{"id":777,"date":"2019-04-11T18:02:01","date_gmt":"2019-04-11T16:02:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=777"},"modified":"2019-05-30T18:07:33","modified_gmt":"2019-05-30T16:07:33","slug":"57-mein-digitaler-weitsprung-ins-21-jahrhundert-eine-spaete-blogger-karriere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2019\/04\/11\/57-mein-digitaler-weitsprung-ins-21-jahrhundert-eine-spaete-blogger-karriere\/","title":{"rendered":"57. Mein digitaler Weitsprung ins 21. Jahrhundert \u2013 eine sp\u00e4te Blogger-Karriere"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Ankunft in der \u201esch\u00f6nen\u201c digitalen Welt<\/strong><\/p>\n<p>Ich war bis zu meiner Entpflichtung im Jahre 2000 bez\u00fcglich der Neuen Medien in einem selbstverschuldeten Laienstand oder, krasser ausgedr\u00fcckt, in digitalen Dingen ein \u201eIdiot\u201c. Meine Blogger-Karriere begann erst vor wenigen Jahren, eigentlich zu sp\u00e4t. Leser aus j\u00fcngeren Generationen, die in das digitale Zeitalter hineingeboren wurden und von Kindesbeinen an in dieser Welt ganz selbstverst\u00e4ndlich kommunizieren, m\u00f6gen dar\u00fcber l\u00e4cheln und sich am\u00fcsieren, wie schwer sich alte Menschen tun, sich mit den neuen Ger\u00e4ten und\u00a0 Techniken\u00a0 anzufreunden und sie in Gebrauch zu nehmen. Bis \u00fcber die Jahrtausendwende hinaus schrieb ich meine Texte, Notizen und den Gro\u00dfteil meiner Korrespondenzen mit der Hand und pflegte meine Handschrift. Meine kaligrafische Neigung fand Gefallen und wurde f\u00fcr au\u00dferordentlich leserfreundlich gehalten. Ich war ein Fossil aus der vordigitalen Welt. Vor dem Jahre 2000 hatte ich nie daran gedacht, meine autobiografischen Berichte und Erz\u00e4hlungen sp\u00e4ter einmal einem Rechner anzuvertrauen, geschweige denn daf\u00fcr das Format eines Blogs zu verwenden. An der Universit\u00e4t Passau waren die Lehrst\u00fchle und wissenschaftlichen Einrichtungen erst seit Anfang der 1980er Jahre mit Personal Computers (PCs) ausgestattet und die Sekretariate in ihre Nutzung eingewiesen worden. Die Begriffe Blog und Blogger waren zu jener Zeit noch unbekannt. Die Nutzung der ersten und zweiten Computergeneration hatte ich meinem Sekretariat und meinen wissenschaftlichen und studentischen Mitarbeitern \u00fcberlassen. Sie mussten meine handschriftlichen Textentw\u00fcrfe und die bisher mit einer elektrischen Schreibmaschine geschriebenen Schriften jedweder Art in den Rechner eingeben. Ich scheute mich an den \u201edigitalen Kasten\u201c zu gehen \u2013 die Ger\u00e4te waren damals noch viel gr\u00f6\u00dfer und schwerer \u2013 und mich in seine Technik einzuarbeiten. Doch war es prinzipiell keine technische Gegnerschaft, die mich vom digitalen \u201eTeufelswerk\u201c zur\u00fcckschrecken lie\u00df, sondern Bequemlichkeit und vor allem die Zeitfrage. Ich bef\u00fcrchtete, es w\u00fcrde mich zu viel Zeit und M\u00fche kosten, bis ich mich soweit mit diesen Techniken vertraut gemacht h\u00e4tte, dass ich sie unabh\u00e4ngig von meinem Hilfspersonal selbst anwenden k\u00f6nnte. In den letzten f\u00fcnf Jahren vor meiner Pensionierung hatte ich noch einmal meine Arbeitskraft in hohem Ma\u00dfe auf den Abschluss publizistischer Projekte konzentriert, vor allem auf die\u00a0 drei Monografien, die schon \u00fcber Jahre in Arbeit gewesen waren, auf mein Lehrwerk \u00fcber \u201eMultikulturelle Gesellschaften in Europa und Nordamerika\u201c (1997), auf \u201eDie CSU-Hegemonie in Bayern\u201c (1998) und auf die Edition \u201eHofer Flugschriften im 16., 17. und 18. Jahrhundert\u201c (2000). Au\u00dferdem hatte ich noch am Ende meiner Amtszeit spezielle Kompendien f\u00fcr die Lehre erarbeitet. Diese Publikationen, die insgesamt mehr als 2000 Druckseiten umfassten, waren mit zahlreichen, zum Teil komplizierten Schaubildern, Tabellen und Merkk\u00e4sten ausgestattet. Es w\u00e4re mir auch mit gutem digitalen Know-how und Einsatz nicht m\u00f6glich gewesen, diese publizistische K\u00e4rrnerarbeit in der noch zur Verf\u00fcgung stehenden Zeit allein zu bew\u00e4ltigen. Ohne treue, digital kompetente und versierte studentische Hilfskr\u00e4fte h\u00e4tte ich am Lehrstuhl mein Publikationsprogramm nicht verwirklichen k\u00f6nnen. Arno Zurstra\u00dfen stellte 1989 die Computerfassung des gro\u00dfformatigen Kunstbuches \u201eEs ist noch Zeit genug\u201c als erstes digitale Druckwerk her. Anke Wagner, geborene Zepf, brachte \u00fcber Jahre meine wissenschaftlichen Skripte zur digitalen Druckreife. Sie erarbeitete auch noch in dem Jahrzehnt nach meiner Entpflichtung f\u00fcr mein zweib\u00e4ndiges Werk \u201eVon der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie\u201c eine digitale Fassung. Das Werk erschien im Jahre 2011 im Berliner Verlag Duncker &amp; Humblot. Der Passauer Lehrstuhl f\u00fcr Soziologie, den ich aus anderen Gr\u00fcnden und im Vergleich mit anderen Forschungsst\u00e4tten einen \u201eMicky-Maus-Lehrstuhl\u201c genannt hatte (siehe Blog-Kapitel 28),\u00a0 erwies sich trotz seiner \u00e4u\u00dferst beschr\u00e4nkten Mittel als eine produktive Einrichtung \u2013 allerdings mit einem ger\u00fctteltem Ma\u00df an Selbstausbeutung an \u00a0Zeit und Mitteln. Anke Zepf bezahlte ich viele Jahre fast durchg\u00e4ngig aus eigener Tasche, so auch zeitweise Einspringer und mit Korrekturaufgaben beauftragte studentische Hilfskr\u00e4fte. Ich muss gestehen, dass diese wissenschaftsbetriebliche Arbeitsorganisation und dieser Einsatz von Mitteln ohne meine Befugnisse und M\u00f6glichkeiten als Lehrstuhlinhaber nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren. Ich profitierte von meinem Status als Ordinarius.<\/p>\n<p>Dann aber kam die Zeit, von der an ich mich, wollte ich weiterhin publizistisch hervortreten, mit der sich inzwischen rasant fortentwickelnden digitalen Welt vertraut machen musste. Ich musste lernen, die Ger\u00e4te selbst zu bedienen und f\u00fcr verschiedene Zwecke zu nutzen. Kein Verlag, keine st\u00e4dtischen kulturellen Einrichtungen wie Stadtarchive, keine staatlichen Archive, nicht einmal mehr historische Vereine nahmen mehr Skripte an, die nicht bis zum Komma und Strich digital vom Autor hergestellt waren. Dem Autor wurde in der Regel die komplette digital-druckreife Herstellung seiner Skripte zugemutet. Wer diese Umstellung nicht mitmachte, hatte so gut wie keine Chancen mehr, an dem allgemeinen publizistischen Produktionsprozess teilzunehmen. Er fiel, salopp ausgedr\u00fcckt, aus dem System und verschwand vom Monitor. Es sei denn, er \u00fcbertrug die Herstellung der digitale (End-) Fassung einer kompetenten Arbeitskraft.<\/p>\n<p>Schon vor meiner Pensionierung hatte meine Frau mich gedr\u00e4ngt, einen eigenen Computer anzuschaffen und mich noch von meinen Hilfskr\u00e4ften anlernen zu lassen. Sie k\u00f6nne und wolle nicht meine Schreibhilfe werden. Sie hatte f\u00fcr ihre Zwecke, vor allem f\u00fcr die Verwaltung und Pflege der beiden Familienh\u00e4user in W\u00fcrzburg und im Tessin (siehe hierzu Blog-Kapitel 47 und 48), einen Laptop gekauft, einen Schnellkurs absolviert und sich ausreichende Kenntnisse in der Nutzung ihres Ger\u00e4tes angeeignet. Sie war mir, als ich nach dem Jahre 2000 endlich einen Rechner kaufte, um viele Nasenl\u00e4ngen voraus. Bis ich selbst hinreichende Grundkenntnisse in der Bedienung des Ger\u00e4tes erworben hatte, was nicht ohne eine betr\u00e4chtliche Summe an Lehrgeld und fremde Hilfe m\u00f6glich war, nervte ich meine Frau mit Hilferufen und Wutgeschrei, wenn ich mit meinem digitalen Latein am Ende war und wieder Textteile abgest\u00fcrzt waren. Wie oft hatte ich zu speichern vergessen und vergeblich herauszufinden versucht, was mir noch so alles an Fehlern unterlaufen war. Weil aber das Schreiben und Publizieren ein Grundbed\u00fcrfnis geblieben war, das mich t\u00e4glich an den Schreibtisch dr\u00e4ngte, gab ich nicht auf. Im Gegenteil: Ich war von den schreibtechnischen, gestalterischen und kommunikativen M\u00f6glichkeiten und Vorteilen so fasziniert, dass ich mit einem geduldigen \u201elearning by doing\u201c sogar noch \u00fcber reine Grundkenntnisse hinauskam. Meine Nichte Tonke Franziska Koch aus Berlin richtete f\u00fcr mich eine Website, einen Wikipedia-Account und zwei Blogs ein und \u00f6ffnete mir damit Zugang zur digitalen Welt. Aber immer noch reichen meine Fertigkeiten nicht dazu aus, meine digital erstellten Skripte allein in die gew\u00fcnschte druckreife Fassung zu bringen. Ohne Hilfe geht es nicht. Das trifft nun auch auf die Einf\u00fcgung zahlreicher Abbildungen in meine Blog-Kapitel zu, eine diffizile Arbeit, die Georg Thuringer, Passau, exzellent durchf\u00fchrt. Und Nina Eisen aus Berlin steht mir mit ihrem Lektorat seit Anfang 2016 zur Seite (www.eisen-lektorat.de). Alle Korrespondenzen laufen \u00fcber den Computer, alle Fragen und Aufgaben werden digital erledigt. Ich bin im Alter von 84 Jahren in dieser neuen Welt endg\u00fcltig angekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Digitaler Weitsprung ins 21. Jahrhundert<\/strong><\/p>\n<p>Meine Tochter Theresa war es, die mir 2015 nahegelegt hatte, mein autobiografisches Projekt nicht in der klassischen Buchform anzugehen, sondern das Blog-Format zu w\u00e4hlen, das mir bis dahin unbekannt geblieben war. In meinem hohen Alter w\u00fcrde sich dieses Format geradezu als ein schriftstellerischer K\u00f6nigsweg anbieten, weil es alle Vorteile einer raschen, flexiblen, interaktiven und globalen Verbreitung biete. Ich m\u00fcsse nicht warten, bis das Projekt endg\u00fcltig abgeschlossen und ein Verlag gefunden sei. Das Projekt lie\u00dfe sich in actu und Echtzeit im Selbstverlag verwirklichen. Theresa, selbst publizistisch erfahrene und erfolgreiche B\u00fchnenpoetin, Jugendbuch- und Theaterautorin (www.<a href=\"http:\/\/theresa\">theresa<\/a>-sperling.de), hatte mich davon \u00fcberzeugt, dass das Blog-Format tats\u00e4chlich am besten gerade auch meinen vielf\u00e4ltigen schriftstellerischen Neigungen entgegenk\u00e4me. Ich disponierte um und wurde, wie die Passauer Neue Presse (Nr. 103, 04.05.2016, S. 21) berichtete, \u201ePassaus \u00e4ltester Blogger\u201c. Allerdings musste ich erst noch mehr Erfahrungen mit diesem Medium sammeln und mich mit seinen formativen M\u00f6glichkeiten befassen. Ich setzte zu einem digitalen Weitsprung ins 21. Jahrhundert an und lernte im Verlauf der Arbeit an meinem Blog viel dazu.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-810 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/57_001-700x544.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"544\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/57_001-700x544.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/57_001-300x233.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/57_001-768x596.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/57_001-800x621.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/57_001.jpg 1800w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Passauer Neue Presse, Nr. 103 vom 4. Mai 2016, S. 21<\/em><\/p>\n<p>Die allgemeine, alle seine Modalit\u00e4ten \u00fcbergreifende Beschreibung des Mediums und Formats \u201eBlog\u201c in der Wikipedia-Enzyklop\u00e4die lautet: \u201eH\u00e4ufig ist ein Blog eine chronologisch abw\u00e4rts sortierte Liste von Eintr\u00e4gen, die in bestimmten Abst\u00e4nden umbrochen wird. Der Blogger ist Hauptverfasser des Inhalts, und h\u00e4ufig sind die Beitr\u00e4ge aus der Ich-Perspektive geschrieben. Das Blog bildet ein Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen, je nach Professionalit\u00e4t bis in die N\u00e4he einer Internet-Zeitung mit besonderem Gewicht auf Kommentaren. Oft sind auch Kommentare oder Diskussionen der Leser \u00fcber einen Artikel m\u00f6glich. Damit kann das Medium sowohl dem Ablegen von Notizen in einem Zettelkasten, dem Zug\u00e4nglichmachen von Informationen, Gedanken und Erfahrungen, etwas untergeordnet auch der Kommunikation dienen, \u00e4hnlich einem Internetforum. Die T\u00e4tigkeit des Schreibens in einem Blog wird als Bloggen bezeichnet. Die Deutsche Nationalbibliothek bezeichnet Blogs als Internetpublikationen und vergibt seit Herbst 2013 auch ISSNs an Weblogs [Blogs].\u201c (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia,org\/wiki\/Blog%20abgerufen%2002.04%202019\">https:\/\/de.wikipedia,org\/wiki\/Blog abgerufen 02.04 2019<\/a>)<\/p>\n<p>Die neue Darstellungsform war kurz vor der Zeit meines Eintritts in den Ruhestand entwickelt worden. Ihre Vorl\u00e4ufer waren in den 1990er Jahren aus der Taufe gehoben worden und hatten dann ein schnelles Wachstum erfahren. 1997\/98 waren die ersten \u201eWeblogs\u201c gestartet worden, bald hatte sich in der Bezeichnung die Kurzform \u201eBlog\u201c durchgesetzt. Laut einer Allensbacher Computer- und Technik-Analyse betrieben in Deutschland im Jahre 2007 bereits 8,4 Prozent der Internetznutzer einen Blog. Im Oktober 2011 soll die Zahl der Blogs weltweit auf etwa 173 Millionen angewachsen sein. (Quelle: Wikipedia, ebenda). Kurzum, ich war als Blogger zugestiegen, als dieses Medium und Format schon eine rasante Verbreitung gefunden hatte und weiterhin rasch wuchs. Grob schematisch werden zwei Kategorien von Blogs unterschieden: \u201eSolche, die \u00e4hnlich dem Software-as-a-service-Prinzip von einem meist kommerziellen Anbieter betrieben und beliebigen Nutzern nach einfacher Registrierung zur Verf\u00fcgung gestellt werden, und solche, die von den jeweiligen Inhabern auf ihrem individuellen Server oder Webspace meist unter eigener Domain betrieben werden.\u201c (ebenda Wikipedia). Mein Blog ist ohne Zweifel der zweiten Kategorie zuzuordnen. Allerdings sch\u00f6pfte ich bisher die kommunikationstechnischen M\u00f6glichkeiten des Mediums (zum Beispiel die Verlinkung und Vernetzung) nicht voll aus. Genug der allgemeinen Charakterisierung, die auch bei Wikipedia nachgelesen werden kann!<\/p>\n<p>Was f\u00fcr mich das Medium Blog als Kommunikationsform so spannend und interessant macht, sind seine hohe Individualisierung, seine thematische Reflexivit\u00e4t und Variabilit\u00e4t, seine interaktiven Eigenschaften, die Aufhebung der Grenze zwischen Produzent (Autor) und Rezipient (Empf\u00e4nger) und seine Unabh\u00e4ngigkeit. Mein Blog ist ein v\u00f6llig autonomes, individuelles Non-Profit-Unternehmen. Ich blogge ohne jegliche kommerzielle Bindung und Ausrichtung. Ich verstehe meinen Blog als Zeugnis und Dokumentation eines Zeitzeugen im Dienst der \u00dcberlieferung.<\/p>\n<p>Der Ratschlag meiner Tochter Theresa erwies sich als ein kreativer Ansto\u00df. Dies ist auch unter urheberrechtlichen Gesichtspunkten von Bedeutung. Die thematische Reflexivit\u00e4t und Variabilit\u00e4t erlaubt im Rahmen eines autobiografisch angelegten Blogs ganz unterschiedliche Themen und Darstellungsweisen: Berichte, Erz\u00e4hlungen, Episoden, Dialoge, satirische Einsch\u00fcbe, Pasquillen, tagebuchartige Notizen, Auseinandersetzungen mit tagespolitischen Vorg\u00e4ngen, hochemotionale Schilderungen von Ungl\u00fcck, Liebe und Tod, Ausz\u00fcge aus \u00a0amtlichen und privaten Korrespondenzen, politische, philosophische und theologische Reflektionen und Diskussionen bis hin zu wissenschaftlichen Abhandlungen. Selbst die Preisgabe zutiefst pers\u00f6nlicher Erfahrungen und innerer K\u00e4mpfe, also auch Themen und Darstellungsweisen, die normalerweise die psychische und mentale Schmerzgrenze \u00fcberschreiten, sind m\u00f6glich. Ich habe als individueller, unabh\u00e4ngiger Blogger gro\u00dfe Freiheiten. Ich liebe und nutze diese und habe verschiedene Darstellungsweisen gew\u00e4hlt. Ich muss, wenn ich nicht will, keine R\u00fccksicht mehr nehmen auf Gro\u00dfinstitutionen, Fakult\u00e4ten, Fachschaften und Karrierezirkel. Soweit ich keine Pers\u00f6nlichkeitsrechte verletze, kann ich Ross und Reiter beim Namen nennen und Vorg\u00e4nge aufdecken, \u00fcber die normalerweise geschwiegen wird. Auf einzelne Aspekte bin ich schon in vorangegangenen Blog-Kapiteln eingegangen (zum Beispiel in der Einleitung \u201eZwischen den St\u00fchlen war viel Platz\u201c, in Kapitel 23 und 29\u201331).<\/p>\n<p>Der verstorbene Schauspieler Peter Ustinov hat einmal gesagt: \u201eWir alten M\u00e4nner sind gef\u00e4hrlich, weil wir keine Angst mehr vor der Zukunft haben. Wir k\u00f6nnen sagen, was wir denken, wer will uns daf\u00fcr strafen?\u201c<\/p>\n<p>Daf\u00fcr ist ein autobiografischer Blog wie geschaffen. Ich bin 84 Jahre alt. Meine Karriere ist zu Ende. Ich kann sagen, was j\u00fcngere und abh\u00e4ngige Leute besser f\u00fcr sich behalten. Das macht einen Blog interessant. Professorenkollegen, die mit aufgeblasener Blasiertheit meinen, den richtigen Geist zu vertreten und sich d\u00fcnkelhaft inszenieren, k\u00f6nnen nicht mehr meine Existenz als Wissenschaftler gef\u00e4hrden. Ich vermute, dass Kollegen das Medium und Format Blog schon wegen seiner Freiheiten f\u00fcr unseri\u00f6s halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Blogger, Themen, Sprachstile, Leserschaft<\/strong><\/p>\n<p>Die thematische Vielf\u00e4ltigkeit und die entsprechenden Darstellungsweisen, die das Format Blog erm\u00f6glicht, verlangen allerdings bei aller Freiheit selbstkritische und fremde Kontrollen. Mein autobiografischer Blog ist an eine anonyme Leserschaft gerichtet. Generell k\u00f6nnen sich alle Internetnutzer einloggen, beliebige Kapitel ausw\u00e4hlen und lesen und, wenn sie wollen, reaktiv in Form von Kommentaren darauf antworten. Entsprechend seiner thematischen Vielfalt richtet sich mein Blog potentiell an ganz unterschiedliche Internet-Nutzerkreise, an Leser, die an Lebensgeschichten interessiert sind, an wissenschaftliche Fachkreise aus Sozialwissenschaft, Politikwissenschaft, Philosophie, Theologie und anderen F\u00e4chern, an lokalgeschichtlich und familiengeschichtlich\u00a0 interessierte Personenkreise, also generell an Fachleute und Laien mit verschiedenem Ausbildungs- und Informationsstatus. Weil ich meinen Blog nicht als Tagebuch angelegt habe, das zu einem t\u00e4glichen Meinungs- und Informationsaustausch anregen soll, sondern Themen, Fragestellungen, Ereignisse und Erlebnisse relativ ausf\u00fchrlich und anspruchsvoll behandle, verwende ich in der Regel die Berichts- und Erz\u00e4hlform als Stilmittel. Sie entspricht auch am besten den autobiografischen Absichten und Aufzeichnungen. Solcherma\u00dfen gestaltete Blog-Kapitel k\u00f6nnten es allerdings Nutzern erschweren, sich in Kommentaren zu den verschiedenen Inhalten zu \u00e4u\u00dfern. Auch die stilistische Form des Essays bietet sich an, k\u00f6nnte aber ebenfalls potenzielle Leser zur\u00fcckhalten, Kommentare zu schreiben. Damit steht der interaktive Charakter des Mediums Block in Frage. Thematische Vielf\u00e4ltigkeit und Anspruchsniveau bestimmen also die stilistischen Darstellungsweisen. Eigentlich m\u00fcsste ich ein professioneller Kommunikations- und Informationsexperte sein, um Stilmittel thematisch angemessen einsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und hier kommt das Lektorat ins Spiel. Es gibt in meinem Fall noch eine besondere stilistische Problematik, die darin liegt, dass ich als Wissenschaftler und Universit\u00e4tsprofessor von den 1960er Jahren an bis heute ununterbrochen publizistisch t\u00e4tig gewesen bin. Ich habe von der Pike an die Regeln und Methoden wissenschaftlichen Schreibens gelernt und befolgt. Ich habe mehrere B\u00fccher verfasst und zahlreiche Artikel geschrieben. Alles Schreiben war der Forderung nach sachlicher Pr\u00e4zision unterworfen. Die Ich-Perspektive war verp\u00f6nt. Zu den Charakteristika der Wissenschaftssprache geh\u00f6ren Sachlichkeit Genauigkeit, Klarheit, argumentative Erkenntnisvermittlung, Vermeidung von Ich-Bezogenheit und pers\u00f6nlicher Emotionalit\u00e4t.\u00a0 Nat\u00fcrlich habe ich im Laufe der vielen Jahre eine pers\u00f6nliche \u201eHandschrift\u201c entwickelt. Dabei haben sich auch stilistische und argumentative \u201eUnarten\u201c eingeschlichen und verfestigt. Ich neige zu \u00fcberakribischen Beschreibungen, zu umst\u00e4ndlichen Formulierungen, zu Wiederholungen und \u00fcbertreibe ein wenig die in der Wissenschaft gebotene entpers\u00f6nlichte, \u201erein sachliche\u201c Darstellungsweise. Zu glauben, dass diese jahrzehntelangen \u201eSchreib\u00fcbungen\u201c einen dazu pr\u00e4destinieren, einen Blog zu pflegen, geht fehl. Im Gegenteil: Sie sind eher hinderlich, weil die einge\u00fcbte wissenschaftliche Darstellungsweise dem Medium und Format Blog, es sei denn, er wurde von vorne herein f\u00fcr fachwissenschaftliche Zwecke eingerichtet, widerspricht. Quellenangaben und Belege, eine eiserne Pflicht in der Wissenschaft, sind zwar bei anspruchsvollen Blog-Themen nicht ganz vermeidbar, sie m\u00fcssen aber auf ein geringes Ma\u00df reduziert werden. Das Medium Blog, besonders seine autobiografische Variante, zeichnet dagegen ein hohes Ma\u00df an Ich-Bezogenheit und Emotionalit\u00e4t aus. Berichte und Erz\u00e4hlungen sind auf den Autor zentriert. Er teilt seine Meinungen, seine Einstellungen, Gef\u00fchle, Gedanken und Erkenntnisse mit und erhofft eine kommunikative Resonanz. Am Anfang meines Bloggens war mir das alles nicht so klar. Ich musste um- und dazulernen. Es war nicht leicht und einfach, aus dem Wissenschaftler einen Blogger werden zu lassen.<\/p>\n<p>Dazu brauchte ich, wie sich rasch ergab, die professionelle Hilfe eines Lektorats. Frau Nina Eisen, meine Lektorin, griff ein und ermahnte mich oftmals, meinen wissenschaftlichen Stil zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, die subjektive Berichts- und Erz\u00e4hlform viel st\u00e4rker zu betonen und, wo immer es auch geht, aus der Ich-Perspektive zu schreiben. Der potenzielle Leser m\u00fcsse auch emotional hineingezogen werden. Nina Eisen \u00fcberpr\u00fcfte jedes Kapitel auf stilistische und inhaltliche M\u00e4ngel und lie\u00df keine Passage durchgehen, in der ich pers\u00f6nlich erlebte Ereignisse und Vorg\u00e4nge zu umst\u00e4ndlich und trocken dargestellt hatte. Ohne ihre kreativen Empfehlungen, konkreten Vorschl\u00e4ge und wiederholten Eingriffe in Texte w\u00e4re manches Kapitel schwer genie\u00dfbar geblieben. Der Wissenschaftler Mintzel kam aber in einigen Kapiteln immer wieder stilistisch zum Vorschein, vor allem in den Kapiteln, die speziell meine Rolle als Wissenschaftler betrafen (sieh zum Beispiel die Blog-Kapitel 32, 43 und 46). Mein autobiografischer Blog bleibt f\u00fcr mich ein interessantes schriftstellerisches Experimentierfeld. Ich studiere von Blog-Kapitel zu Blog-Kapitel seine Funktionsweisen und lerne aus meinen Fehlern. Es macht mir ausgesprochen Spa\u00df, im hohen Alter mit diesem Medium zu arbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u201eRuhest\u00f6rung\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Zur Ich-Bezogenheit, Emotionalit\u00e4t und Privatheit, zu diesen Verbotsnormen wissenschaftlicher Darstellungsweisen ein aktuelles Beispiel. In der Wochenendausgabe der S\u00fcddeutschen Zeitung vom 6.\/7. April 2019 (Nr. 82, S. 30) wurde berichtet, dass ein Privatsender die \u00d6ffnung eines alt\u00e4gyptischen Grabes in \u00c4gypten in Echtzeit live \u00fcbertr\u00e4gt. Eine Sensation! Der \u00c4gyptologe Michael H\u00f6veler-M\u00fcller wird den Vorgang vor laufender Kamera im deutschen Fernsehen kommentieren. H\u00f6veler-M\u00fcller wurde von der S\u00fcddeutschen Zeitung vorab gefragt, ob diese Grabkammer bislang sein aufregendster Fund gewesen sei. Der \u00c4gyptologe antwortete: \u201eMein erster Skelettfund 1998. Das Grab war 6000 Jahre alt und v\u00f6llig unber\u00fchrt. Es war ein Sandgrab, noch ganz am Anfang der \u00e4gyptischen Geschichte, auf einem sehr elit\u00e4ren Friedhof, auf dem rund 500 Jahre sp\u00e4ter die ersten K\u00f6nige \u00c4gyptens beigesetzt werden sollten. Das Skelett lag auf der Seite und die Beine waren angezogen, wie bei einem F\u00f6tus. Er war in ein Fell geh\u00fcllt und hatte Gef\u00e4\u00dfe bei sich und Schmuck und Waffen. Ich war der erste Mensch, der dieses Grab ge\u00f6ffnet hat.\u201c Die n\u00e4chste Frage des SZ-Interviewers: \u201eWas empfand man da?\u201c [warum das entpers\u00f6nlichende \u201eman\u201c, warum nicht \u201eSie\u201c? \u2013\u00a0 A.M.].\u00a0 Darauf H\u00f6veler-M\u00fcller: \u201eIch muss sagen: Ich hatte Schuldgef\u00fchle. Ich wollte immer so ein ungest\u00f6rtes Grab finden, und als ich es dann endlich gefunden hatte, habe ich mich ganz schlecht gef\u00fchlt. Weil ich der erste Mensch nach 6000 Jahren war, der die Ruhe dieses Toten gest\u00f6rt hat. Ich habe dann an die Menschen gedacht, die hier wohl am Rand der Grube standen, geweint haben und ihrem Angeh\u00f6rigen Opfergaben mit ins Grab gegeben haben. Ich fand das ganz makaber. Ich hatte lange daran zu knabbern.\u201c<\/p>\n<p>Auf die erste Frage antwortet der \u00c4gyptologe sachlich und n\u00fcchtern in der Sprache der Wissenschaft. Er k\u00f6nnte nun des Weiteren schildern, mit welchen modernen Techniken die Arch\u00e4ologie das Grab und seine Inhalte untersucht und welche Erkenntnisse dabei gewonnen werden k\u00f6nnen. Aber auf die zweite Frage antwortet der Forscher emotional. Er spricht dar\u00fcber, wie ihn das in Fell gekleidete Skelett und die Situation am Grab psychisch und mental ergriffen haben. Er gibt seine pers\u00f6nlichen Gef\u00fchle preis, sein Erschaudern, sein Schuldgef\u00fchl, die Totenruhe gest\u00f6rt zu haben. Das alle geh\u00f6rt nicht in den streng wissenschaftlichen Forschungsbericht der Arch\u00e4ologie. Das geh\u00f6rt in den Bereich des pers\u00f6nlichen Erlebens und in die \u201ePsychologie der Forschung.\u201c \u00a0Der Wissenschaftler k\u00f6nnte als Blogger frei dar\u00fcber berichten. Eine Mischform aus wissenschaftlichen Bericht und Schilderung pers\u00f6nlicher Gef\u00fchle w\u00fcrde seinen Blog vermutlich besonders interessant machen. Meine Lektorin Nina Eisen hat den Wissenschaftler Mintzel immer wieder aufgefordert, die ganz pers\u00f6nliche Komponente und Perspektive aufzuzeigen und den Leser mit stilistischer Lockerheit und ungezwungen in seine Gedanken- und Erlebniswelt mitzunehmen. Das war allerdings von Anfang an meine Absicht gewesen. Allein mit der Umsetzung haperte es wiederholt.<\/p>\n<p>Die Ich-Bezogenheit und autorzentrierte Darstellungsweise, die Autobiografien eigen sind, garantieren allerdings nicht automatisch eine spannende Lekt\u00fcre. Das trifft auf die Buchform ebenso zu wie auf einen autobiografischen Blog. Der emeritierte Politikwissenschaftler und ehemalige bayerische Kultusminister (1970\u20131986) Hans Maier hat in seiner Autobiografie \u201eB\u00f6se Jahre, gute Jahre. Ein Leben 1931 ff.\u201c, die 2012 erschienen ist, einen \u2013 so sehe ich das \u2013 in Teilen langweiligen Lebens- und Arbeitsbericht vorgelegt. Man liest seine Selbstdarstellung an und ist bald erschlagen von so viel Selbstsicherheit, stets auf der richtigen Seite gestanden, stets das Richtige geglaubt und getan zu haben, immer zu den Guten gez\u00e4hlt und ein makelloses, ehrenvolles Leben gef\u00fchrt zu haben. Wenig Zweifel, keine Irrt\u00fcmer, keine Rebellion. Pers\u00f6nliche und berufliche Fehlentscheidungen werden bestenfalls angedeutet. In seinen Kapiteln \u00fcber die 1968er-Bewegung und ihre Auswirkungen bezieht Hans Maier eine entschieden katholisch-konservative Verteidigungsposition, wehrt und wertet die 1968er-Bewegung vehement ab und sieht in ihr nur Unvernunft und Irrsinn wirksam. Er \u00e4u\u00dfert sich s\u00fcffisant \u00fcber einen renommierten Kollegen. Er derbleckt, wie man in Bayern sagt, den Berliner Historiker Karl Dietrich Erdmann und zeigt dabei seine abgrundtiefe Abneigung gegen die 1968er-Bewegung und Intellektuelle. Ich zitiere Maier:<\/p>\n<p>\u201eIch erinnere mich auch an die Berichte \u00fcber die Beisetzung Ohnesorgs in Hannover und an die Rede, die J\u00fcrgen Habermas, der umjubelte Sprecher, aber auch kritische Begleiter der Revolte, bei dieser Gelegenheit hielt. Hier fiel zum ersten Mal sein Wort vom ,linken Faschismus\u2018; es galt Rudi Dutschke, den ich in Berlin mehrfach bei Demonstrationen erlebt hatte und der mir in seiner Verbindung von fanatischer Entschlossenheit, Gesinnungseifer und oft ziellosen Aktionen tief fremd war. Aber ich habe auch andere Reaktionen erlebt: Ein so n\u00fcchterner Kollege wie Karl Dietrich Erdmann fl\u00fcsterte mir einmal w\u00e4hrend einer Dutschke\u2013Rede, die wir im Radio h\u00f6rten, begeistert zu: ,Der junge Luther! Der junge Luther!\u2018 Das Attentat auf Dutschke im folgenden Jahr \u2013 ver\u00fcbt von einem Hitler-Anh\u00e4nger aus M\u00fcnchen \u2013 hat mich entsetzt und ersch\u00fcttert, es war der eigentliche Auftakt zu den Osterunruhen\u00a0 1968, mit denen der studentische Protest in eine breite \u00d6ffentlichkeit schlug.\u201c (ebda., S. 160)<\/p>\n<p>Fast automatisch stellt sich bei mir angesichts so fester Gewissheiten und Selbstgef\u00e4lligkeiten die Assoziationskette ein: \u201ekatholisch, brav, bieder, gottergeben, langweilig\u201c. Aber das ist nat\u00fcrlich ein Klischee. Der katholische Rebell Heiner Gei\u00dfler (CDU), dem ich meinen Respekt gezollt und ein ganzes Blog-Kapitel gewidmet habe, beweist das Gegenteil. Gei\u00dfler hat mich mitgerissen in seinen rebellischen Ausf\u00fchrungen zur Frage \u201eKann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?\u201c (siehe Blog-Kapitel 44). Hans Maiers autobiografische Berichte haben mich als Zeitgenosse, der zwanzig Jahre lang in Westberlin, einem Hauptbrennpunkt der 1968er-Bewegung, hautnah die APO-Zeit miterlebt hat (siehe Blog-Kapitel 14,15 und 18), interessiert, aber nicht innerlich ergriffen. Ich sah mich mit seiner Position und Einsch\u00e4tzung konfrontiert und dachte noch einmal \u00fcber mein eigenes Denken und Handeln in jenen turbulenten Jahren nach. Insoweit waren diese Kapitel f\u00fcr mich spannend. Meine Sympathien geh\u00f6ren aber, so sp\u00fcre ich es innerlich, mehr Rebellen wie Heiner Gei\u00dfler, weniger so braven und feinsinnigen Hochschullehrern wie Hans Maier.<\/p>\n<p>Ich erfahre bei der Lekt\u00fcre autobiografischer Berichte und Erz\u00e4hlungen viel \u00fcber mich. Trifft das auch auf potenzielle und tats\u00e4chliche Leser und Leserinnen meines Blogs zu? Wie kommen meine Blog-Kapitel beim Rezipienten an, was l\u00f6sen sie aus? Ich wei\u00df es nicht. Bisher wurden nur wenige Kommentare gepostet. Und die waren \u00e4u\u00dferst knapp.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die EU-Urheberrechtsreform (2019) aus der Sicht meiner Blogger-Praxis<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt noch andere Gr\u00fcnde, mich mit dem Medium und Format des Blogs als solchem zu befassen und aus meiner Blogger-Praxis zu berichten. Ein Grund ist, dass ich angefangen habe, in die einzelnen Blog-Kapiteln Bildmaterial einzuf\u00fcgen: private Fotos, schriftliche und gedruckte Dokumente, Ablichtungen von Korrespondenzen, Abbildungen von eigenen k\u00fcnstlerischen Werken und Skizzen, Zeitungsauschnitte und anderes. Ich bin \u00fcberzeugt, dass die Abbildungen die Inhalte der Blog-Texte ungemein verlebendigen. Genannte und zitierte Personen erscheinen im Bild und r\u00fccken uns ganz nahe. Politische Flugbl\u00e4tter veranschaulichen die damaligen Kontroversen und Konflikte. M\u00f6gen die Darstellungseisen meiner Blog-Texte auch gut gelungen sein, Abbildungen bringen uns vieles optisch noch n\u00e4her. Wir leben im Zeitalter des digitalen Bildes. Das gilt ebenso f\u00fcr das Medium Blog und gerade auch f\u00fcr seine autobiografische Variante. Der andere Grund ist die Verabschiedung der EU-Datenschutz-Grundverordnung Ende M\u00e4rz im europ\u00e4ischen Parlament. Die heftigen Auseinandersetzungen dar\u00fcber gehen mich als Blogger direkt an, weil sowohl meine Texte als auch mein beigegebenes Bildmaterial rechtlichen Rahmenbedingungen des Urheberrechtsschutzes unterliegen. Ich habe mich deshalb \u00fcber Wochen intensiv mit den Debatten und Berichten \u00fcber die umstrittenen Artikel befasst und die Konsequenzen f\u00fcr mein Bloggen gepr\u00fcft. Der aktuelle Einschub dieses Blog-Kapitels ist nicht zuletzt diesen rechtlichen Streitfragen geschuldet, \u00fcber die ich hier allerdings nicht in aller Ausf\u00fchrlichkeit diskutieren will und kann. Die Materie ist zu komplex. Eines ist aber gewiss: Ich benutze urheberrechtlich gesch\u00fctzte Bilder und Texte und bewege ich in einem weiten Graubereich. Es k\u00f6nnte sein, dass ich in dem einen oder anderen Fall sogar Pers\u00f6nlichkeitsrechte und strafrechtliche Normen verletze. Jedenfalls muss ich als Blogger, der es nicht mit einem freundlichen Hin- und Her von unverf\u00e4nglichen Gedanken- und Meinungssplittern bewenden l\u00e4sst, die einschl\u00e4gigen Rechte bedenken und beachten. Unter urheberrechtlichen Gesichtspunkten darf ich mit einer gewissen Kulanz der Rechtseigent\u00fcmer (copyright) rechnen, weil mein Blog, wie ich eingangs schon hervorgehoben habe, kein gewinnorientiertes\u00a0 gewerbliches Unternehmen ist, sondern\u00a0 ein autonomes, pers\u00f6nliches\u00a0 Non-Profit-Projekt, das obendrein der Dokumentation einer Zeitzeugenschaft dient. Die S\u00fcddeutsche Zeitung hat mir deshalb \u2013 um ein Beispiel zu erw\u00e4hnen &#8211; \u00a0auf meine Bitte hin, Textausz\u00fcge und Abbildungen zu genehmigen, \u201edie Online-Nutzung von bis zu zehn SZ-Artikeln\/Titelseiten kostenfrei\u201c erlaubt (Syndikation S\u00fcddeutsche Zeitung, 11.03.2019). Auch das geh\u00f6rt, wie ich meine, in den Werkstattbericht eines Bloggers.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ankunft in der \u201esch\u00f6nen\u201c digitalen Welt Ich war bis zu meiner Entpflichtung im Jahre 2000 bez\u00fcglich der Neuen Medien in einem selbstverschuldeten Laienstand oder, krasser ausgedr\u00fcckt, in digitalen Dingen ein \u201eIdiot\u201c. Meine Blogger-Karriere begann erst vor wenigen Jahren, eigentlich zu sp\u00e4t. 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