{"id":263,"date":"2017-01-31T08:25:28","date_gmt":"2017-01-31T07:25:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=263"},"modified":"2017-03-03T14:00:46","modified_gmt":"2017-03-03T13:00:46","slug":"34-kosmische-schauspiele-und-menschliche-aengste-kometen-und-asteroiden-16531997","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2017\/01\/31\/34-kosmische-schauspiele-und-menschliche-aengste-kometen-und-asteroiden-16531997\/","title":{"rendered":"34. Kosmische Schauspiele und menschliche \u00c4ngste (I) \u2013 Kometen und Asteroiden (1653\/1997)"},"content":{"rendered":"<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Astronomische und astrologische Schriften aus der Mintzelschen Buchdruckerei<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\"><strong>\u00a0<\/strong>Seit alters her haben kosmische Schauspiele wie Sonnen- und Mondfinsternisse, merkw\u00fcrdige Planetenkonstellationen, Kometen, Sternschnuppenschauer und Feuerb\u00e4lle die Menschen fasziniert, beunruhigt, ver\u00e4ngstigt und zu astronomischen Beobachtungen und Weltdeutungen angeregt. Die praktische Astronomie der Vorzeit und die himmelskundlichen Kenntnisse sp\u00e4terer Zeiten dienten der Lebensbew\u00e4ltigung und dem \u00dcberleben in einer \u00fcberm\u00e4chtigen Natur und pr\u00e4gten menschliche Kulturen. Die atemberaubenden Erkundungen des Kosmos mit gro\u00dfen Teleskopen und Raumsonden, die v\u00f6llig neue Bilder aus den unfassbaren Weiten des Weltalls lieferten, versetzten Menschen nicht nur in Staunen, sondern n\u00e4hrten gleichzeitig Fantasien \u00fcber die Existenz von bizarr gestalteten Aliens. Teleskope und Raumfahrt brachten auch die Gefahren n\u00e4her in den Blick, die der Erde aus dem Weltall drohen. Ich verfolgte stets mit gro\u00dfem Interesse die Fortschritte in der Weltraumforschung und die Entwicklung kosmologischer Theorien. Die rasanten und gro\u00dfartigen Erkenntnisfortschritte, die der kolossale Einsatz von Forschungsmitteln auf diesen Gebieten erm\u00f6glichte, konfrontierten mich dabei oft schmerzlich mit der k\u00fcmmerlichen und entmutigenden Forschungssituation im Fach Soziologie.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurden in der Mintzelschen Buchdruckerei in Leipzig und in Hof an der Saale eine Reihe astronomischer und astrologischer Schriften gedruckt, darunter auch eine von Johannes Keppler (1629). In den Jahren 1653\/54 veranlassten zwei kosmische Ereignisse, ein vagabundierender Komet (1652\/53) und eine totale Sonnenfinsternis (2. August 1654), Mathematiker und Astronomen dazu, sie zu beschreiben und ihre Landsleute dar\u00fcber zu unterrichten, wie diese Himmelserscheinungen zu erkl\u00e4ren und zu deuten seien. Der Hofer Mathematiker und Theologe Jacob Ellrod gab sein Traktat \u00fcber den Kometen 1653 in Hof bei Johann Albrecht Mintzel (1600-1653) in Druck. Ein Jahr sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte der Stra\u00dfburger Mathematiker Eberhard Welper in Stra\u00dfburg zur Erkl\u00e4rung und \u201en\u00fctzlichen Vorsehung\u201c, wie er sagte, eine \u201eBeschreibung der ungew\u00f6hnlich gro\u00dfen Sonnen-Finsternis\u201c. Wie so oft in jener Zeit, in der Urheberrechte wenig Schutz fanden, wurde Welpers Traktat 1654 in Hof wegen seines furchterregenden Inhalts in der Mintzelschen Buchdruckerei nachgedruckt. Den Raubdruck d\u00fcrfte der Hofer Mathematiker Ellrod veranlasst habe, der Welpers Traktat redaktionell bearbeitete und die sensationellen Teile heraushob. Ellrods und Welpers Schriften bestanden aus einer f\u00fcr ihre Zeit typischen Mischung aus Astronomie, Astrologie, Theologie und praktischen Folgerungen daraus. Vor allem letztere sind f\u00fcr den heutigen Leser besonders aufschlussreich, weil sie uns vor Augen f\u00fchren, welche \u00c4ngste und Schrecken die Menschen fr\u00fcher angesichts solcher Himmelserscheinungen empfanden und welche Ma\u00dfnahmen sie gegen vermeintlich drohende \u00dcbel ergriffen. Als Anfang Dezember 1652 ein Komet erschien, wurde den Hofer B\u00fcrgern angst und bange. Im August 1654 lie\u00df sie die Sonnenfinsternis sogar bef\u00fcrchten, dass der Weltuntergang und das J\u00fcngste Gericht bevorst\u00fcnden. Aus den Mintzelschen Druckwerken und anderen lokalen Quellen lassen sich jene Tage und Ereignisse bis ins Detail erschlie\u00dfen und nacherleben. Noch lange f\u00fcllten zahlreiche astrologische Kalender mit merkw\u00fcrdigen Prognosticae die Regale. Die Druckereien verbreiteten in zahlreichen Werken diese abergl\u00e4ubischen Schreckensgeschichten und d\u00fcsteren Vorhersagen. Diese fanden einen guten Absatz. Auch die Mintzelsche Druckerei profitierte von diesen kleinen \u201eRennern\u201c auf dem Buchmarkt.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">[Abbildung: Frontispiz zu Jacob Ellrod: Memoria Quadripartita, Cometae, Hof 1653. Gedruckt und verlegt von Johann Albrecht Mintzel]<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">[Abbildung: Tietelblatt zu Jacob Ellrod: Memoria Quadripartita, Cometae, Hof 1653. Gedruckt und verlegt von Johann Albrecht Mintzel]<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">[Abbildung: Prognosticon Astronomicum Et Astrologicum, Hof 1653. Gedruckt und verlegt von Johann Albrecht Mintzel]<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Im Jahre 1997 wurde ich Augenzeuge eines kosmischen Jahrtausendereignisses, als der Komet Hale-Bopp aus den Tiefen des Weltalls wiederkehrte, und am 11. August 1999 erlebte ich eine totale Sonnenfinsternis, die letzte im zweiten Jahrtausend. Ich beobachtete, was beide Himmelserscheinungen trotz des v\u00f6llig ver\u00e4nderten astrophysikalischen und kosmologischen Weltbildes bei angeblich aufgekl\u00e4rten Menschen ausl\u00f6sten. Obskure Fantasien, Panik, Weltuntergangs\u00e4ngste und Fluchtgedanken trieben sie um und sogar in den Tod. Aus den alten Schriften und \u00fcber die Ereignisse und Vorg\u00e4nge, die ich in der j\u00fcngsten Vergangenheit als Augenzeuge und Zeitzeuge erlebt habe, will ich in diesem und im n\u00e4chsten Kapiteln berichten.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Kometen galten von jeher und auch noch im 17. Jahrhundert als Ungl\u00fccksboten. Tauchten sie am Himmel auf, l\u00f6sten sie unter den Menschen Furcht und Schrecken aus. Die Menschen, die solche Himmelserscheinungen noch nicht naturwissenschaftlich zu erkl\u00e4ren vermochten, deuteten Sonnen- und Mondfinsternisse, besondere Planetenkonstellationen, Kometen und sogar seltsame Wolkenbildungen als Vorzeichen f\u00fcr \u00dcbel aller Art. So glaubten sie, dass diese Himmelserscheinungen f\u00fcr Hochwasserkatastrophen, Feuersbr\u00fcnste, Vulkanausbr\u00fcche, schreckliche Unwetter, Epidemien und Massensterben verantwortlich sein konnten. Das Erscheinen von Kometen rief Weltuntergangsstimmungen hervor. Abstruse Prophezeiungen wurden in Umlauf gebracht und heizten die Panikstimmung noch mehr auf. Die bahnbrechenden Leistungen der Astronomen Galileo Galilei, Johannes Keppler und des Physikers Isaac Newton drangen erst allm\u00e4hlich ins allgemeine Bewusstsein. Dabei befassten sich selbst diese gro\u00dfen Wegbereiter der modernen Naturwissenschaften auch noch ernsthaft mit der Astrologie.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Von dem \u201eWunder-Stern\u201c, der ein Zeichen Gottes gewesen sei<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">(Frei nach alten Quellen erz\u00e4hlt)<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Als Anfang Dezember 1652 ein Komet erschien, der allerdings nur kurze Zeit sichtbar war, beschrieb und er\u00f6rterte Jacob Ellrod (1601-1671), ein Mathematiker und Theologe, der am Alten Gymnasium in Hof an der Saale lehrte, in seinem Traktat \u201eMemoria quadripartita Cometae\u201c den Kometen unter vier Aspekten. Der \u201eWunder-Stern\u201c m\u00fcsse, um seine Existenz, Beschaffenheit, sein Erscheinen und seine Bedeutung zu erkl\u00e4ren, unter astronomischen, \u201enaturgem\u00e4\u00dfen\u201c (physikalischen\/materiellen), astrologischen und theologischen Gesichtspunkten betrachtet werden. In seiner Beschreibung der materiellen Zusammensetzung folgte er zun\u00e4chst der aristotelischen Lehrmeinung, Kometen entst\u00fcnden aus trockenen, z\u00e4hen, fetten, dicken, schleimigen und schwefligen D\u00e4mpfen und D\u00fcnsten, die wie Rauchnebel auf der Erde entst\u00fcnden und bis in die obersten sublunaren Luftschichten aufstiegen, dort gesammelt und entz\u00fcndet w\u00fcrden. Bei diesem Kometen k\u00f6nne es sich jedoch nicht um einen gew\u00f6hnlichen handeln, weil er jenseits der Mondbahn seine Bahn z\u00f6ge, wohin die irdischen D\u00e4mpfe nicht gelangen k\u00f6nnten. Au\u00dferdem sei er gr\u00f6\u00dfer als die Erde. Seine Betrachtung schloss Ellrod mit dem Ergebnis ab, der Komet sei ein ganz neuer, zuvor nie gesehener \u201ekometischer Wunder-Stern\u201c, dem eine besondere Bedeutung beizumessen sei. Er sei ein von Anbeginn der Welt herr\u00fchrendes Werk Gottes, in dessen Allmacht es aber st\u00fcnde, jederzeit etwas Neues zu schaffen. Er g\u00e4be mit diesem \u201eWunder-Stern\u201c den Menschen zweifelsohne ein Zeichen. Eine bisher noch nie erfahrene Gottesstrafe br\u00e4chte allen Menschen auf der Welt furchtbare Plagen. Es l\u00e4ge in Gottes Gnade, die Menschen davor zu bewahren. Wenn \u00fcberhaupt, dann k\u00f6nne Gott nur durch Bu\u00dfe und Gebet gn\u00e4dig gestimmt werden. Was Ellrod in seinem Traktat f\u00fcr gebildete Landeskinder niedergeschrieben und in Druck gegeben hatte, trug er mit geballter Wortkraft \u201eeinf\u00e4ltigen Leuten\u201c und seinen \u201elieben Pfarrkindern\u201c in Bu\u00df- und Bekehrungspredigten vor. Sein Traktat und seine Predigten waren typisch f\u00fcr die damals herrschende Droh-, Straf- und Bu\u00dftheologie, die Angst und Schrecken verbreitete. Im heute halbwegs aufgekl\u00e4rten Europa k\u00f6nnte diese Theologie die wenigsten Gl\u00e4ubigen in die Kirchen treiben. Sie w\u00fcrde sogar eher den Exodus aus den Gottesh\u00e4usern beschleunigen. Die Kirchen zeigen sich heutzutage bem\u00fcht, ein menschenfreundlicheres Gottesbild zu propagieren. Der Himmelstyrann von damals hat theologisch ausgedient.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Der Droh-, Straf- und Bu\u00dftheologie entsprach das personale Gottesbild, das der Hofer Kupferstecher Tobias Wolfart im Frontispiz zu Ellrods Schrift beigesteuert hatte. Sein Kupferstich zeigt die \u00f6stliche Hemisph\u00e4re des Himmels und dar\u00fcber den allm\u00e4chtigen Sch\u00f6pfer und Herrscher der Welt. Der gekr\u00f6nte und rauschb\u00e4rtige Gottvater schwingt mit der rechten Hand eine Gei\u00dfel und h\u00e4lt in der linken ein Langschwert. Ein z\u00fcrnender Gott spricht aus einem flammenden Himmel und droht der unbotm\u00e4\u00dfigen Menschheit.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Hale-Bopp \u2013 Der kosmische Vagabund des Jahres 1997<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Selbst als im M\u00e4rz 1997 Hale-Bopp, der gut sichtbare Super-Komet, am samtschwarzen Himmel seine Bahn zog und sein langer, gespaltener Schweif schr\u00e4g gegen den Zenit stand, schrieben \u00e4ngstliche Gem\u00fcter dem Kometen die Schuld an den Erdbeben, Wetterkatastrophen, Hungersn\u00f6ten und Kriegen der letzten Jahre zu. Astrologen und Himmelszeichen-Sinnsucher hatten Hochkonjunktur. In Magazinen und Zeitungen wurde ausf\u00fchrlich und bildreich an alte \u00c4ngste und Prophezeiungen erinnert. Sternwarten verzeichneten Besucherrekorde (siehe zum Beispiel FAZ Nr. 75 vom April 1997, S.12; dies.Nr.74 vom 29.03.1997, S. 3; SZ Nr. 77 vom 04.04.1997, S.3; SZ Nr. 73 vom 29.\/30\/31.03.1997, S.10)<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Im Jahre des Jahrtausend-Kometen Hale-Bopp kamen jedoch Sichtweisen und Erwartungen ins Spiel, die es bis in das 17. Jahrhundert hinein gewiss noch nicht gegeben hatte, n\u00e4mlich die Vorstellung, dass sich au\u00dferirdische Wesen aus intergalaktischen Gegenden in Raumschiffen der Erde n\u00e4hern und eine Invasion vorbereiten k\u00f6nnten. Nicht einmal in den k\u00fchnsten Fantasien vergangener Zeiten gab es Weltraumraketen oder gar bemannte Weltraumfahrzeuge. Erst im Jahre 1969 landeten Menschen auf dem Mond und Neil Armstrong, der US-amerikanische Astronaut, sprach jene Worte, die in die Menschheitsgeschichte eingingen: \u201eEin kleiner Schritt f\u00fcr einen Menschen, ein riesiger Sprung f\u00fcr die Menschheit.\u201c Dieser Sprung stand im 17. und 18. Jahrhundert noch au\u00dferhalb des Denkm\u00f6glichen und des Fantasierens. Jedoch t\u00f6nen und wirken die abstrusen und obskuren Prophezeiungen und Visionen der \u201edunklen\u201c Jahrhunderte in gewandelter Weise noch bis in das ausgehende 20. Jahrhundert nach. Astrologen, Katastrophens\u00fcchtige, \u00e4ngstliche Sinnsucher, Scharlatane und Gesch\u00e4ftemacher bilden immer noch ein illustres Ensemble, das gern von sich reden macht. Hale-Bopp l\u00f6ste im M\u00e4rz 1997 ein heftiges Kometen-Fieber aus, die Phantasien bl\u00fchten, der Kometen-Wahn trieb Menschen in den Tod. Das Mittelalter schien zur\u00fcckzukehren. Wie im 17. Jahrhundert verbreiteten die Printmedien fast t\u00e4glich Berichte \u00fcber Wahnideen von selbsternannten Propheten, Sektenf\u00fchrern, UFO-\u201eWissenschaftlern\u201c, katholischen Fundamentalisten und Marienverehrern. Eine bunte Mischung aus alten Religionslehren und Theologien, aus Aberglaube und Astrologie, aus Okkultismus, Esoterik und Science Fiction, aus der virtuellen Welt der elektronischen Datenverarbeitung und World Wide Web befriedigte die Sensationsgier der Menschen oder unterhielt die Massen mit sonderbaren Geschichten. Das Gemisch verkaufte sich gut, obschon in unseren hochentwickelten Gesellschaften die meisten Menschen \u00fcber die Wahnideen nur schmunzelten und lachten. Sie passten zur modernen \u201eSpa\u00dfgesellschaft\u201c, die sich gern unterhalten und am\u00fcsieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\u201eDer Spiegel\u201c das Hamburger Wochenmagazin, wusste von christlichen Fundamentalisten in Amerika zu berichten (Nr. 14 vom 31.03.1997, S.224-227), die in dem Kometen die Erf\u00fcllung der biblischen Johannes-Apokalypse sahen. \u201eUFO-Wahnbesessene\u201c verbreiteten im Internet, der Komet sei nur Tarnung f\u00fcr ein gigantisches Raumschiff, das die Menschheit ausrotten w\u00fcrde. Laut UFO-Nachricht Nr. 237 war der Besucher aus dem Reich der Finsternis ein Protokollschiff vom Orion. In San Diego begingen 21 Frauen und 18 M\u00e4nner der \u201eHimmelstor\u201c-Sekte gemeinsam Selbstmord, um sich in einem Raumschiff mit ihrem Gott Ti zu vereinigen. Ein Deutscher namens Johannes Bartel sah durch den Kometen sogar \u201edie dritte Botschaft von Fatima\u201c erf\u00fcllt, die angeblich eines der bestgeh\u00fcteten Geheimnisse des Vatikans sein soll: Fatima ist der Wallfahrtsort in Portugal, wo im Jahre 1917 drei Hirtenkinder Erscheinungen der Muttergottes erlebt haben wollen. Eine der angeblichen Botschaften Mariens wurde jahrzehntelang als dreiteiliges Geheimnis behandelt. Das eine betraf die Unvermeidlichkeit der H\u00f6lle f\u00fcr alle S\u00fcnder. Das zweite bezog sich darauf, dass Russland, vom Kommunismus befallen, \u201eseine Irrlehren \u00fcber die Welt verbreite\u201c, sich aber wieder bekehren w\u00fcrde, wenn der Papst das Land dem \u201eUnbefleckten Herzen\u201c Mariens weihte. Das dritte Geheimnis sollte nach den r\u00e4tselhaften Aussagen der zehnj\u00e4hrigen Hirtentochter Lucia dos Santos gem\u00e4\u00df Anordnung der Gottesmutter erst nach 1960 enth\u00fcllt werden. Auf Gehei\u00df des Bischofs von Leiria schrieb sie es 1944 auf und es gelangte 1954 in einem versiegelten Umschlag endlich zum Vatikan. Seither wurde ger\u00e4tselt, ob die Weissagung ein Schisma der Kirche, den gewaltsamen Tod eines Papstes oder gar den Atomkrieg betreffen w\u00fcrde. Einen Nuklearkrieg konnte die Jungfrau Maria im Jahre 1917 wohl kaum voraussagen, es sei denn, sie w\u00e4re schon im Besitz des Wissens der sp\u00e4teren Atomphysik gewesen. Doch sind Gl\u00e4ubige davon \u00fcberzeugt, dass sogenannte \u00fcberirdische Geistwesen, und zu denen rechnen sie die Muttergottes, ein Allwissen eigen sei. Jedenfalls verk\u00fcndete der oben genannte Johannes Bartel heilsgewiss, durch den Kometen werde die dritte Botschaft von Fatima best\u00e4tigt, dass die \u201eWiederkunft des Herrn\u201c bevorstehe, der schon unter den Menschen weile.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">1998, im Jahr nach Hale-Bobs Erscheinen, kam der Science-Fiction-Thriller &#8222;Deep Impact\u2013 der gro\u00dfe Einschlag\u201c in die Kinos. Der Film bedient sich der alten Angstmuster, die er in die Gegenwart projiziert: die Angst vor dem Kometen als Unheilbringer. Er kn\u00fcpft an die alten gro\u00dfen Erz\u00e4hlungen an: Sintflut, Arche Noah, Rettung. Der Pr\u00e4sident der USA spricht die Worte, die bis ins 17. und 18. Jahrhundert hinein in Bu\u00df- und Drohpredigten bei au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ereignissen gesprochen worden sind: &#8222;Gott stehe uns bei, Gott sei uns gn\u00e4dig, wir legen unser Schicksal in Gottes Hand.&#8220; Den Kometen durch atomaren Beschuss aus seiner bedrohlichen Bahn zu katapultieren, misslingt, aber einigen Helden gl\u00fcckt es zumindest, den Kometen so zu zerst\u00fcckeln, dass die Einschl\u00e4ge der Teilst\u00fccke nicht die ganze Menschheit vernichten. Das sind die Katastrophen-Szenarien von heute. Bei aller wissenschaftlichen Aufkl\u00e4rung und s\u00e4mtlichen Berechnungen der Risikowahrscheinlichkeiten ist die Angst vor den potenziellen \u201eUngl\u00fccksbringern\u201c geblieben.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Die Angst vor pl\u00f6tzlichen Einschl\u00e4gen vagabundierender Kometen und Asteroiden ist allerdings begr\u00fcndet. Allein schon im ersten Dezennium des 21. Jahrhunderts passierten mindestens sechs Asteroiden in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringer Entfernung die Erde. Einer davon, Asteroid 2016 QA2, wurde am 29. August 2016 erst wenige Stunden vorher entdeckt. Einige Asteroiden werden nach Berechnungen von Astronomen in der ersten H\u00e4lfte des 21. Jahrhunderts der Erde so nahe kommen, dass eine Kollision f\u00fcr m\u00f6glich gehalten wird. So wird beispielsweise am 13. April 2029 Asteroid Apophis im Abstand von nur 30.000 Kilometern an der Erde vorbeiziehen. Die Menschheit kann sich ihres Fortbestandes nicht sicher sein. Wie Geologie, Erdgeschichte, Astronomie und Astrophysik lehren, drohen Katastrophen, die ihren Untergang herbeif\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"center\"><strong>Im Cockpit der Condor &#8211; Flug 381<\/strong><\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\u00c4hnlich wie mein Besuch des World Trade Centers in New York stellt der Flug 381 ein unwiederholbares historisches Ereignis dar, weil nach dem 11. September 2001 die Mitnahme von Passagieren im Cockpit aus Sicherheitsgr\u00fcnden grunds\u00e4tzlich verboten wurde. Ich hatte das Gl\u00fcck, auf dem n\u00e4chtlichen R\u00fcckflug von Dubai nach Frankfurt den Hale-Bopp aus dem Cockpit der Condor in 9000 Meter H\u00f6he betrachten zu k\u00f6nnen. Es war ein faszinierendes und einzigartiges Ereignis. Ich hatte schon zahlreiche Flugreisen erlebt, darunter drei in die USA, doch pr\u00e4gte sich dieser Nachtflug in mein Ged\u00e4chtnis am tiefsten ein. Ich beobachtete am Nachthimmel ein Jahrtausendereignis.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Anne, unsere \u00e4lteste Tochter, Flugbegleiterin aus Passion, hatte uns zuvor auf eine F\u00fcnf-Tage-Reise nach Dubai eingeladen. Abflug nach Dubai am 5. M\u00e4rz 1997 gegen 18 Uhr, R\u00fcckflug am 12. M\u00e4rz am Sp\u00e4tnachmittag. Auf dem Hin- und R\u00fcckflug hatten wir einen wolkenlosen Himmel und klare Sicht, beide Male flogen wir in den Nachthimmel hinein. Ich liebe Flugreisen und beobachte immer begeistert Himmel und Erde- oben die Wolkent\u00fcrme, unten die Vegetation, die Lichter der St\u00e4dte, strahlende Verkehrsnetze und unbewohnte Gebiete, W\u00fcsten, Gebirgsmassive und das Meer. Einen Fensterplatz mit guter Sicht besetzen zu k\u00f6nnen, ist mir jedes Mal enorm wichtig. Flugangst ist mir fremd, Fliegen ein wunderbares Erlebnis. Mich befremdet es sehr, wenn Mitreisende auf ihre Monitore starren und irgendwelche Filmsequenzen verfolgen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">Auf dem Flug von Dubai zur\u00fcck nach Frankfurt am Main hatte Anne mit den Piloten vereinbart, mich im Cockpit Platz nehmen und Himmel und Erde von dort aus beobachten zu lassen. Ich sa\u00df rechts hinter dem Kopiloten und musste mich ein wenig ducken, um aus dem schmalen Fenster nach oben schauen zu k\u00f6nnen. Ungetr\u00fcbt von k\u00fcnstlichen Lichtquellen und Staupartikeln sah ich den Kometen am n\u00e4chtlichen Himmel stehen. Er zog hinter sich einen langen Doppelschweif hinterher. Ich hatte vorher viel \u00fcber die Entdeckung Hale-Bopps gelesen, \u00fcber seine langgestreckte Laufbahn um die Sonne, seine Beschaffenheit und ungew\u00f6hnliche Helligkeit. Er war durch die breite mediale Berichterstattung zu einem guten Bekannten geworden, den jedermann am Nachthimmel bestaunen konnte. Trotzdem war das stumme, kosmische Schauspiel, das er alln\u00e4chtlich bot, auch faszinierend. Schon der blo\u00dfe Anblick dieses geschweiften, kosmischen Vagabunden versetzte mich in ehrf\u00fcrchtiges Staunen. Da zog ein mehrere Milliarden Jahre alter Riesenbrocken in einer Entfernung von nur 148 Millionen Kilometer an uns vorbei. Ich sah ein Jahrtausendereignis, das sich erst um das Jahr 4419 wiederholen wird. Ein Raumschiff, das dem Kometen angeblich folgte, konnte ich \u00fcbrigens nicht entdecken. UFO-Fanatiker und religi\u00f6se Fantasten w\u00fcrden sagen: \u201eSiehste! Du hast eben nicht die n\u00f6tige Spiritualit\u00e4t!\u201c<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">W\u00e4hrend wir N\u00fcrnberg \u00fcberflogen, leiteten die Piloten den langgezogenen Sinkflug nach Frankfurt am Main ein. Der Flieger setzte sanft auf. Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass ich auf diesem Nachtflug mehrere gro\u00dfartige historische Situationen zugleich erlebt hatte. Es war die kurze Kometen-Zeit meines In\u2013der-Welt-Seins. Bald werde ich nicht mehr da sein. Ich werde keinen Einblick haben in die Welt von Morgen und nicht den geringsten Einfluss darauf. F\u00fcr einen neugierigen Menschen ein fast unertr\u00e4glicher Gedanke. Wie mag die Welt im Jahre 4419 aussehen, wenn Hale-Bopp zur\u00fcckkehren wird?<\/p>\n<p lang=\"zxx\" align=\"justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Astronomische und astrologische Schriften aus der Mintzelschen Buchdruckerei \u00a0Seit alters her haben kosmische Schauspiele wie Sonnen- und Mondfinsternisse, merkw\u00fcrdige Planetenkonstellationen, Kometen, Sternschnuppenschauer und Feuerb\u00e4lle die Menschen fasziniert, beunruhigt, ver\u00e4ngstigt und zu astronomischen Beobachtungen und Weltdeutungen angeregt. Die praktische Astronomie der Vorzeit und die himmelskundlichen Kenntnisse sp\u00e4terer Zeiten dienten der Lebensbew\u00e4ltigung und dem \u00dcberleben in einer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[431,437,213,417,409,404,429,427,426,422,405,406,93,415,407,410,424,408,421,436,432,430,416,428,411,412,425,423,434,435,418,420,419,433,413,414,195],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/263"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=263"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/263\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":296,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/263\/revisions\/296"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=263"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=263"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=263"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}