{"id":40,"date":"2016-04-26T21:08:35","date_gmt":"2016-04-26T19:08:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=40"},"modified":"2019-02-05T00:57:22","modified_gmt":"2019-02-04T23:57:22","slug":"5-kapitel-einmarsch-der-amerikaner-ueberleben-in-der-einoede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2016\/04\/26\/5-kapitel-einmarsch-der-amerikaner-ueberleben-in-der-einoede\/","title":{"rendered":"5. Einmarsch der Amerikaner \u2013 \u00dcberleben in der Ein\u00f6de"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\">Wir sind in unserem oberpf\u00e4lzischen Refugium weiterhin von allen Verbindungen abgeschnitten. Alle \u00f6ffentliche Dienste sind zusammengebrochen, die Post, die Eisenbahn, die Versorgung. Mit Hilfe eines Stromgenerators der M\u00fchlenbesitzer gelingt es den Erwachsenen, ein paar Nachrichten aus dem Volksempf\u00e4nger zu gewinnen, doch t\u00f6nt aus dem Lautsprecher fast nur Propaganda. \u00dcber die tats\u00e4chliche Lage wird mit pathetischen, hohlen Phrasen hinwegget\u00e4uscht. Die Bev\u00f6lkerung wird zum Durchhalten aufgefordert. Wir erfahren wenig \u00fcber den Frontverlauf, aber hoch \u00fcber uns am Himmel zieht eine ganze Armada britischer und amerikanischer Kampfflugzeuge zum n\u00e4chsten Bombenangriff auf die St\u00e4dte. Die Winzlinge da oben mit ihren langen Kondensstreifen sind f\u00fcr uns in unserem Waldrefugium ungef\u00e4hrlich. Wer uns auf offenem Feld bedroht, sind die feindlichen Tiefflieger, die pl\u00f6tzlich am Horizont auftauchen. Sie nehmen meistens Kurs auf den Truppen\u00fcbungsplatz Grafenw\u00f6hr, wo die deutsche Wehrmacht die letzten Reserven ausbildet. Einmal h\u00fcten wir gerade Schweine auf der Wiese, als zwei Kampfj\u00e4ger tief \u00fcber uns hinwegfliegen. Minuten sp\u00e4ter kommt es zu einem Luftkampf zwischen unseren und feindlichen Jagdflugzeugen. Zwei werden abgeschossen und trudeln zu Boden. Mitten in der Katastrophensituation bereitet mich meine Mutter auf die Aufnahmepr\u00fcfung ins Gymnasium vor. Im Herbst soll ich in das humanistische Melanchthon-Gymnasium eintreten. Meine Mutter sagt mir, was ich wissen muss, um die Aufnahmepr\u00fcfung zu bestehen: \u201eWie hei\u00dft unser F\u00fchrer?\u201c \u2013 \u201eWann und wo ist unser F\u00fchrer geboren?\u201c &#8211; \u201eWas hat der F\u00fchrer f\u00fcr das deutsche Volk getan?\u201c Meine Mutter glaubt offenbar bis in die letzten Kriegstage hinein an den F\u00fchrer und an die Propaganda, es st\u00fcnde eine Wende bevor, wenn die neuesten \u201eWunderwaffen\u201c, die Vergeltungswaffe 1 und Vergeltungswaffe 2, zum Einsatz k\u00e4men.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In den M\u00e4rztagen 1945 verlieren wir abermals den Kontakt zu meinem Vater. Auf welchem Weg k\u00f6nnen wir erfahren, wie es ihm geht? Ob er noch lebt? Meine Mutter und mein Gro\u00dfvater beschlie\u00dfen, dass er und ich uns ein zweites Mal auf einen Fu\u00dfmarsch nach N\u00fcrnberg machen werden. Gegen Ende M\u00e4rz ziehen wir los. Wir m\u00fcssen uns vor Tieffliegern sch\u00fctzen und w\u00e4hlen deshalb Pfade und Landstra\u00dfen, die durch den Schutz der W\u00e4lder f\u00fchren. Bei Plech sto\u00dfen wir wieder auf die Autobahn Berlin-N\u00fcrnberg. Wir laufen mit anderen, die ebenfalls die Autobahn als Fu\u00dfweg benutzen, ein paar Kilometer nach S\u00fcden, auf den Knotenpunkt Hormersdorf zu. Mit einem Mal sehen wir vor uns gefechtsbereite US-amerikanische Panzer. Ihre Gesch\u00fctze sind auf uns gerichtet. Aus Jeeps, die den Panzerverband begleiten, klettern Soldaten, Maschinengewehre im Anschlag. Sie versperren uns den Weg und fordern uns mit unmissverst\u00e4ndlichen Gesten auf, in unsere Wohngebiete und D\u00f6rfer zur\u00fcckzukehren. Es handelt sich wohl um ein Vorauskommando der US-Streitkr\u00e4fte auf ihrem Vorsto\u00df nach Bayreuth. Noch besteht, was wir nicht genau wissen, ein unbesetzter Korridor zwischen der West- und Ostfront. Wir stehen ohne Zweifel an einer Frontlinie der US-Armee. Es ist unm\u00f6glich, an den Panzern vorbei nach N\u00fcrnberg weiterzuwandern. N\u00fcrnberg ist, was wir auch nicht wissen, zur Festungsstadt erkl\u00e4rt worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-555 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_001-700x684.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"684\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_001-700x684.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_001-300x293.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_001-768x751.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_001-800x782.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_001.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Das Reich wird von Stunde zu Stunde kleiner: Verlauf der Fronten im Westen und Osten, Mitte April 1945; Markierung: Schauplatz der beschriebenen Situation<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Mein Gro\u00dfvater mustert das Gel\u00e4nde und die fr\u00e4nkische H\u00fcgellandschaft, die uns umgeben. Links und rechts von der Autobahn liegen die bewaldeten R\u00fccken der Fr\u00e4nkischen Schweiz. Wir treten zum Schein den R\u00fcckweg an, schlagen uns aber, als die Panzer au\u00dfer Sicht sind, rechts in die W\u00e4lder und umgehen den Frontabschnitt. In der Deckung der W\u00e4lder durchqueren wir die amerikanische Frontlinie und sto\u00dfen irgendwo vor Lauf an der Pegnitz wieder auf eine Landstra\u00dfe, die nach N\u00fcrnberg f\u00fchrt. Auf Schleichwegen erreichen wir die Stadt und finden meinen Vater, der alle Angriffe unversehrt \u00fcberstanden hat. Merkw\u00fcrdigerweise habe ich das Treffen selbst nicht in Erinnerung behalten. Wor\u00fcber haben mein Gro\u00dfvater und mein Vater gesprochen? Wie haben sie die Lage eingesch\u00e4tzt? Was haben sie vereinbart? Wir halten uns in N\u00fcrnberg nur f\u00fcr kurze Zeit auf, denn meine Mutter erwartet unsere R\u00fcckkehr und unseren Bericht. Mein Gro\u00dfvater w\u00e4hlt wiederum Wege, die uns Deckung bieten und vor Tieffliegern sch\u00fctzen. Es sind beschwerliche Wege, die wir mit \u00e4u\u00dferster Kraftanstrengung zur\u00fccklegen. Dieser zweite Gewaltmarsch \u00fcber fast siebzig Kilometer bringt mich an den Rand v\u00f6lliger Ersch\u00f6pfung. Mein Gro\u00dfvater will noch am zweiten Tag in der sp\u00e4ten Nacht in der Holzm\u00fchle eintreffen. Er dr\u00e4ngt mich durchzuhalten und in der Dunkelheit weiterzulaufen, obwohl mich meine Beine kaum mehr tragen. Mich verlassen die Kr\u00e4fte. Kurz nach Mitternacht treffen wir in der Holzm\u00fchle ein. Meine Mutter \u00f6ffnet die T\u00fcr und empf\u00e4ngt uns im Schein einer Petroleumlampe. In der Wohnstube breche ich zusammen. Ich bin so ersch\u00f6pft und geschw\u00e4cht, dass ich fast eine Woche brauche, um wieder auf die Beine zu kommen. Von diesem Zeitpunkt an gehe ich nicht mehr zur Schule.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><b>Die letzten Kriegstage im Versteck<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Als sei es gestern gewesen, sehe ich noch die Panzerf\u00e4uste neben der niedrigen Eingangst\u00fcre an der Wand des himmelblau gestrichenen Bauernhauses lehnen. Wieder hatte sich ein versprengter Trupp deutscher Soldaten im Schutze der Nacht zur Ein\u00f6de durchgeschlagen. Wieder die \u00fcblichen Bitten nach Unterkunft, Brot, Bier und kleinen Dingen. Die letzten deutschen Frontlinien hatten sich aufgel\u00f6st. Der kleine Trupp hat nichts als seine Gewehre und die vier Panzerf\u00e4uste gegen die anrollende \u00dcbermacht der US-amerikanischen Landstreitkr\u00e4fte aufzubieten. Die Erwachsenen sind \u00fcber dessen Absicht beunruhigt, aus der bewaldeten Talsenke heraus Widerstand gegen die anr\u00fcckenden feindlichen Truppen zu leisten. Es herrscht gro\u00dfe Aufregung im Hof. Bauer und B\u00e4uerin, mein Gro\u00dfvater und meine Mutter beraten sich, suchen nach Auswegen aus der gef\u00e4hrlichen Situation. Wo immer sich in den kleinen D\u00f6rfern ringsumher Widerstand gezeigt hatte, waren diese von den Okkupanten beschossen und in Brand gesetzt worden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Inzwischen hatte sich mein Vater zu uns durchgeschlagen. Er nahm mich oft auf Beobachtungsg\u00e4nge mit und erl\u00e4uterte mir das Geschehen. Seit Tagen hatten wir von einer nahen Anh\u00f6he aus den Aufmarsch der US-amerikanischen Panzerbrigade beobachtet, die sich zu einem weiteren Vorsto\u00df auf den deutschen Truppen\u00fcbungsplatz Grafenw\u00f6hr sammelte. Dr\u00fcben auf den Feldern steht eine schwarze Armada von Panzern. Mein Vater f\u00fchrt die deutschen Soldaten auf die Anh\u00f6he und \u00fcberzeugt sie von der \u00dcbermacht des Gegners. Es w\u00e4re gef\u00e4hrlich gewesen, die Soldaten zu dr\u00e4ngen, ihre Waffen niederzulegen und den Kampf aufzugeben. Noch in den letzten Kriegstagen wurden zahlreiche Zivilisten und Soldaten wegen Def\u00e4tismus, Wehrzersetzung und Fahnenflucht standrechtlich erschossen. Ich selbst habe noch die Worte eines Feldwebels im Ohr, sie wollten trotz der aussichtslosen Situation die versprengten Truppenteile bei Amberg zusammenziehen und eine neue Front aufbauen. Die \u00dcberzeugungsaktion meines Vaters jedoch verfehlt ihre beabsichtigte Wirkung nicht. Nachdem die deutschen Landser die amerikanische Tankarmada in Augenschein genommen haben, kehten sie auf den Hof zur\u00fcck und verschwinden mit ihren vier Panzerf\u00e4usten im Wald.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Bauer und M\u00fchlenbesitzer Georg Rei\u00df l\u00e4sst die polnischen Landarbeiter die Pferde anspannen. Auf einen langen Leiterwagen werden rasch allerlei Wertgegenst\u00e4nde, Hausutensilien, W\u00e4sche, Kleider, Betten, Decken und Proviant aufgeladen und Planen dar\u00fcber gedeckt. Genau an meinem zehnten Geburtstag, am 18. April 1945, verl\u00e4sst der Pferdezug mit Peitschenknall und H\u00fch-Rufen den Hof und bewegt sich auf einem sandigen Fuhrweg zu einer Schlucht, wo wir uns in das Unterholz und Gestr\u00fcpp verkriechen. In diesem Versteck kampieren wir drei Tage und drei N\u00e4chte. Uns Kindern erscheint das alles eher als ein abenteuerliches Versteckspiel, obschon wir die gef\u00e4hrliche Kriegssituation sp\u00fcren. Wir k\u00f6nnen die Tragweite des Geschehens nicht begreifen. Bei den Erwachsenen dreht sich alles nur noch ums \u00dcberleben und um die Rettung von Hab und Gut.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Am Morgen des 20. April, einem trockenen warmen Fr\u00fchlingstag, hebt pl\u00f6tzlich ein ungeheuerliches Dr\u00f6hnen, Rattern und Knattern an, zuerst mehr sto\u00dfweise, dann allm\u00e4hlich anschwellend. Die Armada der Panzer hat sich in Bewegung gesetzt und rollt auf die Ein\u00f6de zu. Die Erwachsenen horchen nerv\u00f6s auf den n\u00e4herkommenden Motorenl\u00e4rm, der die ganze Landschaft vibrieren l\u00e4sst. In den n\u00e4chsten Stunden werden wir besetztes Gebiet sein.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wieder einmal nimmt mich mein Vater auf einen Beobachtungsgang mit. Er verl\u00e4sst mit mir unser Waldversteck, und wir gehen auf einem schmalen Fu\u00dfpfad zur M\u00fchle zur\u00fcck. Er ist in unserem Kreise die einzige Person, die sich in englischer Sprache verst\u00e4ndigen kann, und will vermutlich vorn am Bauernhof sein, wenn die ersten Panzer anr\u00fccken. Warum nimmt er mich in dieser gef\u00e4hrlichen Situation mit? Erst viel sp\u00e4ter kommt mir in den Sinn, ihm k\u00f6nnte stark daran gelegen haben, mich zu einem Augenzeugen der milit\u00e4rischen Besetzung werden zu lassen. Ich sollte mit eigenen Augen sehen, wie wir von einer fremden Macht \u00fcberrollt werden. Mein Vater ist ein historisch denkender, geschichtsbewusster Mann, der das Au\u00dfergew\u00f6hnliche, das F\u00fcrchterliche und Gewaltige dieser Situation wahrnimmt und den historischen Augenblick des Unterganges des Dritten Reiches erfasst.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zum Hof waren auch unsere zwei polnischen Landarbeiter, die Kriegsgefangenen Stanislaus und Franz, zur\u00fcckgegangen. Sie trugen ma\u00dfgeblich zu unserer Rettung bei: Die zwei Polen und die ukrainische Magd Maruschka waren 1942 zusammen mit Tausenden anderen \u201eOstarbeitern\u201c nach N\u00fcrnberg verfrachtet und von dort auf das Land verteilt worden. Sie schliefen mit im Haus und a\u00dfen mit am Tisch der Bauernfamilie. Sie erhielten die gleiche Nahrung und die gleichen Portionen. Sie standen, bevor sich alle zur Mahlzeit an den Tisch setzten, zusammen mit der Bauernfamilie gegen den Herrgottswinkel gerichtet und beteten das \u201eAve Maria\u201c. Keiner schikanierte sie. War einer von ihnen krank, wurde er selbstverst\u00e4ndlich versorgt. War es eine schwere Verletzung, wurde \u00e4rztliche Hilfe geholt oder der Patient mit der Pferdekutsche in die n\u00e4chste Kleinstadt gebracht. Stanislaus und Franz f\u00fctterten und pflegten die Pferde. Sie fuhren in den Erntezeiten hinaus auf die umliegenden Felder, holten frischen Schnitt, Heu, Kartoffel und Korn. Waren Baumst\u00e4mme angefahren worden, entrindeten sie die St\u00e4mme, hievten sie auf Loren, stellten die S\u00e4gebl\u00e4tter ein und setzten das S\u00e4gewerk in Gang. Maruschka arbeitete im Kuhstall mit und f\u00fctterte und melkte die K\u00fche. Sie half beim W\u00e4schewaschen, B\u00fcgeln und N\u00e4hen. Sie war eine scheue Frau, redete wenig und verkroch sich gern, aber sie tat, was ihr aufgetragen wurde. Alle paar Wochen backte sie im Backhaus, das frei am M\u00fchlbach stand, Brote und Fladen. Die drei Kriegsgefangenen wurden menschenw\u00fcrdig behandelt. Ich habe nie erlebt, dass den \u201ePollacken\u201c gedroht wurde. Als kleiner Junge h\u00e4tte ich gesagt, Franz sei mein Freund. Es gibt eine Fotografie, auf der wir beide vergn\u00fcgt in die Kamera sehen. Es mag sein, dass es eine dunkle Seite gab, die sich meinen Blicken entzog, die f\u00fcr mich unsichtbar war. Stanislaus, Franz und Maruschka waren Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Die Holzm\u00fchle jedoch war ein Ort gelebter Humanit\u00e4t, obgleich die Macht- und Gewaltstrukturen der blutigen Kriegszeit sicherlich selbst in dieser b\u00e4uerlichen Idylle vorhanden waren, abgemildert und verdeckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-556 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_002-700x1051.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1051\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_002-700x1051.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_002-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_002-768x1153.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_002-800x1201.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_002.jpg 1183w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Auf der Holzm\u00fchle bei Eschenbach \/ Oberpfalz, Sommer 1943 oder 1944; Johann Albrecht (Alf) Mintzel und der polnische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter Franz<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir stehen in der K\u00fcche des Landhauses am Hang und werfen einen Blick durchs Fenster nach drau\u00dfen hin\u00fcber zum Wald. Zwei amerikanische Panzersp\u00e4hwagen tauchen auf der Schotterstra\u00dfe auf, fahren langsam aus dem Wald heraus und auf die M\u00fchle zu. Die Gesch\u00fctze sind auf uns gerichtet. Die Mannschaften fahren n\u00e4her heran und sehen offenbar die wei\u00dfe Fahne, die Stanislaus und Franz im letzten Augenblick \u00fcber dem Pferdestall gehisst haben. Soldaten springen aus dem Bauch der Fahrzeuge, gehen mit schussbereiten Maschinengewehren auf die Geb\u00e4ude zu. H\u00f6chste Spannung, bange Minuten. Meine Erinnerungen werden genau an diesem Punkt ungenau, sie verschwimmen. Zu gro\u00df war die Angst, als dass meine Sinne den Vorgang h\u00e4tten noch pr\u00e4zise registrieren k\u00f6nnen. Mein Vater geht nach drau\u00dfen, eine Kapitulationshandlung findet statt. Franz und Stanislaus geben sich als polnische Kriegsgefangene zu erkennen, wechseln aber nicht die Seite. Sie helfen mit Gestik und gebrochenem Deutsch, Kampfhandlungen von uns abzuwenden. Die Panzersp\u00e4hmannschaften scheinen \u00fcberzeugt zu sein, hier auf keinen Widerstand zu sto\u00dfen. Sie ziehen ab und geben der anr\u00fcckenden Panzerkolonne ein Signal zu Durchfahrt. F\u00fcnf Stunden lang rollt die Armada durch unser Geh\u00f6ft. Ein ohrenbet\u00e4ubender Motorenl\u00e4rm. Inzwischen sind fast alle aus unserem Waldversteck zur\u00fcckgekehrt. Ich sehe zum ersten Mal in meinem Leben dunkelh\u00e4utige Menschen. Diese werfen uns Kindern kleine Verpflegungsb\u00fcchsen zu.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-557 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_003-700x461.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"461\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_003-700x461.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_003-300x198.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_003-768x506.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/05_003-800x527.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Zeitweilige Registrierungskarte der US-Milt\u00e4rregierung f\u00fcr Albrecht Mintzel<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Krieg ist aus. Am Geburtstag des\u00a0F\u00fchrers beginnt f\u00fcr uns die Besatzungszeit, am 2. Juli 1945 kehren wir nach N\u00fcrnberg zur\u00fcck<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind in unserem oberpf\u00e4lzischen Refugium weiterhin von allen Verbindungen abgeschnitten. Alle \u00f6ffentliche Dienste sind zusammengebrochen, die Post, die Eisenbahn, die Versorgung. 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