{"id":172,"date":"2016-10-01T19:57:32","date_gmt":"2016-10-01T17:57:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=172"},"modified":"2019-01-29T05:29:42","modified_gmt":"2019-01-29T04:29:42","slug":"31-selbstbeobachtung-selbstexperiment-luzide-traeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2016\/10\/01\/31-selbstbeobachtung-selbstexperiment-luzide-traeume\/","title":{"rendered":"31. Selbstbeobachtung, Selbstexperiment, luzide Tr\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\u201eHerr Mintzel, wie halten Sie das aus!?\u201c So hatten mich wohlwollende Kollegen gefragt und indirekt zugegeben, dass sie den psychischen Strapazen eines solchen Streites kaum gewachsen gewesen w\u00e4ren. Hatte die Frage des alten Numismatiker Prof. Dr. Hans-J\u00f6rg Kellner, ob das Problem wirklich den gro\u00dfen Aufwand an Geist, Zeit und M\u00fche gelohnt hat, nicht doch ein gr\u00f6\u00dferes Gewicht, als ich es eingestehen wollte? Zu den schwierigen Seiten einer wissenschaftlichen T\u00e4tigkeit geh\u00f6rt der Umgang mit Kritik. Jeder Wissenschaftler wei\u00df und bekennt es: Kritik und Kontrolle sind das Salz der Wissenschaft. Wer ein gewisses Ma\u00df kompetenter und sachlicher Kritik nicht zu ertragen vermag, taugt nicht zum Wissenschaftler. Max Webers Vortrag \u00fcber \u201eWissenschaft als Beruf\u201c hat auch in dieser Hinsicht nichts an Aktualit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft. Ich will es mir deshalb nicht zu leicht machen und nach erfolgreicher Aktion kritische Fragen einfach vom Tisch wischen. War es wirklich nur reine wissenschaftliche Neugier, die mich zu erforschen angetrieben hatte, was es mit dem Marien-Logo der Universit\u00e4t noch heutzutage so alles auf sich haben k\u00f6nnte? Galt meine sozialwissenschaftliche Intervention lediglich der Erprobung eines ethnomethodologischen Instruments zur Aufdeckung von Sinnwelten, die sich mit anderen Verfahren nicht entdecken lassen? Warum hatte ich die Strapazen einer riskanten Feldforschung, die Ausgrenzungsreaktionen und Beschimpfungen, auf mich genommen? Waren es die wissenschaftshistorischen, -theoretischen und -methodischen Gr\u00fcnde allein, die mich veranlasst hatten, die Abschaffung des Marienlogos zu fordern? Meine Antwort lautet lapidar: Nein! Zu den Beweggr\u00fcnden hatten selbstverst\u00e4ndlich <em>auch<\/em> au\u00dferwissenschaftliche geh\u00f6rt, Beweggr\u00fcnde, die in meiner Pers\u00f6nlichkeit, meiner Lebens- und Familiengeschichte, in meinem inneren Erleben von Welt und meiner subjektiven Erfahrung zu suchen und zu finden sind.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Kenner des Passauer Sozialmilieus sch\u00e4tzten in diesem Streitfall den Anteil der wirklich strenggl\u00e4ubigen Marienverteidiger an der Passauer Stadtbev\u00f6lkerung (rd. 50.000 Einwohner; ca. 90 Prozent r\u00f6m.-kath.) auf etwa f\u00fcnf Prozent ein. Unter diesen f\u00fcnf Prozent, gr\u00f6\u00dftenteils zur \u00e4lteren Generation z\u00e4hlend, geh\u00f6rte eine kleine Anzahl von katholischen Fundamentalisten, die zu verbalen Gewaltandrohungen neigten und wom\u00f6glich sogar zu vereinzelten Aktionen bereit sein k\u00f6nnten. Der katholische Volkszorn entlade sich aber im Wesentlichen in Stammtisch-Tiraden und Beschimpfungen. Die Frage, inwieweit man verbale Kraftmeiereien, seien sie konfessionell oder politisch motiviert, ernstnehmen m\u00fcsse, war schon Anfang des Jahres 1990 durch den Film des deutschen Regisseurs Michael Verhoeven \u201eDas schreckliche M\u00e4dchen\u201c von der Filmkritik gestellt worden. Der Film basierte auf dem authentischen Fall der Sch\u00fclerin und sp\u00e4teren Passauer Studentin Anna Elisabeth Rosmus, die im Passauer Stadtarchiv am Zugang zu Akten aus der NS-Zeit gehindert und wegen ihrer Recherchen verunglimpft worden war. Im Film wurde eine gegen Anna Rosmus gewaltbereite Passauer B\u00fcrgerschaft vorgef\u00fchrt, die sogar zu Sprengk\u00f6rpern griff und das Leben Rosmus\u00b4 bedrohte. Trotz oder gerade wegen meiner sehr unangenehmen Erlebnisse im Madonnen-Streit hielt auch ich die angeblich lebensbedrohliche Situation f\u00fcr St\u00f6rer im Passauer Sozialmilieu f\u00fcr \u00fcberpointiert. So unterhaltsam die satirisch \u00fcberzeichneten filmischen Szenen auch waren, sie waren der Sache, um die es ging, nur beschr\u00e4nkt dienlich, n\u00e4mlich Passaus NS-Vergangenheit gegen starke Widerst\u00e4nde betroffener Kreise und Personen aufzudecken. Dennoch wirkte sich der Film langfristig auf die \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnisse aus. In der Stadtgeschichte konnte die NS-Zeit nicht mehr in der bisherigen Weise tabuisiert werden. Der Film hinterlie\u00df ungeachtet seiner Unterhaltungsqualit\u00e4t beklemmende Eindr\u00fccke. Die Realsatire gab viel von der stockkonservativen und stickigen katholischen Atmosph\u00e4re wieder, die auch im Madonnen\u2013Streit sp\u00fcrbar wurde. Die feindseligen Drohanrufe und \u00fcblen \u00f6ffentlichen Diffamierungen machten mir dann auch psychisch zu schaffen, obwohl ich mit ihnen hypothetisch gerechnet hatte. Zwar war es ja Zweck meiner Intervention gewesen, Personen und Personenkreise zum Sprechen zu bringen, um herauszufinden, was es mit der \u201eMaria vom Siege\u201c im Universit\u00e4tsemblem so auf sich hatte. Als dann aber der Shitstorm \u00fcber mich hereinbrach, brachte meine Feldforschung doch schwer zu ertragende Unannehmlichkeiten und psychische Belastungen mit sich. Um ihnen gewachsen zu sein, musste ich meine psychischen Befindlichkeiten selbst zum Gegenstand von Analysen machen und so unter Kontrolle halten. Zu dieser psychologischen Selbstbeobachtung dienten mir sogenannte Psychogramme, die ich fast t\u00e4glich verfasste. Diese besprach ich mit meinem psychologischen Berater unter pers\u00f6nlichkeits- und tiefenpsychologischen Gesichtspunkten (Motiv-Kontrolle, Affekt-Kontrolle, kognitive Dissonanzen etc.). Die Frage war, inwieweit ich selbst von unterschwelligen Motiven geleitet wurde, etwa vom Archetypus des Wissenschaftlers als \u201eHeros\u201c (Max Weber: der Wissenschaftler als Geistesaristokrat) oder inwieweit mein famili\u00e4r gepr\u00e4gter Kulturprotestantismus sich an dem Universit\u00e4tslogo stie\u00df. Die Feldforschung erfordert Selbstkontrolle, mentale Stresskompetenz und kognitive Bewertungskriterien.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Die strapazi\u00f6se investigative Intervention und die universit\u00e4tsinternen und -externen Reaktionen darauf schlugen sich bei mir auch in einer Reihe luzider Klartr\u00e4ume nieder, in denen ich auf einer unterschwelligen Bewusstseinsebene meine Situation bildhaft erlebte und verarbeitete. Solche Tr\u00e4ume trugen ebenfalls dazu bei, schwierige Situationen psychisch zu bew\u00e4ltigen und mich stabil zu halten. Ich analysierte die innere Logik der Situation, in der ich mich befand, und f\u00fchrte Buch \u00fcber meine psychischen und mentalen Befindlichkeiten. Ich will hier an einigen Beispielen veranschaulichen, wie es mir psychisch erging und wie sich im Wachzustand erlebte Vorg\u00e4nge auf unterbewusster Ebene ausdr\u00fcckten.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Psychogramm (Selbstbeobachtung) vom 17.11.1990, 12.30 Uhr.<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\u201eViertes Wochenende nach dem PNP-Bericht, nach dem Ereignis (\u2026). Der \u00fcbliche Wochenendeinkauf steht an: der Einkauf im Drei-Fl\u00fcsse-Einkaufszentrum (DEZ). Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck bespreche ich mit Inge Lu (meiner Frau, Anm. d. Verf.) den Einkaufszettel, gegen 11.00 Uhr gehen wir zu Fu\u00df \u2013 unser Auto ist in der Reparaturwerkstatt \u2013 zum Einkauf.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Innere Verfassung\/Stimmung: Noch immer ist mir die Vorstellung, mich in der \u00d6ffentlichkeit zeigen zu m\u00fcssen, unangenehm. Es dr\u00e4ngt sich bei der Besprechung der Eink\u00e4ufe der Gedanke auf, ob Inge Lu allein gehen k\u00f6nne. Ich sp\u00fcre Widerst\u00e4nde gegen einen Gang durch die Stra\u00dfe, in der wir wohnen, oder durch das gro\u00dfe Einkaufszentrum. Sicherlich sind Personen unterwegs, die mich kennen, die ich kenne: Studenten, Nachbarn, Personal der Universit\u00e4t, Bekannte aus verschiedenen Personenkreisen (Schule, Tanzschule Theresas (zweitgeborene Tochter, Anm. d. Verf.)). Ich wei\u00df aber und sage mir, du musst dich stellen, du musst nach der eigenen Devise, &gt;aufrecht zu gehen und das Gehirn zu gebrauchen&lt;, dich als empirisch-analytischer Sozialwissenschaftler gerade in der Situation der \u00d6ffentlichkeit bew\u00e4hren. Doch bleibt immer noch das Gef\u00fchl stark vorhanden, sich einer unangenehmen Situation aussetzen zu m\u00fcssen. Ich bin f\u00fcr andere der Abweichler, der Nonkonformist, der Spinner, der verr\u00fcckte Professor, der die Universit\u00e4tsmadonna abschaffen will. Ich sp\u00fcre, wie mir meine Nonkonformismus zu schaffen macht, wie ich mein Unwohlsein durch rationalen und empirisch-analytischen Selbstzuspruch (mentale Stresskompetenz) \u00fcberwinden muss, wie ich \u00fcber die analytische Selbstkontrolle mich auch vor einer m\u00f6glichen \u00dcbersensibilit\u00e4t und vor einer \u00dcberinterpretation meiner Situation (kognitive Bewertungsebene) in der \u00d6ffentlichkeit (sozialer Stress) bewahren muss. Also gehe ich mit Inge Lu einkaufen. Vom Verlassen des Hauses bis zur R\u00fcckkehr h\u00e4lt die innere Spannung an. Ich beobachte st\u00e4ndig meine Umwelt, jeden Gru\u00df, jeden Vorgang. Ich z\u00e4hle die bekannten Gesichter und die Kontakte; ich \u00fcberpr\u00fcfe mein Verhalten.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Zur erlebten Realit\u00e4t: Auf der Stra\u00dfe sind wir niemandem begegnet, den wir kennen. Unbekannte Passanten gehen gleichg\u00fcltig an uns vor\u00fcber. Im Einkaufszentrum begegnete ich mehreren Studenten\/Studentinnen: drei haben mich mit Sicherheit im Gew\u00fchl \u00fcbersehen, weil sie auf ihre Eink\u00e4ufe konzentriert waren. Zwei davon waren zweimal bei mir am Lehrstuhl, um mir durch Eigeninitiativen zu helfen. Eine Studentin, die mich &gt;\u00fcbersah&lt;,z\u00e4hlt sicher nicht zu meinen Gegnerinnen. Ein Studentenp\u00e4rchen (\u2026)begr\u00fc\u00dfte mich freundlich. Der Hausmeister des Adalbert-Stifter-Gymnasiums gr\u00fc\u00dfte freundlich, wobei unklar ist, ob er mich namentlich identifizieren konnte. Die K\u00e4sefrau bediente freundlich. Aus dem Kreis der Nachbarn und weiterer Bekannter trafen wir niemand. Im DEZ schienen diesmal nicht so viele Eink\u00e4ufer gewesen zu sein wie am letzten Wochenende.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">W\u00e4hrend des Mittagsessens mit Inge Lu meine Gef\u00fchle, Gedanken und Beobachtungen er\u00f6rtert. Im Gespr\u00e4ch klargestellt, dass ich mich in einer prek\u00e4ren, heiklen Situation befinde und mich nicht in eine Welt des Glaubens zur\u00fcckziehen kann. Ich bin ganz auf mich, auf meine psychische und intellektuelle Standfestigkeit zur\u00fcckverwiesen, nach meiner Devise \u201egehe aufrecht und gebrauche dein Gehirn\u201c. Allein der analytische Verstand, nur angespanntes Nachdenken, Entspannen und kontemplatives Zur\u00fccklehnen sind meine Verfahrensweisen, um mit einer schwierigen Situation fertig zu werden. Mir hilft kein Gebet! Zu wem auch? Ich bin Agnostiker. Ich h\u00f6re deshalb auch nicht an einem Punkt auf nachzudenken, wo andere bereits im Gebet und in ihrem Glauben Entlastung und Beruhigung suchen. Ich habe auch nie die absolute, letztbegr\u00fcndete Sicherheit, richtig zu handeln. Mein Denken und Handeln bleiben immer auf die Relativit\u00e4t der Standpunkte und Perspektiven zur\u00fcckverwiesen.\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Psychogramm vom 20.11.1990 <\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\u201eMein Gehirn bearbeitet unabl\u00e4ssig den Fall. Die Gedanken kreisen im R\u00fcckblick auf den Vorgang sowie im Blick auf den zuk\u00fcnftigen Verlauf um zentrale Fragen. Im R\u00fcckblick immer wieder zun\u00e4chst die Gegenpole: Einerseits die Wissenschaftsposition, die r\u00fccksichtslose rationale Analyse unter Gesichtspunkten moderner Wissenschaft, radikal-rationalistisches Engagement in der Sache, Leidenschaft in der Aufkl\u00e4rung und Kritik, das hei\u00dft prinzipielles und aktives Infragestellen der &gt;immaculada militante&lt; \/ &gt;Maria vom Siege\u201c. Andererseits Bequemlichkeit und Wohlbefinden in der Passauer Gem\u00fctlichkeit, ruhiges Schaffen unter dem Zeichen regionaler und lokaler Borniertheit und Selbstzufriedenheit. Nichts sagen, nicht handeln, nicht unbequem werden, t\u00e4uschen, Mimikry \u00fcben, nicht daran r\u00fchren, um in Ruhe gelassen zu werden und bequem und unangegriffen weiterarbeiten zu k\u00f6nnen (\u2026).\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Psychogramm vom 25.12.1990<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\u201eDie Gedanken, eingepfercht in den konfektionellen Christ-ist-geboren-Stall famili\u00e4ren Scheinfriedens.(\u2026) Die intellektuelle Distanz ist gro\u00df, die mentale w\u00e4chst. Ich beobachtete von au\u00dfen, konnte von innen her kaum mehr Zugang gewinnen zu dem, was Heiliger Abend genannt wird. Die Kassetten mit den nieder-bajuwarischen Adventsliedern haben wir erst gar nicht mehr eingelegt. \u2013 dieses Gesingel-Gesangel ist nicht unsere Welt, ist nicht meine Welt. Es ist das Trommeln von St\u00e4mmen, die sich um ihre G\u00f6tzenbilder versammeln. (\u2026)\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Es hei\u00dft in der Wissenschaftslehre, es m\u00fcsse strikt zwischen der Psychologie der Forschung und der Logik der Forschung unterschieden werden. Es interessierten nicht die Motive, die \u00c4ngste, die Momente der Einf\u00e4lle, kurz die Psychogramme des Forschers in den verschiedenen Phasen und Situationen seiner Erkenntnisgewinnung, sondern nur die Logik der Forschung, das hei\u00dft: der logisch stimmige Entwurf des Analyseverfahrens, die Exaktheit der Durchf\u00fchrung und das Ergebnis. Was uns unterschwellig oder offen eingestanden antreibt, einer Sache auf den Grund zu gehen, die psychologischen Aspekte, bleibt dem \u201eVorwort\u201c vorbehalten. Die historische Archivforschung kennt nicht die psychischen und mentalen Strapazen, die in der Feldforschung bew\u00e4ltigt werden m\u00fcssen. Ich gew\u00e4hre im Folgenden ein paar Einblicke im Bewusstsein, mir hierdurch Bl\u00f6\u00dfen zu geben.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Psychogramm vom 30.10.1991<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\u201eEntspannung, Entlastung, Wiederkehr innerer Ruhe und Sicherheit. Gestern Abend (ca. 18.15) rief ich in Passau zuhause meine Tochter Caroline an und Walter Landshuter im Scharfrichterhaus. Alle Informationen \u00fcber Reaktionen\/Nichtreaktionen auf das Ersch\u00fctterungsexperiment sind eher beruhigend. Caroline wurde laut eigener Aussagen nicht mit anonymen Anrufen bel\u00e4stigt. Keine telefonischen Bedrohungen oder Beleidigungen, keine Drohbriefe etc. Auf Befragen, ob sie angesprochen worden sei oder sonst etwas bemerkt habe, antwortete C. mit einem klaren &gt;Nein&lt;. Sie habe nichts geh\u00f6rt, bemerkt, gelesen oder gar erlitten. Diese Mitteilungen wirkten auf mich sehr beruhigend. Ich war froh, dass nichts passiert war.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Der Anruf bei Walter Landshuter (Restaurantbesitzer im Scharfrichterhaus, Anm. d. Verf.) brachte ebenfalls Entspannung. (\u2026) L. teilte mit, dass au\u00dfer den paar\/drei Leserbriefen vom letzten Samstag nichts mehr \u00fcber den Streit zu lesen gewesen sei. Alles ruhig. Er bedauere sogar, dass nicht mehr erfolgt sei. In Passau habe man sich an einiges gew\u00f6hnt. (\u2026). Die Leserbriefe vom letzten Samstag sollte ich nicht zu ernst nehmen. Es seien immer die gleichen Hanseln ganz kleiner Kreise, die sich \u00f6ffentlich zu Wort meldeten. Dem sei keine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung beizumessen. Die Leserbriefschreiber repr\u00e4sentierten nicht Passau, sie seien nicht typisch f\u00fcr eine &gt;Passauer Mentalit\u00e4t&lt;, sondern Sprachrohre von Gralsh\u00fctern des katholischen Glaubens. L. beruhigte mich: &gt;mach d\u00b4nichts draus&lt;.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Die Telefonate brachten eine psychische Entspannung, innere Beruhigung und fast eine gewisse Ausgelassenheit mit sich. Ich beruhigte nach meiner R\u00fcckkehr (vom Telefonh\u00e4uschen, Anm. d. Verf.) Inge Lu, die unter meiner Spannung zwei Tage lang gelitten hatte. Erleichtert formulierte ich einen ironischen Leserbrief an die PNP unter der \u00dcberschrift &gt;Dank an meine Schreibfreunde&lt; Dieser ironisierende, halbernste Leserbrief brachte ebenfalls psychische Entspannung, indem er aufgestaute aggressive Gef\u00fchle gegen die erneuten Diffamierungen abfuhr. Als ich J. (meinen psychologischen Berater, Anm. d. Verf.) meinen Leserbrief vorlas, kommentierte er die Aktion als Spiel der Entlastung und zur Affektkontrolle. Er riet mir, den Leserbrief als Mittel zur Affektabfuhr zu betrachten und nicht zu publizieren. &gt;Reagiere nicht mit einer Leserbrief-Antwort&lt;. Das war bisher mein Prinzip, so meine Antwort auf den Ratschlag, und es wird so bleiben. Damit war die Leserbrief-Schreiberei ad acta gelegt. Nach Norbert Elias, \u201eEngagement und Distanz\u201c, wichtig \u201edie F\u00e4higkeit von Menschen, sich gleichsam von au\u00dfen zu sehen.\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Traum 3.\/4.11.1991: Das gef\u00e4hrliche Wurfgeschoss des Priesters<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">In diesem Traum nahm ich auf einem Gutshof an einem Bankett der Familie des Hauses teil. Neben meiner Frau und mir sa\u00dfen am Tisch der Gutsherr, seine Frau und ihr Sohn, offensichtlich j\u00fcnger als ich. Im Hintergrund der friedlichen, von Gespr\u00e4chen bestimmten Szene macht sich ein katholischer Priester in wei\u00dfer Soutane zu schaffen. Er gestikuliert, macht merkw\u00fcrdige Handbewegungen, scheint etwas im Schilde zu f\u00fchren. Und dann passiert es:<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\"><em>\u201ePl\u00f6tzlich h\u00e4lt der Priester ein neues Sensenblatt in der Hand, benutzt es als Wurfgeschoss und schleudert es aus dem Hintergrund auf den Sohn des Hauses, der den Wurf nicht sehen kann, weil er dem Priester den R\u00fccken zukehrt. Das Sensenblatt saust mit der Spitze voran gegen den R\u00fccken des Sohnes und f\u00e4llt knapp hinter dessen R\u00fccken zu Boden. Das t\u00f6dliche Wurfgeschoss hat nicht getroffen, der Mann bleibt unverletzt.<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\"><em>Der Priester entfernt sich zur Seite, geht nach rechts, wo am Rande der Fl\u00e4che zwei Gr\u00e4ber hintereinander stehen, die mit Sand aufgesch\u00fcttet sind. Der Priester kniet am Ende eines der Gr\u00e4ber nieder, greift wutentbrannt und dabei Beschw\u00f6rungsformeln murmelnd in den Sand und scharrt und w\u00fchlt darin, rei\u00dft Pflanzen heraus. Er sch\u00e4ndet das Grab. (\u2026) <\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">W\u00e4hrend sich dieses Geschehen an den Gr\u00e4bern abspielt, taucht am Tisch pl\u00f6tzlich ein \u00e4lterer Mann auf, der mit steifen, zuckenden Fingern aggressiv auf die Personengruppe am Tisch zugeht. Er scheint verwirrt und gef\u00e4hrlich zu sein. Der Alte hat keine guten Absichten. Er scheint ein Werkzeug des Priesters zu sein, der ihn aus dem Hintergrund gesandt hat und steuert. Bei der Ann\u00e4herung des Alten tritt pl\u00f6tzlich meine 3. Tochter Caroline in mein Blickfeld, ihre Anwesenheit war bisher von mir unbemerkt geblieben. Ich sage ihr, sie solle vom Tisch weggehen, sich entfernen. Ich entferne mich mit ihr vom Tisch. Auch die anderen Personen weichen vorsichtig zur\u00fcck. Es passiert nichts. Der Traum bricht .<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Ich notierte meine Deutung des Traums unmittelbar nach der Niederschrift des n\u00e4chtlichen Erlebnisses am n\u00e4chsten Morgen: Der Gutshof und die Frau des Hauses stehen m\u00f6glicherweise, obwohl die Traumgeb\u00e4ude keinerlei \u00c4hnlichkeit mit den Passauer Universit\u00e4tsgeb\u00e4uden haben, f\u00fcr die Alma Mater, f\u00fcr die Universit\u00e4t Passau. Der Sohn des Hauses, der mir zugewandt gegen\u00fcber am Tisch sitzt und das Geschehen im Hintergrund nicht sehen kann, k\u00f6nnte ich selbst sein \u2013 gef\u00e4hrdet durch einen Priester, der f\u00fcr den Passauer Klerikalismus steht. Er will mich mit seinem Sensenblatt treffen und t\u00f6ten, kann es aber nicht, weil sein Wurfgeschoss nicht die Reichweite, beziehungsweise weil der Werfer nicht die f\u00fcr diese Reichweite n\u00f6tige Kraft besitzt. F\u00fcr den Priester agiert ein aus dem dunklen Hintergrund gesteuerter Mann.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Die Traumsituation repr\u00e4sentiert meine augenblickliche Passauer Situation. Ich sehe mich in doppelter Gestalt in einer bedrohlichen Situation: einmal als Sohn des Gutshofes, der nicht sehen kann, was in seinem R\u00fccken (in den Fakult\u00e4ten) passiert, und als mein anderes Ich, das beobachtet, was im Hintergrund und im Vordergrund geschieht, und wahrnimmt, dass es vom gef\u00e4hrlichen Wurf nicht getroffen wird (Akteur-\/Beobachter-Situation). Ich sitze zun\u00e4chst schutzlos am Tisch. Doch dem Tod, der in einem Priestergewand auftritt, fehlt die Kraft, mich mit seinem Sensenblatt zu erreichen und zu t\u00f6ten. Die Argumente der Priester greifen zu kurz!<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Auch meine Familie ist in dieser Situation mitbetroffen. Der Gutsherr, ein hagerer, hochgewachsener Mann mit gewelltem Haar und m\u00f6nchischer Hinterhauptsglatze &#8211; wer mag es sein, der Pr\u00e4sident der ?<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Traum 2.\/3.O4.1992: Entdeckende Person und anonyme Institution<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">In diesem Traum durchwandere ich eine h\u00fcgelige Landschaft unter grauem, dichtbew\u00f6lkten Himmel. Die Landschaft liegt in einem indirekten Licht wie die Toledo-Stimmung in El Grecos Gem\u00e4lde. Pl\u00f6tzlich tauchen am Horizont Gebilde auf, die wie Berliner Doppeldecker-Busse aussehen, schwebend wie Zeppeline. Zweist\u00f6ckige Gebilde, rechteckige K\u00e4sten mit l\u00e4nglichen Fenstern, von unsichtbarer Hand gesteuert. Kein Licht, kein menschliches Wesen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-493 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_1_traum_II-700x1008.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1008\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_1_traum_II-700x1008.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_1_traum_II-208x300.jpg 208w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_1_traum_II-768x1106.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_1_traum_II-800x1152.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_1_traum_II.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, Traum, 1992, Kugelschreiber<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Diese Gebilde scheinen den Himmel oder die Erde unter sich nach mir abzusuchen. Die Geb\u00e4ude neigen sich abw\u00e4rts, kommen n\u00e4her, werden gro\u00df, wandeln sich zu den klobigen, klotzartigen Geb\u00e4uden der Universit\u00e4t. Sie schweben bedrohlich erdr\u00fcckend \u00fcber mir.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\"><em>\u201ePl\u00f6tzlich, dicht \u00fcber mir, f\u00e4hrt das riesenhafte Gebilde rechts und links unten Greifarme aus, \u00e4hnlich wie ein Flugzeug im Anflug sein Fahrgestell ausf\u00e4hrt. Es sind lange, mehrgliedrige Greifarme, technische Konstruktionen, die an lange spinnengliedrige Knochenh\u00e4nde erinnern, die Endglieder laufen spitz zu. Sie fingern nach mir nach Spinnenart, sie versuchen mich zu greifen, sie vollziehen Greifbewegungen, tasten nach mir.\u201c<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-494 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_2_traum_III-700x1052.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1052\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_2_traum_III-700x1052.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_2_traum_III-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_2_traum_III-768x1154.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_2_traum_III-800x1202.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_2_traum_III.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, Traum, 1992, Kugelschreiber<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Ich habe nicht den Eindruck, dass sie mich verletzen oder gar t\u00f6ten wollen. Aber sie wollen mich vom Boden aufgreifen und in diese K\u00e4sten hinein hieven. Doch es misslingt. Das Hecken- und Laubbaumgestr\u00fcpp am Boden l\u00e4sst ihre Greifarme nicht voll zufassen. Allerdings ertasten und erreichen mich einzelne Glieder. Ich wehre mich. Ich fasse die Endglieder und dr\u00fccke sie von mir weg. Es gelingt mir, den Angriff zu vereiteln.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Im Anschluss an die Niederschrift des Traumes notiere ich: <em>\u201eMir f\u00e4llt dazu ein, dass die haus\u00e4hnlichen, klotzigen Raumfahrzeuge Universit\u00e4tsgeb\u00e4ude repr\u00e4sentieren, die Geb\u00e4ude der Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik und Informatik oder das Bibliotheksgeb\u00e4ude. Was da \u00fcber mir schwebt ist die Universit\u00e4t, ist die anonyme Institution, die mich greifen will, vielleicht nur be-greifen, betasten. Ich wehre mich dagegen, gegriffen zu werden. Die fahlblassen eckigen K\u00e4sten am dr\u00e4uenden, stahlgrauen Himmel dr\u00fccken auf mich herab. Bei der Abwehr einiger Glieder, die mich erreichen und zu greifen beginnen, bricht der Traum ab. Ich erinnere mich jedoch, dass ich davongekommen bin. (\u2026)\u201c<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Es ist eine ungleiche Situation, ein Individuum, eine Person, gegen einen herabschwebenden Roboter, gegen eine Institution, gegen anonyme Greiftechnik. Wer im Innern der K\u00e4sten sitzt und diese steuert, ist nicht zu sehen, aber ich erkenne von unten die Greifkonstruktion und kann mich ihres Zugriffs erwehren. Die Situation, obwohl bedrohlich und schwer zu meistern, bleibt kalkulierbar. Ich denke, es ist meine Situation an der Universit\u00e4t Passau.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-495 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_3_traum_IV-700x997.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"997\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_3_traum_IV-700x997.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_3_traum_IV-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_3_traum_IV-768x1094.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_3_traum_IV-800x1139.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/31_3_traum_IV.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, Traum, 1992, Kugelschreiber<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Traum 317.\/18.05.1992: psychische Selbststabilisierung<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">In dieser Nacht habe ich wieder einmal einen Flug-Traum. Ich erhob mich ohne fremde Hilfe, ohne Motor, aus eigener Kraft in die L\u00fcfte und schwebte \u00fcber der Landschaft. Im ruhigen Gleitflug \u00fcberflog ich eine gro\u00dfe, von saftig gr\u00fcnen G\u00fcrteln ges\u00e4umte und durchteilte Stadt. Die Silhouetten der gr\u00fcn umh\u00fcllten Stadtviertel erinnerten mich entfernt an Berliner Stadtgebiete. Ich n\u00e4herte mich in einer H\u00f6he von ca. 600 Metern einem dieser Stadtviertel, als pl\u00f6tzlich in der N\u00e4he ein Kleinsatellit auftauchte. Er bewegte sich, leicht rotierend, mit konstanter Geschwindigkeit auf gleicher H\u00f6he in dieselbe Richtung. Interessiert versuchte ich die Bauart des Flugk\u00f6rpers zu erfassen und ihn zu identifizieren und geriet in unmittelbare N\u00e4he des Satelliten. Ich studierte die Aufschriften und Zahlen auf seiner Seite, konnte sie aber nicht entschl\u00fcsseln. Er schien mir aber ein ungef\u00e4hrlicher Fernseh- oder Kommunikationssatellit zu sein, der keinen milit\u00e4rischen Charakter hatte. Ich f\u00fchlte mich magisch angezogen von dem kleinen Flugk\u00f6rper und griff nach ihm. Dadurch geriet er ins Trudeln.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\"><em>\u201eNach kurzer Zeit kippte der Satellit nach unten weg und st\u00fcrzte ab. Ich wollte die Bev\u00f6lkerung unten warnen, aber es war zu sp\u00e4t, alles war viel zu schnell gegangen. Der Satellit schlug unten ein. Ich sah von oben, wie er eine lange spr\u00fchende Furche in Richtung des Stadtviertels zog. Aus der Entfernung konnte ich nicht ausmachen, ob da unten etwas passierte und was passierte.\u201c<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Ich schwebte weiter und begegnete einem weiteren Flugobjekt, einer Art Transporter f\u00fcr Personenkraftwagen. Das Flugger\u00e4t zog eine gro\u00dfe Schleife und setzte wohl zur Landung an. Ich sah, dass sich ein Auto auf der Ladefl\u00e4che aus seiner Haltung gel\u00f6st hatte und herunter zu rollen drohte, aber irgendwie wieder auf der Tragfl\u00e4che gehalten und zum Stehen gebracht werden konnte. Der Transporter flog einen weiten Kreis, ich schwebte weiter.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Im Anschluss an die Niederschrift des Traumes notiere ich:<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\"><em>\u201eFlug-Tr\u00e4ume sind f\u00fcr mich immer Tr\u00e4ume der \u00dcberlegenheit, der Potenz, der Flug-Kraft. Ich \u00fcberschaue etwas, ich erhebe mich \u00fcber etwas (\u2026), ich befinde mich \u00fcber etwas; (&#8230;)Die Bef\u00fcrchtungen, ja Angst, abst\u00fcrzen zu k\u00f6nnen, ist in der Regel gering. Flug-Tr\u00e4ume zeigen vielmehr das wunderbar erhebende Gef\u00fchl, dass ich wirklich fliegen kann, wenngleich vielleicht nur k\u00fcrzere Strecken und in der Ikarus-H\u00f6he von etwa 200 bis 600 Metern. Flug\u2013Tr\u00e4ume befl\u00fcgeln mich psychisch, geben mir ein positives Lebensgef\u00fchl, verleihen in schwierigen Zeiten und Situationen ein optimistisches Bew\u00e4ltigungsgef\u00fchl. Die Flug-Illusion tr\u00e4gt, tr\u00e4gt dar\u00fcber .\u201c<\/em><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Ich hielt durch und ertrug alle Unannehmlichkeiten und Angriffe auf meine Person und meinen Status als Wissenschaftler. Die kontrollierte Interventionsstudie hat sich gelohnt. Die Studie fand Eingang in die fachwissenschaftliche Diskussion der symbolischen Anthropologie, der Wissenssoziologie und anderer F\u00e4cher. Die Antwort auf die Frage, ob der Aufwand an Geist, Zeit und M\u00fche gelohnt hat, h\u00e4ngt von subjektiven und objektiven Bewertungskriterien ab. Der \u201eErfolg\u201c einer kontrollierten Intervention selbst ist noch kein Beweis f\u00fcr ihre methodisch regelgerechte Durchf\u00fchrung und f\u00fcr eine gelungene \u00c4nderung in den Anschauungen. Sicher lieferte die Expedition in das Innenleben der Universit\u00e4t und ihrer sozialen Umgebung den handfesten Beweis, dass das Marienlogo eben nicht nur Dekor und der fraglichen Tradition geschuldet war, sondern religi\u00f6s-konfessionelle Inhalte transportierte. Die erfolgreiche Wende im Streit war wom\u00f6glich weniger den Denkanst\u00f6\u00dfen zuzuschreiben, sondern vielmehr sozialen Mechanismen der Befriedung und Harmoniew\u00fcnsche.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Was gab mir also die Kraft, dieses Abenteuer Wissenschaft auf mich zunehmen und diese Expedition in die Innenwelt der Universit\u00e4t durchzustehen? Das ist zugleich die Frage nach subjektiven Bewertungskriterien. Jede Studie beruht <em>auch<\/em> auf au\u00dferwissenschaftlichen Voraussetzungen und Erfahrungen. Im ausschlaggebenden Gespr\u00e4ch mit dem Universit\u00e4tspr\u00e4sidenten (20.09.1990) hatte dieser mit Killerphrasen das Universit\u00e4tslogo verteidigt: \u201cWer liest schon eine Dissertation!\u201c (Gemeint war die Dissertation \u00fcber die \u201eMaria vom Siege\u201c). Der Pr\u00e4sident hatte den Manager-Pragmatismus gegen die Wissenschaft gewandt. Noch schlimmer hatte mich seine Machtverdikt getroffen: Ich solle die Universit\u00e4t wechseln, wenn mir das Marienlogo nicht passe. In diesem Moment hatte ich mich als Exulant und Migrant gef\u00fchlt. Meine Vorfahren Mintzel waren im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg in der Oberpfalz als protestantische Pfarrer und Schulmeister 1622\/23 aus ihren \u00c4mtern und aus dem Land gejagt worden. Unter der gegenreformatorischen \u201eMaria vom Siege\u201c wollte ich mich als Wissenschaftler nicht von der Universit\u00e4t Passau verjagen lassen! Ich lebe familiengeschichtlich in Jahrhunderten, das gab mir Kraft.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHerr Mintzel, wie halten Sie das aus!?\u201c So hatten mich wohlwollende Kollegen gefragt und indirekt zugegeben, dass sie den psychischen Strapazen eines solchen Streites kaum gewachsen gewesen w\u00e4ren. Hatte die Frage des alten Numismatiker Prof. Dr. Hans-J\u00f6rg Kellner, ob das Problem wirklich den gro\u00dfen Aufwand an Geist, Zeit und M\u00fche gelohnt hat, nicht doch ein&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[272,275,271,268,273,263,215,239,276,265,264,145,177,270,266,274,269,245,147,267],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/172"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=172"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/172\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":508,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/172\/revisions\/508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}