{"id":420,"date":"2018-07-23T21:07:23","date_gmt":"2018-07-23T19:07:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=420"},"modified":"2018-07-25T12:56:52","modified_gmt":"2018-07-25T10:56:52","slug":"54-vierzig-jahre-universitaet-passau-wie-die-passauer-alma-mater-ihre-jungfraeulichkeit-verlor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2018\/07\/23\/54-vierzig-jahre-universitaet-passau-wie-die-passauer-alma-mater-ihre-jungfraeulichkeit-verlor\/","title":{"rendered":"54. Vierzig Jahre Universit\u00e4t Passau &#8211; Wie die Passauer Alma Mater ihre Jungfr\u00e4ulichkeit verlor"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ein satirischer Nachtrag<\/strong><\/p>\n<p><em>[Abbildung: Titelblatt \u201eSchenkendes Verstr\u00f6men von Gedankenlosigkeit\u201c, 1990]<\/em><\/p>\n<p><em>Ich hatte mir im Sommer 1990 zun\u00e4chst vorgenommen, den dubiosen emblematischen Devotionalien-Gebrauch der Universit\u00e4t Passau, der in seinen Ausw\u00fcchsen an den nahegelegen Wallfahrtsort Alt\u00f6ttingen erinnerte, satirisch vorzuf\u00fchren. Auf den Rat von Kollegen hin war ich dann einen amtlichen Weg gegangen (siehe hierzu die Blog-Kapitel 29, 30 und 31). Norbert Entfellner, Schauspieler am niederbayerischen Landestheater, hatte 1996 diese hier wiedergegebenen Ausz\u00fcge aus meiner satirischen \u201eDenkmalnach-Schrift\u201c von 1990 auf Vorschlag und Einladung des damaligen Direktors des Humanistischen Gymnasiums, Dr. Dr. Rudolf Segl (1936-2018), in der Aula des Europ\u00e4ischen Gymnasiums vorgetragen. (Zur Lesung hatte ich die Brosch\u00fcre publiziert: \u201eWas darf Satire. Erkl\u00e4rung zur Lesung von Ausz\u00fcgen aus der Satire von Alf Mintzel Schenkendes Verstr\u00f6men von Gedankenlosigkeit \u2013 der Madonnenstreit. Montag, 13. Mai 1996<\/em><em>\u00a0<\/em><em>\u201c). Aus Anlass des 40Jahre-Jubil\u00e4ums der Universit\u00e4t Passau und auf Wunsch interessierter Mitglieder der Universit\u00e4t publiziere ich hier zum ersten Mal zum Am\u00fcsement der einen und zum Verdruss der anderen ausgew\u00e4hlte Textteile. Die versteckten Anspielungen \u00fcberlasse ich unkommentiert der Fantasie.<\/em><\/p>\n<p><em>Wer sich im Internet in der universit\u00e4tsamtlichen Literatur zur Geschichte der Universit\u00e4t Passau \u00fcber den Streit um das 1978 eingef\u00fchrte und 2003 faktisch ausgewechselte Logo der Universit\u00e4t Passau informieren will, wird dort weder einen Literaturhinweis, geschweige denn eine sachliche Darstellung finden. Der heftig und erbittert gef\u00fchrte Streit um die \u201eMaria vom Siege\u201c im Logo wird, als habe es ihn nie gegeben, v\u00f6llig verschwiegen. \u201eWeil, so schlie\u00dft er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf\u201c (Christian Morgenstern). Also noch ein triftiger Grund, diesen satirischen Nachtrag zur 40Jahrfeier \u00a0zu ver\u00f6ffentlichen. Blamabel f\u00fcr eine Institution der Wissenschaft, eine Fehlentscheidung des Jahres 1978 universit\u00e4tsgeschichtlich zu vertuschen.<\/em><\/p>\n<p><em>So steht heute im Corporate Design Manual der Universit\u00e4t Passau zu lesen: \u201eDas Herzst\u00fcck einer Marke ist das Logo. Es ist ein Untouchable (!)\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Verehrung der jungfr\u00e4ulichen Alma Mater zu Sankt Nikola<\/strong><\/p>\n<p>(Aus: Denkmalnach-Schrift Erster Teil)<\/p>\n<p>Wie manche sehr w\u00fcrdige Professoren, also wirkliche Marienverehrer, sich in ihre himmlische Alma Mater vergaffen und diese gar seltsam verehren, dar\u00fcber berichtet uns ein seri\u00f6ser Gew\u00e4hrsmann und ber\u00fchmter Schriftsteller folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p>Als der Augenzeuge und Berichterstatter in das H\u00e4uslein zur himmlischen Andacht, Alma Mater zu St. Nikola genannt, eintrat, sah er einen allseits bekannten Professor in Andacht vor seiner Herrin knien. Des Professors l\u00fcsternes Auge fiel auf den Fu\u00df seiner Herrin, welcher in einem winzigen, zierlichen Sch\u00fchlein aus persisch-blauer Seide stak. Sie hatte ihren Fu\u00df sorgf\u00e4ltig auf einen Schemel gest\u00fctzt, weil sie im Lehnstuhl \u2013 oder war es ein erotischer Lehrstuhl? &#8211; Gottes gar zu hoch sa\u00df, was dem Professor einen wunderbaren Einblick gew\u00e4hrte. Er lie\u00df vor Erregung sein Gebetbuch fallen. Der Fu\u00df seiner Herrin war schmal im Ausma\u00df, leicht gew\u00f6lbt, zwei Finger breit und etwa wie ein Sperling so lang, den Schwanz mit inbegriffen vorne spitz und kurz, ein Fu\u00df voller Wonnen, ein jungfr\u00e4ulicher Fu\u00df, der des K\u00fcssens so wert war wie ein Schelm des Stricks am Galgenbaum, ein mutwilliger Fu\u00df, ein l\u00fcsterreicher Fu\u00df, wohl imstande, einen Erzengel in Verdammnis zu bringen, ein augurisch hellsehender Fu\u00df, ein verteufelt aufreizender Fu\u00df, bei dessen Anblick es einen gel\u00fcstete, ein Paar neue, ganz gleiche Sch\u00fclein zu machen, damit hienieden Gottes herrliche Sch\u00f6pfungswerke nicht ausst\u00fcrben.<\/p>\n<p>Am liebsten h\u00e4tte der Herr Professor, den die Versuchung mit aller Macht kitzelte, diesen h\u00f6chst beredten und \u00fcberzeugend lockenden Fu\u00df seines Sch\u00fchleins entkleidet. Zu diesem Behufe huschten seine Augen, aus denen das ganze Feuer seiner Inbrunst spr\u00fchte und gl\u00fchte, geschwind wie der Schwengel einer Glocke von diesem wonnigen Fu\u00df hinauf zum Antlitz seiner Alma Mater und Meisterin. Er berauschte sich an ihrem bl\u00fctenzarten Antlitz und trank ihren Atem, und da wusste er wieder nicht, was wohl s\u00fc\u00dfer zu k\u00fcssen w\u00e4re, die frischen purpurroten Lippen ihrer Himmlischen S\u00fc\u00dfe oder dieser beredte, einladende Fu\u00df.<\/p>\n<p>Kurzum sei&#8217;s aus Ehrerbietung oder aus schierer Angst, vielleicht aber auch aus \u00fcbergro\u00dfer Liebe, er erw\u00e4hlte den Fu\u00df und k\u00fcsste ihn hastig, wie&#8217;s gerade traf, wie eine Jungfrau die sich nicht recht traut. Dann hob der Herr Professor flugs das Gebetbuch wieder auf, sp\u00fcrte derweil, wie sein ger\u00f6tetes Angesicht noch r\u00f6ter wurde, und schrie, \u00fcberw\u00e4ltigt und ganz erf\u00fcllt von Wonne und Lust, gleich einem Blinden: Janua coeli! Oh Himmelspf\u00f6rtlein!<\/p>\n<p>Und er war durchhitzt vom gl\u00fchenden Verlangen und \u00fcber die Ma\u00dfen gl\u00fccklich, dass seine Alma Mater es immer von neuem verstand, eine so bet\u00f6rende Jungfrau zu sein. Er verlie\u00df das H\u00e4uslein ganz wirbelig und taumelig und nach diesem verwegenen Kuss reicher als ein Dieb, welcher den Opferstock f\u00fcr wissenschaftliche Werke gestohlen hat.<\/p>\n<p>Diesen wunderbaren Erlebnisbericht gab unser Gew\u00e4hrsmann in der Fakult\u00e4tssitzung zum Besten, und alle waren sich einig, dass der Herr Kollege, ein tapferer Ritter vom Heiligen Grabe zu Jerusalem, von der Jungfrau Maria auserkoren war, Dekan zu werden.<\/p>\n<p>[Abbildung: Zeichnung von Prof. Paul Lankes]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>Die feierliche Home-Coming-Prozession<\/strong><\/p>\n<p>(Aus: Denkmalnach-Schrift Zweiter Teil)<\/p>\n<p><em>Vorspann: Die Professoren und ihre Gattinnen und Lebensgef\u00e4hrtinnen bringen in einer \u201ehome-coming-Prozession\u201c die Universit\u00e4tsmadonna mit Ges\u00e4ngen und Rezitationen zur\u00fcck in den Dom. Nach Fakult\u00e4ten geordnet ziehen sie durch die Gassen der Altstadt zum Bischofsitz. Die Prozession endet mit der \u00dcbergabe der Devotionalien: der marianischen Nahkampfnadeln, Madonnen-Wachsg\u00fcsse, der Madonnen-Schlipse, der Madonnen-Biergl\u00e4ser, der Madonnen-Keramikbecher, der marianischen Wimpel und Autoplaketten an den Pforten des Passauer Domes. Der Bischof von Passau nimmt die Universit\u00e4tsdevotionalien weihrauchschwingend entgegen, erbarmt sich der versto\u00dfenen \u201eMaria vom Siege\u201c und gew\u00e4hrt ihr huldvoll Kirchenasyl.<\/em><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Der intellektuelle Maskeraden-Zug<\/strong><\/p>\n<p>Der intellektuelle Maskeraden-Zug der Passauer Professorenschaft ist so bunt und quirlig wie eine Schar Morisken-T\u00e4nzer, voran die Diplomaten, gefolgt von den<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Abwieglern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kn\u00f6delkopf-Ethnologen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00d6konomisten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">wirklichen Marienverehrern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Legitimisten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Polit-Posaunisten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Traditionalisten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">geistigen Kurzstreckenl\u00e4ufern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">theoretischen Wolkenschiebern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">mexikanischen Kampfh\u00e4hnen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Luftblasen-Rhetorikern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kulturschrott-Fetischisten,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Scheinheiligen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ohne-Mich-Michels,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Hasenf\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Krummr\u00fccken,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Katzbucklern,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Karrieredebilen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ahnungslosen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Kurzsichtigen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Hirnrissigen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Adamriesen,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mikro-Chipaner<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>und vielen Typen mehr.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Diplomaten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">haben gelernt, in sechs Sprachen zu schweigen und sie wissen auch, dass uns die Sprache gegeben wurde, um unsere Gedanken zu verbergen. Die Diplomaten halten Kritiker des Emblems f\u00fcr gescheite Narren, die nahe an die Wahrheit herankommen, sich aber dadurch das akademische Leben schwermachen. Nur Narren sagen, was sie wissen. Weise dagegen wissen, was sie sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>Die Kn\u00f6delkopf-Ethnologen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">vollziehen in ihrer intellektuellen Springprozession einen kulturellen Perspektivwechsel und meinen, das Emblem geh\u00f6re zur Landschaft, zum Bayerischen Kongo und seinen G\u00f6tzenbildern. Die Universit\u00e4t sei ihr intellektuelles Biotop. Mit dem Emblem lie\u00dfen sich die Ureinwohner leichter anlocken und beobachten. Die \u201eWilden\u201c br\u00e4chten sogar wohlschmeckende Speisen mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>Die \u00d6konomisten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u00a0<\/strong>sagen: \u201ecash\u201c \u2013 und tanzen mit Maria einen Tango. Sie halten es mehr mit dem Zynismus des amerikanischen fund raising. Wer bezahlt, dessen Namen und Emblem sind universit\u00e4r ehrw\u00fcrdig. Schlie\u00dflich ist Bayern ein christlicher Staat und Passau eine Bischofsstadt. Mit Maria l\u00e4sst sich die Universit\u00e4t besser verkaufen \u2013 ganz w\u00f6rtlich gemeint.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>\u00a0<\/em><strong>Die praktizierenden Marienverehrer<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">halten Emblem-Kritiker noch immer f\u00fcr gefl\u00fcgelte Drachen, in deren L\u00e4sterm\u00e4uler der Kreuzstab gesto\u00dfen geh\u00f6rt \u2013 sie nehmen das Emblem atavistisch ernst. Seit Urzeiten hat noch jede Menschenhorde ihr Erkennungszeichen, ihr Kampf- und Jagdsymbol. Unter dem friedensstiftenden Banner ihrer Himmlischen S\u00fc\u00dfe sind doch gro\u00dfartige Kulturleistungen vollbracht \u2013 und Hunderttausende erschlagen und zu Tode gequ\u00e4lt worden. Vor allem die Wissenschaften sind unter diesem Banner gef\u00f6rdert worden. Armer Giordano Bruno! Was hat die katholische Kirche dir f\u00fcr eine lodernde Himmelfahrt beschert. Du bist zu Maria aufgefahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Marienverehrer schicken tausend Gebete zur himmlischen Glorie. M\u00f6ge die Universit\u00e4tsmadonna den feuerspeienden Fakult\u00e4tsdrachen wegen Beleidigung ihrer himmlischen Majest\u00e4t und der religi\u00f6sen Gef\u00fchle ihrer Anh\u00e4nger strafen. Maria hilf!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u00a0<\/strong><strong>Die marianischen Legitimisten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">tanzen erst recht nicht aus der Reihe. Sie haben die H\u00e4retiker noch unter jedem irdischen Banner verurteilt. Die Herrschaftstechnik ist bekannt: kraft Macht, kraft Mehrheit, in religi\u00f6sem Wahn und kraft staatlicher Amtsautorit\u00e4t werden Tatsachen auch dort geschaffen, wo sie nicht hingeh\u00f6ren. Nach dem Willen des Heiligen Geistes hat sich die Universitas Pataviensis im Kreisrund um das Emblem zu drehen. Von anderen m\u00f6glichen Weltansichten nimmt der Heilige Geist in Passau nicht Kenntnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Ahnungslosen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die sch\u00f6nste Gruppe im intellektuellen Maskeraden-Zug bilden die Ahnungslosen. Sie sind die wahre Zierde der Universit\u00e4t. Sie haben noch gar nicht bemerkt, wie ihnen geschieht. Das sind die wirklich Unschuldigen im Geiste, die die symbolische Attacke auf die Wissenschaft im akademischen Schlaf \u00fcberrascht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Polit-Posaunisten<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">blasen im Lokal-Rhythmus den Erweckungschoral \u201eAi, ai, ai, Maria (nach einer Samba-Melodie von 1947)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Kurzsichtigen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">halten das Emblem f\u00fcr eine Briefmarke des Vatikans und verwenden es gedankenlos weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Adamriesen und die Mikro-Chipaner<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dann kommen im intellektuellen Maskeraden-Zug die Adamriesen und Mikrochipaner, die das \u201eMaria bit! bit!\u201c f\u00fcr ein Software-Programm der Universit\u00e4t halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Der Narr<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Und am Schluss tanzt der Narr [Mintzel] aus dem Ghetto, weil in Passau der intellektuelle Maskeraden-Zug von hinten angef\u00fchrt wird.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Emanzipation der Wissenschaft oder: Habt Erbarmen mit Maria!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(Aus: \u201eDenkmalnach-Schrift\u201c Dritter Teil\u00a0)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Ch\u00f6re der Wissenschaftler:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>1. Chor (Bariton):<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Wissenschaft hienieden<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sei s\u00e4uberlich geschieden<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Von Bett und Tisch mit Ihr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>2. Chor (Bass):<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Es leiden sonst die beiden<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">An ihrem ew\u00b4gen Streiten<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Und bringen so allhier<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">gro\u00df Unheil nur herf\u00fcr.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Mariechens \u00fcberirdische Stimme<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(Sopran, von einem aus Regensburg entliehenen S\u00e4ngerknaben zu singen)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Oh Bischof, lieber Bischof mein!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Wissenschaft ist so gemein,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ich will sie immer meiden!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bring mich zur\u00fcck in deinen Dom,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ich tauge nicht f\u00fcr ein Diplom.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Geschlagen von Einf\u00e4ltigkeit<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">verbleib ich lieber Bischofs Maid!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Oh Bischof, lieber Bischof mein!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Es muss nun mal geschieden sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Bischof (Tenor)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Oh Heilige Simplicitas,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nun gibt\u00b4s in Passau auch noch das!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Den S\u00fcndenfall der Wissenschaft,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">die sich besinnt auf eig\u00b4ne Kraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Drachenwurm auf dem Emblem<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">erdreistet sich, wie unbequem,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">den Globus einfach umzudreh\u00b4n.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Ch\u00f6re der Wissenschaftler:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0<i><em>Chor (Bariton)<\/em><\/i><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Mariechen auf dem Kopfe steht,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ihr Kleidchen in den Weltraum weht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ei, ei, was sieht die Wissenschaft?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Zweifel an der Jungfernschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i><em>Chor (Bass)<br \/>\n<\/em><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Wissenschaft hienieden<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Sei s\u00e4uberlich geschieden<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Von Tisch und Bett mit Ihr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Chor des Klerus (Tenor)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Oh Heilige Simplicitas,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">nun gibt\u00b4s in Passau auch noch das!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Wie war\u00b4s in Passau ehedem<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Doch so bequem!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Gro\u00dfe Gelehrte wie Max Weber und Poldi von Ranke h\u00e4tten sich \u00fcber das Passauer Schlachtenget\u00fcmmel um die Universit\u00e4tsmadonna k\u00f6stlich am\u00fcsiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>[Abbildung: Passauer Satyrikon Nr.1, Vorschl\u00e4ge f\u00fcr ein neues Universit\u00e4tslogo]<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Musterangebote f\u00fcr\u00a0Leserbriefe und Stellungnahmen oder: Wie man den Emblem-Streit \u00f6ffentlich befruchten kann<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(Aus: \u201eDenkmalnach-Schrift\u201c Vierter Teil)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>(Kleine Auswahl <strong>fingierter (!)<\/strong>\u00a0Leserbriefe und anderer Stellungnahmen, verfasst im Sommer 1990 <strong>vor (!) <\/strong>dem Shitstorm in der Passauer Neuen Presse). <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Die PNP hatte sich in Herbst 1990 f\u00fcr die Beibehaltung des Marienlogos stark gemacht und zahlreiche erboste und geh\u00e4ssige Leserbriefe abgedruckt, die meine, dem erwarteten Streit vorweggenommenen fiktionalen Leserbriefe, an Realsatire noch \u00fcbertrafen.<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Leserbrief<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als gl\u00e4ubige Katholikin m\u00f6chte ich auf die geschmacklosen, verletzenden und im Geiste ganz und gar widerw\u00e4rtigen Angriffe auf die Muttergottes und die \u201eKirche von Passau\u201c den Nestbeschmutzern, Schmierfinken, Atheisten, Nihilisten und Relativisten Folgendes antworten:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es sollte bei der Berufung von Professoren an die Universit\u00e4t noch strenger darauf geachtet werden, dass der Glaube und die Interessen der \u201eKirche von Passau\u201c nicht missachtet werden. Ich appelliere an die Vertrauensleute der \u201eKirche von Passau\u201c unter den Professoren, auf die confessio fidei ihrer Kollegen gr\u00f6\u00dftes Augenmerk zu legen. Wir Passauer Katholiken haben kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr eine gottlose Wissenschaft, in der die Muttergottes keinen Schutz genie\u00dft. Es ist eine Schande f\u00fcr die Universit\u00e4t Passau, dass dort Wissenschaftler lehren, die die Muttergottes nicht achten und aus der Universit\u00e4t ausweisen wollen, hat doch der Zusammenbruch des kommunistischen Systems jedem wachen Geist gezeigt, dass die Wahrheit und die Kraft des Christentums unbesiegbar sind. Niemand wird hier gezwungen, an der Universit\u00e4t Passau zu bleiben. Die widerw\u00e4rtigen Schmierfinken und Gottesl\u00e4sterer sollten sich schleunigst an anderen Universit\u00e4t bewerben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Kreszenz Kn\u00f6dldick, Maria Hilf 101, 8390 Passau<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Leserbrief<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Da gibt es einige arrogante Professoren, die meinen, sie k\u00f6nnten anderen die Heilige Muttergottes mit dem Hinweis auf Wissenschaftlichkeit und Wissenschaft ausreden. Das ist eine Arroganz des eingebildeten Besserwissens. Man braucht diesen intellektuellen Spazierg\u00e4ngern auf der Innpromenade nur ins Gesicht zu schauen und man sieht schon auf den ersten Blick, wessen Geistes Kind diese M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger und Pamphlet-Schreiber sind. Die Mehrzahl der akademischen B\u00fcrger Passaus wird diese Arroganz sicher unnachsichtig bestrafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Anton Himmelreich, Fritz \u2013Sch\u00e4ffer-Promenade 6, 8390 Passau<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>[Abbildungen von tats\u00e4chlichen Leserbriefen]<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Leserbrief<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Marienverehrer und das bayerische Staatsmysterium f\u00fcr Wissenschaft und Marienkultus zeigen marienklar keinen Respekt vor dem Glauben anderer, geschweige denn vor der Autonomie der Wissenschaft. Empfindlichkeit geb\u00fchrt allein der katholischen Seite!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vastl Sammarei, Zivildienstler, Marienspital, 8390 Passau<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Leserbrief<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich hatte schon immer den Verdacht, dass die feierliche Haltung der Professoren ein Trick ist, Fehler des Geistes zu verbergen. Die Kritiker des Marienemblems haben ganz Recht, wenn sie sagen, die monokulturelle Synapsen-Ver\u00f6dung der Professorengehirne f\u00fchre zu einer einf\u00e4ltigen feierlich-devoten K\u00f6rperhaltung. Das zeigt sich gerade auch in den akademischen Ausw\u00fcchsen der Marienverehrung an der Universit\u00e4t Passau. Es gibt Professoren, deren Kopf ist nur der Knauf ihres Kleiderst\u00e4nders. Sie vertreten unterw\u00fcrfig ihren Stand.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Immanuel K\u00f6nigsberger, Gottfried-Sch\u00e4ffer\u2013Korso 13, 8390 Passau<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Leserbrief<\/strong><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In den Kontroversen \u00fcber das Logo der Marienuniversit\u00e4t Passau ist die Emanzipation der Frau von wissenschaftlicher Lust viel zu wenig bedacht worden. Maria f\u00f6rdert insbesondere auch das Wohlergehen der Wissenschaftlerinnen. Dank Mari\u00e4 erhielten Frauen schon fr\u00fch Zugang zur Wissenschaft. Maria ist deshalb auch das vorbildhafte Emblem aller Wissenschaftlerinnen. Ich meine, die Universit\u00e4t Passau braucht keine \u201eFrauenbeauftragte\u201c, sie <em>hat<\/em> Maria. Das Quotenproblem scheint mir an der Universit\u00e4t endg\u00fcltig und optimal gel\u00f6st zu sein. Die Immaculata weist hier der wissenschaftlichen Nachwuchspflege den Ausweg. Zu den vollkommenen M\u00e4nnern der Fakult\u00e4ten geh\u00f6rt nun einmal die vollkommene Frau, und da gibt es nur <em>die Eine<\/em>, <em>Unsere Liebe Frau<\/em> \u2013 den Frauen zum Trost und Vorbild. Die intellektuelle Jungfr\u00e4ulichkeit der Universit\u00e4t Passau ist die terra metaphysica ihrer Hohen Wissenschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Univ.-Prof. Dr. Victor von Lustenau<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Thomas-von-Aquin-Institut f\u00fcr christliche Frauenforschung der Universit\u00e4t Passau, Gro\u00dfe Messergasse 6, Passau 8390<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Stellungsnahmen aus der Universit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik und Informatik hat mit Am\u00fcsement die sarkastische Denkmalnach-Schrift \u00fcber das Universit\u00e4tsemblem zur Kenntnis genommen und fachbez\u00fcglich diskutiert. Die Fakult\u00e4t goutiert die Ironie des \u201eMaria bit! bit!\u201c. Sie stellt zur Sache fest, dass mit Hilfe der Software-Programme Maria nicht im Gro\u00dfrechner gefunden werden konnte. Es gelang jedoch den Wurm zu entdecken und zu zerhacken. Was den fakult\u00e4tsoffiziellen Briefkopf anbelangt, sind wir der Emblem-Falle geistesgegenw\u00e4rtig entgangen. Die Denkmalnach-Schrift hat uns vor einem Virus-Problem bewahrt und viele Kosten gespart.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das auf unserem Emblem der zuletzt [1985] eingerichteten Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik und Informatik gezeigte Symbol \u201ePi\u201c sei kurz erkl\u00e4rt: Es bedeutet so viel wie \u201ejust born and already pipi\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">[Abbildung: Amtlicher Briefkopf mit dem Emblem \u201ePi\u201c]<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Prof. Dr. Modula Chipnbyte, Sprecherin der Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik und Informatik, Universit\u00e4t Passau, Innstra\u00dfe 33<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Stellungnahme der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakult\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Streit \u00fcber das Marken-Zeichen der Universit\u00e4t Passau erweist sich unter betriebswirtschaftlichem Gesichtswinkel der operations research als kontraproduktiv. Die Muttergottes ist f\u00fcr die Wirtschaftswissenschaftliche Fakult\u00e4t ein reines Verpackungs- und Absatzproblem. Nach der neuesten \u00f6konomischen Entscheidungs- und Risikotheorie ist Maria absatzwirtschaftlich ein Schlager. Wir sehen in \u201eCash und Tango\u201c kein wissenschaftsethisches Problem. Zu Glaubensfragen nimmt die Wirtschaftswissenschaftliche Fakult\u00e4t prinzipiell keine Stellung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Univ.-Prof. Dr. Justin Time Schmolensky, Lehrstuhl f\u00fcr Corporate Identitiy Research, Universit\u00e4t Passau, Domplatz 1(Vis a vis vom Marienpf\u00f6rtlein)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Lehrstuhl f\u00fcr alteurop\u00e4ische Kulturideale und katholisch-abendl\u00e4ndische Verteidigungsfragen:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es zeugt von Unwissen und Gesinnungslosigkeit, die \u00dcbernahme des Marienemblems als eine \u201ementalit\u00e4tsgetragene Gedankenlosigkeit des Kn\u00f6delfundamentalismus\u201c zu bezeichnen. Der Leser frage sich selbst: Haben Kn\u00f6dl ein Fundament? Frivol ist vielmehr, sich im nicht-akademischen Stile des Verfassers an den h\u00f6chsten Kulturg\u00fctern des Abendlandes zu vergreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der schlampige Umgang des Pamphletisten Mintzel mit der Geschichte zeigt sich in seiner Zitierweise und in der falschen Wiedergabe von Namen. Rankes Vornamen war nicht Poldi, sondern Leopold. Ranke lie\u00df sich im Kulturkampf des 19. Jahrhunderts grob fahrl\u00e4ssig Einseitigkeiten zu Schulden kommen. Er kann deshalb an der Universit\u00e4t Passau nicht als Lekt\u00fcre empfohlen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Universit\u00e4t Passau hat als niederbayerische Regionaluniversit\u00e4t die Aufgabe \u00fcbernommen, das katholische Land- und Stadtvolk behutsam an die richtig verstandene moderne Wissenschaft heranzuf\u00fchren. Das Marienemblem betont diese vornehme und gro\u00dfartige Aufgabe. Will der Verfasser des Pamphlets den Kulturkampf des 19. Jahrhunderts an die Universit\u00e4t Passau zur\u00fcckrufen? Ihm wird eine katholische Lektion erteilt werden!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit seinem Hinweis auf das \u00f6ffentliche Bekenntnis der Marianischen B\u00fcrgerkongregation zu Passau stellt der Verfasser eine b\u00f6swillige Verbindung mit dem Universit\u00e4tsemblem her. Das Bekenntnis hat folgenden Wortlaut: \u201eHeiligste Jungfrau und Mutter! Im Verlangen, Dir zu dienen, erw\u00e4hle ich Dich zu meiner Herrin, Besch\u00fctzerin und Mutter\u201c (PNP Nr. 104 vom 07. 05. 1990). Der marianische Auftrag der Kongregation lautet: \u201eDie gegenseitige Ermutigung zur Glaubensverbreitung und zum Leben aus dem Glauben in der Welt einzutreten und selbst aus dem Glauben leben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">[Abbildung: Presseberichte \u00fcber die Marianische Kongregation und andere religi\u00f6s-konfessionelle Ereignisse in Passau]<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Universit\u00e4t Passau ist der Muttergottes unterstellt und geweiht! F\u00e4llt das Universit\u00e4tsemblem, f\u00e4llt Passau in nihilistische H\u00e4nde, und f\u00e4llt die marianische Bastion Passau, geht das Abendland unter. \u201eDie Kirche von Passau\u201c hat auf amtlichen Wegen der Universit\u00e4t Passau ihr sch\u00f6nstes Emblem vermacht, eine k\u00e4mpferisch-gegenreformatorische Siegerin in allen Schlachten Gottes. Die anderen Konfessionen an der Universit\u00e4t Passau werden marienemblematisch liquidiert. Das nennt \u201edie Kirche von Passau\u201c eine gesunde Marienverehrung. Wer sich daran st\u00f6rt, hat die (Heils-) Zeichen der Zeit nicht verstanden.\u201c (PNP Nr. 99 vom 30. 04. 1990)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Univ. Prof. Dr. Gottlieb-Maria Kleingabriel, Lehrstuhl f\u00fcr alteurop\u00e4ische Kulturideale und katholisch-abendl\u00e4ndische Verteidigungsfragen, Universit\u00e4t Passau, Am Schie\u00dfplatz 150, 8390 Passau<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Stellungnahme der Pressestelle der Universit\u00e4t Passau:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Pr\u00e4sident und Kanzler der Universit\u00e4t Passau sehen sich aufgrund der \u00f6ffentlichen Kontroversen \u00fcber das amtliche Emblem der Universit\u00e4t zu folgender Stellungnahme gezwungen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Universit\u00e4tsleitung bedauert, dass in der \u00d6ffentlichkeit der Eindruck hervorgerufen worden ist, es g\u00e4be in der Universit\u00e4t auch nur im Ansatz eine kontroverse Meinung und Diskussion in Bezug auf das amtliche Emblem der Universit\u00e4t. An der Universit\u00e4t herrscht peinliches Schweigen. \u00dcber das Emblem wird prinzipiell nicht nachgedacht. Die Marienkinder sind brav und zufrieden und f\u00fchren, ein jedes an seinem Platz, ein frommes Leben. Die Professoren beflei\u00dfigen sich einer sachlichen und frommen Argumentation, weil sie Glauben und Wissenschaft nach modernen Gesichtspunkten auf unerh\u00f6rt k\u00fchne Weise zu verbinden wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Universit\u00e4tsleitung stellt prinzipiell fest, dass die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung ihrer akademischen B\u00fcrger in Wort, Schrift und Bild ein unver\u00e4u\u00dferliches Grundrecht ist, es sei denn es dreht sich um gremieninterne Angelegenheiten, die der Schweigepflicht unterliegen. Das Marienemblem unterliegt der Schweigepflicht. Eine Diskussion dar\u00fcber ist f\u00fcr die Universit\u00e4t rufsch\u00e4digend und st\u00f6rt den Passauer Religionsfrieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Emblem hat eine andere Bedeutung als ihm irrt\u00fcmlich unterstellt wird. Das Emblem soll auf eine wissenschaftsskeptisch eingestellte Bev\u00f6lkerung beruhigend wirken und die Arbeit der Wissenschaftler vor wissenschaftsfeindlicher Neugier sch\u00fctzen. Die katholisch-christliche Deutungsm\u00f6glichkeit muss dabei in Kauf genommen werden. Die Bezeichnung als \u201egeistliche T\u00dcV-Plakette\u201c, als \u201eDenkstopp-Emblem\u201c und als \u201eTabu-Zeichen\u201c ist eine beleidigende Fehldeutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dem Emblem wird universit\u00e4tsamtlich folgender Bedeutungsgehalt zugeschrieben: Die junge Mutter muss in einer ern\u00e4hrungswirtschaftlichen Notsituation auf Wurm-Fang gehen, um ihr vom Hunger bedrohtes Kind zu ern\u00e4hren. Es geht darum, einen m\u00f6glichst gro\u00dfen, n\u00e4hrreichen Wurm zu erwischen. Das Emblem ist dar\u00fcber hinaus ausgesprochen frauenfreundlich. Es erinnert die Studentinnen und das weibliche Lehrpersonal an ihre kr\u00e4ftige Frauennatur und zeigt, wie eine alleinstehende Mutter mit einem Kind auf dem Arm einen gro\u00dfen Wurm zu fangen imstande ist. Der als Zepter bezeichnete Gegenstand in der rechten Hand der Mutter ist ein Wurfgeschoss, mit dem die aufgespie\u00dften W\u00fcrmer den Gnadensto\u00df erhalten. Das Emblem ist insofern ausgesprochen tierfreundlich. Es gibt den lehrreichen Hinweis, wie man die Qualen eines armen Wurms verk\u00fcrzen und seinen Abschied aus dem Leben erleichtern kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Verfasser der Denkmalnach-Schrift ist in seiner \u00f6ffentlichen Meinungs\u00e4u\u00dferung \u00fcber das geziemende Ma\u00df frommer Redlichkeit weit hinausgegangen und hat die tiefreligi\u00f6sen Gef\u00fchle zahlreicher B\u00fcrger aufs Gr\u00f6bste best\u00e4tigt. Deshalb muss ihm die W\u00fcrde eines Professors abgesprochen werde. Nachdenken \u00fcber den Gebrauch eines irrt\u00fcmlich f\u00fcr ein religi\u00f6s-konfessionelles Emblem gehaltenes Logo darf nicht folgenlos bleiben. Der Pr\u00e4sident hat dem Verfasser nahegelegt, die Universit\u00e4t zu verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Universit\u00e4tsleitung erl\u00e4utert auf Anfrage gern ihre wurmstichigen Argumente im Sinne einer zweiten Aufkl\u00e4rung. Die Pressestelle wird einen schriftlichen Wurmfortsatz kostenlos zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Pressestelle der Universit\u00e4t Passau, Dr. Hans-Kapfinger-Stra\u00dfe 2, 8390 Passau<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Die Universit\u00e4t Passau f\u00fchrte im Jahre 2003 ein konfessionsneutrales Logo ein und ver\u00e4nderte ihre Selbstdarstellung (corporate identity) und ihr Erscheinungsbild (corporate design) nach innen und au\u00dfen. Der urspr\u00fcnglich gedachte Zweck der Satire war auf amtlichen Wegen, wie in den Blog-Kapiteln 29 und 30 beschrieben, mit dem Instrument einer experimentellen Intervention erreicht worden. Die \u201eMaria vom Siege\u201c, die \u201eUntouchable\u201c, verschwand im Jahre 2003 aus dem Universit\u00e4tshimmel und wurde seither nie wieder gesehen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein satirischer Nachtrag [Abbildung: Titelblatt \u201eSchenkendes Verstr\u00f6men von Gedankenlosigkeit\u201c, 1990] Ich hatte mir im Sommer 1990 zun\u00e4chst vorgenommen, den dubiosen emblematischen Devotionalien-Gebrauch der Universit\u00e4t Passau, der in seinen Ausw\u00fcchsen an den nahegelegen Wallfahrtsort Alt\u00f6ttingen erinnerte, satirisch vorzuf\u00fchren. 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