{"id":260,"date":"2017-01-24T19:58:44","date_gmt":"2017-01-24T18:58:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=260"},"modified":"2017-03-03T14:02:42","modified_gmt":"2017-03-03T13:02:42","slug":"33-begegnungen-mit-jean-paul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2017\/01\/24\/33-begegnungen-mit-jean-paul\/","title":{"rendered":"33. Begegnungen mit Jean Paul"},"content":{"rendered":"<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Auf dem Weg zum modernen Atheismus<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Themenwechsel, Szenenwechsel, literaturgeschichtliche, religionsgeschichtliche und kosmologische Grenzg\u00e4nge zur Selbstfindung und Selbstverortung. Vom Gl\u00fcck im heutigen Westeuropa zu leben.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Familien- und gewerbegeschichtliche Begegnung<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Dem aus der ehemaligen brandenburgischen Markgrafschaft Bayreuth stammenden Schriftsteller Jean Paul Friedrich Richter (1763-1825), der sich sp\u00e4ter kurz Jean Paul nannte, begegnete ich in Hof an der Saale auf familien- und gewerbegeschichtlichen Wegen, in seinen Werken als einem mutigen und vision\u00e4ren Freidenker und als einem Schriftsteller, der seinen bei\u00dfenden Spott \u00fcber deutsche Kleinstadtspie\u00dfer ausk\u00fcbelte. Er machte sich \u00fcber die Stadtprominenz \u201eKuhschnappels&#8220; im \u201eF\u00fcrstentum Flachsingen&#8220; lustig, gemeint waren die Honoratioren in der Markgrafschaft Bayreuth. Und zu diesen Honoratioren geh\u00f6rte von 1800\/1801 bis zu seinem Tode auch mein Ururgro\u00dfvater, der Buchdrucker und Zeitungsverleger Johann Heinrich Mintzel (1763-1840). Jean Paul und mein Ururgro\u00dfvater waren im selben Jahr geboren, Mintzel in Bayreuth, Jean Paul in Wunsiedel. Die beiden lernten sich in ihren Jugendjahren in Hof kennen, Jean Paul als Primaner und Alumnus des Hofer Gymnasiums, mein Ururgro\u00dfvater als Lehrling in der Druckerei des Gymnasiums. Die ehemalige Mintzelsche Druckerei war um 1761\/62 ins Eigentum des Gymnasiums \u00fcbergegangen und dort im Erdgeschoss eingerichtet worden. Jean Paul und Mintzel gingen im alten Schulhaus ein und aus: Der eine stand im Erdgeschoss des Schulgeb\u00e4udes am Setzkasten und an der Presse, der andere besuchte im ersten Stock den Unterricht und wohnte als Alumnus unter dem Dach des Geb\u00e4udes. Der Primaner brauchte nur eine Treppe hinunterzugehen und im Erdgeschoss links die T\u00fcr zum gro\u00dfen Raum zu \u00f6ffnen, schon stand er an der Schwelle zur Druckerei. Der hochbegabte Sch\u00fcler war viel zu neugierig und entdeckungsfreudig, als dass er es vers\u00e4umt h\u00e4tte, einen Blick in die Druckerei zu werfen. Mag es auch sehr fl\u00fcchtig gewesen sein, sie kannten einander. Jean Paul war, wie aus seinen Romanen hervorgeht, mit den Verh\u00e4ltnissen des Hofer Verlags- und Druckereiwesens gut vertraut gewesen. Beide bewegten sich im gleichen protestantischen Milieu \u201eKuhschnappels&#8220;. Beide Familien waren gleicherma\u00dfen tief im markgr\u00e4flich-brandenburgischen Raum verwurzelt. Vermutlich hatte Jean Paul schon als Gymnasiast dar\u00fcber nachgedacht, bei wem er seinen Erstling in Druck geben k\u00f6nnte. Nur wenige kannten die heimlichen schriftstellerischen Neigungen des armen Primaners. Keiner ahnte in jenen Jahren, dass die an gro\u00dfen Talenten arme Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth mit Jean Paul ihren gro\u00dfen Schriftsteller erhalten sollte, \u00e4hnlich wie sp\u00e4ter die Mark Brandenburg ihren Theodor Fontane oder der B\u00f6hmerwald seinen Adalbert Stifter. Wer die Verh\u00e4ltnisse in den Mikrowelten der kleinen Ackerbaustadt Hof im imagin\u00e4ren F\u00fcrstentum Flachsingen, in Jean Pauls \u201eKuhschnappel\u201c des ausgehenden 18. Jahrhunderts, kennenlernen will, muss Jean Pauls Romane lesen: \u201eDas Leben des vergn\u00fcgten Schulmeisterlein Wutz\u201c (1793), die \u201eBlumen-, Frucht- und Dornenst\u00fccke des Armenadvokaten Siebenk\u00e4s\u201c (1796\/97), kurz, den \u201eSiebenk\u00e4s\u201c, \u201eDes Quintus Fixlein Leben bis auf unsere Zeiten\u201c (1797) und \u201eDie Flegeljahre\u201c (1804\/05). Jean Paul kannte Hof wie seine Westentasche und bedachte in seinen Werken die dortigen B\u00fcrger mit Spott und Hohn, was sie ihm erst posthum verziehen. Mein Ururgro\u00dfvater kaufte 1801 die ehemalige Mintzelsche Druckerei vom Hofer Gymnasiums zur\u00fcck und erwarb zugleich den Zeitungsverlag des \u201eHofer Intelligenz-Blattes&#8220;. Auch er war, wie er in seiner Autobiografie bekannte, \u201eder Schreiberey zugetan\u201c, musste sich allerdings mit der Redaktion seines Zeitungsblattes begn\u00fcgen, w\u00e4hrend Jean Paul in den Olymp der Weltliteratur aufstieg.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">F\u00fcr mich gewann Jean Paul als poetischer Schriftsteller \u00fcber die familiengeschichtliche Begegnung weit hinaus noch eine ganz andere Bedeutung. Er hatte in seinen skurrilen Erz\u00e4hlungen das Komische im Abgr\u00fcndigen zur Sprache gebracht und rotzfrech \u00fcber die Eitelkeiten und Wichtigtuereien beamteter und nicht beamteter Spie\u00dfer hergezogen. Die Lekt\u00fcre seiner Schriften sch\u00fctzte mich beim Marienstreit an der Universit\u00e4t Passau mental und intellektuell vor dem stupiden Eifer der Traditionsverehrer. Ihre Rettungsaktionen waren so komisch und einf\u00e4ltig, dass ich mich an manchen Abenden in meinen Sessel zur\u00fccklehnte und herzhaft lachte. Die Verteidiger der \u201eSiegerin in allen Schlachten Gottes&#8220; merkten anscheinend nicht, dass sie ihrer martialischen Maria dabei halfen, an der Universit\u00e4t Passau die letzte Schlacht zu verlieren. Jean Paul h\u00e4tte daraus ein literarisches Meisterwerk gemacht, eine erg\u00f6tzlich-fulminante Geschichte geschrieben. Er h\u00e4tte das religi\u00f6s Hintergr\u00fcndige, das Komische im religi\u00f6s Abgr\u00fcndigen aufgezeigt und Kollegen \u2013 unter h\u00fcbsch trefflichen Namen versteht sich \u2013 als akademische Miefbolde und \u201eWutz-Figuren\u201c zur literarischen Belustigung vorgef\u00fchrt und blamiert. Wie kann der Pr\u00e4sident einer bayerischen Universit\u00e4t allen Ernstes behaupten, die \u201eMaria vom Siege\u201c im Emblem der Universit\u00e4t sei in Bayern reines Dekor, das keine religi\u00f6s-konfessionelle Inhalte transportiere! Ich h\u00e4tte allzu gern ein sp\u00f6ttisches Dornenst\u00fcck dar\u00fcber geschrieben.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Begegnung mit dem Freidenker<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>\u201eRede des toten Christus vom Weltgeb\u00e4ude herab, dass kein Gott sei&#8220;<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Was mich jedoch zuinnerst ergriff und mein weltanschauliches Denken nachhaltig pr\u00e4gte und ausrichtete, war Jean Pauls grauenhafte vision\u00e4re Weltschau, die seither als ein Lehrst\u00fcck\u00a0 des Atheismus diskutiert wird. Dieses ist der Grund, weshalb ich sie als Beispiel meiner Grenzg\u00e4nge aufnehme. In seinem Roman \u201eSiebenk\u00e4s\u201c (1796\/97) l\u00e4sst der Freidenker Jean Paul den toten Christus vom Weltgeb\u00e4ude herab eine trostlose Rede halten, in der der Erl\u00f6ser eingesteht, er habe \u00fcberall im Kosmos Gott gesucht, ihn jedoch nirgendwo in den Weiten des Universums gefunden. Es g\u00e4be ihn nicht, und deshalb sei er auch nicht Gottes Sohn \u2013 f\u00fcr gl\u00e4ubige Christen also eine doppelte Blasphemie. Ich k\u00f6nnte die wenigen Seiten hundertmal lesen. Kein einziges Mal w\u00fcrde mich der Text erm\u00fcden. Diese Vision geh\u00f6rt zu meinen existenziellen Schl\u00fcsselfragen und inneren Erlebnissen. An dieser radikalen Zuspitzung der Frage und Suche nach Gott messe ich seit Jahrzehnten\u00a0 mein Denken und meine mentale Befindlichkeit.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Jean Paul zerfetzt die \u00fcberkommenen kindlichen Bilder von einem sch\u00f6nen Himmel, an dem die Sternlein zur Freude der Menschen prangen. Er wischt die Wolken vom Bilderbuch-Himmel der Gottseligkeit, er verweist die Vorstellungen des Menschen von einem himmlischen Vater, der da oben thront und gn\u00e4dig herabsieht auf seine Sch\u00f6pfung, ins Reich heimeliger Fabeln. \u201eUnd als ich aufblickte zur unermesslichen Welt nach dem g\u00f6ttlichen Auge, starrte sie mich mit einer leeren bodenlosen Augenh\u00f6hle an.\u201c Er verwirft das theologische Weltbild der gro\u00dfen Religionen und bringt, so scheint es, die Gedankengeb\u00e4ude seiner Zeit ins Wanken. Am Ende erschrickt er \u00fcber die Horrorvisionen, die er zwar als Traumerlebnis ausgibt, aber doch als erahnte Wirklichkeit betrachtet, und vollzieht eine halbe Kehrtwendung. Ich n\u00e4hme dem grandiosen Text mit seiner kosmischen Bilderf\u00fclle und seinen k\u00fchnen Visionen die ihm eigene elementare Wucht der Sprache, paraphrasierte und zerst\u00fcckelte ich den Text zum Zwecke einer hermeneutischen Interpretation. Jean Paul hat lange an diesem Text gefeilt, bevor er ihn ver\u00f6ffentlicht hat. Ich rezitiere die aufw\u00fchlende und mitrei\u00dfende Rede in ihrer verdichteten K\u00fcrze.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\u201eIch lag einmal an einem Sommerabende vor der Sonne auf einem Berge und entschlief. Da tr\u00e4umte mir, ich erwachte auf dem Gottesacker. Die abrollenden R\u00e4der der Turmuhr, die elf Uhr schlug, hatten mich erweckt. Ich suchte im ausgeleerten Nachthimmel die Sonne, weil ich glaubte, eine Sonnenfinsternis verh\u00fclle sie mit dem Mond. Alle Gr\u00e4ber waren aufgetan, und die eisernen T\u00fcren des Gebeinhauses gingen unter unsichtbaren H\u00e4nden auf und zu. An den Mauern flogen Schatten, die niemand warf, und andere Schatten gingen aufrecht in der blo\u00dfen Luft. In den offenen S\u00e4rgen schlief nichts mehr als die Kinder. Am Himmel hing in den gro\u00dfen Falten blo\u00df ein grauer schw\u00fcler Nebel, den ein Riesenschatten, wie ein Netz immer n\u00e4her, enger und hei\u00dfer hereinzog. \u00dcber mir h\u00f6rte ich den fernen Fall der Lawinen, unter mir den ersten Tritt eines unermesslichen Erdbebens. Die Kirche schwankte auf und nieder von zwei unaufh\u00f6rlichen Misst\u00f6nen, die in ihr miteinander k\u00e4mpften und vergeblich zu einem Wohllaut zusammenflie\u00dfen wollten. Zuweilen h\u00fcpfte an ihren Fenstern ein grauer Schimmer hinan, und unter dem Schimmer lief das Blei und Eisen zerschmolzen nieder. Das Netz des Nebels und die schwankende Erde r\u00fcckten mich in den Tempel, vor dessen Tore in zwei Gifthecken zwei Basilisken funkelnd br\u00fcteten. Ich ging durch unbekannte Schatten, denen alte Jahrhunderte aufgedr\u00fcckt waren. \u2013 Alle Schatten standen um den Altar, und allen zitterte und schlug statt des Herzens die Brust. Nur ein Toter der erst in der Kirche begraben worden, lag noch auf seinen Kissen ohne eine zitternde Brust, und auf seinem l\u00e4chelnden Angesicht stand ein gl\u00fccklicher Traum. Aber da ein Lebendiger hineintrat, erwachte er und l\u00e4chelte nicht mehr: er schlug m\u00fchsam ziehend das schwere Augenlid auf, aber innen lag kein Auge, und in der schlagenden Brust war statt des Herzens eine Wunde. Er hob die H\u00e4nde empor und faltete sie zu einem Gebete; aber die Arme verl\u00e4ngerten sich und l\u00f6sten sich ab, und die H\u00e4nde fielen gefaltet hinweg. Oben im Kirchengew\u00f6lbe stand das Zifferblatt der Ewigkeit, auf dem keine Zahl erschien und das sein eigener Zeiger war; nur ein schwarzer Finger zeigte darauf, und die Toten wollten die Zeit darauf sehen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Jetzo sank eine hohe edle Gestalt mit einem unverg\u00e4nglichen Schmerz aus der H\u00f6he auf den Altar hernieder, und alle Toten riefen: &gt;Christus! ist kein Gott? &lt; Er antwortete: &gt;Es ist keiner&lt;. Der ganze Schatten jedes Toten erbebte, nicht blo\u00df die Brust allein, und einer um den andern wurde durch das Zittern zertrennt.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Christus fuhr fort: &gt;Ich ging durch die Welten, ich stieg in die Sonnen und flog mit den Milchstra\u00dfen durch die W\u00fcsten des Himmels; aber es ist kein Gott. Ich stieg herab, soweit das seine Schatten wirft und schaut in den Abgrund und rief: &gt;&gt;Vater, wo bist Du? &lt;&lt; Aber ich h\u00f6rte nur den ewigen Sturm, den niemand regiert, und der schimmernde Regenbogen aus Wesen stand ohne eine Sonne, die ihn schuf, \u00fcber dem Abgrunde und tropfte hinunter. Und als ich aufblickte zur unermesslichen Welt nach dem g\u00f6ttlichen Auge starrte sie mich mit einer leeren bodenlosen <em>Augenh\u00f6hle <\/em>an; und die Ewigkeit lag auf dem Chaos und zernagte es und wiederk\u00e4ute sich \u2014 schreiet fort, Misst\u00f6ne, zerschreiet die Schatten, denn Er ist nicht! &lt;<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Die entf\u00e4rbten Schatten zerflatterten, wie wei\u00dfer Dunst, den der Frost gestaltet, im warmen Hauche zerrinnt; und alles wurde leer. Da kamen, schrecklich f\u00fcr das Herz, die gestorbenen Kinder die im Gottesacker erwacht waren, in den Tempel und warfen sich vor die hohe Gestalt am Altare und sagten: &gt; Jesus! Haben wir keinen Vater? &lt; &#8211; Und er antwortete mit str\u00f6menden Tr\u00e4nen: &gt; Wir sind alle Waisen, ich und ihr, wir sind ohne Vater. &lt;<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Da kreischten die Misst\u00f6ne heftiger \u2014 die zitternden Tempelmauern r\u00fcckten auseinander &#8211; und der Tempel und die Kinder sanken unter \u2014 und die ganze Erde und die Sonne sanken nach \u2014 und das ganze Weltgeb\u00e4ude sank mit seiner Unermesslichkeit vor uns vorbei \u2014 und oben am Gipfel der unermesslichen Natur stand Christus und schaute in das mit tausend Sonnen durchbrochene Weltgeb\u00e4ude herab, gleichsam in das in die ewige Nacht gew\u00fchlte Bergwerk, in dem die Sonnen wie Grubenlichter und die Milchstra\u00dfen wie Silberadern gehen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Und als Christus das reibende Gedr\u00e4nge der Welten, den Fackeltanz der himmlischen Irrlichter und die Korallenb\u00e4nke schlagender Herzen sah, und als er sah, wie eine Weltkugel um die andere ihre glimmenden Seelen auf das Totenmeer aussch\u00fcttete, wie eine Wasserkugel schwimmende Lichter auf die Wellen streuet, so hob er gro\u00df wie der h\u00f6chste Endliche die Augen empor gegen das Nichts und gegen die leere Unermesslichkeit und sagte: &gt;Starres , stummes Nichts! Kalte, ewige Notwendigkeit! Wahnsinniger Zufall! Kennt ihr das unter euch? Wann zerschlagt ihr das Geb\u00e4ude und mich? &lt; \u2014 Zufall, wei\u00dft du selber, wenn du mit Orkanen durch das Sternen-Schneegest\u00f6ber schreitest und eine Sonne um die andere auswehest, und wenn der funkelnde Tau der Gestirne ausblinkt, indem du vor\u00fcbergehest? \u2014 Wie ist jeder so allein in der weiten Leichengruft des Alls! Ich bin nur neben mir \u2014 0 Vater, 0 Vater! Wo ist deine unendliche Brust, dass ich an ihr ruhe? \u2014 Ach, wenn jedes Ich sein eigener Vater und Sch\u00f6pfer ist, warum kann es nicht auch sein eigener W\u00fcrgeengel sein? &#8230;<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">&gt;Ist das neben mir noch ein Mensch? Du Armer! Euer kleines Leben ist der Seufzer der Natur oder nur ein Echo \u2013 ein Hohlspiegel wirft seine Strahlen in die Staubwolken aus Totenasche auf eure Erde herab, und dann entsteht ihr bew\u00f6lkten, wankenden Bilder. \u2013 Schaue hinunter in den Abgrund, \u00fcber welchen Aschenwolken ziehen \u2013 Nebel voll Welten steigen aus dem Totenmeer, die Zukunft ist ein steigender Nebel, und die Gegenwart ist das fallende.- Erkennst du deine Werde?&lt;<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Hier schaute Christus hinab, und sein Auge wurde voll Tr\u00e4nen, und er sagte: &gt;Ach, ich war sonst auf ihr, da war ich noch gl\u00fccklich da hatt&#8216; ich noch meinen unendlichen Vater und blickte noch froh von den Bergen in den unermesslichen Himmel und dr\u00fcckte die durchstochne Brust an sein linderndes Bild und sagte noch im herben Tone: &gt; Vater, ziehe deinen Sohn aus der blutenden H\u00fclle und hebe ihn an dein Herz!&lt; &#8230; Ach, ihr \u00fcbergl\u00fccklichen Erdenbewohner, ihr glaubt <em>Ihn<\/em> noch. Vielleicht gehet jetzt euere Sonne unter, und ihr fallet unter Bl\u00fcten, Glanz und Tr\u00e4nen auf die Knie und hebet die seligen H\u00e4nde empor und rufet unter tausend Freudentr\u00e4nen zum aufgeschlossenen Himmel hinauf: &gt;auch mich kennst du, Unendlicher und alle meine Wunden, und nach dem Tode empf\u00e4ngst du mich und schlie\u00dfest sie alle&lt; &#8230; Ihr Ungl\u00fccklichen, nach dem Tode werden sie nicht geschlossen. Wenn der Jammervolle sich mit wundem R\u00fccken in die Erde legt, um einen sch\u00f6neren Morgen voll Wahrheit, voll Tugend und Freude entgegen zu schlummern: so erwacht er im st\u00fcrmischen Chaos, in der ewigen Mitternacht \u2013 und es kommt kein Morgen und keine heilende Hand und kein unendlicher Vater! \u2013 Sterblicher neben mir, wenn du noch lebest, so bete ihn an: sonst hast du ihn auf ewig verloren. &lt;<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Und als ich niederfiel und ins leuchtende Weltgeb\u00e4ude blickte, sah ich die emporgehobenen Ringe der Riesenschlange der Ewigkeit, die sich um das Welten-All gelagert hatte \u2013 und die Ringe fielen nieder und sie umfasste das All doppelt \u2013 dann wand sie sich tausendfach um die Natur \u2013 und quetschet die Welten aneinander \u2013 und dr\u00fcckte zermalmend den unendlichen Tempel zu einer Gottesacker-Kirche zusammen \u2013 und alles wurde eng, d\u00fcster, bang \u2013 und ein unermesslich ausgedehnter Glockenhammer sollte die letzte Stunde der Zeit schlagen und das Weltgeb\u00e4ude zersplittern&#8230; als ich erwachte.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Meine Seele weinte vor Freude, dass sie wieder Gott anbeten konnte \u2013 und die Freude und das Weinen und der Glaube an ihn waren das Gebet. Und als ich aufstand, glimmte die Sonne tief hinter den vollen purpurnen Korn\u00e4hren und warf friedlich den Widerschein ihres Abendrotes dem kleinen Monde zu, der ohne eine Aurora im Morgen aufstieg; und zwischen dem Himmel und der Erde streckte eine frohe, verg\u00e4ngliche Welt ihre kurzen Fl\u00fcgel aus und lebte, wie ich, vor dem unendlichen Vater; und von der ganzen Natur um mich flossen friedliche T\u00f6ne aus wie von fernen Abendglocken.&#8220;<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Schaudern und Entsetzen<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Die meisten Romane Jean Pauls gelten heute als verschn\u00f6rkelte, bildreich wuchernde und thematisch ausufernde Sprachunget\u00fcme, die kaum noch gelesen werden. Aber dieser Text hat bis auf den heutigen Tag gro\u00dfe Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er wurde seither in unz\u00e4hligen philosophischen, theologischen, religions- und literaturwissenschaftlichen Traktaten behandelt. Die einen sahen in dem Text ein k\u00fchnes Dokument des Atheismus, die anderen verstanden die Rede als Warnung vor dem Schrecken und Grauen des Unglaubens. Eine Welt ohne Gott vers\u00e4nke in einem infernalischen Chaos.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Jean Paul h\u00e4lt sich erst gar nicht bei den Grundfragen und Argumentationsg\u00e4ngen der Theodizee auf. Er fragt nicht nach Widerspr\u00fcchen in den Zuschreibungen g\u00f6ttlicher Eigenschaften: Gott sei allm\u00e4chtig, allwissend, allg\u00fctig, allgegenw\u00e4rtig und absolut weise. Wie kann ein allm\u00e4chtiger und liebender Gottvater die Gr\u00e4ueltaten gegen Alte, Kinder, Frauen und Gebrechliche zulassen? Wie kann ein allwissender und allgegenw\u00e4rtiger Gottvater seine Gesch\u00f6pfe den Schrecknissen einer zerst\u00f6rerischen Welt preisgeben? Warum verhindert er nicht die Macht des B\u00f6sen? Jean Paul spitzt die Frage nach Gott radikal zu, die Toten fragen Christus: \u201eIst kein Gott?\u201c Und Christus antwortet lapidar: \u201eEs ist keiner.\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Die doppelte Blasphemie besteht darin, dass Jean Paul damit Christus als Sohn Gottes und als von Gott gesandten Heiland leugnet. Wo kein Gottvater, da auch kein Gottessohn.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Der wahnsinnige Zufall ist es, der das Werde hervorbringt. Jede tr\u00f6stliche Hoffnung, jeder Glaube an einen erl\u00f6senden Gott sei eine Illusion: \u201eEs kommt kein Morgen und keine heilende Hand und kein unendlicher Vater.\u201c Es gibt auch keine Auferstehung. Jean Paul macht, und das ist das Ungeheuerliche, Jesus nicht zum Verk\u00fcnder einer Frohen Botschaft, sondern zu einem verstorbenen Berichterstatter \u00fcber einen unermesslich weiten, kalten Kosmos. Christus, h\u00f6chste Autorit\u00e4t der christlichen Religion, Erl\u00f6ser und Offenbarer, widerruft heftig und entschieden die christliche Heilsbotschaft.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Nur ein warnender Albtraum?<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Als Jean Paul aufwacht, erschrickt er zutiefst \u00fcber die Botschaften seiner grauenhaften Traumbilder. Kaum sind sie verschwunden, bricht er in einen Freudentaumel aus. Jean Paul f\u00fchlt sich befreit von den Schreckensvisionen, die ihn im Traum heimgesucht hatten, kniet nieder und bekennt seinen Glauben an einen \u201eunendlichen Vater&#8220;. Es sei ein Albtraum gewesen, in dem ihm der Horror einer gottlosen Welt vorgegaukelt worden sei. War es aber wirklich eine klare Kehrtwendung hin zum Glauben, die er mit dem Erwachen aus dem Albtraum vollzog? Oder gab er seinem Albtraum absichtlich eine Wendung, um es Kritikern und Gegnern zu erschweren, ihn f\u00fcr einen verkappten Atheisten zu halten? H\u00e4lt er eine atheistische Weltsicht tats\u00e4chlich nur f\u00fcr eine Ausgeburt von Albtr\u00e4umen? Handelt es sich um einen traumbilderhaft verschl\u00fcsselten Atheismus? Oder um eine Warnung vor gottlosen Fantasien? Jean Pauls Text l\u00e4sst gegens\u00e4tzliche Deutungen zu. Die Diskussion dar\u00fcber h\u00e4lt bis heute an.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Jean Pauls Traumvision fand in ganz Europa ein lebhaftes Echo. Madam de Stael machte die Christus-Rede schon 1810 in ihrem Buch \u201eDe 1&#8242; Allemagne&#8220; franz\u00f6sischen Lesern bekannt. Durch Germaine de Stael wurden unter anderen Honore Balzac, Charles Baudelaire, Victor Hugo und Fijodor Dostojewski auf die Rede aufmerksam. Sie alle waren tief beeindruckt. Der franz\u00f6sische Literaturhistoriker und Germanist Robert Minder (1902-1980) sagte in seiner Studie \u00fcber Madame de Stael, die bizarre Vision vom toten Christus sei keine Blasphemie. Sie sei der Aufschrei des Schmerzes, Seufzen der verlassenen Kreatur, die das Todestal durchschreiten muss, ehe sie die Gnade der Erl\u00f6sung findet.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Schaudern und Widerruf<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Wie immer wir seine gro\u00dfartige Vision ausdeuten m\u00f6gen, der Sp\u00f6tter Jean Paul sah sich noch anders vor. Er setzt seinem \u201eAlbtraum\u201c einen \u201e&gt;Vorbericht&lt;&#8220; voran, in dem er sich f\u00fcr die K\u00fchnheit seiner Dichtung entschuldigt und die Leser beschwichtigt, er wolle nicht die Existenz Gottes leugnen. Er gibt zwar sp\u00f6ttisch und bissig zu, mit seiner \u201eDichtung einige lesende und gelesenen Magister in Furcht zu setzen&#8220;, erkl\u00e4rt aber halbernst, dies nur deshalb zu tun, weil \u201ediese Leute&#8220;, von der kritischen Philosophie in Tagelohn genommen, \u201edas Dasein Gottes so kaltbl\u00fctig und kaltherzig erw\u00e4gen, als ob vom Dasein des Kraken und Einhorns die Rede w\u00e4re&#8220;. &#8211; Eine k\u00f6stliche Ironie!<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Jean Paul zerstreut schleunigst jeden Verdacht, er sei vielleicht doch ein \u201eGottesleugner&#8220;, der mit seinem Atheismus \u201edas ganze geistige Universum (&#8230;) zersprengt (&#8230;) in zahllose quecksilberne Punkte des Ichs.&#8220; Am Ende kehrt er wieder zur\u00fcck in \u201eeine frohe verg\u00e4ngliche Welt&#8220; und in eine Natur, von der friedliche T\u00f6ne ausgehen, \u201eKuhschnappel\u201c und frommer Kleinb\u00fcrgergeist holen ihn wieder zur\u00fcck. Jean Paul brachte, so wird heute argumentiert, mit seinen gro\u00dfartigen lyrisch-vision\u00e4ren Szenen die existenzielle Angst zum Ausdruck, die Panik, die den Menschen erfasst, wenn er mit dem Atheismus und Nihilismus konfrontiert wird.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Wir d\u00fcrfen es ihm nicht verdenken, dass er vor dem Abgrund zur\u00fcckschreckt und zur\u00fcckweicht. Jean Paul hatte nicht vergessen, dass er wegen seiner scharfsinnigen, k\u00fchnen Abschiedsrede am Gymnasium von Hofer Frommb\u00fcrgern des Atheismus bezichtigt und gemieden worden war. In einer halben R\u00fcckwendung rettet er sich in den Glauben an die Seelenwanderung, die er mit dem Atheismus f\u00fcr vereinbar h\u00e4lt. Er kniet nieder und meint, indem er am Glauben an die Seelenwanderung und an einem undogmatischen Deismus festh\u00e4lt, sich auf den vermeintlich sicheren Boden einer frohen, verg\u00e4nglichen Welt zwischen dem Himmel und der Erde retten zu k\u00f6nnen. Er fl\u00fcchtet ins Gebet und macht seinen Kotau vor Gott. Zahlreichen Interpreten, seien es Theologen, Philosophen, Germanisten oder Literaturwissenschaftler, er\u00f6rterten den ber\u00fchmten Text und seine geistigen Botschaften im Zusammenhang mit den theologischen und philosophischen Schriften und Richtungen des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts. Auch Gespensterglauben und Friedhofs\u00e4ngste jener Zeit, vor denen es Jean Paul gegruselt hatte, wurden in die Deutungen gelehrter Traktate mit einbezogen. Theologen machten aus dem literarischen Meisterwerk ein Glaubenszeugnis, zu dem sich ein zutiefst erschrockener Zweifler und Sinnsucher durchringt. So gut wie alle kamen zu dem Ergebnis, Jean Paul habe zum christlichen Glauben zur\u00fcckgefunden, mag es auch ein Gottesglauben ohne Dogma gewesen sein.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Vorwegnahme einer modernen Kosmologie<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Welch ein spektakul\u00e4rer Blick in den Kosmos! Welch eine gro\u00dfartige Ahnung von den Tiefen des Universums! Ich staune wie nahe Jean Paul dem modernen naturwissenschaftlichen Weltbild kommt, wie seine sprachlichen Bilder heutige Blicke in den Weltraum vorwegnehmen. Welten, W\u00fcsten des Himmels, ewige Staubst\u00fcrme in den kosmischen Weiten, Chaos, unz\u00e4hlige Sonnen, ewige Schw\u00e4rze zwischen den Sternenwelten, Sternen-Schneegest\u00f6ber, Nebel-Welten, Milchstra\u00dfen wie Silberadern \u2014 \u201eaber es ist kein Gott!&#8220; Jean Paul ist mit seinen vision\u00e4r erdachten Traumbildern einen Moment lang seiner Zeit weit voraus. Mit seiner kosmischen Schau der tausend Sonnen, der Staubwolken aus Totenasche und einer Vielzahl von Milchstra\u00dfen (Galaxien) nimmt er Bilder vorweg, die gro\u00dfe Weltraumteleskope erst im zwanzigsten Jahrhundert liefern werden. \u201eUnser heutiges Bild vom Universum\u201c, so belehrt uns der Astrophysiker Stephen W. Hawking, \u201enahm erst 1924 Konturen an, als der amerikanische Astronom Edwin Hubble zeigte, dass es neben unserer Galaxie noch viele andere gibt, zwischen denen weite Strecken leeren Raums liegen.\u201c (Eine kurze Geschichte der Zeit, 1988, S.54). Zweihundert Jahre sp\u00e4ter spitzt Hawking die Frage nach der Existenz eines Sch\u00f6pfers erneut zu und Philosophen und Theologen laufen Sturm gegen seinen Atheismus. Es gibt keinen \u201ekosmischen\u201c Christus, der uns erl\u00f6st. Ein kosmisches Inferno wird uns, sollte es uns noch geben, f\u00fcr immer vernichten. Jean Pauls Vision von der Rede des toten Christus vom Weltgeb\u00e4ude herab war eine Vorahnung dessen, was wir heute wissen. Eine Sonne um die andere wird ausgeweht, wie es Jean Paul poetisch ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Am 8. September 1988 entdeckte der deutsche Astronom Freimut B\u00f6rngen, ein passionierter Galaxien- und Asteroiden-Forscher, an der Th\u00fcringer Landessternwarte Tautenburg einen weiteren Asteroiden und gab ihm den Namen \u201e(14365) Jeanpaul\u201c. Es ist ein Hauptg\u00fcrtelasteroid, der mit einer mittleren Geschwindigkeit von 18,20 Kilometer pro Sekunde durch den Weltraum rast.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">(<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%2814365%29_Jeanpaul\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/(14365)_Jeanpaul<\/a> 15.01.2017.)<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Jean Paul hat diese Ehrung verdient. Er ist in dieser Weise auch in die Geschichte der modernen Astronomie eingegangen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Die Zukunft der Erde &#8211; Untergangsszenarien<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Das Schicksal der Erde liegt nach heutigen astrophysikalischen und kosmologischen Kenntnissen relativ klar vor unseren Augen. Vermutlich wird sich die Sonne, wenn sie ihren Vorrat an nuklearem Brennstoff verbraucht hat, zu einem riesigen Glutball aufbl\u00e4hen. Der rote Riese wird von innen nach au\u00dfen die Planeten zu Schlacken machen, die Schlacken verschlucken und infernalisch kollabieren. Unsere Erde wird am Ende in einen Klumpen aus geschmolzenem Gestein verwandelt. Schon bevor sich die Sonne vollends zu einem roten Riesen aufbl\u00e4ht, wird das Ende des irdischen Lebens besiegelt sein. Eine st\u00e4ndig zunehmende Sonneneinstrahlung wird in einigen Milliarden Jahren alles Wasser verdampfen. D\u00fcrre und Feuer k\u00fcndigen die t\u00f6dliche Gefahr an. Die Vegetation wird versengt und vernichtet werden. Die Ozeane verdunsten. Die Temperatur wird schlie\u00dflich 2000 Grad Celsius \u00fcbersteigen. Die Sonne selbst wird ihre \u00e4u\u00dfere H\u00fclle in einer heftigen Teilchenstr\u00f6mung verlieren, unter der Kraft ihrer Massenanziehung kollabieren und am Ende zu einem winzigen, leuchtschwachen Zwerg schrumpfen. Dieser Zwerg wird von ein paar eisigen, erstarrten Planetenk\u00f6rper in ewiger Dunkelheit umrundet. (Reisen durch das Universum. Die Grenzen der Zeit, S.8).<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Ein anderes Untergangsszenario sagt voraus, dass in etwa zweieinhalb Milliarden Jahre Andromeda-Galaxie und Milchstra\u00dfe kollidieren werden. Der Zusammensto\u00df selbst wird mehrere hundert Millionen Jahre dauern. In einem intergalaktischen Sternenwirbel werden unsere Sonne und unser Heimatplanet aus ihren galaktischen Verankerungen gerissen und in andere Regionen katapultiert. Die Erde wird irgendwohin in die Dunkelheit des Kosmos taumeln. Noch ehe sie nach heutigen Berechnungen von der Glut des roten Riesen verschlungen w\u00fcrde, verschw\u00e4nde sie im eisigen Weltraum. Alles irdische Leben w\u00e4re schon fr\u00fcher zu Ende.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Ob es nun so oder so enden wird: Keine Religion wird den kommenden Untergang der Menschheit aufhalten.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Kosmischer Exodus<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Die Menschheit werde sich, so sagt Stephen W. Hawking voraus, Ausweichm\u00f6glichkeiten im Weltall f\u00fcr den Fall schaffen m\u00fcssen, um einer hausgemachten Katastrophe zu entkommen. Die kosmische Migration k\u00f6nnte die Chancen verbessern, der Ausl\u00f6schung unserer Spezies durch eine globale Katastrophe zu entgehen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Die Einschiffung auf Weltraumfahrzeuge wird keine Watteausche \u201eEinschiffung nach Kythera\u201c sein, keine friedliche Einladung zu einer Reise in idyllische Gefilde (Jean-Antoine Watteau, L\u00b4\u00c9mbarquement pour Cythere, 1717). Da werden keine Puttchen um die untergehende Sonne einen heiteren Reigen bilden. Wer die Letzten sein d\u00fcrfen, werden allgewaltige Befehlshaber bestimmen, Herrscher der letzten Tage. Da wird kein J\u00fcngstes Gericht sein vor einem Richter-Gott, der die Guten von den B\u00f6sen trennt, sondern eine erbarmungslose Selektion nach \u201eMacht\u201c und \u201eOhnmacht\u201c, nach \u201eTauglich\u201c und \u201eNichttauglich\u201c entscheiden. Nur wenigen \u201eAuserw\u00e4hlten\u201c wird die Flucht auf eine kosmische \u201eInsel des Gl\u00fccks\u201c erm\u00f6glicht werden. Sie werden Gottes, wenn es ihn g\u00e4be, neues \u201eauserw\u00e4hltes Volk\u201c sein. Das irdische Kythera versinkt mit seinen G\u00f6ttern, das ist sicher, in der kosmischen Glut.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Weg zum modernen Atheismus Themenwechsel, Szenenwechsel, literaturgeschichtliche, religionsgeschichtliche und kosmologische Grenzg\u00e4nge zur Selbstfindung und Selbstverortung. Vom Gl\u00fcck im heutigen Westeuropa zu leben. Familien- und gewerbegeschichtliche Begegnung Dem aus der ehemaligen brandenburgischen Markgrafschaft Bayreuth stammenden Schriftsteller Jean Paul Friedrich Richter (1763-1825), der sich sp\u00e4ter kurz Jean Paul nannte, begegnete ich in Hof an der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[360,365,361,363,364,362],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/260"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=260"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/260\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":298,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/260\/revisions\/298"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=260"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=260"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=260"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}