{"id":91,"date":"2016-06-25T21:25:44","date_gmt":"2016-06-25T19:25:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=91"},"modified":"2019-04-09T03:22:11","modified_gmt":"2019-04-09T01:22:11","slug":"13-vom-politikfernen-kunststudenten-zum-politisch-interessierten-staatsbuerger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2016\/06\/25\/13-vom-politikfernen-kunststudenten-zum-politisch-interessierten-staatsbuerger\/","title":{"rendered":"13. Vom politikfernen Kunststudenten zum politisch interessierten Staatsb\u00fcrger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Die W\u00fcrfel waren gefallen, die Entscheidung f\u00fcr ein Studium an der Universit\u00e4t getroffen. Von 1960 bis 1975 zeichnete und malte ich nicht einmal mehr im Sinne eines Hobbys. Im Sommer 1960 sa\u00df ich zum letzen Mal an Monotypien und schuf eine Serie von Illustrationen zu Gedichten von Thomas Stearns Eliot (1888\u20131965). \u00dcberw\u00e4ltigt von der suggestiv polyfonen Sprachmelodie seiner Gedichte las ich Eliots Langgedichte \u203aThe Waste Land\u2039 (1922), \u203aThe Hollow Men\u2039 (1925) und \u203aAsh-Wednesday\u2039 (1930) viele Male in der englischen Originalsprache, \u00fcbersetzte sie und verlor mich in ihren Sprachbildern. Wie die Gedichtzyklen von Eliot, Pound, Benn und anderen, die ich so sehr sch\u00e4tzte, herrscht in ihnen eine d\u00fcstere Stimmung vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mit dem Studium der Rechtswissenschaften, das ich im Sommersemester 1959 an der Universit\u00e4t Hamburg aufnahm, begann eine Zeit des Hineintastens in eine akademische Welt mit vielf\u00e4ltigen wissenschaftlichen Angeboten. Meine Neugier beschr\u00e4nkte sich nicht auf die kanonisierten Lehrangebote des klassischen Jurastudiums. Von Anfang an lockten mich Vorlesungen in anderen F\u00e4chern, so die des prominenten Soziologen Ralf Dahrendorf \u00fcber seinen Entwurf einer soziologischen Revolutionstheorie, des Weiteren Vorlesungen \u00fcber Tiefenpsychologie und zeitgeschichtliche Themen. Das richtige Fachgebiet zu finden, sollte f\u00fcr mich eine der schwierigsten Fragen der Berufs- und Selbstfindung werden. Mir schwebte in hochgestimmten Momenten vor, in den diplomatischen Dienst zu gehen. Ich bewarb ich mich gleich zu Beginn des Jurastudiums bei der Fulbright-Stiftung um einen Studienplatz in den USA. Im Sommer 1960 absolvierte ich einen Kurs des US-amerikanischen Salzburg Seminars auf Schloss Leopoldscron. F\u00fcr den diplomatischen Dienst w\u00e4re ich allerdings nicht geeignet gewesen, denn ich verhielt mich als einer, der die Welt in ihrem Getriebe ergr\u00fcnden wollte, selten diplomatisch. In den Jahren 1959 bis 1962 durchlief ich noch einmal eine Phase des Suchens und Findens. Mir stand noch ein weiterer Wechsel des Studienfaches bevor. Die heutigen Studienbedingungen an Hochschulen lie\u00dfen einen solchen Luxus des F\u00e4cherwechsels nicht mehr zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-742 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_001-700x891.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"891\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_001-700x891.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_001-236x300.jpg 236w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_001-768x977.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_001-800x1018.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_001.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>\u203aS\u00e4kulare Fu\u00dfwaschung\u2039, Johann Albrecht (Alf) Mintzel, L\u00fcneburger Heide, Wilsede, Sommer 1961; Photographie Inge Lu Schaltenbrand<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Universit\u00e4ts- und Wissenschaftsbetrieb vollzog sich bis Anfang der 1960er Jahre noch in den Formen \u00fcberkommener Bildungstradition. Noch wurden Seminare nicht gest\u00f6rt, noch hielten sich kritische Initiativen studentischer Gruppen an die Regeln eines geordneten Studienablaufes. Die Entwicklung zur Massenuniversit\u00e4t hatte zwar schon eingesetzt, aber sich f\u00fcllende H\u00f6rs\u00e4le und begrenzte Personalressourcen hatten noch keine Reformrufe ausgel\u00f6st. Ich sah mich in dieser Zeit als Student von den Verh\u00e4ltnissen (noch) nicht hochschulpolitisch herausgefordert. Dagegen begannen mich die aktuellen politischen Vorg\u00e4nge in der Bundesrepublik, in Europa und in anderen Teilen der Welt zu besch\u00e4ftigen. Aus dem bis 1959 politikfernen Kunststudenten wurde mit Beginn des Universit\u00e4tsstudiums ein politisch interessierter Staatsb\u00fcrger, der insbesondere den parteipolitischen Verh\u00e4ltnissen und Entwicklungen sowie den deutschlandpolitischen Vorg\u00e4ngen wachsende Aufmerksamkeit schenkte. Mein Augenmerk richtete sich auf die neuen Gefahren des Ost-West-Konfliktes und des Kalten Krieges im geteilten Deutschland. Ich verfolgte in Printmedien die Diskussionen \u00fcber das Godesberger Programm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, machte mich mit diesem Programm vertraut und trat Ende 1959, allerdings ohne mich parteipolitisch zu engagieren, aus politischer \u00dcberzeugung in Hamburg in die SPD ein. Die programmatische \u00d6ffnung der SPD hin zu b\u00fcrgerlichen und katholischen W\u00e4hlerkreisen kam meiner gef\u00fchlten konservativ-b\u00fcrgerlichen Herkunft entgegen. Ich empfand meinen Eintritt als einen mutigen Schritt, entstammte ich doch einem national-konservativ gepr\u00e4gten Familienmilieu, in dem die \u203aSozis\u2039 immer noch als zweifelhafte Kandidaten angesehen wurden. In der Bundestagswahl 1957 hatte ich, zum ersten Mal wahlberechtigt, noch v\u00f6llig aus dem Bauch heraus CDU gew\u00e4hlt. Die deutschlandpolitischen Verh\u00e4ltnisse, die in der Frage nach einer Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands ihren zentralen Bezugspunkt hatten, weckten in mir einen diffusen Patriotismus. Daf\u00fcr m\u00fcsse man doch etwas tun. Man m\u00fcsse den \u203aBr\u00fcdern und Schwestern in der sowjetische Besatzungszone\u2039, wie damals die Nichtanerkennung der DDR in eine politische Formel gegossen wurde, seine Verbundenheit zeigen. Also trat ich 1959 an der Universit\u00e4t Hamburg dem \u203aArbeitskreis f\u00fcr Wiedervereinigung\u2039 bei, \u00fcbernahm Funktionen in der \u00d6ffentlichkeitsarbeit und organisierte zur Weihnachtszeit sogenannte Mahnwachen am Dammtor, um die \u00d6ffentlichkeit patriotisch aufzur\u00fctteln. Alle Bundesb\u00fcrger sollten zur Weihnachtszeit Kerzen an ihre Fenster stellen und patriotisch leuchten lassen. Angesichts der damaligen realpolitischen Verh\u00e4ltnisse war dieses Engagement mehr Ausdruck eines naiven Idealismus und letztendlich Zeitvergeudung. Mit dem Weggang von Hamburg und dem Wechsel an die Universit\u00e4t W\u00fcrzburg (1960) ging meine Mitarbeit in diesem Arbeitskreis zu Ende. Ich engagierte mich vorerst nicht mehr politisch, konzentrierte mich ganz auf mein Studium und absolvierte mit Erfolg die vorgeschriebenen \u00dcbungen zum B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch, zum Strafrecht und zum \u00d6ffentlichen Recht. Erst nach meinem Wechsel an die Freie Universit\u00e4t Berlin erlebte ich in den Jahren von 1962 bis 1966 einen neuen Politisierungsschub mit turbulenten und brisanten Begleiterscheinungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Inge Lu und ich hatten von 1954 bis 1960 in verschiedenen St\u00e4dten gelebt. Erst ab dem Sommersemester 1959 studierten wir immer an der gleichen Universit\u00e4t. Zum Wintersemester 1960\/61 gingen wir nach Marburg und zogen zum ersten Mal als Untermieter in zwei Zimmer unter einem Dach ein. Wir begannen, wie es damals hie\u00df, in \u203awilder Ehe\u2039 zu leben. Das galt selbst in Studentenkreisen noch als ungew\u00f6hnlich und sittenwidrig. Vermieter f\u00fcrchteten den Kuppeleiparagrafen des Strafgesetzbuches. Sie konnten angezeigt und verurteilt werden. Wir hatten gl\u00fccklicherweise ein Vermieterpaar gefunden, das in einer \u203aOnkelehe\u2039 lebte und sich nicht daran st\u00f6rte, dass wir in ihrem Haus in zwei nebeneinander liegenden Zimmern wohnten. Inge Lus Eltern hielten das jedoch f\u00fcr nicht gesellschaftsf\u00e4hig. Sie w\u00fcnschten, dass wir unsere heimliche Verlobung\u00a0 von 1957 legalisierten, uns nach konventionellem Muster verlobten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-743 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_002-700x524.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"524\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_002-700x524.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_002-300x224.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_002-768x575.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_002-800x599.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_002-80x60.jpg 80w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_002.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Studentenleben, Inge Lus Kochkunst auf dem Zimmerboden, Marburg, Adalbert Stifter-Weg; Photographie Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Angsttr\u00e4ume und politische Bedrohungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Meinen n\u00e4chtlichen Tr\u00e4umen schenkte ich, wenn sie klare, ausdrucksvolle Bilderfolgen enthielten, stets besondere Aufmerksamkeit. Denn sie verrieten, so schien es mir, auf einer unterschwelligen, doch hochwachen Bewusstseinsebene Wichtiges \u00fcber mein In-der-Welt-Sein gerade auch an existenziellen Wendepunkten. Ich will das am Beispiel eines Angsttraumes verdeutlichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">23. bis 30. Oktober 1959, Wilseder Heide; Erholungstage mit Inge Lu in einer Kleinbauernkate; lange Spazierg\u00e4nge und Wanderungen. Von Hamburg aus lag f\u00fcr gemeinsame und billige Kurzferien die L\u00fcneburger Heide am n\u00e4chsten. Wir wanderten mehrere Male durch den d\u00fcsteren Totengrund, in dem Wachholderb\u00fcsche geisterhafte Gestalten bildeten. Von der n\u00e4chsten H\u00f6he, vom Wilseder Berg aus, genossen wir den herrlichen Rundblick. An einem Abend sahen wir die Sonne zweimal untergehen. Nach dem ersten Untergang, der an Bilder Caspar David Friedrichs erinnerte, holte eine Luftspiegelung die Sonne noch einmal zur\u00fcck. Sie stand als bleiche Scheibe am Abendhimmel und versank ein zweites Mal hinter dem Horizont. Die weit verstreut wachsenden Wachholderbuschgruppen hatten in der herbstlichen Jahreszeit, in der es schon fr\u00fch dunkel wurde, etwas Spukhaftes an sich. Die Wilseder Heide lag wie eine Gespensterwelt vor uns. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In der Nacht vom 26. zum 27. Oktober 1959. Bruchst\u00fcckhafte Erinnerungen an die Trauminhalte, Kernhandlung jedoch wegen ihrer \u203aungeheuren\u2039 Bilder und ihrer Bedeutungsschwere nach dem Aufwachen aufgezeichnet (fast wortgetreue Wiedergabe meiner Niederschrift):<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">I<em>nge Lu und ich wandern durch eine offene, h\u00fcgelige Landschaft, die in ein herbstlich fahles Licht getaucht ist. Die Landschaft liegt weit ausgebreitet vor uns. Wir n\u00e4hern uns kleinen Waldst\u00fccken, einzelne B\u00e4ume stehen nahe am Weg. Anfangs \u00fcberwiegen in der Landschaft kr\u00e4ftige gr\u00fcne Farben. Der Boden ist meist mit vergilbten Gras bewachsen. Nach einer Weile treten wir in eine Ebene hinaus, die sich vor uns bis an den Horizont erstreckt. Die Waldungen weichen B\u00fcschen, die Ebene ist fast geschlossen mit Gras bedeckt. Wir setzen unsere Wanderung fort. Pl\u00f6tzlich stehen wir vor einem Geb\u00e4ude. das aus der N\u00e4he wie eine M\u00fchle aussieht. Der Blickwinkel wechselt, wir sehen nicht das ganze Geb\u00e4ude. Nur sein unterer, runder Teil ist sichtbar. Nach oben scheint sich das Geb\u00e4ude zu verj\u00fcngen. Eine schmale h\u00f6lzerne Au\u00dfentreppe f\u00fchrt zu einer T\u00fcr empor. Wir steigen die Treppe hoch und treten ein. Auch der Innenraum gleicht dem einer alten M\u00fchle: Holzb\u00f6den, Geb\u00e4lk, Innentreppen, D\u00e4mmerlicht. Die Treppen f\u00fchren hinauf und hinab zu anderen Stockwerken. Von einem Triebwerk ist nichts zu sehen. Ein Mann steht schemenhaft an einer \u00d6ffnung, durch die Licht hereindringt. Einige Winkel des Raumes sind hell ausgeleuchtet, der gr\u00f6\u00dfere Teil liegt jedoch in Zwielicht getaucht. Der Mann stellt ein paar Fragen. Ich beantworte sie, wei\u00df aber nach dem Aufwachen nicht mehr, was er gefragt hat und was ich geantwortet habe. Ich erinnere mich nur daran, dass er etwas \u00fcber das Dritte Reich gesagt hat. Von was er redet, fasse ich als eine falsche Anschuldigung auf. Der Mann beginnt mir oder uns b\u00f6sartig Vorw\u00fcrfe in Bezug auf das \u201eDritte Reich\u201c zu machen. Sein Augen funkeln, er misst uns mit scharfem Blick. Ich verhalte mich ruhig und beobachte argw\u00f6hnisch, ohne \u00e4ngstlich zu sein, sein Verhalten. Worauf wollte er hinaus? Ich konnte es nicht erkennen. Inge Lu steht irgendwo im Raum und sieht sich neugierig um. Sie kehrt mir den R\u00fccken zu, tritt an eine Luke und sieht hinaus. Sie scheint ohne Furcht zu sein und verh\u00e4lt sich wie ein Kind, das die Gefahr nicht erkennt. Pl\u00f6tzlich greift der Mann zu einer gr\u00fcnen Flasche \u2013 mehrere Weinflaschen liegen und stehen verstaubt und ohne Inhalt auf dem Holzboden herum. Er hebt drohend seinen Arm und will die Flasche gegen Inge Lu schleudern. Ein lebensbedrohlicher Augenblick. Es steht au\u00dfer Zweifel, er will Inge Lu t\u00f6dlich treffen. Doch: ich sehe keine Flasche fliegen, ich h\u00f6re kein Glas zersplittern. Pl\u00f6tzlich h\u00e4lt er in seiner Bewegung inne. Ruhe, Stillstand. Etwas war geschehen. Inge Lu bewegt sich langsam auf die Treppe zu, die nach unten f\u00fchrte. Ihre Bewegungen geh\u00f6ren nicht ihr. Es ist anscheinend der Mann, der sie steuert und zwingt, zur Treppe zu gehen und hinabzusteigen. Ich bin der Situation nicht gewachsen, wei\u00df nicht, was der Vorgang zu bedeuten hat.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-744 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_003-700x495.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"495\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_003-700x495.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_003-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_003-768x543.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_003-800x566.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_003.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Johann Albrecht (Alf) Mintzel, Traumbild \u203aUngeheuer\u2039, Kugelschreiber-Skizze, 1959<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Inge Lu geht Stufe f\u00fcr Stufe die Holztreppe ins untere Stockwerk hinab. Dunkelheit verschluckt alle Dinge. Ich folge Inge Lu nicht nach unten, sondern bleibe oben stehen und schaue ihr nach. Von meinem Standort aus k\u00f6nnen meine Augen nicht verfolgen wie sie hinabsteigt. Pl\u00f6tzlich sehe ich, wie sie in einen Nebenraum eintritt. Schon auf der Schwelle beginnt sie sich aufzul\u00f6sen, ihr zitronenfarbenes Kleid und dann ihre ganze Gestalt werden unsichtbar. Nun erst st\u00fcrze ich ans Treppengel\u00e4nder und begreife, dass der Mann b\u00f6sartig ist. Sein Blick ist giftig, seinen Handlungen bedeuten den Tod. Er hat auf den ersten Blick nichts Merkw\u00fcrdiges an sich, er ist einfach und l\u00e4ssig gekleidet, tr\u00e4gt eine Hose und einen Pullover. Sein Gesicht tr\u00e4gt allerdings die Charakterz\u00fcge eines engstirnigen, parteitreuen B\u00fcrgers, der nicht \u203aaufgestiegen\u2039 ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Ich st\u00fcrze ans Gel\u00e4nder. Im Raum D\u00e4mmerlicht. Inge Lu ist verschwunden. Er ist es gewesen, der sie hat verschwinden lassen. Er ist die Ursache, und ich habe das Gef\u00fchl, er will mich ebenfalls zu seinem Opfer machen. Ich versuche alle meine geistigen F\u00e4higkeiten zu sch\u00e4rfen und zu konzentrieren und verwickle ihn in ein Gespr\u00e4ch. Es gelingt mir seine Undurchsichtigkeit zu analysieren. Ich lenke das Gespr\u00e4ch, ich durchschaue ihn, ich t\u00e4usche ihn, ich verwirre ihn. Er verr\u00e4t seine Schw\u00e4chen. Ich verstehe seine Existenz. Er verk\u00f6rpert das B\u00f6sartige, er verk\u00f6rpert Hass, er ist der Tod. Er geht seiner Aufgabe nach, einer unab\u00e4nderlichen Aufgabe. Doch ich will Inge Lus Leben zur\u00fcck haben. Deshalb t\u00e4usche ich Verst\u00e4ndnis f\u00fcr seine Tat vor und versichere ihm, dass ich ihn verst\u00fcnde. Er k\u00f6nne sich mir anvertrauen. Da alle Menschen ihn hassen und seine Bedeutung und Unver\u00e4nderlichkeit nicht wahrhaben wollen, ist er von so viel menschlichem Mitgef\u00fchl \u00fcberrascht. Er l\u00e4sst sich \u00fcbert\u00f6lpeln. Er schenkt mir Vertrauen und verschont mich vorerst. Das hat zur Folge, dass er mich aus seinen Augen l\u00e4sst und mich nicht mehr unabl\u00e4ssig kontrolliert. Als er einmal von mir v\u00f6llig abgelenkt zu sein scheint, r\u00fchre ich mich vom Platz, beginne die Seitenr\u00e4ume zu erkunden und wage einen Blick nach unten. Schemenhaft erkenne ich seine Helfer. Es sind junge Leute. Sie erkennen meine Absicht, zeigen durch ihr Verhalten, dass sie auf meiner Seite stehen, und lenken den Tod weiterhin von mir ab. Ich steige hinab in die d\u00e4mmrigen unteren Stockwerke und rufe nach Inge Lu. Pl\u00f6tzlich erscheint sie und tritt hervor. Hastig f\u00fchre ich sie nach oben. Ich hake bei ihr unter, zerre sie hinaus ins Freie. Wir steigen die \u00e4u\u00dfere Holztreppe hinunter und laufen, Arm in Arm, ohne uns umzusehen in die Weite. Die abendliche Sonne strahlt schr\u00e4g \u00fcber die Landschaft. Von dem, was sich ereignet hat, ist auf unserem Spaziergang nicht die Rede. Ich frage Inge Lu nicht nach ihrem Aufenthalt dort unten, was ihr Verschwinden im unteren Stockwerk bedeutet hat. Wir plaudern, als sei nichts Merkw\u00fcrdiges vorgefallen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Nach einer Weile drehen wir uns um. Was wir sehen, erschreckt uns zutiefst. Mitten in der Landschaft steht ein riesengro\u00dfer Krebs auf der Erde. Er ruht auf seinen rundlichen Schwanzflossen und reckt seinen gepanzerten Leib in die H\u00f6he. Er sieht wie ein Baum aus, der eine Krebsgestalt angenommen hat. Von seinem riesigen Panzer gehen \u00fcberall riesige Arme aus, an deren Enden kolossale Zangen h\u00e4ngen. Aus Seitenarmen entspringen kleine Zangen, dazwischen h\u00e4ngen lange zangenlose, peitschen\u00e4hnliche Gebilde, vielleicht Tentakeln. Die Arme bewegen sich wie Glieder eines riesigen Krans, insektenhaft, langsam. W\u00e4hrend sich die Glieder in einem Aktionsradius von mehreren Hundert Metern \u00fcberall hin und hochhinaus bewegen, ragt der runde Panzerleib v\u00f6llig regungslos senkrecht in die Luft. Menschen, die in die N\u00e4he des Unget\u00fcms kommen, nimmt es mit t\u00f6dlicher Sicherheit in seine Zangen, die sich unabh\u00e4ngig voneinander und unabl\u00e4ssig in verschiedenen Richtungen bewegen. Vom Kopf des Unget\u00fcms ist nichts zu sehen. Die Menschen, die sich wie Winzlinge unter dem Koloss ausnehmen, scheinen die t\u00f6dliche Gefahr zu sp\u00e4t f\u00fcr eine Flucht zu bemerken. Sie k\u00f6nnen nicht entkommen. Die Farben der feucht gl\u00e4nzenden Arme und Zangen changieren vom Stahlblau zum Graublau bis ins Blauschwarz. Erst als ich zur\u00fcckblicke, werden Inge Lu und ich gewahr, dass die vermeintliche M\u00fchle dieser Krebs war, in dessen Innern jener Mensch (Mann) gewesen ist. Der Krebs war anscheinend sein Hauptwerkzeug, mit dem er Menschen bedrohte und umbrachte.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Niederschrift gibt den Ablauf des Geschehens nur ann\u00e4hernd wieder, was es erschwert, ihn zu deuten, und dies erst recht nach so langer Zeit. F\u00fcr mich handelte es sich trotzdem immer um einen Schl\u00fcsseltraum, dessen innere Bildwelt mich nachdenklich machte. Welche Botschaften enthielt er \u00fcber mich? Was sagte er \u00fcber meine und Inge Lus damalige Lebenssituation aus? Der Traum, der deutlich in zwei Teile gegliedert war, brachte im ersten Teil, dessen bin ich sicher, mythische Elemente ins Bewusstsein, die er im zweiten Teil vage in eine Beziehung zur Geschichte des Dritten Reiches setzte. Es war die Verk\u00f6rperung des Todes, der Inge Lu nach unten gelenkt hat. Ich denke an Eurydikes Abstieg in die Unterwelt, an den Versuch Orpheus&#8216;, sie aus dem Hades ins Leben zur\u00fcckzuholen. In den unteren Stockwerken, in der Unterwelt, befinden sich junge Menschen, die mir dabei helfen (wollen), den Mann zu t\u00e4uschen und von seinen dunklen Absichten abzubringen. Mir gelingt es, Inge Lu aus der Unterwelt zu befreien und aus dem Geb\u00e4ude in Sicherheit zu bringen. Warum schweigen wir \u00fcber das, was (dort unten) vorgefallen ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die alte hohe M\u00fchle wurde, nachdem wir nach drau\u00dfen gelangt und weggelaufen waren, \u203aim R\u00fcckblick\u2039 zu einem gef\u00e4hrlichen Riesenkrebs, zu einem \u00fcberdimensionalen Ungeheuer, das mit seinen vielen scherenbest\u00fcckten Greifarmen jeden fasste, der in seinen Aktionskreis geraten war. F\u00fcr was oder wen stand dieses Traumbild? War es die nationalsozialistische Diktatur, die mit ihren Massenorganisationen nach den Menschen griff? War es die sowjetische Despotie? Jedenfalls war es eine h\u00f6chst bedrohliche Situation. In meinem Traum blickten Inge Lu und ich zur\u00fcck in die j\u00fcngste historische Vergangenheit. Oder nach vorne?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die feinen Unterschiede (Pierre Bourdieu)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Zeiten waren vorbei, in denen ich im Morgengrauen oder in sp\u00e4ter Abendstunde wie ein Dieb zu meiner heimlichen Verlobten schleichen musste. Ich hatte inzwischen abgeliefert, das Abitur bestanden und drei Semester Rechtswissenschaften hinter mich gebracht. Ich hatte erste akademische Erfolge aufzuweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am Zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1960 empfingen mich die Eltern Schaltenbrand freundlich zu Kaffee und Kuchen. Die Familienrunde bot eine entspannte Atmosph\u00e4re. Weihnachtliche D\u00fcfte. Gem\u00fctlichkeit. Gespr\u00e4che und Geplauder. Der Patriarch sa\u00df zufrieden in seinem gro\u00dfen edelst\u00e4hlernen Wippsessel und nahm schweigend an den Gespr\u00e4chen teil. Mutter Schaltenbrand lehnte in ihrem gr\u00fcnen Ohrensessel und nippte an ihrer Kaffeetasse. Da geschah das v\u00f6llig Unerwartete. Inge Lus Vater setzte mit einem kurzen R\u00e4uspern zu einer \u203aAnsage\u2039 an. Das war so seine Art, erst zu H\u00fcsteln, bevor er etwas Wichtiges mitteilte. Die Augen richteten sich auf ihn, wir hielten im Reden inne. \u00bbAlf\u00ab, sagte er mit sonorer Stimme, \u00bbmorgen feiern wir Eure Verlobung. Komm am Nachmittag zu uns hoch. Wir werden zusammen eure Verlobung feiern.\u00ab Diese \u203aAnsage\u2039 und der patriarchalische Beschluss verbl\u00fcfften mich. Ich war sprachlos und f\u00fcgte mich halb erfreut, halb verwundert in die Entscheidung des Patriarchen. Keine Jubelschrei, kein begeistertes Danke f\u00fcr diese Gro\u00dfmut, mich endlich als k\u00fcnftigen Ehemann Inge Lus zu akzeptieren, doch eine angenehme Genugtuung nach all den Widerst\u00e4nden und pers\u00f6nlichen Verletzungen. Ich nahm allerdings wahr, dass in der Art und Weise dieses Beschlusses etwas nicht stimmte. Die \u203ah\u00f6chste Instanz\u2039 hatte die Handlungshoheit \u00fcbernommen und kraft ihrer Autorit\u00e4t entschieden, dass Inge Lu und ich uns nun offiziell und in einem rechtlich verbindlichen Sinn als Verlobte betrachten durften. Unsere heimliche Verlobung von 1957 wurde legalisiert. Diese autoritative \u00dcberrumplung war zwar gut gemeint und best\u00e4tigte den fundamentalen Sinneswandel, der inzwischen in der Einsch\u00e4tzung meiner Person eingetreten war. Doch lag in diesem hoheitlichen Akt ein Pferdefu\u00df versteckt. Die Eltern Schaltenbrand hatten meine Eltern weder in ihren Plan eingeweiht, noch spontan zur Feier eingeladen. Es w\u00e4re nur ein kurzer Weg von Stra\u00dfe zu Stra\u00dfe gewesen. Ich sah in diesem Ausschluss eine Missachtung meiner Eltern. Diese reagierten mit gemischten Gef\u00fchlen auf den Vorgang, doch begr\u00fc\u00dften sie die Verbindung und w\u00fcnschten Gl\u00fcck, denn sie hatten sich nie gegen unsere Beziehung gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-745 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_004-700x543.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"543\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_004-700x543.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_004-300x233.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_004-768x595.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_004-800x620.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/13_004.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Vater und Tochter: Inge Lu und Georges Schaltenbrand im Garten des Hauses Zeppelinstra\u00dfe 43, W\u00fcrzburg, um 1960; Photographie Alf Mintzel<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Aus der gesellschaftlichen Perspektive einer betuchten gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Professorenfamilie war die z\u00f6gerliche Anerkennung unserer Verbindung verst\u00e4ndlich. Die T\u00f6chter sollten eine gute Partie machen, in ebenb\u00fcrtige und m\u00f6glichst prominente, weltl\u00e4ufige Gelehrten- oder Diplomatenfamilien einheiraten. Auch den beiden S\u00f6hnen waren gro\u00dfartige Karrieren zugedacht, der \u00e4ltere sollte ein Stararchitekt werden, der j\u00fcngere ein ber\u00fchmter Schriftsteller und Dichter. Die elterlichen Hoffnungen waren darauf gerichtet, den gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Status zu erhalten und die Meriten der Familie zu mehren. Mit Geringerem gab man sich erst gar nicht ab. Der Vater, eine international anerkannte Koryph\u00e4e der Neurologie, erhoffte sich, ein wirksames Mittel gegen Multiple Sklerose zu entdecken und daf\u00fcr den Nobelpreis f\u00fcr Medizin zu erhalten. Die Familie Schaltenbrand war immer noch dem Geniekult des 19. Jahrhunderts zugetan. Ihre Anspr\u00fcche waren \u00fcberh\u00f6ht und \u00e4u\u00dferten sich in einer kalten \u00dcberheblichkeit gegen\u00fcber dem \u203aminderen\u2039 Volk. Der Umgang mit \u203akleinb\u00fcrgerlichen\u2039 Schulkameraden und Kameradinnen war unerw\u00fcnscht. Die Eltern r\u00fcmpften die Nase, wenn die Tochter des Milchh\u00e4ndlers ins Haus kam. Ihre Zuschreibung \u203akleinb\u00fcrgerlich\u2039 bedeutete zugleich spie\u00dfig, was sie weit ausdehnten. Darunter fielen auch Gymnasiallehrer, Oberregierungsr\u00e4te und Leitende Regierungsdirektoren wie mein Vater, sogar Professoren, wenn sie sich aus kleinen Verh\u00e4ltnissen hochgearbeitet, aber ihr Spie\u00dfertum nicht abgelegt hatten. Wer in seiner Wohnung keine Werke der modernen Klassik, Originale versteht sich, an der Wand h\u00e4ngen hatte, war \u203anicht auf der H\u00f6he\u2039. Die \u203afeinen Unterschiede\u2039, wie der franz\u00f6sische Soziologe Pierre Bourdieu (1930\u20132002) sie treffend nannte, wurden subtil zur Geltung gebracht. Die \u203aHerrschaften\u2039, wie sie ehrerbietig genannt wurden, regelten und kontrollierten alles, jedenfalls versuchten sie es. Dieses gro\u00dfb\u00fcrgerliche Regelwerk war allerdings st\u00f6ranf\u00e4llig. Die S\u00f6hne zeigten sich widerborstig, sie entzogen sich den Leistungsanforderungen und opponierten gegen das Elternhaus. Inge Lu hatte einen mutigen Eigensinn entwickelt und riskante Reisen zu mir nach Hannover unternommen. Sie unterlief die Kontrollen und erprobte eigene Wege ins Erwachsenwerden. In den Augen der Eltern Schaltenbrand musste ich mich erst noch \u203abeweisen\u2039. Einen Pluspunkt hatte ich allerdings auf Schaltenbrands Charakterliste: Inge Lus Vater, h\u00f6chste Kontrollinstanz, Navigator und Taktgeber war der allm\u00e4chtige, allwissende und in den K\u00f6pfen stets allgegenw\u00e4rtige Vater mit fast gottgleichem Status. Er stammte aus einer international versippten Industriellenfamilie, ma\u00df einen Meter und 92 Zentimeter und wirkte schon dadurch \u00fcbergro\u00df und m\u00e4chtig. Er hielt mich, wie aus seinen alten Notizen hervorgeht, aufgrund seiner Analyse meiner Handschrift und seiner Beobachtungen f\u00fcr sehr intelligent. Ich hatte es sehr schwer, gegen diese \u203aHerrschaften\u2039 anzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Jahre sp\u00e4ter, nachdem ich in der Sozialwissenschaft erfolgreich Fu\u00df gefasst hatte und gut vorankam, entspannte und wandelte sich die Beziehung zu Inge Lus Eltern. Georges Schaltenbrand wurde zu einem liebevollen Gro\u00dfvater f\u00fcr unsere drei T\u00f6chter, seine einzigen Enkelkinder. Die drei Geschwister Inge Lus gr\u00fcndeten zum Leidwesen des Patriarchen keine Familien. Ich hegte gegen\u00fcber Georges Schaltenbrand einen gro\u00dfen Respekt. Er war f\u00fcr mich als Wissenschaftler ein Vorbild. Ich begegnete ihm vornehmlich auf rationaler Ebene im wissenschaftlichen Gespr\u00e4ch, und dies am Schluss fast in Augenh\u00f6he. Meine Hochachtung galt dem gelehrten Schwiegervater. Inge Lus Mutter aber stammte aus einer reichen Hamburger Gro\u00dfkaufmannsfamilie, hatte die herrischen All\u00fcren einer despotischen Schlossherrin, die glaubt, ihrem \u203aGesinde\u2039 alles an den Kopf werfen zu k\u00f6nnen. Dennoch arrangierte ich mich eines Tages auch mit ihren Eigenheiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die W\u00fcrfel waren gefallen, die Entscheidung f\u00fcr ein Studium an der Universit\u00e4t getroffen. Von 1960 bis 1975 zeichnete und malte ich nicht einmal mehr im Sinne eines Hobbys. Im Sommer 1960 sa\u00df ich zum letzen Mal an Monotypien und schuf eine Serie von Illustrationen zu Gedichten von Thomas Stearns Eliot (1888\u20131965). \u00dcberw\u00e4ltigt von der suggestiv&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[36,34,32,128,38,33,37,35],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=91"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":774,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91\/revisions\/774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=91"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}