{"id":317,"date":"2017-04-06T16:47:31","date_gmt":"2017-04-06T14:47:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=317"},"modified":"2017-09-14T14:23:59","modified_gmt":"2017-09-14T12:23:59","slug":"43-die-langen-schatten-der-ns-zeit-die-t4-aktion-und-das-schaltenbrand-experiment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2017\/04\/06\/43-die-langen-schatten-der-ns-zeit-die-t4-aktion-und-das-schaltenbrand-experiment\/","title":{"rendered":"43. S\u00e4kularer Staat, religi\u00f6s-konfessionelle Erosionen und islamische Neub\u00fcrger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Vortragsreisen nach Trient<\/strong><\/p>\n<p>In sozial- und geschichtswissenschaftlichen Fachkreisen hatte sich wohl allm\u00e4hlich herumgesprochen, dass sich meine Forschungsinteressen und Fragestellungen vom engeren Bereich der Parteienforschung entfernt und sich der bekannte \u201eCSU-Mintzel\u201c in kritischer Distanz zur bayerischen Staats- und Ordnungspartei (CSU) allgemeinen Fragen der religi\u00f6s-konfessionellen Entwicklungen und institutionellen Wechselbeziehungen zwischen Staat und Kirchen zugewandt hatte. Gewiss, es waren vor allem spezifisch staatsbayerische Verh\u00e4ltnisse und Anst\u00f6\u00dfe, die mich bewegten, mich generell mit Fragen der S\u00e4kularisierung und dem Wirken der Konfessionen und Kirchen zu befassen und dazu Stellung zu nehmen. Es waren zugegebenerma\u00dfen auch pers\u00f6nliche berufspolitische Erfahrungen, die meine Interessen an solchen Fragestellungen lenkten und verst\u00e4rkten, so das \u00c4rgernis der Konkordatslehrst\u00fchle (siehe Blog-Kap. 21) sowie der penetrante Klerikalismus und die staatliche Alimentierung der katholischen hohen Klerisei. Anfang der 1990er Jahre waren im sogenannten Madonnen-Streit an der Universit\u00e4t Passau die verdeckten und verschleierten internen und externen katholisch-konfessionellen \u201eSelbstverst\u00e4ndnisse\u201c an den Tag gekommen, aber auch s\u00e4kulare Gleichg\u00fcltigkeit und niedertr\u00e4chtige Gesinnung (siehe Blog-Kap. 29\/30). In den Reaktionen auf das Kruzifix-Urteil des Bundeverfassungsgerichtes hatte es 1995 eine katholisch-konfessionell gepr\u00e4gte Aktionseinheit des bayerischen Staates mit der katholischen Kirche und ihren Laienorganisationen gegeben (siehe Blog-Kap. 32). Die Stellung und Finanzierung der Katholisch-Theologischen Fakult\u00e4ten an sieben bayerischen Universit\u00e4ten waren angesichts der konfessionellen Erosionsvorg\u00e4nge am Ende der 1990er ins Kreuzfeuer \u00f6ffentlicher Kritik geraten. Ich hatte mich zu diesen Vorg\u00e4ngen, wie in meinem Blog dokumentiert, in wissenschaftlichen Analysen und Printmedien mehrmals ausf\u00fchrlich ge\u00e4u\u00dfert. In Kollegenkreisen waren die kritischen und bissigen Auseinandersetzungen des \u201eCSU-Mintzel\u201c mit diesen Verh\u00e4ltnissen und Entwicklungen wohl mit etwas Verwunderung verfolgt worden, zumindest von denen, die in mir einen als Wissenschaftler zwar in freundlicher Distanz stehenden, aber doch treuen Anh\u00e4nger der CSU vermuteten. In der Tat waren meine kirchen- und konfessionspolitischen Ansichten mehr und mehr in einen scharfen Gegensatz zur CSU-Politik geraten, f\u00fcr die das vom bayerischen Staat 1933 mit dem Vatikan geschlossene Konkordat sakrosankt war. Ganz konnte ich mich jedoch auch auf internationalen Tagungen nicht meinen lebensgeschichtlichen und wissenschaftlichen bayerischen Bindungen und Verbindungen entziehen.<\/p>\n<p>Meinen letzten gro\u00dfen Beitrag \u00fcber die CSU hatte ich im Auftrag der Hanns-Seidel-Stiftung f\u00fcr die Akademie der Wissenschaften in Moskau verfasst. Er war 2007\u00a0 in der\u00a0 Moskauer Reihe \u201cUrgent Problems of Europe\u201d in russischer Sprache unter dem Titel \u201cDie Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU). &gt;Politik f\u00fcr Bayern, f\u00fcr Deutschland und f\u00fcr Europa&lt;\u201d in Moskau erschienen.|<\/p>\n<p>Ich war hocherfreut und sah mich abermals wissenschaftlich herausgefordert, als mich in den Jahren 2005\/06 der Direktor des renommierten Italienisch-Deutschen Historischen Instituts (ITC) in Trient, Prof. Dr. Gian Enrico Rusconi, zweimal dazu einlud, auf hochkar\u00e4tig besetzten Tagungen Vortr\u00e4ge zu halten. Im November 2005 stand das Thema \u201eDie Kruzifix-Debatte in Deutschland\u201c auf dem Institutsprogramm, im Oktober 2006 das Thema \u201eDer s\u00e4kularisierte Staat und seine Ver\u00e4nderungen heute.\u201c Die Einladungen gaben mir die willkommene Chance, meine kritischen Auseinandersetzungen auf einer internationalen wissenschaftlichen Plattform zur Diskussion und somit auf den Pr\u00fcfstand zu stellen. Kollege Rusconi bat mich 2005, das Kruzifix-Urteil und vor allem die spezifisch bayerischen Reaktionen darzustellen und zu erl\u00e4utern. Das Tagungsthema 2006 griff hingegen sehr viel weiter aus. Teilnehmer auf deutscher Seite waren neben mir Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde (Freiburg), Thomas M. Schmidt (Frankfurt a.M.), Klaus Eder (Berlin) und J\u00f6rg Luther (Alessandria). Mein Thema lautete: \u201eHerausforderungen des s\u00e4kularisierten Staates heute: Kruzifix-Debatte, Moscheenbau, Marktl, Konkordatslehrst\u00fchle und andere Formen freundlicher Kooperation.\u201c Die Anstrengungen der Teilnahme wurden reich belohnt, die Vortr\u00e4ge waren facettenreich und multiperspektivisch: theologisch-philosophisch, politisch-philosophisch, verfassungs- und kirchenrechtlich, historisch und soziologisch. Meine Frau begleitete mich auf beiden Vortragsreisen. Selbst sie, die mich sonst scharf kritisierte und stets etwas an meinen Auftritten auszusetzen hatte, war voll des Lobes. Meine sorgf\u00e4ltig vorbereiteten Vortr\u00e4ge waren offensichtlich gut aufgenommen worden. Sie wurden zu einem Buchbeitrag zusammengefasst, ins Italienische \u00fcbersetzt und 2008 publiziert (in: Lo Stato secolarizzato nell\u00b4eta post-secolare, a cura di Gian Enrico Rusconi, Bologna). Mit anderen Schwerpunktsetzungen, die vor allem das deutsche Religionsverfassungsrecht und das religionspolitische Auseinanderdriften der westlichen und \u00f6stlichen Bundesl\u00e4nder thematisierten, steuerte ich einen Beitrag zur Festschrift f\u00fcr Heinrich Oberreuter zu dessen 65. Geburtstag bei (Res publica semper reformanda, 2007, S. 135-148).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Aktuelle Verh\u00e4ltnisse und Zukunftsperspektiven<\/strong><\/p>\n<p>In den Jahren 2006 und 2007 dr\u00e4ngten mich insbesondere zwei Ereignisse, mich erneut mit hochaktuellen Fragen des Verh\u00e4ltnisses von Staat und Kirche zu befassen: Es waren der Staatsbesuch des damaligen Papstes Benedikt XVI. in Bayern und seine Rede \u00fcber das &#8222;Thema &#8222;Glaube, Vernunft und Universit\u00e4t&#8220;, die er am 12. September 2006 an der Universit\u00e4t Regensburg hielt, sowie der Artikel des deutschen Bundesministers des Innern Wolfgang Sch\u00e4uble zum Thema \u201eMuslime in Deutschland\u201c. Die Rede Benedikts XVI. wurde am 13.09.2006 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgedruckt (Nr. 213, S.8). Sch\u00e4ubles Artikel erschien aus Anlass der ersten Deutschen Islamkonferenz in Berlin am 27. September 2006 ebenfalls in dieser Zeitung (Nr. 225, S.9). Meine jeweiligen Zitate stammen aus diesen Quellen.<\/p>\n<p>Ich verfolgte mit gro\u00dfem Interesse die darauffolgenden \u00f6ffentlichen Debatten, und dies \u00fcber Jahre. Ich sah mich auch als Zeitzeuge erneut herausgefordert, meine Beobachtungssch\u00e4rfe und meine Zeitdiagnostik auf den Pr\u00fcfstand zu stellen. Wir stehen als Zeitgenossen und informierte Beobachter mittendrin in gegenw\u00e4rtigen Entwicklungsverl\u00e4ufen und k\u00f6nnen nur schwer ausmachen, wie der Wandel weiterhin wirklich verlaufen wird. Zu brandaktuellen Vorg\u00e4ngen und Streitfragen Stellung zu nehmen, birgt nat\u00fcrlich die Gefahr in sich, Fehlbeurteilungen zu unterliegen. Doch gerade die M\u00fchen, aktuelle Entwicklungsverl\u00e4ufe zu beobachten, Tendenzen zu erkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, verleiht Zeitgenossenschaft ihr besonderes Gewicht. Ich werde es nicht mehr erleben, ob und inwieweit meine analytischen und deutenden Bem\u00fchungen best\u00e4tigt werden oder sich als falsch erweisen.<\/p>\n<p>Ich gehe in meiner Skizze von zwei Thesen aus: Der s\u00e4kularisierte Staat, hier die Bundesrepublik Deutschland und ihre Bundesl\u00e4nder, sind heute in doppelter Weise konfessionspolitisch herausgefordert: Auf der Seite der sogenannten &#8222;christlichen Mehrheitsgesellschaft&#8220; werden angesichts sich drastisch ver\u00e4ndernder religi\u00f6s-konfessioneller Verh\u00e4ltnisse bestimmte Privilegien und Rechte der christlichen &#8222;Gro\u00dfkirchen (&#8222;Volkskirchen&#8220;) fragw\u00fcrdig und reformbed\u00fcrftig. Auf der Seite der islamischen Minderheit ist deren konfessionspolitische Integration \u00fcber dauerhafte institutionelle Arrangements zu einer dringenden und permanenten Aufgabe geworden. Beide Herausforderungen stellen das hoch gepriesene &#8222;einzigartige deutsche Religionsverfassungsrecht\u201c (Sch\u00e4uble: Muslime in Deutschland) auf den Pr\u00fcfstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die p\u00e4pstliche Kritik an der s\u00e4kularisierten Welt<\/strong><\/p>\n<p>Mit seiner Regensburger Vorlesung forderte der Papst den s\u00e4kularisierten Staat frontal heraus. In der Konfrontation zwischen &#8222;westlicher Welt&#8220; und &#8222;islamischer Welt&#8220;, so warnte Benedikt XVI. 2006, sei die &#8222;westlichen Welt&#8220; nicht nur von au\u00dfen, sondern auch von innen her bedroht. Es ging dem Papst nicht nur um eine theologisch-philosophische Positionierung des Christentums gegen\u00fcber dem Islam, sondern konkret um eine Lektion \u00fcber die geistige Selbstgef\u00e4hrdung der &#8222;westlichen Welt&#8220;. Er warf der modernen Wissenschaft, insbesondere aber den Naturwissenschaften vor, einer &#8222;positivistischen Vernunft&#8220; zu erliegen. Der Mensch selbst werde dabei in seinem Wesen verk\u00fcrzt. Der Papst verlangte eine Abkehr von der &#8222;modernen naturwissenschaftlichen Vernunft&#8220; und die Hinwendung zu einem weiten, ganzheitlichen Vernunftbegriff. &#8222;Glaube und Vernunft&#8220; sollten nicht als Gegens\u00e4tze verstanden, sondern &#8222;im Ganzen der einen Vernunft&#8220; vers\u00f6hnt werden. Im Hinblick auf den s\u00e4kularisierten Staat der &#8222;westlichen Welt&#8220; sagte er sinngem\u00e4\u00df, dieser Staat sei eine in sich selbst gef\u00e4hrdete Institution. In Bezug auf die Aufgabe und Stellung der Theologie an den staatlichen Universit\u00e4ten stellte er fest: Die Theologie stehe &#8222;in einer gemeinschaftlichen Verantwortung f\u00fcr den rechten [sic!] Gebrauch der Vernunft [&#8230;], &#8222;indem sie nach der Vernunft des Glaubens&#8220; frage. In diesem Sinne geh\u00f6re Theologie &#8222;nicht nur als historische und humanwissenschaftliche Disziplin, sondern als eigentliche Theologie, als Frage nach der Vernunft an die Universit\u00e4t und ihren weiten Dialog der Wissenschaften hinein.&#8220; Der Papst nahm damit zu einer innerkirchlichen und \u00f6ffentlichen Streitfrage im Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirche Stellung und verteidigte die Existenz und den Platz der Theologie an staatlichen Universit\u00e4ten. Er erteilte sowohl laizistischen Kr\u00e4ften als auch Bestrebungen in der katholischen Amtskirche eine Absage, welche die Theologie in der staatlichen Wissenschaftsorganisation marginalisieren oder sogar aus der Universit\u00e4t herausl\u00f6sen wollen.<\/p>\n<p>Mit seiner Ermahnung zum &#8222;rechten Gebrauch der Vernunft&#8220; und seiner Positionierung der Theologie in der staatlichen Wissenschaftsorganisation sprach der Papst auch christlich-interkonfessionelle Streitfragen und Frontstellungen an. Die schrille Emp\u00f6rung in der islamischen Welt \u00fcber sein fragw\u00fcrdiges Zitat lenkte zun\u00e4chst von den offenen und versteckten Einw\u00e4nden gegen die evangelische Theologie ab. Er wandte sich gegen das &#8222;Subjektive&#8220; und gegen das &#8222;subjektive Gewissen und seine Beliebigkeit&#8220; und teilte damit Seitenhiebe gegen den evangelischen Glauben aus, der ein anderes Verst\u00e4ndnis von Kirche und individuell gepr\u00e4gter Religion vertritt. Der Papst reklamierte mit seinen Ausf\u00fchrungen und Postulaten f\u00fcr die r\u00f6mische Kurie die Wahrheitsfrage und das richtige Weltverstehen, er sagte es nur nicht so unverhohlen und schroff. Was der Papst mit theologisch-philosophischer Friedfertigkeit und Dialogbereitschaft vortrug, enthielt genau besehen brisante Anspr\u00fcche an den s\u00e4kularisierten Staat von heute. Auf einer theologisch-philosophischen Metaebene m\u00f6gen sein gedankliches Konstrukt vom &#8222;Ganzen der einen Vernunft&#8220; und seine Teleologie des sich in der Geschichte entwickelnden Logos und Gottesverst\u00e4ndnisses plausibel und schl\u00fcssig sein. Doch halte ich es wenig wahrscheinlich, dass die von ihm angemahnte Besinnung und Umkehr in der westlichen Welt eintreten werden. Die inmitten von Rationalisierungs-, S\u00e4kularisierungs- und Ausdifferenzierungsprozesse voranschreitende westliche Zivilisation und moderne Wissenschaft werden weiterhin Gegenpositionen hervorbringen und den wissenschaftlichen Pluralismus des Weltverstehens eher verst\u00e4rken, als zur Akzeptanz der p\u00e4pstlichen Denkfiguren und Postulate f\u00fchren. Aus der Pluralisierung und Fragmentierung der Wertsph\u00e4ren resultierenden Wertkonflikte und Spannungen k\u00f6nnen unter den Bedingungen der modernen Lebenssph\u00e4ren nicht mehr hierarchisch, geschweige denn <em>ex cathedra<\/em>, \u201evon oben&#8220;, &#8222;im Ganzen einer Vernunft&#8220; vers\u00f6hnt werden. Mit seiner Regensburger Rede forderte der Papst den s\u00e4kularisierten Staat auch insofern heraus, als er diesen quasi auf seine &#8222;Wahrheit&#8220; zu verpflichten versuchte. Diese Anma\u00dfung ist nicht akzeptabel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00a0Die konfessionspolitische Integration der Muslime<\/strong><\/p>\n<p>Im Wochenblatt DIE ZEIT wurde Anfang Oktober 2006 dem Bundesinnenmister Wolfgang Sch\u00e4uble bescheinigt, mit seiner j\u00fcngsten Stellungnahme und Initiative zur Integration der \u00fcber drei Millionen Muslime in Deutschland sei ihm \u201eein gesellschaftspolitischer Coup\u201c gelungen. Sch\u00e4uble hatte \u00f6ffentlich anerkannt, dass der Islam in Deutschland f\u00fcr alle erkennbar kein Gastarbeiterglaube mehr sei, der mit seinen Tr\u00e4gern wieder verschwinde, sondern neben dem Christentum die zweitst\u00e4rkste Konfession bilde. &#8222;Es leben drei Millionen Muslime in Deutschland, die Teil der deutschen Gegenwart und Zukunft sind, so wie der Islam ja auch ein Teil Europas ist. Das m\u00fcssen und wollen wir zur Kenntnis nehmen; deswegen muss der Staat in eine vern\u00fcnftige Beziehung zu den Angeh\u00f6rigen dieser Religionsgemeinschaft eintreten, deshalb versuchen wir einen Dialog in Gang zu bringen.&#8220; (SZ-Interview mit Sch\u00e4uble, SZ Nr. 222, 26.09.2006, S. 4). Das Problem von Staat und Religion m\u00fcsse, so mahnte Bundesminister Sch\u00e4uble, auch innenpolitisch gel\u00f6st werden. Mit den drei Millionen Muslimen habe sich in Deutschland der religi\u00f6s-konfessionelle Pluralismus um den Islam dauerhaft erweitert. Es sei eine der gro\u00dfen Aufgaben des Staates, durch kooperative Arrangements eine die Gegens\u00e4tze entsch\u00e4rfende konfessionspolitische Integration zu erreichen. &#8222;So wie wir zu der katholischen und der evangelischen Kirche Beziehungen haben&#8220;, so f\u00fchrte Sch\u00e4uble aus, &#8222;m\u00fcssen wir in Deutschland versuchen, ein Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und muslimischen Gl\u00e4ubigen zu entwickeln.&#8220;(SZ-Interview mit Sch\u00e4uble, SZ Nr. 222, 26.09.2006, S.5) Die Devise der Initiativen lautet: &#8222;Wir wollen aufgekl\u00e4rte Muslime in unserem aufgekl\u00e4rten Land&#8220; (SZ-Interview mit Sch\u00e4uble, SZ Nr. 222, 26.09.2006, S.5). Die angek\u00fcndigten staatlichen Bem\u00fchungen liefen auf die F\u00f6rderung eines &#8222;Euro-Islam&#8220; im Sinne des deutschen Staatskirchenrechtes hinaus. Die staatlich kontrollierte Ausbildung und Einsetzung von Imamen wurde zu einer der neuen aktuellen Aufgaben des s\u00e4kularisierten Staates gemacht. Das p\u00e4pstliche Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Ausbildung von Theologie an staatlichen Universit\u00e4ten und Hochschulen in der gemeinschaftlichen Verantwortung von &#8222;Glaube und Vernunft&#8220; gewann so in Deutschland im Zusammenhang mit den konfessionspolitischen Herausforderungen des Islam eine neue integrationspolitische Bedeutung. Auch die islamische Religionsgemeinschaft und ihre Imame sollten, wie ehemals die katholische Kirche, der staatlichen Kontrolle unterstellt werden.<\/p>\n<p>Allerdings m\u00fcsse die konfessionelle Pluralisierung durch die muslimische Einwanderung, so Sch\u00e4uble, im Sinne der &#8222;spezifisch deutschen L\u00f6sung im Verh\u00e4ltnis von Staat und Religion&#8220; (Sch\u00e4uble: Muslime in Deutschland) geregelt werden. Es sei deshalb h\u00f6chste Zeit, den Islam konfessionspolitisch zu integrieren und daf\u00fcr auf der Basis der Verfassung und des deutschen Religionsverfassungsrechts dauerhafte kooperative und institutionelle Arrangements zu schaffen. W\u00f6rtlich sagte er hierzu: &#8222;Muslime in Deutschland sollen sich als deutsche Muslime f\u00fchlen k\u00f6nnen. Sie sollen als B\u00fcrger eines religi\u00f6s neutralen, aber nicht religionsfreien demokratischen Rechtsstaates gefeit sein k\u00f6nnen gegen die Verlockungen und Irrwege terroristischer Extremisten&#8220; (Sch\u00e4uble: Muslime in Deutschland). Sch\u00e4uble korrigierte sich in seinem Beitrag gleich selbst. Der demokratische Rechts- und Verfassungsstaat der Bundesrepublik Deutschland sei nat\u00fcrlich weltanschaulich und religi\u00f6s-konfessionell nicht neutral. Weltanschaulich beruhe er auf den Voraussetzungen eines Wertekanons (Menschenrechte, Grundfreiheiten, Pluralismus). Religi\u00f6s-konfessionell h\u00e4tten seine Traditionslinien, Werte und sein Rechtsverst\u00e4ndnis christliche Wurzeln. Allerdings sei die Bundesrepublik Deutschland &#8222;kein christlich dominierter Staat oder &gt;Christenclub&lt;&#8220; (Sch\u00e4uble: Muslime in Deutschland) Der Bundesminister verband mit dem religi\u00f6s-konfessionellen Gleichberechtigungsangebot jedoch Bedingungen, die, realistisch gesehen, in absehbarer Zeit wohl weder von staatlicher noch von muslimischer Seite erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Im konfessionspolitischen Integrationsangebot war ein Haken enthalten: &#8222;Die Muslime wollen vom Staat gleichberechtigt behandelt werden, so wie die christlichen Kirchen.\u201c Der Islam m\u00fcsse als eine &#8222;Religion ohne Kirche&#8220; daf\u00fcr erst die organisatorischen Voraussetzungen schaffen und Bedingungen erf\u00fcllen, um wie die hochorganisierten christlichen Gro\u00dfkirchen in Verhandlungen mit dem Staat eintreten zu k\u00f6nnen (SZ-Interview mit Sch\u00e4uble, SZ Nr.222, 26.09.2006, S. 5). Der Bundesminister zeigte sich \u00fcberzeugt, dass mit &#8222;der spezifisch deutschen L\u00f6sung im Verh\u00e4ltnis von Staat und Religion&#8220; ein &#8222;richtiges&#8220; und noch immer musterg\u00fcltiges Verh\u00e4ltnis ausgehandelt worden sei, das nun auch die Integration der Muslime als Glaubensgemeinschaft erm\u00f6gliche. Das &#8222;einzigartige deutsche Religionsverfassungsrecht&#8220;, das sich zu anderen europ\u00e4ischen Modellen abgrenze, gew\u00e4hre allen Religionen eine Chance. Es sei auch den neuesten Herausforderungen des s\u00e4kularisierten Staates durch den Islam gewachsen. Die Bundesrepublik Deutschland sei &#8222;f\u00fcr die aus der Globalisierung und den Migrationsstr\u00f6men sich ergebenden religionsrechtlichen Herausforderungen bestens gewappnet&#8220; (Sch\u00e4uble: Muslime in Deutschland).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Das deutsche Modell: Formen freundlicher Kooperation<\/strong><\/p>\n<p>Bei konfessionspolitischen Konflikten und rechtlichen Streitigkeiten, die das Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirche betreffen, wird in Deutschland stets auf die historischen Erfahrungen und das ausgewogene, friedensstiftende und gut eingespielte Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirchen hingewiesen. Die religionsgeschichtliche und -rechtliche Entwicklung brachte ein deutsches &#8222;Modell&#8220; hervor, das in Europa zwischen dem laizistischen Modell lateinischer Staaten und dem staatskirchlichen Modell Gro\u00dfbritanniens und skandinavischer Staaten einzuordnen ist. Im konfessionsgespaltenen Deutschland wurden im &#8222;Verh\u00e4ltnis von Staat und Religion&#8220; enge Formen einer freundlichen Kooperation entwickelt, welche die mit der konfessionellen Spaltung und ihren Spannungen gegebenen Verh\u00e4ltnisse allm\u00e4hlich entsch\u00e4rften. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter E.-W. B\u00f6ckenf\u00f6rde bezeichnete das historische Ergebnis als &#8222;Konzept der \u00fcbergreifenden offenen Neutralit\u00e4t&#8220; des Staates. (B\u00f6ckenf\u00f6rde, 2006: Der s\u00e4kularisierte Staat, seine Rechtfertigung und seine Probleme im 21. Jahrhundert, Vortag am 17.10.2006). Die Gro\u00dfkirchen (&#8222;Volkskirchen&#8220;) erhielten den Status einer K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechtes und wurden hierdurch mit zahlreichen Privilegien ausgestattet. Ihnen wurden kraft eigenen geistlichen Auftrages in dieser Welt, so die allgemeine Begr\u00fcndungsformel, besondere Mitwirkungsrechte in Staat, Politik und Gesellschaft einger\u00e4umt. Als heutige Beispiele seien genannt: der Religionsunterricht an staatlichen Schulen, der Bereich der Jugendarbeit, die dem Bundesverteidigungsministerium unterstellte Milit\u00e4rseelsorge, Sitz und Stimme in Gremien des \u00f6ffentlichen Rechtes, der Bereich der Ausbildung von Theologen an staatlichen Universit\u00e4ten, das entscheidende Wort bei der Besetzung bestimmter Professuren in religionsfreien Fakult\u00e4ten und, nicht zu vergessen, beim Einzug der Kirchensteuer durch staatliche Finanz\u00e4mter.<\/p>\n<p>In Deutschland decken die Kirchen ihre Ausgaben f\u00fcr Personal, Seelsorge und soziale Dienste haupts\u00e4chlich aus zwei gro\u00dfen Einnahmequellen, aus der Kirchensteuer und \u00fcber staatliche Dotationen (Zuwendungen). Durch die von den Kirchenmitgliedern erhobenen und \u00fcber die staatlichen Finanz\u00e4mter eingezogenen Kirchensteuer kommen j\u00e4hrlich &#8211; abh\u00e4ngig von den staatlichen Steuereinnahmen \u2013 \u00fcber neun Milliarden Euro in die Kirchenkassen, rund f\u00fcnf Milliarden auf katholischer, etwa 4,5 Milliarden auf evangelischer Seite. Der Betrag, den die beiden Gro\u00dfkirchen \u00fcber staatliche Zuwendungen erhalten, \u00fcbersteigt das Volumen der Einnahmen durch die Kirchensteuer. Noch heute, nach mehr als zweihundert Jahren, wird ein Teil der Dotationen damit begr\u00fcndet, ein legitimer Ausgleich f\u00fcr die Zwangsenteignungen durch die S\u00e4kularisation von 1803 zu sein. Mit \u00f6ffentlichen Mitteln, also aus dem Steueraufkommen aller Erwerbst\u00e4tigen ohne R\u00fccksicht auf kirchliche Mitgliedschaft, werden unter anderem extra bezahlt oder bezuschu\u00dft: die Milit\u00e4r-, Anstalts- und Polizeiseelsorge, die Kirchentage beider Konfessionen, Denkmalpflege, Religionsunterricht, kirchliche Kindertagesst\u00e4tten, Kirchenbibliotheken und Konfessionsschulen. In den meisten Bundesl\u00e4ndern werden zudem Bisch\u00f6fe und h\u00f6here Geistliche wie Beamte vom Staat besoldet. Der Staat verzichtet auf viele Milliarden Euro an Einnahmen, indem er den Kirchen steuerliche Privilegien einr\u00e4umt. Alles in allem sind die Kirchen Deutschlands folglich in einem hohen Ma\u00dfe von den verschiedenen Formen der &#8222;Staatshilfe&#8220; abh\u00e4ngig, nicht zuletzt nat\u00fcrlich von der staatlichen Steuergesetzgebung und den Steuereinnahmen. W\u00fcrden die Gro\u00dfkirchen heute tats\u00e4chlich auf eigene finanzielle F\u00fc\u00dfe gestellt, dann zeigten sich in aller Sch\u00e4rfe ihre schwindenden gesellschaftlichen und politischen Kr\u00e4fte. Von kirchlicher Seite wird freim\u00fctig best\u00e4tigt, dass die Abschaffung des gegenw\u00e4rtigen Kirchensteuersystems die Kirchen eines Finanzsystems berauben w\u00fcrde, das mehr Vorz\u00fcge hat als jedes andere System. Die staatliche Entreibung trage wesentlich zur Freiheit und Autonomie der Kirchen bei. Wichtige Gebiete kirchlichen Wirkens w\u00e4ren akut gef\u00e4hrdet, ja sie k\u00e4men zum Erliegen, wenn das bestehende Kirchensteuersystem abgeschafft w\u00fcrde. Der Staat erhalte zwar f\u00fcr seine Steuererhebungshilfe eine Verg\u00fctung, er verzichte aber auf jeden Einflu\u00df und jede Kontrolle der Verwendung der Kirchensteuer. Das historisch gewachsene Religionsverfassungsrecht und die mit ihm gegebenen engen Kooperationsformen zwischen Staat und Kirchen geraten zunehmend in Diskrepanz zu den religi\u00f6s-konfessionellen Entwicklungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Noch christliche &#8222;Volkskirchen&#8220; oder schon christliche &#8222;Minderheitenkirchen?<\/strong><\/p>\n<p>Schon die Kruzifix-Debatte und die von der katholischen Kirche und ihren Laienorganisationen 1995 organisierte Gro\u00dfdemonstration f\u00fcr die Anbringung von Kreuzen in den Klassenzimmern staatlicher Schulen haben auch die Frage provoziert, wer in Deutschland und in seinen Bundesl\u00e4ndern eigentlich Mehrheit und wer Minderheit ist (siehe meine Ausf\u00fchrungen dazu in Blog-Kap. 32). Der damalige bayerische Ministerpr\u00e4sident Edmund Stoiber hatte sich zu einem Wortf\u00fchrer der &#8222;beleidigten Mehrheit&#8220; in Bayern gemacht. Kardinal Lehmann, der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, sprach am 20. September 2006 in seiner Verteidigung der Regensburger Vorlesung des Papstes wie selbstverst\u00e4ndlich von der &#8222;christlichen Mehrheitsbev\u00f6lkerung&#8220; (Kardinal Karl Lehmann: Kampf der Kulturen? in: FAZ Nr. 219, 20.09.2006, S. 8). Mit der empirischen Mehrheiten-Minderheiten-Problematik ist die Frage nach der k\u00fcnftigen Entwicklung der sogenannten Volkskirchen und ihrer Privilegien aufgeworfen. Machen die gro\u00dfen christlichen Religionsgemeinschaften tats\u00e4chlich noch die Mehrheit aus? Sind die zwei christlichen Gro\u00dfkirchen tats\u00e4chlich noch &#8222;Volkskirchen&#8220;? Werden die privilegierten christlichen Konfessionsgemeinschaften im Zuge der weiteren S\u00e4kularisierung zu Minderheiten? Inwieweit sind die den Gro\u00dfkirchen ehemals einger\u00e4umten Privilegien obsolet geworden? Kardinal Joseph Ratzinger, der sp\u00e4tere Papst Benedikt XVI., hatte 1996 dazu ge\u00e4u\u00dfert:<\/p>\n<p>&#8222;Vielleicht m\u00fcssen wir von den volkskirchlichen Ideen Abschied nehmen. M\u00f6glicherweise steht uns eine anders geartete, neue Epoche der Kirchengeschichte bevor, in der das Christentum eher wieder im Senfkornzeichen stehen wird, in scheinbar bedeutungslosen, geringen Gruppen, die aber doch intensiv gegen das B\u00f6se anleben und das Gute in die Welt hineintragen [&#8230;]. Die katholische Kirche hat immer noch eine Provokationsmacht, sie ist Stachel und Widerspruch, oder wie der heilige Paulus es ausdr\u00fcckt, ist Skandalon, ein Stolperstein&#8220;(Kardinal Ratzinger, zit. nach Stern, Nr. 18, 25.04.2005, S. 46).<\/p>\n<p>Die Schreckensvision des damaligen Kardinals Ratzinger, die Kirche m\u00fcsse sich in Europa m\u00f6glicherweise auf eine neue Epoche der Kirchengeschichte einstellen, scheint von den konfessionspolitischen Entwicklungen best\u00e4tigt zu werden. Mit dieser 1996 von Ratzinger angedeuteten und in der Tendenz empirisch nachgewiesenen Entwicklung werden auf den s\u00e4kularisierten Staat ohne Zweifel Herausforderungen zukommen, die das &#8222;einzigartige deutsche Religionsverfassungsrecht&#8220; infrage stellen. Gewisse Privilegien, Einflu\u00dfbereiche und sogar Vetopositionen der Kirchen werden in einem ganz anderen Sinn zum Skandalon.<\/p>\n<p>Um meine Argumente abzust\u00fctzen und zu best\u00e4rken, muss ich ein paar Daten und Hinweisen aus der amtlichen Konfessionsstatistik Deutschlands und aus anderen Quellen anf\u00fchren. Aus der j\u00fcngeren und j\u00fcngsten Konfessionsstatistik (2006-2016) geht hervor: Von rund 81 Millionen deutschen Staatsangeh\u00f6rigen geh\u00f6ren rund 46 Millionen nominell einer der beiden Gro\u00dfkirchen an, rund 24 Millionen der katholischen und etwa 22 der evangelischen Kirche. Schon 30 Millionen Staatsb\u00fcrger geh\u00f6ren keiner der zwei gro\u00dfen Konfessionsgemeinschaften an. Rund 36 Prozent, also bereits ein Drittel der deutschen Staatsb\u00fcrger, bezeichnen sich als konfessionslos. Die Vereinigung Deutschlands hat die konfessionspolitischen Verh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndert und einen S\u00e4kularisationsschub mit sich gebracht. Unterscheidet man die alten und neuen Bundesl\u00e4nder nach konfessionellen Gesichtspunkten, dann ergibt sich: In den f\u00fcnf neuen Bundesl\u00e4ndern geh\u00f6ren 66 Prozent der deutschen Staatsangeh\u00f6rigen keiner Konfessionsgemeinschaft an, das sind zwei Drittel. Nur ca. 4 Prozent geh\u00f6ren der r\u00f6misch-katholischen Kirche an, lediglich 27 Prozent der evangelisch-lutherischen Kirche. Alle anderen Konfessionsgemeinschaften, christliche Freikirchen und nicht christliche Konfessionsgemeinschaften, machen zusammen nicht einmal zwei Prozent aus. Die Lebenswirklichkeit ist in allen \u00f6stlichen Bundesl\u00e4ndern nur noch rudiment\u00e4r religi\u00f6s-konfessionell gepr\u00e4gt. Es gibt dort faktisch keine &#8222;christlichen Mehrheitsgesellschaft&#8220; und keine christlichen &#8222;Volkskirchen&#8220; mehr. Die Christen sind zu einer Minderheit geworden, die Konfessionslosen bilden ohne Zweifel die Mehrheit. Umfragen ergaben, dass dort die H\u00e4lfte der Befragten &#8222;Religion und Kirche&#8220; f\u00fcr v\u00f6llig unwichtig halten. Achtzig Prozent der Befragten glauben an keinen Gott, drei Viertel der Befragten bezeichnet sich als &#8222;nicht gl\u00e4ubig&#8220;.<\/p>\n<p>In den alten Bundesl\u00e4ndern hat sich der Anteil der Befragten, die sehr selten zur Kirche gehen von 42 auf 50 Prozent erh\u00f6ht. Eine Studie (Shell-Studie) \u00fcber Jugendliche zeigt, dass es im Elternhaus mit der Religiosit\u00e4t schlecht bestellt ist. In den alten Bundesl\u00e4ndern bezeichnen 72 Prozent der befragten Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahre ihr Elternhaus als weniger und nicht religi\u00f6s, in den neuen Bundesl\u00e4ndern sind es 90 Prozent. In den neuen Bundesl\u00e4ndern ist die religi\u00f6se Sprachf\u00e4higkeit praktisch v\u00f6llig abhandengekommen. Wertevermittlung und die Ausbildung von Selbst- und Weltverst\u00e4ndnis werden nicht mehr in der Sprache religi\u00f6ser Tradition formuliert.<\/p>\n<p>In den alten Bundesl\u00e4ndern, wo im Westen und S\u00fcden territorial die katholischen Schwerpunkte liegen, sehen die Verh\u00e4ltnisse im Gegensatz zur weit fortgeschrittenen Dechristianisierung und Entkirchlichung der neuen Bundesl\u00e4nder noch relativ g\u00fcnstig aus. Zwar gibt es dort noch eine nominelle &#8222;christliche Mehrheitsgesellschaft&#8220;, aber auch sie unterliegt der s\u00e4kularen Erosion. Der anscheinend noch einigerma\u00dfen intakte Provinzidyllen-Katholizismus in Teilen Bayers und anderswo kann immer weniger dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen. Die katholische Kirche leidet schwer unter dem zunehmenden Priestermangel, sie mu\u00df an vielen Orten Pfarreien zusammenlegen, die Zahl der Erstkommunionen nimmt st\u00e4ndig ab und die Austritte nehmen betr\u00e4chtlich zu. Die Missbrauchsskandale und andere Faktoren wie der Z\u00f6libat und eine weltfremde Sexualethik verst\u00e4rken die negativen Effekte.<\/p>\n<p>Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zeichnet ein eher d\u00fcsteres Bild ihrer Zukunft und bef\u00fcrchtet ebenfalls, dass die Zeit der &#8222;Volkskirchen&#8220; schon bald abgelaufen sein k\u00f6nnte. Der Traditionsprotestantismus nimmt die &#8222;Pastorenkirche&#8220; fast nur noch an Knotenpunkten des Lebens in Dienst, bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen (K. Engelhardt, H. von Loewenich und Peter Steinacker, Hrsg., 1997: Fremde Heimat Kirche). Die evangelische Kirche ging in den Jahre 2005\/06 davon aus, dass die Zahl ihrer Mitglieder bis zu 30 Prozent sinken und die Zahl der Pfarrer von 21.000 auf ca. 16.500 zur\u00fcckgehen werden (SZ Nr. 153, 06.07.2006, S.1; FAZ Nr. 264, 12.11.2005, S. 10). Die Zahl ihrer Kirchengemeinden verringerte sich bis 2014 noch schneller als erwartet auf 14.241. Die Erosionskr\u00e4fte halten unvermindert an. Die Anzahl der Taufen, der Konfirmierten und der Bestattungen nahm ab. In der evangelischen Kirche ist von einer k\u00fcnftigen Kirche als &#8222;Minderheit mit Zukunft&#8220; die Rede (SZ Nr. 153, 06.07.2006, S.1).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in den neuen Bundesl\u00e4ndern die Konfessionslosen die gro\u00dfe Mehrheit bilden, sind es in den alten Bundesl\u00e4ndern, sehen wir einmal von der nominellen Mitgliedschaft in einer Kirche ab, faktisch die <em>Indifferenten <\/em>geworden. Gerade auch die zunehmende Indifferenz f\u00fchrt zur Delegitimation kirchlicher Formen und Anspr\u00fcche. Kurzum, Distanzierung der Menschen von der Institution Kirche, R\u00fcckgang der Zahl der Kirchenbesucher, Schlie\u00dfung und Umwidmung von Kirchen nehmen ein Ausma\u00df an, das Kirchenleitungen beunruhigt. Die vorliegenden Erhebungen zur Kirchenmitgliedschaft, zu Kirchenaustritten, zur H\u00e4ufigkeit des Gottesdienstbesuches, zur Gebets- und Glaubenspraxis, zur Gottesfrage und zu anderen Formen religi\u00f6sen Lebens weisen auf eine gravierende und weiterwachsende Legitimationskrise der Kirchen hin. Die ihnen bisher zugebilligten Entfaltungsr\u00e4ume und Einflu\u00dfpotentiale stehen mehr und mehr im umgekehrten Verh\u00e4ltnis zu dem, was die Kirchen aus eigener Kraft noch zu leisten verm\u00f6gen. Das trifft insbesondere auf die neuen Bundesl\u00e4nder zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Der Staat als Missionsgehilfe bei der Neuevangelisierung?<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts dieser konfessionellen Verh\u00e4ltnisse dr\u00e4ngt sich die Frage geradezu auf, ob der s\u00e4kularisierte Staat sich in den neuen Bundesl\u00e4ndern mit dem Abschluss von Vertr\u00e4gen und mit der Neueinrichtung Katholisch-Theologischer Fakult\u00e4ten an staatlichen Universit\u00e4ten faktisch zum Missionsgehilfen der Kirchen macht. Die politischen Begr\u00fcndungen f\u00fcr diese Restauration freundlicher Kooperationsformen im neuen Missionsgebiet laufen immer auf den gleichen Tenor hinaus: Die Kirchen h\u00e4tten in Gesellschaft, Politik und Staat fundamentale transzendentale Funktionen. Der g\u00e4nzlichen S\u00e4kularisierung m\u00fcsse Einhalt geboten werden, weil eine Verselbst\u00e4ndigung der Welt, die sich von ihrem g\u00f6ttlichen Ursprung lossagt, entweder weltlichen Heilslehren oder dem Nihilismus Vorschub leiste. Der s\u00e4kularisierte Staat m\u00fcsse deshalb im christlich-abendl\u00e4ndisch gepr\u00e4gten Deutschland transzendental an den christlichen Glauben r\u00fcckgebunden werden. In den neuen Bundesl\u00e4ndern l\u00e4uft diese Begr\u00fcndung auf eine staatliche Abst\u00fctzung des transzendentalen Missionsauftrages der Kirchen hinaus. Provokativ und zugespitzt formuliert: Der Staat wird zum Mittr\u00e4ger der \u201eNeuevangelisierung\u201c. Die zwei gro\u00dfen Konfessionsgemeinschaften w\u00e4ren aus eigener Kraft nicht mehr in der Lage, die ihnen zuerkannten Aufgaben zu erf\u00fcllen. Die Verh\u00e4ltnisse werden, wie B\u00f6ckenf\u00f6rde prognostizierte, f\u00fcr sie &#8222;in hohem Ma\u00dfe prek\u00e4r&#8220; bleiben und sich noch verschlechtern. Der Staat k\u00f6nne &#8222;mithin nur noch recht begrenzt und f\u00fcr die Zukunft mit abnehmender Tendenz auf die christliche Religion als gemeinsam verbindende und ein tragendes Ethos vermittelnde Kraft bauen.&#8220;(B\u00f6ckenf\u00f6rde, 2006: Der s\u00e4kularisierte Staat; FAZ Nr. 164, 17.07.2004, S. 41). Und an anderer Stelle bekr\u00e4ftigt B\u00f6ckenf\u00f6rde jedoch noch einmal sein Theorem: &#8222;Voraussetzung [f\u00fcr ein einigendes Band und eine tragende stabilisierende Kraft] ist allerdings, da\u00df die Religion bei ihren Gl\u00e4ubigen, den B\u00fcrgern, lebendig ist und als gelebte Religion Verhaltenswirksamkeit entfalte. Das hat der s\u00e4kularisierte Staat indes nicht in der Hand. Er vermag Fortbestand und Lebenskraft der Religion mit dem ihm zu Gebote stehenden Mitteln nicht zu garantieren, kann auch die Religion nicht zur verbindlichen Grundlage des Zusammenlebens erkl\u00e4ren&#8220; (B\u00f6ckenf\u00f6rde: Der s\u00e4kularisierte Staat).<\/p>\n<p>Welche Bindekr\u00e4fte sind es aber dann, wenn das Christentum weiter erodiert und als Wertgrundlage entschwindet? Ein Verfassungspatriotismus allein sei kein wirklich tragender Ersatz, meinen die Bef\u00fcrworter einer christlich fundierten Leitkultur.<\/p>\n<p>Entgegen dem Theorem B\u00f6ckenf\u00f6rdes versucht der Staat der Bundesrepublik Deutschland besonders in den neuen Bundesl\u00e4ndern die schwache gesellschaftliche Verankerung der beiden Gro\u00dfkirchen zu stabilisieren und zu kr\u00e4ftigen. Ich neige allerdings zur Einsch\u00e4tzung, dass es auf weite Sicht nicht gelingen wird, die gew\u00fcnschte Wirkung zu erzielen.<\/p>\n<p>Wie lange der semis\u00e4kularisierte bayerische Staat die in seinen Gebieten vergleichsweise noch stark ausgepr\u00e4gte Lebendigkeit und staatstragende Kraft der katholischen Glaubens- und Lebenswelt verteidigen und sch\u00fctzen kann, wird sich zeigen. Ich habe als junger Mann noch die Zeit des erzkatholischen und sittenstrengen Kultusminister Alois Hundhammer (CSU) und seiner katholisch-fundamentalistischen Mitstreiter kennen gelernt (siehe Blog-Kap.32). Sie hatten verbissen an den Konfessionsschulen festgehalten und katholische Macht- und Einflusspositionen verteidigt. Tempi passati!-Fragen, wie lange sich historisch festgeschriebene kirchliche Machtpositionen in verschiedenen Bereichen noch in dem bestehenden Umfang rechtfertigen und halten lassen, werden sich versch\u00e4rfen. Wahrscheinlich wird es auch in den noch stark katholisch gepr\u00e4gten Bundesl\u00e4ndern im Zuge des s\u00e4kularen Erosionsprozesses zu Lockerungen in den bisherigen Kooperationsformen kommen. Auf der Ebene der Bundesl\u00e4nder werden sich wahrscheinlich laizistische Tendenzen verst\u00e4rken und kraft kulturhoheitlicher Landeskompetenzen L\u00f6sungen auseinanderdriften.<\/p>\n<p>Der schwindende Einfluss der christlichen Gro\u00dfkirchen resultiert nicht aus einem g\u00e4nzlichen Schwund religi\u00f6ser Bed\u00fcrfnisse nach Sinn und Weltverstehen. Viele Menschen suchen im zunehmenden Ma\u00df individuell und in au\u00dferkirchlichen Gemeinschaften jenseits der kirchlichen Dogmen, Riten und Angebote nach Antworten. Religion gewinnt hierdurch einen &#8222;privaten&#8220; und &#8222;individuellen&#8220; Charakter. Ein anderer Faktor ist die allenthalben wachsende religi\u00f6se Indifferenz, die wahrscheinlich eine gr\u00f6\u00dfere Bedrohung kirchlicher Anspr\u00fcche darstellt als die f\u00fcr die Kirchen unbequeme freischwebende Religiosit\u00e4t. Beobachtbare Formen der &#8222;Revitalisierung des Religi\u00f6sen&#8220; bedeuten in Europa folglich nicht eine &#8222;R\u00fcckkehr der Religion&#8220; in ihren traditionellen institutionalisierten Formen. Der These von der R\u00fcckkehr der Religion, die von christlichen &#8222;Hoffnungstr\u00e4gern&#8220; vertreten wird, ist entgegenzuhalten, dass Dechristianisierung und Entkirchlichung nicht zwingend bedeuten, S\u00e4kularisierung\/Verweltlichung schreite ungebrochen voran. Der S\u00e4kularisierungstrend folgt keinem eindimensionalen und geradlinigen Entwicklungspfad, er ist komplex und in sich widerspr\u00fcchlich. M\u00f6glicherweise Zu unterscheiden sind Religion und Religiosit\u00e4t, also verfestigte und institutionalisierte Formen von Glauben und institutionell und dogmatisch ungebundene religi\u00f6se Bed\u00fcrfnisse und Sinnsuche. Religiosit\u00e4t l\u00f6st sich im S\u00e4kularisierungsproze\u00df nicht auf. Religi\u00f6se Transzendenzbed\u00fcrfnisse entkoppeln sich von den Kirchen, so lautet eine plausible These der Religionswissenschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eAufgekl\u00e4rte Muslime in unserem aufgekl\u00e4rten Land\u201c (Wolfgang Sch\u00e4uble)<\/strong><\/p>\n<p>Dem schw\u00e4chelnden Christentum steht in Deutschland (und nicht nur in diesem europ\u00e4ischen Land) eine erstarkende und wie es scheint glaubensfeste islamische Konfessionsgemeinschaft von Einwanderern gegen\u00fcber, die den s\u00e4kularisierten Staat in anderer Weise mit ihren Glaubens\u00fcberzeugungen, Riten, Konventionen und Anspr\u00fcchen (Stichworte: Kopftuch, Sch\u00e4chtung, Nichtteilnahme von muslimischen Sch\u00fclerinnen am koedukativen Schulsport, islamischer Religionsunterricht, Leichentuch statt Sargpflicht nach christlicher Tradition) herausfordern. Demographische Extrapolationen kommen zu dem Ergebnis, dass in etwas mehr als zwanzig Jahren knapp sieben Millionen Muslime dauerhaft in Deutschland leben werden. Zwei Drittel von ihnen werden voraussichtlich deutsche Staatsb\u00fcrger sein. Ein glaubensstarker, nur teils\u00e4kularisierter Euro-Islam k\u00f6nnte schon bald einem weiter verblassenden Christentum konfessionspolitische Probleme bescheren und den s\u00e4kularisierten Staat in religionsrechtliche Bedr\u00e4ngnis bringen. Die politischen und gesetzgeberischen Entscheidungen \u00fcber die Modalit\u00e4ten der Ausbildung und der staatlichen Einsetzung von Imamen, \u00fcber die Institutionalisierung des islamischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache, \u00fcber das Tragen des Kopftuches oder \u00fcber den Bau von Moscheen werden \u00fcber kurz oder lang zeigen, inwieweit das &#8222;einzigartige deutsche Religionsverfassungsrecht&#8220; den aktuellen Herausforderungen des s\u00e4kularisierten Staates wirklich gewachsen sein wird.<\/p>\n<p>Die fortschreitende Dechristianisierung und Entkirchlichung werden die Zweifel an der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der bestehenden Privilegierung der Kirchen verst\u00e4rken und Forderungen nach Revisionen dr\u00e4ngender und lauter werden lassen. Im Stadtstaat Berlin und in den &#8222;gottlosen&#8220; neuen Bundesl\u00e4ndern werden andere Entscheidungen getroffen werden als in noch stark katholisch gepr\u00e4gten alten Bundesl\u00e4ndern. Wie Brandenburg und Bayern zeigen, gibt es zwei parallel und quasi gegens\u00e4tzlich verlaufende Entwicklungsrichtungen: Im Norden und Osten der Bundesrepublik Deutschland, in den Bundesl\u00e4ndern mit christlichen Minderheiten, wird sich das Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirche in Richtung des &#8222;Konzepts der distanzierenden Neutralit\u00e4t&#8220; (E.-W. B\u00f6ckenf\u00f6rde) entwickeln. Die religi\u00f6s-konfessionellen Verh\u00e4ltnisse werden sich in der Bundesrepublik Deutschland jedenfalls in den n\u00e4chsten Jahrzehnten weiterhin stark ver\u00e4ndern. S\u00e4kulare Indifferenz gegen\u00fcber dem institutionalisierten Christentum und \u201eGottlosigkeit\u201c werden vermutlich alle drei monotheistischen Religionsgemeinschaften in eine Minderheitenposition versetzen. Die Bunderepublik wird sich wahrscheinlich mehr in Richtung eines &#8222;etat laic&#8220; franz\u00f6sischen Musters verwandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Der katholische Koloss bewegt sich<\/strong><\/p>\n<p>Analysieren, r\u00e4sonieren, publizieren \u2013 was hat es gebracht? Gen\u00fcgte es, als wissenschaftlicher und politischer Beobachter die kritisierten Vorg\u00e4nge und Entwicklungen blo\u00df intellektuell zu verfolgen? Habe ich damit etwas bewegt? Es sah so aus, als w\u00fcrden alle diese intellektuellen Bem\u00fchungen ins Leere laufen. Doch der katholische Koloss bewegt sich. Er wird gezwungen sich zu bewegen!<\/p>\n<p>Am 30.\/31. Januar 2013 traten die bayerischen Bisch\u00f6fe in Waldsassen zusammen und beschlossen zur \u00dcberraschung vieler Kritiker, k\u00fcnftig auf ihr im bayerischen Konkordat zugebilligtes Vetorecht bei der Besetzung von 21 Lehrst\u00fchlen an bayerischen Universit\u00e4ten zu verzichten. Die \u201egeschichtlichen Rahmenbedingungen\u201c seien heute anders, so soll der M\u00fcnchner Kardinal Reinhard Marx sich dazu ge\u00e4u\u00dfert haben. (<a href=\"http:\/\/saekulare-gruene.de\/katholische-bischofe-bayerns-verz...08.09.2017\">http:\/\/saekulare-gruene.de\/katholische-bischofe-bayerns-verz&#8230;08.09.2017<\/a>.<\/p>\n<p>Der Verzicht stellt allerdings nur einen halben R\u00fcckzug dar. Denn die Bisch\u00f6fe gaben mit ihrem Verzicht nicht prinzipiell das ihnen mit Artikel 3 Paragraf 5 des Bayerischen Konkordats zugesicherte Recht preis. Sie erkl\u00e4rten sich nur bereit, von diesem Recht keinen Gebrauch mehr zu machen. Sie lassen ihr Zustimmungsrecht lediglich \u201eruhen\u201c.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch zwischen bayerischem Staat und Episkopat ist zudem die direkte staatliche Besoldung des hohen Klerus, die von einer Pauschalzahlung an die Kirche abgel\u00f6st werden soll. Das w\u00e4re letztlich reine Augenwischerei, denn der Staat zahlt weiterhin die Geh\u00e4lter, aber eben nur indirekt. Lediglich die Durchf\u00fchrung der Besoldung w\u00fcrde der Kirche \u00fcbertragen. Die Besoldung aus staatlichen Steuereinnahmen, direkt oder indirekt, bleibt ein Skandalon.<\/p>\n<p>Nochmals frage ich mich: Was habe ich in diesen Auseinandersetzungen mit meinen Anst\u00f6\u00dfen bewirkt? Es sind viele Akteure und Faktoren, die den katholischen Koloss zwingen werden, vors\u00e4kulare Positionen zu r\u00e4umen. Ich bin nur eine einzelne Stimme, die sich an den historisch obsolet gewordenen Privilegien st\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortragsreisen nach Trient In sozial- und geschichtswissenschaftlichen Fachkreisen hatte sich wohl allm\u00e4hlich herumgesprochen, dass sich meine Forschungsinteressen und Fragestellungen vom engeren Bereich der Parteienforschung entfernt und sich der bekannte \u201eCSU-Mintzel\u201c in kritischer Distanz zur bayerischen Staats- und Ordnungspartei (CSU) allgemeinen Fragen der religi\u00f6s-konfessionellen Entwicklungen und institutionellen Wechselbeziehungen zwischen Staat und Kirchen zugewandt hatte. 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