{"id":362,"date":"2017-09-14T14:31:54","date_gmt":"2017-09-14T12:31:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=362"},"modified":"2019-09-02T02:37:32","modified_gmt":"2019-09-02T00:37:32","slug":"49-abschied-von-der-buehne-des-daseins-eine-bilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2017\/09\/14\/49-abschied-von-der-buehne-des-daseins-eine-bilanz\/","title":{"rendered":"49. Ein Leben mit der Kunst \u2013 Kunst als Biografie"},"content":{"rendered":"<div class=\"entry-content\">\n<p>\u201eEiner \u00fcberraschenden Art des Staunens wurde ich f\u00e4hig. Herausgerissen aus dem Zusammenhang mit den anderen Dingen gewann jeder Gegenstand eine neue Bedeutung\u201c (Alfred Kubin, 1909 \/1962, 103)<\/p>\n<p><strong>Fremdwahrnehmungen und Spiegelungen<\/strong><\/p>\n<p>In der Sph\u00e4re des Kunstschaffens gilt wom\u00f6glich noch strikter als f\u00fcr die der Wissenschaft der Satz: \u201eDe nobis ipsis silemus\u201c, von uns selber schweigen wir. (Francis Bacon: Instauratio magna. Praefatio, zit. nach Immanuel Kant). Unsere Arbeit, Leistung und Verdienste zu w\u00fcrdigen, ist Angelegenheit anderer. K\u00fcnstler \u00fcberlassen es in der Regel \u201eKunsterkl\u00e4rern\u201c, ihre Werke professionell zu entschl\u00fcsseln, zu deuten und in das allgemeine Kunstschaffen einzuordnen. Sie weigern sich, ihre Bilder und Objekte selbst zu erkl\u00e4ren. Ganz so strikt habe ich mich nicht immer daran gehalten. In meinem Katalog \u201eObjekte 1989\u20131995\u201c, den ich zur Feier meines 60. Geburtstag selbst gestaltet und publiziert habe (ISBN 3-00-00000-9), beschreibe ich in dadaistischer Weise, wie jedes Objekt, sei es aus Holz, Stein oder Metall, zustande gekommen ist. In diesem Katalog habe ich zugleich ein Arbeitsprogramm f\u00fcr die Zeit nach meiner Pensionierung (2000ff) entwickelt. Doch muss ich zeitlich nochmals weit ausholen, um die sp\u00e4te R\u00fcckkehr in mein \u201ezweites Berufsleben\u201c zu erkl\u00e4ren. (Weitere Informationen hierzu finden Sie hier: <a href=\"http:\/\/www.bbk-bayern.de\/kuenstler\/kib\/detail_print.phtml?kunr=1767\">http:\/\/www.bbk-bayern.de\/kuenstler\/kib\/detail_print.phtml?kunr=1767<\/a>)<\/p>\n<p>Nachdem ich mich 1959 entschieden hatte, mein Studium der Malerei und Grafik nicht fortzusetzen und ein anderes Universit\u00e4tsstudium zu beginnen (siehe Kap. 11), er\u00f6ffnete sich f\u00fcr mich nach einigen Semestern des Hineintastens in universit\u00e4re Studieng\u00e4nge (Rechtswissenschaften, 1959\u20131962) der Weg in die Soziologie und Politikwissenschaft (siehe Kap. 13\/14). 1962 wurde ich an der Freien Universit\u00e4t Berlin in ein von der Ford Foundation finanziertes F\u00f6rderungsprogramm f\u00fcr wissenschaftlichen Nachwuchs aufgenommen und am vormaligen Institut f\u00fcr politische Wissenschaft am Forschungsprojekt \u201eBerlin \u2013 Hauptstadtanspruch und Westintegration\u201c beteiligt. Zur Erinnerung: Ab 1962 durchlief ich zielorientiert mit Gl\u00fcck und Bravour alle Stationen einer sozialwissenschaftlichen Universit\u00e4tskarriere: das Diplomexamen im Fach Soziologie (1967), die Promotion im Fach Politikwissenschaft und Politische Soziologie (1974, summa cum laude) und die Habilitation und Venia legendi (1978). Alle Stationen waren von Unsicherheiten begleitet, ob es mir gelingen w\u00fcrde, in der Wissenschaft auf Dauer verbleiben zu k\u00f6nnen. Aufgrund meiner publizierten Studien \u00fcber die CSU und Bayern, die mich in ganz Westeuropa bekannt gemacht hatten, konnte ich 1974 in die zeitlich befristete Stelle eines Assistenzprofessors einr\u00fccken. Ab 1978 galt es auf eine Universit\u00e4tsprofessur berufen zu werden. In diese \u00e4u\u00dferst arbeitsintensive und strapazi\u00f6se Zeit des wissenschaftlichen Werdegangs fiel die Entscheidung, eine Familie zu gr\u00fcnden: Eheschlie\u00dfung mit Inge Lu 1964, Geburt der T\u00f6chter Anne 1968, Theresa 1971 und Caroline 1975. Es bedurfte eines geradezu waghalsigen Durchhalteverm\u00f6gens und enormen Selbstvertrauens, um nicht zu scheitern. Kurzum, zum Malen und Zeichnen, wie \u00fcberhaupt f\u00fcr die Kunst, blieb von 1960 bis 1980 nicht einmal als Hobby Zeit. Als unsere T\u00f6chter heranwuchsen, standen allerdings von Kindesbeinen an stets Farben, Stifte, Papier und Wasser bereit, um ihre kreativen Impulse zum Ausdruck kommen zu lassen und zu f\u00f6rdern. Ich stellte in dieser Zeit mein K\u00f6nnen und meine Freude am Malen und Zeichnen fast ausschlie\u00dflich in den Dienst \u00e4sthetischer Kindererziehung. Erst 1980, als ich die schlimmsten Zeiten akademischer Unsicherheit mit Lehrstuhlvertretungen \u00fcberbr\u00fccken konnte, begann ich mich wieder dem Zeichnen und Malen zuzuwenden. Ich versuchte mich in der Portr\u00e4tmalerei und ging in Berlin bei einem freischaffenden italienischen Maler, bei Riccardo Adelchi Mantovani, buchst\u00e4blich in die Lehre, um mich in der Lasurmalerei zu \u00fcben. Es entstanden 1980 auf dem Weg der Schulung im alten Metier die Portr\u00e4ts von Inge Lu und Theresa. Die ersten Arbeitsergebnisse lie\u00dfen mich hoffen, neben der Wissenschaft im Sinne eines musischen Ausgleichs in die Kunst zur\u00fcckzufinden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-909 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_003-700x882.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"882\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_003-700x882.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_003-238x300.jpg 238w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_003-768x968.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_003-800x1008.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_003.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, Portrait Inge Lu Mintzel, 1980, Lasurtechnik<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-910 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_004-700x879.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"879\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_004-700x879.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_004-239x300.jpg 239w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_004-768x964.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_004-800x1004.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_004.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, Portrait Theresa Florentine Mintzel, 1981, Lasurtechnik<\/em><\/p>\n<p>Ich brauchte nach den strapazi\u00f6sen Berliner Jahren innere kreative Balance und psychische Erholung. Mit der Berufung auf den Passauer Lehrstuhl f\u00fcr Soziologie gelangte ich gl\u00fccklicherweise 1981, obschon neue Turbulenzen und Konflikte nicht ausblieben (siehe Kap. 21ff), \u201eon the sunny site of the street\u201c. Zu unserem silbernen Hochzeitstag ver\u00f6ffentlichten Inge Lu und ich im M\u00e4rz 1989 in einem gemeinsam gestalteten gro\u00dfformatigen Buch ihre Gedichte und meine Bilder, die bis dahin entstanden waren. Im Titel \u201eEs ist noch Zeit genug\u201c kam unsere Hoffnung zum Ausdruck, wieder mehr Zeit f\u00fcr k\u00fcnstlerische Impulse zu finden. Seit Beginn der 1990er Jahren wandte ich mich haupts\u00e4chlich der Objekt-Kunst zu, nach 2000 auch dem Lithografieren und der Radierung. Die Resultate aus den Jahren 1989 bis 1995 publizierte ich in dem schon genannten und von mir gestalteten Objekte-Katalog (1995). Seither beteiligte ich mich an etwa zwei Dutzend Ausstellungen, darunter auch an einigen in anderen Orten (Wiesbaden, Ortenburg, Vilshofen, Straubing, Bad Kreuznach und Ulm). Die W\u00fcrdigung \u00fcberlasse ich im Folgenden anderen.<\/p>\n<p><strong>Krieger, Madonnen, Masken \u2013 Der K\u00fcnstler Alf Mintzel als Schmied seiner Objekte<\/strong><\/p>\n<p><em>(Quelle: Prof. Dr. Klaus Dirscherl, in: Stefan Immerfall (Hrsg.): Parteien, Kulturen und Konflikte. Beitr\u00e4ge zur multikulturellen Gegenwartsgesellschaft. Festschrift f\u00fcr Alf Mintzel. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S.283\u2013292.<\/em><\/p>\n<p><strong>Pers\u00f6nliches I<br \/>\n<\/strong>Alf Mintzel hat sich zu seinem 60. Geburtstag einen Kunstkatalog geschenkt. <em>Objekte<\/em> hei\u00dft er. Die gl\u00fccklichen Besitzer, zu denen auch ich geh\u00f6re, haben so die Gelegenheit, die Bekanntschaft jener metallenen Schutzengel zu machen, die sich der alternde, aber ewig junge Soziologiekollege f\u00fcr sein &gt;Zweites Arbeitsleben&lt; zurechtschmiedet. Das Geschenk war zum 18. April 1995 datiert. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter feiern wir seinen endg\u00fcltigen Eintritt in dieses &gt;Zweite Arbeitsleben&lt; mit einer Festschrift Eigentlich hasse ich Festschriften. Weil man darin allzu h\u00e4ufig allzu Abgelegtes, nicht Verwertbares f\u00fcr ein viel zu teures Buch wissenschaftlich recycelt. Aber Mintzels &gt;Objekte&lt; und das Buch, das er dar\u00fcber gemacht hat, geben mir die sch\u00f6ne Gelegenheit, mich mit ihm selbst, d.h. dem K\u00fcnstler im Menschen Mintzel, zu besch\u00e4ftigen. Also schenke ich auch mir \u2013 eben vom Kurzurlaub zur\u00fcck \u2013 ein paar sch\u00f6ne Stunden und Tage auf der sonnigen Aprilterrasse, kurz vor seinem 65., im Umgang mit dem spannendsten Mintzel, den ich kenne: Ich erinnere mich dabei an die beeindruckende Ausstellung einiger dieser Objekte im neu restaurierten Passauer Luragosaal, wo mich damals bereits seine schmiedeeisernen \u201eLeibw\u00e4chter\u201c (der Ausdruck stammt von Mintzel selbst) halb streng, halb grinsend anschauten. Ich bin froh, dass der Schlachtenl\u00e4rm vom letzten Madonnenstreit (geht er mittlerweile in die vierte oder f\u00fcnfte Runde oder ist es doch ein sur-realistischer <em>cadavre exquis<\/em>, den Kunst, Kirche und Kitsch auf der B\u00fchne der Hochschule unter Mitwirkung mehrerer Madonnen, Rektoren und Beckmesser auff\u00fchren?), ich bin froh, sagte ich, dass dieser Schlachtenl\u00e4rm zu Beginn der zweitausendsten Osterzeit etwas verklungen ist, und gebe mich ganz der Freude des Spiels mit Mintzelschen Figuren, so genannten <em>ready mades<\/em>, hin. Aber da regt sich in mir bereits Widerspruch! Und dann Zweifel. Darf man in einer Festschrift widersprechen? Noch dazu dem Gefeierten? Ich will es wagen.<\/p>\n<p><strong>Ready made, wirklich?<br \/>\n<\/strong>Mintzels \u201eObjekte\u201c, die er gerne <em>ready mades<\/em> nennt, sind gar keine, Marcel Duchamp, der Erfinder dieser hochironischen, antiakademischen Kunstform \u201aernannte\u2018 mit diesem Begriff irgendwelche beliebigen Alltagsgegenst\u00e4nde provozierend banaler Art (ein Urinal, ein Fahrradteil, einen Flaschentrockner) zum Kunstwerk, indem er sie durch Unterschrift und Datierung nobilitierte und in eine Kunstausstellung stellte. &gt;Durch diese Isolierung und Dislozierung eines gew\u00f6hnlichen und unbeachteten Dinges, die nat\u00fcrlich auch die psychologischen Elemente der Ironisierung und Verh\u00f6hnung des Dinges mit einschlossen&lt;, wurde das Ding aus seinen ihm normal zugewiesenen Verh\u00e4ltnissen herausger\u00fcckt, verr\u00fcckt \u2026 und durch &gt;den Schock, den es in den ihm wesensfremden verr\u00fcckten neuen Verh\u00e4ltnissen ausl\u00f6ste, als etwas ganz Neues, Anderes, Sonderbares und Merkw\u00fcrdiges erkannt.&lt;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-911 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_005-700x1336.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1336\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_005-700x1336.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_005-157x300.jpg 157w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_005-768x1466.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_005-800x1527.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_005.jpg 1098w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, Wiederkehr der Entsorgten II, 1997, Schmiedeeisen<\/em><\/p>\n<p>Doch Mintzels &gt;Objekte&lt; vermitteln diesen Kulturschock, den Dislozierung und Transfer von Alltagskultur in fremde Kontexte normalerweise ausl\u00f6sen, mitnichten. Vielmehr machen diese alten \u00d6lkannen, diese unbrauchbar gewordenen, meist eisernen Werkzeuge vergangener Zeit, die abgeschabten Steinplatten, die der eifrige Flohmarktbesucher eingesammelt, nach Hause getragen, liebevoll gereinigt, manchmal mit anderen &gt;Fundsachen&lt; zusammengeschwei\u00dft und dann effektvoll fotografiert hat, auf mich einen beinahe anheimelnden Eindruck. W\u00e4hrend Duchamps <em>ready mades<\/em> das Ende der b\u00fcrgerlichen Kunst mit ihrer Feier des K\u00fcnstlers und der sorgf\u00e4ltigen Anfertigung des Kunstwerkes einl\u00e4uteten, und die Provokation ihres Entstehens zu einem wesentlichen Teil gerade in ihrer (fast schon postmodernen) Reproduzierbarkeit lag, sp\u00fcrt man in Mintzels Objekten allenthalben die liebevolle. formende, von einem starken Ausdruckswillen gef\u00fchrte Hand des K\u00fcnstlers. Der Ausgangspunkt seiner &gt;Objekte&lt; sind zwar Fundgegenst\u00e4nde wie bei Duchamp. Doch Mintzel legt durch seine Eingriffe \u2013 die Reinigung des Verrosteten mit S\u00e4uren, das Zusammenschwei\u00dfen mit verwandten Fundsachen und Materialien u.a.m. \u2013 ihre verborgenen Grundeigenschaften, gleichsam ihren Charakter frei, w\u00e4hrend Duchamps <em>ready mades<\/em> mit der Banalit\u00e4t der Ausgangsobjekte ein ironisches Maskenspiel betreiben. Trotz ihrer harten Materialit\u00e4t geht von ihnen eine menschliche W\u00e4rme aus, die W\u00e4rme der k\u00fcnstlerischen Hand, die sie aus dem Dasein des Unbeachteten, Weggeworfenen befreit und durch sorgf\u00e4ltiges, stilsicheres Eingreifen zu Ikonen einer vergangenen, beinahe nostalgisch gefeierten Zeit macht.<\/p>\n<p><strong>Subjektive Objekte<br \/>\n<\/strong>Mintzel nennt seine Objekte &gt;Krieger&lt;, &gt;Nike&lt;, &gt;Getroffener Vogel&lt;, &gt;Kreuzigung&lt;, &gt;Flussgeist&lt; und gibt damit eine Sinndeutung vor, die das dadaistisch gepr\u00e4gte <em>ready made<\/em> gerade verweigert. Mintzels Objekttitel lassen dem Betrachter gleichwohl noch m\u00e4chtig Spielraum zur eigenst\u00e4ndigen Deutung, \u00f6ffnen Sinnwechsel durch die Verschr\u00e4nkung unterschiedlicher Kontexte, die seine ehemals n\u00fctzlichen Fundsachen in einer neuen Metaphorik der Materialien entfalten. Sie erinnern mich sehr viel mehr an die Assemblagen eines Antoni T\u00e0pies, der ebenfalls aus der Bescheidenheit von verbrauchten, abgeschabten, altgewordenen Gegenst\u00e4nden ungew\u00f6hnliche, neue Kunstobjekte kreierte. Wie bei T\u00e0pies sind auch Mintzels Objekte von einem starken Ausdruckswillen gepr\u00e4gt. Man sp\u00fcrt allenthalben, gerade weil die verwendeten Materialien hart (eisern, h\u00f6lzern, steinern) sind, die formende Hand des K\u00fcnstlers. Hier artikuliert sich nicht die spielerische (und ironische) Beliebigkeit postmoderner Kunst im Zeitalter ihrer Reproduzierbarkeit, sondern die Subjektivit\u00e4t eines K\u00fcnstlers, der in abgenutzten Gegenst\u00e4nden die W\u00fcrde ihres Ursprungs, fast m\u00f6chte man sagen die Noblesse ihrer Einfachheit und einstmaligen St\u00e4rke hervorkehrt, indem er sie zu Figuren einer dynamisch bewegten, subjektiv gepr\u00e4gten Vorstellungswelt, zu &gt;Kriegern&lt;, zu &gt;Flussgeistern&lt;, zu &gt;Idolen&lt; macht. Mintzels Konfigurationen auf der Basis alter und sorgf\u00e4ltig pr\u00e4parierter Gebrauchsgegenst\u00e4nde aus verschwundenen Handwerks- und Landarbeitszeiten sind keine <em>ready mades<\/em>, sondern assemblage-verwandte Objekte, die mit subjektiver Kraft uns zum Nach- und Weiterdenken \u00fcber die Grundelemente unserer Welt anstiften.<\/p>\n<p><strong>Von der Kunst des Aufhebens<br \/>\n<\/strong>Liest man die sorgf\u00e4ltigen Angaben Mintzels dar\u00fcber, wie seine Objekte entstanden, beispielhaft sei der Katalogtext zu &gt;Objekt: weibliches Idol, 1994&lt; in voller L\u00e4nge zitiert:<\/p>\n<p>&gt;Idee: idolo femminile; female idol; schon beim Kauf als weiteres St\u00fcck meiner Idol-Sammlung betrachtet.<\/p>\n<p>Material: Gusseisen, 14,6 cm x 5,2 cm x 1 cm (H\u00f6he x Breite\/breiteste Stelle x Tiefe) Gebrauchsgegenstand: unbekannt; der Tr\u00f6dler konnte keine Angaben zum Objekt machen; die Vermutung, dass es zu einem Pferdezaum geh\u00f6rt, hat sich nicht best\u00e4tigt; es muss sich um irgendein Verbindungs- oder Gelenkst\u00fcck handeln. Fundort: Flohmarkt Pfarrkirchen, Niederbayern, an einem sehr hei\u00dfen Julitag: 02.07.1994 (Ausflug nach Alt\u00f6tting); Preis DM 2,00.<\/p>\n<p>Geschichte des Objekts: am 05.08.1994 in Orselina, Casa Lu, und am 17.08.1994 Objekt zusammen mit anderen Hammer-Idolen mit Entroster behandelt, wodurch die eigenartige, graufleckige Patina entstand&lt;.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-912 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_006-700x1249.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1249\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_006-700x1249.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_006-168x300.jpg 168w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_006-768x1370.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_006-800x1427.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_006.jpg 1164w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><br \/>\n<em>Alf Mintzel, Objekt: weibliches Idol, 1994, Gusseisen, Granit<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>So entdeckt man, dass vor dem Schaffensprozess der Assemblage, noch vor dem Reinigen und sicher vor dem kunstvollen Foto des Objekts die m\u00fchevolle, hartn\u00e4ckige, aber immer mit dem Gl\u00fcck des Zufalls rechnende T\u00e4tigkeit des Sammlers steht. Der K\u00fcnstler als Sammler, das l\u00e4sst bei aller Modernit\u00e4t des Objekteschmieds Alf Mintzel an postmoderne Grundprinzipien denken, an die Beliebigkeit der Gegenst\u00e4nde, ihre allt\u00e4gliche Verf\u00fcgbarkeit, den Seriencharakter und ihre vermeintliche Austauschbarkeit.<\/p>\n<p>Doch Mintzel bleibt eben nicht beim Sammeln, Ordnen und Aufreihen stehen. Sein Sammelvorgang wird von einem liebevollen Akt der Reinigung und Blo\u00dflegung der Grundmaterialien des Fundes abgel\u00f6st, man k\u00f6nnte auch sagen \u00fcberwunden. Der Fund wird veredelt. Aus dem Fundst\u00fcck wird ein Werkst\u00fcck, das mit seiner erneuerten Kraft in die Zukunft weist und mit seinem bewahrenden Gestus die Vergangenheit sichert, aufbewahrt und durch Erinnerung adelt. Mintzel ist ein K\u00fcnstler der Erinnerung und Erneuerung in einem. Er beherrscht die alte rhetorische Tugend der <em>memoria<\/em>, bleibt aber nicht im Musealen stecken, sondern fordert mit seiner sanft \u00e4sthetisierenden Hand der Bewahrungsarbeit gleichzeitig eine R\u00fcckbesinnung auf alte Tugenden\/Materialien und eine Erneuerung aus dem Vorgefundenen. Fast m\u00f6chte man ihn mit einem modischen Schlagwort der \u00f6kologischen Bewegung einen K\u00fcnstler der \u201aNachhaltigkeit\u2018 nennen. M\u00f6chte man. W\u00e4re da nicht der stets sp\u00fcrbare Wille zur \u00dcberwindung des Alten, zur Neukreation. Mintzels Figuren-Objekte sind nicht nur eine <em>hommage<\/em> an alte Ger\u00e4tschaften. Sie werden in ihrer ungelenken, aber v\u00f6llig \u00fcberzeugenden Gestik zu human gewordenen Schutzengeln des schutzbed\u00fcrftigen, sich nach W\u00e4rme und Kraft sehnenden Menschen der Postmoderne. Und mit dieser ihnen eigenen Kraft neuer Zuversicht in die Sch\u00f6pferpotenz des Menschen \u00fcberwinden sie ein zweites Mal (nach der bewahrenden Reinigung durch den Sammler Mintzel) ihren armseligen Erstzustand als verlorenes Gebrauchsgut versinkender Zivilisationen.<\/p>\n<p><em><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-913 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_007-700x548.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"548\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_007-700x548.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_007-300x235.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_007-768x601.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_007-800x627.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_007.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><br \/>\nAlf Mintzel, Gott des Tanzes, Komponiertes Readymade, 1993, Gusseisen, Granit<\/em><\/p>\n<p>Damit wird Mintzels k\u00fcnstlerisches Tun der intertextuellen Literatur und ihrem Innovationspotential (beispielsweise des Petrarkismus) vergleichbar. Denn hier wie dort praktiziert man die dreifache Kunst des <em>Aufhebens<\/em>. (1) Zun\u00e4chst wird ein altes (Bruch-)St\u00fcck aufgelesen, vom Boden <em>aufgehoben<\/em>, wo es \u2013 weggeworfen \u2013 belang-los schien, das ist der erste Sinn des Aufhebens. (2) Sodann wird es nach Hause in die eigene Sammlung\/Bibliothek zur Aufbewahrung gebracht, also ein zweites Mal <em>aufgehoben<\/em>, gereinigt, geordnet, vielleicht nummeriert und verf\u00fcgbar f\u00fcr sp\u00e4tere Neukreationen\/Lekt\u00fcren gemacht. (3) Erst im Akt der Assemblage entsteht ein neues Ding, das ans alte erinnert, doch unvergleichlich und unverwechselbar, ja einmalig ist. Das alte Ding wird durchs neue Objekt \u00fcberwunden, \u00fcberholt, in seiner alten Funktion <em>aufgehoben.<\/em><\/p>\n<p><strong>Das Komische und das Sakrale<br \/>\n<\/strong>In dieser letzten <em>Aufhebung<\/em> offenbart sich nicht selten ein Schuss Ironie, eine latente Komik der Mintzelschen Gesch\u00f6pfe, wenn sie sich hinauswagen ins Licht der \u00d6ffentlichkeit. Bei aller Sehnsucht nach dem Erhabenen im Sch\u00f6pfungsakt, wie sie in Titeln, wie &gt;Gottheit&lt;, &gt;Kreuzigung&lt;, &gt;gotischer Faltenwurf&lt; und \u00e4hnlichen, zum Ausdruck kommt und in der statuarischen Monumentqualit\u00e4t vieler seiner Objekte sichtbar wird, schaut bei Mintzel immer auch ein tiefsitzender Schalk hinter der nur scheinbar objektiven Ding-Kunst hervor.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-915 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_009-700x1022.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1022\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_009-700x1022.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_009-205x300.jpg 205w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_009-768x1121.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_009-800x1168.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_009.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><br \/>\n<em>Alf Mintzel, Selene, Assemblage, 1992, Gusseisen, Holz, Granit<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-914 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_008-700x1025.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1025\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_008-700x1025.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_008-205x300.jpg 205w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_008-768x1125.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_008-800x1172.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_008.jpg 1367w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><br \/>\n<em>Alf Mintzel, Meditation, Assemblage, 1992, Gusseisen, Holz, Granit<\/em><\/p>\n<p>Aus einem alten Flachshechel, den er in einem Holzriegel verkeilt, macht er einen &gt;Stier&lt;, dem man die l\u00e4cherliche Imponiergestalt von weitem ansieht. Die Hausg\u00e4ste in seinem Schweizer Feriendomizil l\u00e4sst er mit masken\u00e4hnlichen Ger\u00e4tschaften &gt;Commedia dell\u2019arte&lt; spielen und er selbst schaut verschmitzt durch eine wunderbare &gt;Wurzelbrille&lt; auf den verdutzten Betrachter. Mintzels Objektkunst veredelt und \u00fcberh\u00f6ht die armseligen Ausgangsmaterialien zu einer &gt;sakralen Komposition&lt;, so der Titel einer seiner Assemblagen. Und wer Mintzel nur als den K\u00e4mpfer gegen die universit\u00e4re &gt;Maria vom Siege&lt; kennt, entdeckt in seinem k\u00fcnstlerischen Werk mit \u00dcberraschung eine ganze Reihe von Objektkompositionen, die &gt;gotische Madonnen&lt;, ihren edlen &gt;Faltenwurf&lt; oder Gottheiten aus dem Reich der Mythologie zum Thema haben. Doch als h\u00e4tte der Objektk\u00fcnstler Mintzel Sorge, von der hohen Ebene des Pathos ganz vereinnahmt zu werden, nutzt er gleichsam als Gegengift das immense Ironie-Potential, das in seinem Material und seinem Schaffensprozess steckt, immer wieder zu befreienden Soli eines kom\u00f6diantischen Umgangs mit seinem reichhaltigen Flohmarktfundus. So gesehen sind auch seine &gt;komischen&lt; Objekte Objektivierungen starker Gef\u00fchle, Gesch\u00f6pfe, mit denen Mintzel seine Emotionen dingfest macht. Und gerade deshalb \u00fcberzeugen sie.<\/p>\n<p><strong>Pers\u00f6nliches II<br \/>\n<\/strong>Jetzt, wo ich mit meinem vor\u00f6sterlichen textlichen Umgang (am 18.04.2000) mit dem dingfesten Mintzel gut gelaunt ans Ende gelange und mich das erste Fr\u00fchlingsgewitter von der Terrasse vertreibt, kommt es mir wie ein Blitz: Nat\u00fcrlich: Mintzels Madonnenstreit ist eigentlich ein Passauer <em>ready made<\/em>, oder anders gesagt: Jene &gt;Maria vom Siege&lt;, die als sakrale Komposition auf der Nordseite der Katholisch-Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Passau (in der Michaeligasse Nr. 13) in die Wand eingef\u00fcgt ist, wird von ihm wie so vieles l\u00e4ngst Vergessene und etwas Abgenutzte in einen noch lange nicht beendeten Prozess des <em>Aufhebens<\/em> verwickelt. Miteinbezogen werden \u2013 ernsthaft pathetisch und komisch zugleich \u2013 auch andere Beteiligte, und so wird den dergestalt <em>Aufgehobenen<\/em> zu immer neuen Renaissancen k\u00fcnstlerischer und anderer Art verholfen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alf Mintzel: Objekte \u2013 Grafik \u2013 Malerei. Retrospektive &amp; Neues.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Laudatio, gehalten auf der Vernissage der Ausstellung am 24. April 2015 in der Produzentengalerie Passau<br \/>\n<\/strong>Von Florian Lechner<\/p>\n<p>\u201eIch bin Wissenschaftler aus Passion, gelegentlich auch politischer Publizist, aber da melden sich immer wieder andere Anlagen und Triebkr\u00e4fte zu Wort. Wissenschaft erm\u00f6glicht nur einen Zugang zur Welt. In meiner Person finde ich verschiedene Anlagen, Spannungen und Widerspr\u00fcche, Lebensmut und Lebenslust. Andere Wege der Welterfahrung und Lebens\u00e4u\u00dferung hielt ich immer f\u00fcr wichtig. Doppelsinnig gesagt: Ohne meine &gt;Muse&lt; w\u00e4re ich nur ein armer Wissenschaftler.\u201c (so Alf Mintzel selbst, 1988, Katalog zur Ausstellung 1989 im Scharfrichterhaus: Alf Mintzel und Inge Lu Mintzel &gt;Es ist noch Zeit genug&lt;). Er selbst bezeichnet sich des Weiteren als ein <em>maverick<\/em> (Einzelg\u00e4nger, Querdenker, Rebell) und Grenzg\u00e4nger.(\u2026)<\/p>\n<p>Alf Mintzel legt in dieser Ausstellung einen gro\u00dfen Schwerpunkt auf seine Objektkunst, zumeist handelt es sich um aktuelle und neue Arbeiten. Mintzel ist ein Sammler von Gegenst\u00e4nden, die viele gemeinhin als Schrott und Abfall bezeichnen w\u00fcrden. Auf Flohm\u00e4rkten, Schrottpl\u00e4tzen und Baustellen und bei Wanderungen mit seiner Frau entdeckt er immer wieder &gt;kunstw\u00fcrdige&lt; Dinge. (Etwa: N\u00e4gel, Flachshechel, Hammer, Beile oder Bleche). Seine Kunst hat trotz ihrer modernen Erscheinung auch konservativen\/konservatorischen Charakter, denn es geht ihm auch um das Bewahren und Wiederverwenden von vermeintlich verbrauchten Gegenst\u00e4nden. Mitunter ist das Sammeln auch durchaus aufw\u00e4ndig. In den Werken &gt;Letzte Drehung I&lt; und &gt;Letzte Drehung II&lt;, finden sich alte Pflugscharen. Diese hatte Mintzel beim Spazieren an der Ilz, wegen der eleganten Schw\u00fcnge lange bewundert. Nach einiger Recherche konnte der Besitzer ausfindig gemacht werden und mit Hilfe eines Traktors wurde der Pflug abtransportiert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-925 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12431-700x933.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"933\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12431-700x933.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12431-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12431-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12431-800x1067.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12431.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, Letzte Drehung I und II, 2015, Schmiedeeisen (Photo G. Thuringer)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Verbeulte Dachrinnen, die er beim Abriss des Universit\u00e4ts-Ghettos fand, erinnern ihn beispielsweise an Faltenw\u00fcrfe in altmeisterlichen Gem\u00e4lden, wie etwa bei Albrecht D\u00fcrer. Vermeintlicher Schrott wird fantasievoll als Mensch, Tier oder Gottheit interpretiert Man mag zun\u00e4chst an die provokativen Ready Mades von Duchamp denken. Die Bezeichnung Ready Made greift aber zu kurz, man muss eher von Assemblagen sprechen, wie es bereits Prof. Dirscherl feststellte. Es handelt sich hierbei n\u00e4mlich nicht um unbearbeitete Alltagsgegenst\u00e4nde, die zur Kunst erkl\u00e4rt werden. Denn Mintzel reinigt diese Fundst\u00fccke und entrostet sie (er verwendet daf\u00fcr Phosphors\u00e4ure und hat eine spezielle Rezeptur). Er arrangiert, komponiert und experimentiert mit diesen Gegenst\u00e4nden, bevor er sie zum eigentlichen Kunstwerk zusammenf\u00fchrt. Mitunter dauert es Jahre, oder sogar Jahrzehnte, bis ein fertiges Objekt entsteht. Ist das passende Arrangement gefunden, werden die Einzelteile auf Karton ausgelegt und die Konturen festgehalten, um sie anschlie\u00dfend permanent zu verbinden.<\/p>\n<p>Da es sich meist um Metalle handelt, muss geschwei\u00dft werden. Die Schwei\u00dfarbeit \u00fcbernehmen Schmiede f\u00fcr ihn. Einen geeigneten Schmiedemeister zu finden, der Verst\u00e4ndnis und Interesse zeigt und dar\u00fcber hinaus die genauen Vorstellungen umsetzen kann, ist nicht leicht. Mit Alois Gobmeier hat er den Richtigen gefunden, so Mintzel. Es entstanden auch s\u00e4mtliche Stahlobjekte von 2015 in Gobmeiers Schmiedewerkstatt in Pfarrkirchen (\u2026). Die Assemblagen besch\u00e4ftigten sich thematisch oft mit bedrohlichen Inhalten, wie martialische W\u00e4chter aus N\u00e4geln und Beilen, Totemdarstellungen oder Titel: wie &gt;Blumen des B\u00f6sen&lt; und &gt;Schwarze Sonne&lt; nahelegen.<\/p>\n<p>Kult, Ritus und Religion spielen eine weitere gro\u00dfe Rolle beim Mintzel, auch spricht er immer wieder von Idolen. Mintzels archaische Darstellungen lassen uns immer wieder an alte Kulturen und deren Gottheiten denken (etwa \u00e4gyptische, griechische oder orientalische). Ebenso lassen sich oft Bez\u00fcge zur Bibel und dem Christentum finden. Neben dem Vogel ist auch der Stier ein beliebtes Tiermotiv von Mintzel. Das symboltr\u00e4chtige Tier stand von alters her f\u00fcr St\u00e4rke und Fruchtbarkeit und findet sich oft in der griechischen Mythologie (z.B. Entf\u00fchrung der Europa durch Zeus in Stiergestalt; Minotaurus). Dar\u00fcber hinaus ist der Stier ebenso h\u00e4ufig in der Moderne zu finden, etwa bei Picasso (man denke etwa an den Stierkopf aus Fahrradsattel und Lenker).<\/p>\n<p>Trotz der Ernsthaftigkeit seiner Kunst und Themen ist Mintzel \u00e4u\u00dferst humorvoll, wie etwa die ironische Uminterpretation von der &gt;Sch\u00f6pfkelle zum Sch\u00f6pfergott&lt; in Genesis I und Genesis II, zeigt.<\/p>\n<p><em><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-917 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_011-700x543.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"543\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_011-700x543.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_011-300x233.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_011-768x596.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_011-800x621.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_011.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><br \/>\nAlf Mintzel, Genesis I und II, 1997, Schmiedeeisen<\/em><\/p>\n<p>Sein Schalk findet sich auch beim &gt;Vater der Sp\u00e4ne&lt;, ein Hobel den er humorig personifizierte. Durch die Titel und die ausgepr\u00e4gte Symbolik gibt Mintzel einiges vor, dennoch l\u00e4sst er immer Raum f\u00fcr eigene Interpretationen und Assoziationen. Seine Kunst l\u00e4sst sich auch schwer etikettieren und bietet dem Betrachter viele Freir\u00e4ume.<\/p>\n<p>Alf Mintzels Schaffen, das hier nat\u00fcrlich nur fragmentarisch und selektiv pr\u00e4sentiert wird, ist wahrlich vielschichtig. M\u00f6gliche Bez\u00fcge zu seinen Werken und Themen erstrecken sich von der Fr\u00fchgeschichte bis zur Gegenwart. Das alte, und immer noch bestehende, menschliche Bed\u00fcrfnis nach Erkenntnis und Sinnfindung \u2013 die gro\u00dfen philosophischen Fragen \u2013 besch\u00e4ftigen ihn als Wissenschaftler und K\u00fcnstler. Er verweist auch immer kritisch auf die Schattenseiten der menschlichen Existenz und kreidet auch gesellschaftliche Missst\u00e4nde und Unrecht an. Dennoch zeigt er aber ebenfalls einen humorvollen und besonders einen fantasiereichen, kreativen und spielerischen Blick auf die Welt und die Dinge.<\/p>\n<p>Ein Zitat des Dadaisten Kurt Schwitters bringt dies auf den Punkt: &gt;Ein Spiel mit ernsten Problemen, das ist Kunst&lt;, und das trifft bei Alf Mintzel wahrlich zu.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-926 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12437-700x1025.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1025\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12437-700x1025.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12437-205x300.jpg 205w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12437-768x1125.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12437-800x1172.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12437.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, &#8230; , Schmiedeeisen (Photo G. Thuringer)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alf Mintzel \u2013 Retrospektive &amp; Neues in der Produzentengalerie Passau<br \/>\n<\/strong>Von Georg Thuringer<br \/>\n<em>(Quelle: wasistlos das bad f\u00fcssing magazin Mai 2015, S. 56)<\/em><\/p>\n<p>\u201eW\u00e4hrend es Mode zu werden scheint, mit f\u00fcnfzig oder sechzig einem Ghostwriter die Memoiren aufs Band zu sprechen um sich dann f\u00fcr immer zur\u00fcckzulehnen, liefert der Ausnahmek\u00fcnstler Alf Mintzel zu seinem achtzigsten Geburtstag eine Ausstellung mit Werken, die so gut wie alle in den letzten beiden Jahrzehnten entstanden sind, gut ein Viertel erst heuer: von einer Retrospektive ist nicht viel zu sp\u00fcren. Wohl ist in der strengen Reduktion die Fokussierung der gereiften K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeit auf das Wesentliche sichtbar \u2013 in der Klarheit der Akzentuierung und der intentionalen Entschiedenheit ist beileibe kein altersmilder Hang zur Wohligkeit erkennbar.<\/p>\n<p>Mit Statements wie ,das Einfache ist schwieriger als aufgesetztes Dekor\u2018 grenzt Alf Mintzel sich entschieden ab gegen eine Kunst, die sich auf ,ein \u00e4sthetisches Spiel mit Dingen, Farben, Formen, Techniken und beliebigen und gef\u00e4lligen Themen\u2018 begrenzt. Das klare Wort ist gleichsam sein Lebensmotto: obwohl er seine Studien an der Werkkunstschule Hannover begann und heute als K\u00fcnstler in Erscheinung tritt, d\u00fcrfte er den Meisten als streitbarer Lehrstuhlinhaber f\u00fcr Soziologie an der Universit\u00e4t Passau und nicht minder streitbarer Publizist in Erinnerung sein.<\/p>\n<p>Wie als Intellektueller ist Mintzel auch als K\u00fcnstler nicht in eine Schublade zu pressen: in seinen Lithographien bedient er sich einer reduzierten Gegenst\u00e4ndlichkeit, \u00fcberlagert mit assoziativen und symbolischen Elementen. Die Werke seiner Objektkunst verstehen sich einerseits als Reminiszenz an den vergangenen Nutzen der verarbeiteten Fundobjekte \u2013 meist Werkzeuge \u2013 an eine Art W\u00fcrde des Dienens, die diesen Gegenst\u00e4nden in Jahrzehnten des Gebrauchs zugewachsen ist. Andererseits schafft er aus diesen alten Nutzartefakten neue k\u00fcnstlerische Artefakte, die dann neue Kontextfelder evozieren: japanisch, minoisch \u2026 die m\u00f6glichen Assoziationen und symbolischen Lesarten treffen sich mit jenen der Lithographien.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-927 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12440-700x991.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"991\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12440-700x991.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12440-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12440-768x1087.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12440-800x1132.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49-extra-GTH12440.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel, &#8230; , Schmiedeeisen (Photo G. Thuringer)<\/em><\/p>\n<p>Technisch ber\u00fchrt Mintzel mit seinen Objekten auch den Bereich der Konzeptkunst: w\u00e4hrend er Graphik und Malerei von eigener Hand verfertigt, l\u00e4sst er die Stahlobjekte von einem traditionellen Schmied fertigen \u2013 selbstverst\u00e4ndlich nach genauesten Planskizzen und im arbeitsbegleitenden pers\u00f6nlichen Dialog mit dem erfahrenen Handwerker.<\/p>\n<p>Viele seiner Themen kreisen mit wechselnden Radien um d\u00fcstere Punkte der Geschichte und der menschlichen Psyche. Dies geschieht weder zuf\u00e4llig noch ist es aus Effekthascherei herbeigezogen: Schon in fr\u00fcher Jugend wurde Mintzel von seinem Vater, der nach dem Krieg als Anwalt an den N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozessen beteiligt war, mit den Greueln des Dritten Reichs konfrontiert; bei der Katastrophe von Khao Lak an Weihnachten 2004 kamen mehrere Mitglieder seiner Familie in den Fluten um [siehe hierzu Blog, Kap. 36\/37 \u2013 A.M.].<\/p>\n<p>Die Kraft und Integrit\u00e4t, mit denen Alf Mintzel sich intellektuell und k\u00fcnstlerisch ein Leben lang allen Widrigkeiten und Versuchungen entgegengestellt hat, spricht auch aus seinen Werken: und so ist auch der Begriff ,Retrospektive\u2018 dann doch nicht ganz falsch. Die Ausstellung rechtfertigt auch l\u00e4ngere Anfahrtswege \u2013 bitte Zeit und Verstand mitbringen!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u201eOhne Kunst geht mir der Atem aus\u201d<br \/>\n<\/strong><strong>Alf Mintzel lockt gro\u00dfes Publikum zur Vernissage in Produzentengalerie<br \/>\n<\/strong>Von Gabriele Blachnik<br \/>\n<em>(Quelle: Passauer Neue Presse Nr. 96 vom 27. 04. 2015)<\/em><\/p>\n<p>\u201eSelten hatte eine Vernissage in der Produzentengalerie so gro\u00dfen Zulauf wie die am Freitagabend. Das Interesse der G\u00e4ste galt Alf Mintzel, der eine Woche nach seinem 80. Geburtstag hier eine kleine Retrospektive er\u00f6ffnete. Mintzel, der von 1981 bis 2000 an der Universit\u00e4t Passau Ordinarius f\u00fcr Soziologie war, konnte zahlreiche Uni-Mitarbeiter und &gt;alte Professoren-Kollegen aus der Gr\u00fcndergeneration&lt; begr\u00fc\u00dfen, darunter Heinrich Oberreuter, Familienmitglieder und Verwandte, die aus ganz Deutschland und den Niederlanden angereist waren, B\u00fcrgermeisterin Erika Tr\u00e4ger, den bayerischen Gr\u00fcnen-Vorsitzenden Eike Hallitzky, Stadtheimatpflegerin Gisa Sch\u00e4ffer-Huber, MMK-F\u00f6rdervereinsvorsitzenden Klaus Sch\u00fcrzinger, Kunstverein-Vizepr\u00e4sidenten Dietmar Klinger, die Galeristen Gunther Braun und Eva Riesinger und zahlreiche K\u00fcnstler wie Rudolf Klaffenb\u00f6ck, Eva Priller, Karl Schleinkofer, Georg Thuringer und die K\u00fcnstler der Produzentengalerie. Kunstp\u00e4dagoge Florian Lechner ging in seiner Laudatio auf den gehaltvollen Lebenslauf von Alf Mintzel ein (\u2026). Mintzel sei Wissenschaftler aus Passion, aber stets auch anderen Triebkr\u00e4ften gefolgt, so Lechner. Er sei &gt;Querdenker und Grenzg\u00e4nger&lt;, als K\u00fcnstler auch Sammler und Wiederverwerter, der sich nicht nur mit ernsten Themen wie dem Krieg auseinandersetze, sondern immer wieder auch Schalk und Humor zeige. Anhand der ausgestellten Arbeiten umriss Lechner anschlie\u00dfend die k\u00fcnstlerische Bandbreite von Alf Mintzel. Zusehen sind etwa Lithografien, Radierungen, Materialbilder, Gem\u00e4lde und Objekte aus Schmiedeeisen. Darin setzt sich Alf Mintzel mit Kriegsopfern und Ged\u00e4chtnislandschaften auseinander, mit seinem Lieblingstier Vogel und mit Themen aus Mythos und Religion. Zu sehen sind auch ganz neue Arbeiten.<\/p>\n<p>Mintzel bedankte sich besonders bei Schmied Alois Gobmeier aus Pfarrkirchen, der die Schwei\u00dfarbeiten f\u00fcr seine Eisenobjekte ausf\u00fchrt, und bei seiner Frau, mit der er in einer &gt;handwerklichen Glanzleistung&lt; 51 Jahre verheiratet sei. Bis auf die Uhrzeit genau konnte er sagen, wann er sie vor 62 Jahren kennengelernt hat. Und gab zu, dass er sie bei all seinem Schaffen &gt;manchmal vergesse&lt;. Ein Leben mit Kunst war f\u00fcr mich stets ein Leitmotiv&lt;, so Mintzel. &gt;Ohne Kunst geht mir der Atem aus&lt;.\u201c<\/p>\n<p><em><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-919 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_013-e1567384420625-700x589.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"589\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_013-e1567384420625-700x589.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_013-e1567384420625-300x252.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_013-e1567384420625-768x646.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_013-e1567384420625-800x673.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/49_013-e1567384420625.jpg 1065w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><br \/>\nAus: Passauer Neue Presse Nr. 96 vom 27. 04. 2015<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>InnSIDE ARTS:<br \/>\nInterview mit Prof. Alf Mintzel<br \/>\n<\/strong><em>(Quelle: InnSIDE Regional Magazin in Ostbayern und im Innviertel\/O\u00d6, 24. Jahrgang Ausgabe 04. Mai 2015, S.44f<strong>)<\/strong><\/em><\/p>\n<p>\u201eVielen ist Professor Alf Mintzel durch den sogenannten Madonnenstreit noch in Erinnerung. Dar\u00fcber hinaus ist der streitbare Professor, der im April seinen 80. Geburtstag begehen konnte, auch als K\u00fcnstler t\u00e4tig. Derzeit ist eine Ausstellung mit seinen Arbeiten in der Passauer Produzentengalerie zu sehen.<\/p>\n<p><em>Wie w\u00fcrden Sie ihr Kunstschaffen selbst beschreiben und einordnen?<\/em><\/p>\n<p>Darauf zu antworten, w\u00fcrde ich gern kompetenten Kunstbetrachtern und &gt;Kunsterkl\u00e4rern&lt; \u00fcberlassen. Im Spiegel \u00f6ffentlicher Kritik wird vermutlich manches anders gesehen. Aber ich gebe gern mit ein paar einfachen Worten Auskunft \u00fcber meine Arbeit. Ein Laie dr\u00fcckt seinen Zugang und seine Eindr\u00fccke gew\u00f6hnlich mit schlichten Kommentaren aus: Das gef\u00e4llt mir, das gef\u00e4llt mir nicht, das verstehe ich nicht, das finde ich interessant, das ist doch Schrott! Sehen, Betrachten und Verstehen bed\u00fcrfen einer gewissen \u00dcbung und Schulung. Ich bin gern bereit, dazu ein paar Hilfen zu bieten. Zun\u00e4chst etwas Grunds\u00e4tzliches.<\/p>\n<p>Mein Kunstschaffen will mehr sein als ein \u00e4sthetisches Spiel mit Dingen, Farben, Formen, Techniken und beliebigen und gef\u00e4lligen Themen. Ich verstehe meine k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit als eine intensive, tiefgehende Auseinandersetzung mit der Welt in der wir leben. Es gibt drei Schl\u00fcsselzug\u00e4nge zur Welterfahrung: \u00fcber Religion, \u00fcber Wissenschaft und \u00fcber Kunst. Ich bewege mich seit Jahrzenten als ein &gt;Doppelg\u00e4nger&lt; und auch Grenzg\u00e4nger in diesen Bereichen und habe diesen Perspektivwechsel immer als eine geistige Lebensbereicherung erfahren. In meiner Autobiografie steht das Kapitel &gt;Ein Leben mit Kunst \u2013 Kunst als Biografie&lt;. Das macht eine Selbsteinordnung allerdings nicht gerade leicht. Wissenschaft und Kunst waren f\u00fcr mich stets, obschon der Spagat schwierig war, gleichwertige Auseinandersetzungen mit unserer menschlichen Existenz.<\/p>\n<p><em>Sie haben sich in der letzten Zeit wieder mehr der Objektkunst zugewandt. Wie muss sich ein Betrachter die Machart ihrer Objekte vorstellen? Wie w\u00fcrden Sie mit ihm ihre Objektkunst nahebringen?<\/em><\/p>\n<p>Es ist ein komplizierter und schwer zu beschreibender Arbeitsprozess, der von einer Objekt-Idee im Kopf bis zum fertigen Objekt f\u00fchrt. Allem voran geht das Suchen und Entdecken von Fundsachen, was wiederum ein entdeckendes Auge und Sehen voraussetzt. Viele Menschen \u00fcbersehen, ganz w\u00f6rtlich gemeint, die Sch\u00f6nheit von Dingen oder die menschheitsgeschichtliche W\u00fcrde von Dingen, die nutzlos am Rande liegen. Ich sammle und verarbeite Fundst\u00fccke aus Holz, Stein, Metall und andern Materialien, die fr\u00fcher eine handwerkliche und technische Funktion hatten. Daraus entstehen neue Objekt und Materialbilder.<\/p>\n<p><em>Welche Ger\u00e4te sind das aus der alten Welt des Handwerks, nach denen Sie suchen?<\/em><\/p>\n<p>In meinem Fundarsenal liegen alte H\u00e4mmer, N\u00e4gel, Handbohrer, Riffelk\u00e4mme, Beile, Messer, Schaufeln, Schl\u00f6sser, Zangen, Stahltr\u00e4gerfragmente, Metallplatten, Stahlg\u00fcsse und andere Materialien aus der weitgehend untergegangenen b\u00e4uerlich-handwerklichen, aber auch aus der uns umgebenden technischen Welt. Das ist mein Ausgangsmaterial. Aus Fundst\u00fccken werden \u00e4sthetische Werkst\u00fccke. Urspr\u00fcngliche Gebrauchsgegenst\u00e4nde werden durch eine konstruktive Idee in &gt;Gesch\u00f6pfe&lt; eigener Art verwandelt.<\/p>\n<p>Die einfachen, zwingend funktionalen Grundformen, in die Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende Gebrauchserfahrung eingegangen sind, versuche ich in neue \u00e4sthetische Konstrukte einzubringen. Schmiedeeisernes Werkzeug vergangener Zeiten wird aus seinem nutzlos gewordenen Dasein in einen neuen \u00e4sthetischen Zusammenhang \u00fcberf\u00fchrt und hierdurch Teil eines Kunstobjektes. Die Ausgangsmaterialien, Fundsachen aus alter Zeit, werden zu skulpturalen Objekten und Figurinen zusammengeschwei\u00dft und erhalten hierdurch eine neue &gt;Ding-W\u00fcrde&lt;. Manche dieser &gt;Gesch\u00f6pfe&lt; gewinnen geradezu eine sakrale W\u00fcrde. Tiefere geistige Schichten unseres Daseins werden angesprochen, menschheitsgeschichtliche Erinnerungen wachgerufen. Vor uns stehen Idole, archaische Figurinen, Stelen, Mahnmale, Sonnenscheiben, altorientalische Herrschersitze, Krieger- und W\u00e4chterfiguren, Madonnen.<\/p>\n<p><em>Kunstschaffen, sagen Sie, bedeutet f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich keine gef\u00e4llige und irgendwie beliebig unterhaltsame Besch\u00e4ftigung mit \u00e4sthetischen Dingen und Themen, keine spielerische Sonntagsbesch\u00e4ftigung, sondern<\/em><strong>\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Es ist eine sehr ernste, in die Tiefe der Pers\u00f6nlichkeit gehende Besch\u00e4ftigung. Das dr\u00fcckt sich auch in meiner Formsprache aus. Ich strebe einfache, streng formale L\u00f6sungen an. Ich vermeide meinen &gt;Gesch\u00f6pfen&lt; spielerische Accessoires hinzuzuf\u00fcgen, sie zu gef\u00e4lligen Vorgartenfiguren zu machen. Das Auge des Beobachters soll an der Gestaltung der Objekte weiterarbeiten, Altes erkennen und Neues erg\u00e4nzen. Das Einfache ist schwieriger als aufgesetztes Dekor. Ich verzichte auf Spielerei. Einfachheit und Konzentration auf elementare Formen sind mein Arbeitsprinzip. Ich bringe in der Objektkunst zwar nichts Revolution\u00e4res hervor, ich stehe in einer k\u00fcnstlerisch-handwerklichen Tradition, aber ich habe, so glaube ich, eine eigene &gt;Handschrift&lt; entwickelt, die erkennbar von Mintzel stammt.<\/p>\n<p><em>Sie haben keine eigene Werkstatt. Die lassen ihre Objekte von einem Kunstschmied oder Metallbauer herstellen, Sie schwei\u00dfen nicht selbst\u2026<\/em><\/p>\n<p>Richtig und legitim! Ich habe keine eigene Werkstatt und auch keine Ausbildung zum Metallbauer durchlaufen. Eine eigene Metallbauer-Werkstatt zu unterhalten, w\u00e4re viel zu teuer.<br \/>\nIch liefere die elementaren Bestandteile und die Objekt-Idee, ich liefere den kompletten Entwurf, oft mit genauer Vorzeichnung, wie das Objekt aussehen soll. Ich liefere zudem &gt;Fertigteile&lt;, also die Ausgangsmaterialien, die in fr\u00fcheren Werkst\u00e4tten hergestellt wurden. Der Kunstschmied oder Metallbauer fertigt dann in meinem Beisein, unter meiner Anleitung und mit meiner Hilfe das Objekt an. Er ist nicht der Sch\u00f6pfer, sondern sein handwerklich-technischer Hersteller, der den Angaben des Sch\u00f6pfers oder Entwerfers folgt. Beide Rollen m\u00fcssen sich aber, soll das Werk gelingen, aufs Beste erg\u00e4nzen. Der Handwerker muss wissen, was der Sch\u00f6pfer will und wie er es will. Er sagt mir allerdings auch, was m\u00f6glich ist und was nicht. Manchmal muss ich einen Objekt-Entwurf wegen der materialen Machbarkeit ver\u00e4ndern. Die enge Zusammenarbeit mit dem handwerklichen Hersteller ist f\u00fcr mich ein wunderbares Erlebnis. Die handwerklich-technische Fertigung eines Kunstobjektes nicht selbst durchzuf\u00fchren, mag manchem befremdlich erscheinen. Diese Praxis ist jedoch h\u00e4ufig zu finden und legitim. Bildhauer \u00fcbergeben ihre Werkmodelle einer Gie\u00dferei. Nicht jeder K\u00fcnstler kann sich eine gro\u00dfe Druckwerkstatt mit einem professionellen Drucker leisten. Viele K\u00fcnstler hatten Helfer, die ihre Vorgaben umsetzen, Picasso, Henry Moore, Henri Matisse, um nur einige wenige zu nennen. Die notwendigen handwerklich-technischen Hilfeleistungen sind ein legitimer Aspekt des k\u00fcnstlerischen Herstellungsprozesses. Ich nenne die Werkst\u00e4tten und Namen.<\/p>\n<p><em>Wie steht es mit Ihren grafischen Arbeiten, mit den Lihtografien und Radierungen? Sie bezeichnen die ausgestellten Bl\u00e4tter der Serie \u201eFolter, Opfer und Schrecken des Krieges\u201c als experimentelle Lithografien?<\/em><\/p>\n<p>Diese Arbeiten sind alle im Kulturmodell Passau in eigener Regie und Handarbeit am Stein entstanden. Ich habe diese grafischen Techniken gelernt und kann sie im Unterschied zu den Schmiedearbeiten ohne Hilfe anwenden und damit auch experimentieren. Die Werkstatt des Kulturmodells war eine ungemein n\u00fctzliche und f\u00fcr K\u00fcnstler komfortable Einrichtung. Ich habe sie \u00f6fters genutzt, um meine Bildideen umzusetzen. Es ist sehr zu begr\u00fc\u00dfen, dass die Stadt Passau diese Einrichtung saniert und fortf\u00fchren will.<\/p>\n<p>Die Themen der ausgestellten Lithografien, &gt;Folter, Opfer und Schrecken des Krieges&lt;, verweisen auf meine Auseinandersetzung mit dem Gewaltproblem in der menschlichen Geschichte und mir der Bestialit\u00e4t, die t\u00e4glich in Bildern und Berichten gezeigt wird. Die intensive Auseinandersetzung hat gewiss lebensgeschichtliche Gr\u00fcnde. Ich habe Bombenangriffe im Keller \u00fcberlebt, ich habe das Kriegsende erlebt. Mein Vater war Verteidiger in den N\u00fcrnberger Prozessen gegen Kriegsverbrecher. Ich habe schon in fr\u00fcher Jugend von den Nazi-Gr\u00e4ueln geh\u00f6rt.<\/p>\n<p><em>Wir danken f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.\u201c<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEiner \u00fcberraschenden Art des Staunens wurde ich f\u00e4hig. Herausgerissen aus dem Zusammenhang mit den anderen Dingen gewann jeder Gegenstand eine neue Bedeutung\u201c (Alfred Kubin, 1909 \/1962, 103) Fremdwahrnehmungen und Spiegelungen In der Sph\u00e4re des Kunstschaffens gilt wom\u00f6glich noch strikter als f\u00fcr die der Wissenschaft der Satz: \u201eDe nobis ipsis silemus\u201c, von uns selber schweigen wir&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[535,529,528,526,537,532,534,533,525,527,393,530,521,536,189,523,259,522,150,531,391],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/362"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=362"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/362\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":929,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/362\/revisions\/929"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=362"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=362"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}