der Universit\u00e4t unl\u00f6sbaren wissenschaftlichen Streit.<br \/>\nMeine sozialwissenschaftliche Intervention hat sich gelohnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war zu erwarten, dass die Expedition in das Innenleben der Universit\u00e4t zu einem aufregenden und strapazi\u00f6sen Abenteuer der Wissenschaft werden w\u00fcrde. Der Antrag auf Abschaffung des Marienlogos hatte eine Doppelfunktion: Zum einen ging es um eine in der Sache vorbereitete und aus wissenschaftlicher \u00dcberzeugung vorgetragene Forderung. 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