{"id":853,"date":"2019-06-02T12:17:16","date_gmt":"2019-06-02T10:17:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=853"},"modified":"2021-04-01T22:53:13","modified_gmt":"2021-04-01T20:53:13","slug":"60-gott-vor-dem-internationalen-gerichtshof-fuer-menschenrechte-prozessprotokolle-urteil-und-vollzug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2019\/06\/02\/60-gott-vor-dem-internationalen-gerichtshof-fuer-menschenrechte-prozessprotokolle-urteil-und-vollzug\/","title":{"rendered":"61.Das Geheimnis der Artemis \u2013 Kunsttheoretische \u00dcberlegungen"},"content":{"rendered":"<p>(Aus Anlass meiner aktiven Teilnahme an zwei Kunst-Werk-Wochen im Rottal, Juli und September 2019: Modellieren, Abformen, Gie\u00dfen)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-990\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-artemis-L-M-R-700x410.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"410\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-artemis-L-M-R.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-artemis-L-M-R-300x176.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><br \/>\n<em>Das Geheimnis der Artemis, 2019<\/em><br \/>\n<em>von links hinten \u2013 von vorne \u2013 von rechts<br \/>\nFoto: Alf Mintzel<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Naturform \u2013 Artefakt<\/strong><\/p>\n<p>Fundst\u00fccke aus der Natur, die ich wegen ihrer Sch\u00f6nheit in Artefakte verwandelt habe, erinnern an von Menschen geschaffene pr\u00e4historische Figurine und zugleich an Kunstsch\u00f6pfungen der Moderne, wie zum Beispiel von Tony Cragg oder auch Hans Arp (Beispiel: Menschliche Konkretionen, 1936; Der Wolkenhirt, 1953), E. Chillida (Beispiel: Forma, 1948) und Henry Moore. Sie haben mich herausgefordert, dar\u00fcber nachzudenken, was passiert, wenn ich Gebilde der Natur in Kontexte menschlicher Kultur \u00fcberf\u00fchre und sie so m\u00f6glicherweise zu Kunstobjekten mache. Hierzu ein paar problemumkreisende \u00dcberlegungen und vorl\u00e4ufige Antworten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-991\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020015-700x1044.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1044\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020015.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020015-201x300.jpg 201w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Naturfund, unbearbeitet; die k\u00f6rnige Sandsteinstruktur des L\u00f6\u00dfbodens ist noch deutlich zu sehen. Sp\u00e4ter die Kleinplastik \u201eTorso der verschwundenen Venus\u201d, 2019, <\/em><br \/>\n<em>22,5 cm x 13,5 cm x 6 cm<\/em><br \/>\n<em>Foto: Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>\u00dcbernahme eines Produkts der Natur in die Welt menschlicher Artefakte<\/strong><\/p>\n<p>Das menschliche Auge sieht in der Gestalt eines Naturgegenstandes (Stein, Holzklotz, Erdklumpen, Wolke etc.) und in seinen Oberfl\u00e4chenstrukturen bildhafte Erscheinungen. Was die Natur durch blinden Zufall an Gebilden hervorgebracht hat, wird durch das ikonografische Ged\u00e4chtnis und Sehen des Menschen bildhaft in etwas anderes umgesetzt. Ein zu einem Klumpen gebackener Erdklo\u00df wird durch das bildhafte Sehen zu einem weiblichen Torso, oder allgemein, zu einer anthropomorphen Figurine. Ein runder Kieselstein wird mit seinen kleinen ausgewaschenen H\u00f6hlungen als menschlicher Kopf mit Gesicht wahrgenommen. Der Umriss eines Steines wird zur Silhouette eines Tieres. Und da, wo eine L\u00fccke besteht, wo etwas zu fehlen scheint, erg\u00e4nzt das menschliche Auge das Fehlende zu einem m\u00f6glichen Ganzen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlichkeiten erm\u00f6glichen verschiedene Deutungen. Das bildhafte Sehen des Menschen ist somit eine Voraussetzung f\u00fcr die \u00dcbersetzung einer Naturform\/-gestalt in seine Bildwelten. Ein Stein, ein Holzst\u00fcck, ein Klumpen Erde wird \u00fcbersetzt in ein Idol, Votiv, in einen Torso oder in ein anderes Artefakt. Die \u00c4hnlichkeit zuf\u00e4lliger Naturformen und naturhafter Gestaltungen mit bildlichen Vorstellungen des Menschen bewirkt einen Verwandlungsprozess. Unser bildhaftes Denken und Sehen ist die Voraussetzung daf\u00fcr, dass ein zuf\u00e4lliges Naturgebilde durch die menschliche bildhafte Sehweise zu einer anthropomorphen Kleinplastik wird. Ohne diese geistige F\u00e4higkeit zur Umdeutung einer Naturform\/-gestalt bliebe das Gebilde eben nur das, was es eigentlich ist, n\u00e4mlich ein bedeutungsloses Ding der Natur. Das zuf\u00e4llige Naturprodukt, wird zu einem Artefakt (kulturellem Bestandteil), indem es aus seinem nat\u00fcrlichen Kontext entnommen und in einen kulturellen Kontext transferiert wird. Ist er aber durch diesen Transfer schon ein Kunstprodukt geworden? Das ist die Frage.<\/p>\n<p>Die menschen\u00e4hnlich gestalteten Osteokollen, die ich gefunden habe (zu Begriff und Gegenstand siehe unten), bleiben, so k\u00f6nnte eingewandt werden, auch nach ihrer Umsetzung in einen kulturellen Kontext zun\u00e4chst von der Natur hervorgebrachte und gestaltete Gebilde. Erst dadurch, dass ich ihnen eine \u00e4sthetische Bedeutung verleihe und in ihnen zum Beispiel anthropomorphe Figurinen sehe, mache ich die Osteokollen zu m\u00f6glichen Kandidaten f\u00fcr das Kunstschaffen. Ich muss sie erst zu einem Gegenstand der Kunst erheben.<\/p>\n<p><strong>Was alles kann Kunst sein?<\/strong><\/p>\n<p>Es wird viel \u00fcber Kunst geredet, doch ist es schwer, ihre Eigenart pr\u00e4zise zu erfassen. Im Laufe der Zeit hat der Mensch verschiedene \u00e4sthetische Lehren entwickelt und kontroverse Positionen \u00fcber die Frage bezogen, welche menschlichen Artefakte als Kunst gelten d\u00fcrfen und welche nicht. Wor\u00fcber reden wir, wenn wir \u00fcber Kunst reden? Die Unsicherheit ist mit der Ausdifferenzierung zahlreicher Macharten und Stile gewachsen. K\u00fcnstler wie berufliche Kunsterkl\u00e4rer haben im 20. Jahrhundert unterschiedliche Positionen bezogen, darunter auch Extrempositionen. F\u00fcr eine hinl\u00e4ngliche Kl\u00e4rung des Verh\u00e4ltnisses von Natur und Kunst werden verschiedene Aspekte in Betracht gezogen: Die Natur als k\u00fcnstlerische Inspirationsquelle, die Natur als K\u00fcnstlerin, \u00a0die Erfindung der Natur, Natur als Kunst, die Synthese von Natur und Kunst, Naturmaterialien in der zeitgen\u00f6ssischen Kunst &#8211; das sind Stichworte der aktuellen \u00e4sthetisch-theoretischen Diskussionen und kunstphilosophischer Kl\u00e4rungsversuche. Wir kommen nicht um eine \u00c4sthetik und Kategorisierung herum. Was ist Kunst? Welche Materialien benutzt Kunst? Bedarf es eines erweiterten Kunstbegriffes \u00e0 la Joseph Beuys, um zuf\u00e4llig gefundene Naturgebilde unter bestimmten Bedingungen als Kunstobjekte bezeichnen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><strong>Exemplare naturgeformter plastischer Gebilde<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1006\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020426b-700x377.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020426b.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020426b-300x162.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><br \/>\n<em>Ensemble von f\u00fcnf Beispielen<\/em><br \/>\n<em>Foto: Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Natursch\u00f6nheit \u2013 Kunstsch\u00f6nheit<\/strong><\/p>\n<p>Die Bezeichnung Osteokolle (im Plural Osteokollen) ist aus den altgriechischen W\u00f6rtern \u201eosteon\u201c und \u201ekolla\u201c zusammengesetzt. Osteon hei\u00dft der Knochen, \u201ekolla\u201c der Leim. Der Theologe Thomas Erasmus berichtet 1590 \u00fcber verkalkte Wurzeln, die er \u201elapis sabulosus\u201c nennt. Mit dieser Bezeichnung kam Thomas Erasmus dem Entstehungsprozess im sandigen Boden nahe.<\/p>\n<p>Geographisch und geologisch haben sich Osteokollen in postglazialen L\u00f6\u00dfgebieten im Umfeld der vereisten Gebiete gebildet. L\u00f6\u00df besteht aus angewehten und abgelagerten Sanden der Inter- und Postglazialzeit. In diesen Sanden sind alle Gesteinsanteile der glazialen Gesteinsabtragungen enthalten, darunter ein hoher Anteil Kalk. Durch Sickerwasser gelangt der Kalkanteil in tiefergelegene Sandschichten und lagert sich dort ab. Diese Kalkauswaschungen sammeln sich an Baum- und Strauchwurzeln, die in den angewehten und angelagerten Sanden stehengeblieben waren, verfestigen sich und wachsen allm\u00e4hlich um die Wurzel herum, je nach Wurzelwerk und Kalkzufuhr, zu verschiedenen Gebilden heran. Je nach organischen Entstehungsbedingungen, ob kleine oder gro\u00dfe, ob verzweigte oder dicke Wurzeln, und je nach der Menge der Kalkzufuhr entstehen in diesem Prozess vielgestaltige mineralische Aggregate, Konkretionen genannt. Die Gr\u00f6\u00dfe von Osteokollen variiert von wenigen Zentimetern bis zu einer Gr\u00f6\u00dfe von drei\u00dfig und mehr Zentimetern.\u00a0 Der Formenreichtum dieser Gebilde reicht von bizarren kleinen \u201eW\u00fcrstchen\u201c und \u201eWichtelfiguren\u201c (im Volksmund L\u00f6\u00dfkindl, L\u00f6\u00dfpuppen und Steinm\u00e4nnle genannt) bis zu gr\u00f6\u00dferen, anthropomorph anmutenden Gebilden, die pr\u00e4historische und moderne K\u00fcnstler geschaffen haben k\u00f6nnten. Manche Exemplare sind so sch\u00f6n gestaltet und \u00e4sthetisch perfekt geformt, dass man ohne das Wissen von Entstehung und Herkunft dieser Gebilde meinen k\u00f6nnte, es handle sich tats\u00e4chlich um k\u00fcnstlerische Werkst\u00fccke des Menschen. (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Osteokolle\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Osteokolle<\/a>, abgerufen 01.06.2019; <a href=\"https:\/\/www.bgr.bund,de\/DE\/Themen\/Sammugen-Grungla...abgerufen\">https:\/\/www.bgr.bund,de\/DE\/Themen\/Sammugen-Grungla&#8230;abgerufen<\/a> 01.06.2019)<\/p>\n<p>Meine Fundst\u00fccke erinnern mich an aufrechtstehende und liegende Frauenk\u00f6rper, an archaische G\u00f6ttinnen und an abstrahierend fig\u00fcrliche Plastiken der klassischen und zeitgen\u00f6ssischen Moderne. Ich bin fasziniert von ihrer Sch\u00f6nheit. Doch blieben sie, was immer ich in sie hineindeute, so k\u00f6nnte mir entgegengehalten werden, Naturprodukte, keine von menschlicher Hand geformte \u00e4sthetische Gebilde. Noch einmal zur\u00fcck zur Frage, was ist Kunst?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1000\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020152-700x865.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"865\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020152.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020152-243x300.jpg 243w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel bei der Einbettung eines Naturmodells in Ton \u2013 erster Arbeitsschritt, Juli 2019<\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em><strong>Extreme kunsttheoretische Positionen<\/strong><\/p>\n<p>Theodor W. Adorno hat der Kunst eine kritisch-utopische Funktion zugewiesen. \u201eAngesichts dessen, wozu sich die Realit\u00e4t auswuchs, ist das affirmative Wesen der Kunst, ihr unausweichlich, zum Unertr\u00e4glichen geworden\u201c (Theodor W. Adorno: \u00c4sthetische Theorie, Frankfurt am Main 1973, S.10). Nach den Massenvernichtungslagern und bestialischen Katastrophen jedweder Art des 20. Jahrhunderts st\u00fcnde gerade auch die Kunst in deren Zeichen. \u201eNach den realen Katastrophen und im Angesicht kommender\u201c habe die Kunst ihre Selbstverst\u00e4ndlichkeit eingeb\u00fc\u00dft. Es komme nicht nur auf die Qualit\u00e4t der \u00e4sthetischen Formalien an, sondern auf die inhaltlichen Aussagen zum Weltgeschehen. Kunst m\u00fcsse, um ihrer humanen Aufgabe zu gen\u00fcgen, die Schrecken und inhumanen Widerspr\u00fcche aufzeigen und auf utopische M\u00f6glichkeiten hinweisen. In diesem Sinne sind meine im Blog-Kapitel 58 abgebildeten Lithografien zu Themen wie \u201eSchrecken des Krieges\u201c und \u201eFolter\u201c humane Anklagen.<\/p>\n<p>Joseph Beuys proklamierte den vielzitierten \u201eerweiterten Kunstbegriff\u201c. Jeder Mensch besitze allgemein sch\u00f6pferische F\u00e4higkeiten, die, so sein k\u00fcnstlerisches Programm, erkannt, ausgebildet und in allen Lebensbereichen und gesellschaftlichen Sektoren zur Geltung gebracht werden sollten. Beuys setzt Kunst mit Kreativit\u00e4t gleich. Jeder Mensch sei im Grunde ein K\u00fcnstler, wie \u00fcberhaupt das Leben ein Kunstwerk sei. Zumindest habe jeder Mensch das Zeug dazu. Diese Erweiterung des Kunstbegriffs scheint mir h\u00f6chst problematisch zu sein. Sie f\u00fchrt, so denke ich, ins Nebulose und in eine grenzenlose Beliebigkeit. \u00c4sthetische und handwerklich-technische Standards werden zugunsten einer willk\u00fcrlichen Definition und aktionistischen Praxis aufgegeben (siehe hierzu die hervorragende Analyse von Sandro Bocola \u201eDie Kunst der Moderne, S. 503\u2013540). Alles kann m\u00f6glicherweise als k\u00fcnstlerische \u00c4u\u00dferung und Leistung angesehen werden, also auch ein Transfer von Naturgebilden in menschliche Artefakte.<\/p>\n<p>Unter einem solcherma\u00dfen ausgeweiteten Kunstbegriff lie\u00dfen sich meine abgeformten Naturgebilde leicht subsummieren. Es gen\u00fcgte, sie gefunden, ausgew\u00e4hlt, handwerklich-technisch abgeformt, gegossen und mit einer anderen Bedeutung belegt zu haben. Nach diesem Konzept w\u00e4ren Entdeckung und Bearbeitung zweifellos kreative k\u00fcnstlerische Akte und deren Ergebnis ein Kunstobjekt. So gesehen bed\u00fcrfte es keiner weiteren \u00e4sthetisch-theoretischen Anstrengung mehr.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-993\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020077-700x1036.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1036\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020077.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020077-203x300.jpg 203w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Venusfigurine, R\u00fcckseite: Modell auf Tonbett gelegt, Au\u00dfenlinie des Modells festgelegt; unten Einguss- und Entl\u00fcftungst\u00fclle gesetzt<br \/>\nFoto: Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-992\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020074-700x480.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020074.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020074-300x206.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Naturmodell \u201eDas Geheimnis der Artemis\u201c in Ton eingebettet; links unten T\u00fclle f\u00fcr den Betonguss<br \/>\nFoto: Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-994\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020112-700x468.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"468\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020112.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020112-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Abformung des Naturmodells \u201eDas Geheimnis der Artemis\u201c in Ton (ocker) \/ Silikon (rosa)<br \/>\nFoto: Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-997\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020125-700x433.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020125.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020125-300x186.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Abformung des Naturmodells \u201eTorso aus fr\u00fcher Zeit\u201c; Einbettung auf Ton, Au\u00dfenlinie des Naturmodells festgelegt, links Einguss- und Entl\u00fcftungst\u00fclle<br \/>\nFoto: Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-995\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020113-700x1036.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1036\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020113.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020113-203x300.jpg 203w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Abformung des Naturmodells \u201eTorso der Verschwundenen Venus\u201c, 2. Arbeitsschritt<br \/>\nFoto: Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-996\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020120-700x1032.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1032\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020120.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020120-203x300.jpg 203w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Abformung des Naturmodells \u201eTorso der verschwundenen Venus\u201c, 3. Arbeitsschritt: Abdeckung mit Silikonschicht<br \/>\nFoto: Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-999\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020148-700x453.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"453\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020148.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020148-300x194.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Abformung des Naturmodells \u201ePostglaziales Idol\u201c<br \/>\nFoto: Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1001\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020198-700x468.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"468\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020198.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020198-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Gipskapseln mit Negativformen<\/em><br \/>\n<em>Foto: Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Readymade, Objet trouv\u00e9 oder doch nur handwerklich-technische Reproduktion einer Natursch\u00f6nheit?<\/strong><\/p>\n<p>Das Readymade ist nach gel\u00e4ufiger Definition ein handwerklich-technischer oder industriell vorgefertigter Gegenstand, den ein K\u00fcnstler ausw\u00e4hlt, kauft und durch Platzierung in einen Kontext mit seiner Signierung zu einem Kunstwerk erkl\u00e4rt. Der K\u00fcnstler l\u00f6st den Gegenstand aus seiner urspr\u00fcnglichen Funktion und verleiht ihm in einem individuellen Akt eine \u00e4sthetische Funktion. Bekannte Beispiele: Marcel Duchamps Signierung eines Urinals und Umbenennung in \u201eFountaine\u201c. Oder Duchamps \u201eFlaschentrockner\u201c, wie sie damals in franz\u00f6sischen Gasth\u00e4usern in Gebrauch waren. Duchamp sammelte vorgefertigte Alltagsgegenst\u00e4nde, gab ihnen einen anderen Namen, signierte sie, erkl\u00e4rte sie zu Kunstgegenst\u00e4nden und reichte sie bei Kunstausstellungen ein. Er schildert diese Umwandlung so:<br \/>\n<em>\u201eOb Mr. Mutt [sein Pseudonym] die Fontaine mit seinen eigenen H\u00e4nden gemacht hat oder nicht, hat keinerlei Bedeutung. Er hat sie AUSGEW\u00c4HLT. Er nahm einen gew\u00f6hnlichen Gegenstand des t\u00e4glichen Lebens, platzierte ihn so, dass seine n\u00fctzliche Signifikanz unter dem neuen Titel und Blickwinkel verschwand \u2013 schuf einen neuen Gedanken f\u00fcr das Objekt.&#8220; (zit. n. Partsch, S. 54)<\/em><\/p>\n<p>\u00dcbertr\u00e4gt man dieses Konzept auf meine Objekte, dann k\u00f6nnte man sagen: Ich habe von der Natur geformte, vorgefertigte Gebilde aus ihrem urspr\u00fcnglichen Kontext entnommen, sie mit einem Titel versehen, ihnen damit eine neue Bedeutung unterlegt, signiert und ihnen einen Platz in der Kunstwelt einger\u00e4umt. (Ich platziere allerdings meine Objekte nicht, wie Duchamp, im \u00e4sthetischen Sinn einer Anti-Kunst, sondern im Kanon klassischer Positionen). Auch bei meinen Kleinplastiken k\u00e4me es also nicht darauf an, ob ich sie mit eigenen H\u00e4nden gemacht oder nur AUSGEW\u00c4HLT habe. Entscheidend ist dar\u00fcber hinaus, den Osteokollen eine neue Bedeutung gegeben und sie in die Welt der K\u00fcnste gestellt zu haben.<\/p>\n<p>Das Objet trouv\u00e9 \u00a0hingegen, der gefundene Gegenstand, kann, muss aber nicht handwerklich-technisch oder industriell vorgefertigt sein. Es kann sich ebenso um ein St\u00fcck Holz, um Wurzelwerk, um einen Stein oder um andere anorganische oder organische Materialien handeln. Auch gefundene Gegenst\u00e4nde werden wie Readymades durch die Erfindung von Titeln mit neuer Bedeutung aufgeladen, die sie vorher nicht hatten. Pablo Picasso macht aus einer Lenkgabel und dem Sattel eines Fahrrades einen Stierkopf.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel: Osteokollen sind Fundst\u00fccke, die mir wegen ihrer Sch\u00f6nheit ins Auge gefallen sind. Ich habe sie aufgehoben und jene, die mir besonders sch\u00f6n erschienen, mit Titeln aus dem kulturellen Arsenal des Menschen versehen. In diesem Sinne sind es objet trouv\u00e9s. Doch bin ich nicht ihr Sch\u00f6pfer, nicht ihr k\u00fcnstlerischer Gestalter. Es sind von der Natur hervorgebrachte Gebilde, die in einem langen zeitlichen Prozess zuf\u00e4llig Formen angenommen haben, als w\u00e4ren sie von menschlicher K\u00fcnstlerhand geschaffen worden. Das Natursch\u00f6ne entsteht aus einem nat\u00fcrlichen Grund, sei es ein physikalischer, geologischer oder anderer bewusstseinsloser Vorgang. Kunstwerke sind hingegen per definitionem Produkte bewusster menschlicher T\u00e4tigkeit. Ich bin durch die Akte der kulturellen Aneignung, des Auffindens, der Abformung, des Gie\u00dfens und der Bedeutungszuweisung zu einem \u201eMitsch\u00f6pfer\u201c geworden. Ich habe die Naturgebilde kraft meiner \u201eikonografischen\u201c Anschauung entdeckt und ihre sch\u00f6ne Gestaltung f\u00fcr kunstw\u00fcrdig erkl\u00e4rt. Die Gebilde sind, so besehen, beides, prim\u00e4r Hervorbringungen der Natur und sekund\u00e4r meine Sch\u00f6pfungen. Ich schreibe dem Akt meiner \u00e4sthetischen Entdeckung eine Art Transsubstantiationskraft (siehe Willi Baumeister, S. 46) zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Natur als K\u00fcnstlerin?<\/strong><\/p>\n<p>Natur kennt nicht, so sehe ich die Sachlage, die Kategorien der Sch\u00f6nheit und des H\u00e4sslichen. Die Natur bringt ihre Formen, Gebilde, Farben und sonstige Eigenschaften evolutiv hervor. Das Formen- und Farbenspiele, auch das weniger auff\u00e4llige und sch\u00f6ne, dient der Paarung, Best\u00e4ubung und Fortpflanzung, hat also eine biologische Funktion. Ist die \u201eVenus von Willendorf\u201c in der Evolution des Menschen ein Naturprodukt? Oder schon \u201ekunstverd\u00e4chtig\u201c?<br \/>\nDie Natur ist an sich \u00e4sthetisch v\u00f6llig indifferent. Die evolutiven Vorg\u00e4nge ereignen sich ohne \u00e4sthetische Absicht und Ma\u00dfst\u00e4be. Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr geophysikalische Vorg\u00e4nge, f\u00fcr erodierende Felsformationen, glazial geschliffene Steine, Sandrosen und viele andere physikalischen Gebilde. Die Natur ist sich ihrer Sch\u00f6nheit nicht bewusst. Sch\u00f6nheit als solche zu erleben, zu sehen und zu bezeichnen, ist eine menschliche F\u00e4higkeit. Wir Menschen sind es, die etwas als sch\u00f6n oder unsch\u00f6n werten und eine \u00c4sthetik entwickeln. Eine in einem Fluss angeschwemmte Holzwurzel mag noch so beeindruckend sch\u00f6ne Formen aufweisen, sch\u00f6n wird sie erst durch die \u00e4sthetische Zuschreibung des Menschen. Nicht die Wurzel empfindet sich als sch\u00f6n, sondern der Mensch schreibt der Wurzel Sch\u00f6nheit zu. Nicht die in Jahrhunderttausenden im L\u00f6\u00dfboden durch Auswaschungen gebildeten Osteokollen sehen sich als sch\u00f6nes Naturprodukt, sondern der Finder ist von ihrer sch\u00f6nen Gestaltung fasziniert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-998\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020143-700x1048.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1048\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020143.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020143-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel pr\u00fcft den Stand eines Naturmodells auf einem Sockel, Juli 2019<\/em><br \/>\n<em>Foto: Franziska Lankes<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1002\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020217-700x603.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"603\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020217.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020217-300x258.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel gibt dem Abguss \u201eTorso aus fr\u00fcher Zeit\u201c den letzten Schliff, September 2019<\/em><br \/>\n<em>Foto: Franziska Lankes<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1005\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020393-700x533.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020393.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020393-300x228.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020393-80x60.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Alf Mintzel in der Werkstatt, letzter Arbeitsgang: Behandlung der Sockel, November 2019<\/em><br \/>\n<em>Foto: Franziska Lankes<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pure Nature Art<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahre 2017 wurde auf die internationale Ausstellung \u201ePure Nature Art\u201c Naturmateriealien in der zeitgen\u00f6ssischen Kunst\u201c mit folgendem Text aufmerksam gemacht:<br \/>\n<em><strong>\u201eRespektvolle Aneignung des von der Natur Hervorgebrachten<\/strong><\/em><br \/>\n<em>F\u00fcr die Ausstellung wurden sechs internationale Positionen ausgew\u00e4hlt. Die \u00fcber 20 Installationen, Objekte, Wandarbeiten und Skulpturen aus Materialien wie Muscheln, Federn, Sepiaschalen, Bl\u00e4ttern, Kork, Pferdehaare oder Rosenbl\u00fcten lenken den Blick auf die Sch\u00f6nheit, Leichtigkeit und Fragilit\u00e4t der in der Natur aufzufindenden Materialien. Sie verweisen aber auch auf die faszinierende Systematik und gestaltende Kraft, die der Natur innewohnt. Bei dem Erforschen, Sammeln und Ordnen des Vorgefundenen, bei dem Erschaffen neuer Formen und Kontexte handelt es sich um eine respektvolle Aneignung des von der Natur Hervorgebrachten. Die Ausstellung liefert \u00fcberraschende und nachdenklich stimmende Anregungen, dem vielschichtigen Verh\u00e4ltnis von Kunst und Natur nachzusp\u00fcren.\u201c<\/em><br \/>\n(<a href=\"https:\/\/www.mkdw.de\/de\/ausstellung\/pure-nature-art-naturm...28.08.2019\">https:\/\/www.mkdw.de\/de\/ausstellung\/pure-nature-art-naturm&#8230;28.08.2019<\/a>)<\/p>\n<p>Die hier bezogenen Positionen stellen den Vorgang der Aneignung als Kunstschaffen in den Vordergrund, das Erforschen, Sammeln und Ordnen des von der Natur Hervorgebrachten und Vorgefundenen. Der gestaltenden Kraft wird nachgesp\u00fcrt, ihren Formen und Gebilden. Der Kunstbegriff wird offengehalten und nicht auf die sch\u00f6pferische T\u00e4tigkeit des Menschen beschr\u00e4nkt. Zwischen der \u201eLehrmeisterin Natur\u201c und der sch\u00f6pferischen Arbeit des Menschen besteht ein vielf\u00e4ltiges Wechselverh\u00e4ltnis, in dem immer neue Formen und Gebilde hervorgebracht werden. Doch auch in diesen Statements bleibt fraglich, was eigentlich welche Formen und Gebilde der Lehrmeisterin kunstw\u00fcrdig macht und was die genuine kreative Leistung des Menschen ausmacht, der sich respektvoll von der Natur Hervorgebrachtes aneignet. Solche Formulierungen lassen vieles offen. Ich habe mir die Osteokollen respektvoll angeeignet und bewundere ihre Sch\u00f6nheit. Nicht die \u201eLehrmeisterin Natur\u201c hat aus einigen ihrer vielgestaltigen Gebilde eine Aphrodite, Artemis, einen weiblichen Torso oder sonst eine anthropomorphe Gestalt gemacht (siehe Abbildungen), sondern ich. Ich sehe diese ikonografischen Gestaltungen in die von Natur aus blinden, das hei\u00dft a-kulturellen, Formen der Natur hinein. Die Antwort auf die Frage, ob sie hierdurch den Anspruch erf\u00fcllen, kunstw\u00fcrdig zu sein, h\u00e4ngt von der jeweiligen kunsttheoretischen Position ab.<br \/>\nDer Kunsthistoriker Hans Holl\u00e4nder (1932\u20132017) sagt hierzu Folgendes:<br \/>\n<em>\u201eDie Abenteuer der Ermittlung von Bildern in den Verstecken der Gesteine und die Wege des Zufalls bei der Anwendung von Prozeduren, deren Resultate anschlie\u00dfend weiterbearbeitet werden, sind \u00fcberaus mannigfaltig und nicht reglementierbar. Artistisches Material ist die Gesamtheit aller Dinge und ihrer Strukturen. Jede von ihnen kann auch ein Bild von etwas anderem sein, das wiederum seine Struktur hat, die der arbeitenden und bildenden Phantasie gewisse Deutungen nahelegt. Die Frage, welche dieser Bilder ,Kunst\u2018 sind oder nicht, die einst so rigorose Antworten erzwang, ist dabei ziemlich gleichg\u00fcltig, weil der T\u00e4tigkeitsbereich der Phantasien ohnehin nicht mit den Geltungsrevieren von Kunstbegriffen identisch ist. Kunstfertigkeit aber gerade dann vonn\u00f6ten ist, wenn aus dem Meer von Assoziationen die Entscheidung f\u00fcr ein bestimmtes Bild getroffen und dies dann auch hergestellt werden soll. Leonardos Exempel von der Vieldeutigkeit der Strukturen einer Mauer bleibt\u00a0 der beste und am meisten einleuchtende \u00a0Text zu diesem Problem, weil es sich nicht um einen kunsttheoretischen Text handelt\u201c<\/em><br \/>\n(Hans Holl\u00e4nder, 1997: Das Irregul\u00e4re, der Zufall und die sich selbst erfindende Natur, in: Edward Quinn: Max Ernst, S. 119).<br \/>\nHoll\u00e4nder hat bei seinen Betrachtungen zwar vor allem die Malerei und Grafik der Surrealisten im Blick, doch lassen sich diese auch auf plastische Gebilde \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Fazit meiner problemumkreisenden \u00dcberlegungen<\/strong><\/p>\n<p>In meinem konkreten Fall begegnen sich zuf\u00e4llig naturgeformte Sch\u00f6nheit und von Menschenhand geschaffene \u201eKunstsch\u00f6nheit\u201c auf eine verbl\u00fcffende Weise. Sie scheinen eine Synthese eingegangen zu sein. In der Natur vorgefundene nat\u00fcrliche Werkst\u00fccke und die k\u00fcnstlerischen Werkst\u00fccke des Menschen k\u00f6nnen sich in einem so hohen Ma\u00dfe \u00e4hneln, ja gleichen, dass eine strikte kategorische Trennung fraglich wird. Ich habe durch meine Aneignung neue Gesch\u00f6pfe kreiert, ich bin der Sch\u00f6pfer der Figurinen. Aus den Naturgebilden sind kulturelle Gegenst\u00e4nde geworden. Der Akt des Hineinsehens und der sch\u00f6pferischen Aneignung macht sie zu kulturellen Artefakten und \u2013 nach Machart und \u00e4sthetischen Regeln \u2013 m\u00f6glicherweise zu Kunstprodukten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1004\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020291-700x492.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020291.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020291-300x211.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-1003\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020289b-700x456.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"456\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020289b.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/61-P1020289b-300x195.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Werkstattatmosph\u00e4re, November 2019<\/em><br \/>\n<em>Auf dem Tisch meine Turbo-Beton-Abg\u00fcsse, zurechtgelegt f\u00fcr die Aufstellung auf Metallsockel<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Danksagung<br \/>\n<\/strong>Dem K\u00fcnstler und Kollegen Oswald Miedl (Linz), der bis 2005 den Lehrstuhl f\u00fcr Kunstp\u00e4dagogik und \u00e4sthetische Erziehung innehatte, danke ich f\u00fcr seine anregenden Kommentare und Hinweise. Dank schulde ich auch den K\u00fcnstlerinnen Franziska Lankes und Maya Franzen-Westermayer, den Leiterinnen der Kunst-Werk-Wochen im Rottal, f\u00fcr ihre Anleitungen und Hilfen bei der Durchf\u00fchrung meines Arbeitsprojektes. Die Gespr\u00e4che mit ihnen \u00fcber Arbeit und Sinn meines k\u00fcnstlerischen Vorhabens haben meine Selbstreflexionen gesch\u00e4rft. Besonders danke ich auch Andr\u00e9 Hasberg, der handwerklich exzellent die Sockel f\u00fcr meine Kleinplastiken angefertigt hat, und Georg Thuringer f\u00fcr die Bearbeitung der Fotodokumentation.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Zu Rate gezogene Literatur (kleine Auswahl)<br \/>\n<\/strong>Die Erfindung der Natur. Max Ernst, Paul Klee, Wols und das surreale Universum. Rombach 1994<br \/>\nEdward Quinn: Max Ernst. Beitr\u00e4ge von Max Ernst, U M. Schneede, Patrick Waldberg, Diane Waldmann, Z\u00fcrich und Freiburg i, B. 1976<br \/>\nSandro Bocola: Die Kunst der Moderne. Zur Struktur und Dynamik ihrer Entwicklung. Von Goya bis Beuys, M\u00fcnchen, New York 1997<br \/>\nMichael Hauskeller, 2000: Was ist Kunst? Positionen der \u00c4sthetik von Platon bis Danto, M\u00fcnchen beck\u2019sche reihe<br \/>\nSusanne Partsch, 2005: Die 101 wichtigsten Fragen. Moderne Kunst. M\u00fcnchen beck\u2019sche reihe<br \/>\nDieter Rahn, 1993: Die Plastik und die Dinge. Zum Streit zwischen Philosophie und Kunst. Rombach Verlag Freiburg<br \/>\nWilli Baumeister: Das Unbekannte in der Kunst Verlag M. DuMont Schauberg K\u00f6ln 1960.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Aus Anlass meiner aktiven Teilnahme an zwei Kunst-Werk-Wochen im Rottal, Juli und September 2019: Modellieren, Abformen, Gie\u00dfen) Das Geheimnis der Artemis, 2019 von links hinten \u2013 von vorne \u2013 von rechts Foto: Alf Mintzel Naturform \u2013 Artefakt Fundst\u00fccke aus der Natur, die ich wegen ihrer Sch\u00f6nheit in Artefakte verwandelt habe, erinnern an von Menschen geschaffene&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[869,877,873,875,865,871,868,882,878,870,867,880,881,872,879,874,866,883,876],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/853"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=853"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/853\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1013,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/853\/revisions\/1013"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}