{"id":96,"date":"2016-06-26T20:57:28","date_gmt":"2016-06-26T18:57:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/?p=96"},"modified":"2019-03-21T12:23:28","modified_gmt":"2019-03-21T11:23:28","slug":"14-leben-und-studieren-im-kalten-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/2016\/06\/26\/14-leben-und-studieren-im-kalten-krieg\/","title":{"rendered":"14. Leben und Studieren im Kalten Krieg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Wechsel nach Westberlin, Herbst 1961<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Jahr 1961 wurde f\u00fcr Inge Lu und mich zu einem lebensgeschichtlichen Wendejahr. Prof. Dr. Alfred Hoffmann, der Doktorvater meiner Verlobten, war in diesem Jahr auf einen Lehrstuhl f\u00fcr Sinologie an die Freie Universit\u00e4t Berlin berufen worden. F\u00fcr Inge Lu bedeutete der Weggang ihres Lehrers, dass auch sie zum wiederholten Male Universit\u00e4t und Wohnort wechseln musste. Damals war das Studium der Sinologie an deutschen Universit\u00e4ten noch sehr unterschiedlich und wenig kompatibel gestaltet. Studierende mussten sich auf einen Schwerpunkt festlegen. Inge Lu hatte einen sprach- und kulturwissenschaftlichen Zugang gew\u00e4hlt, der jedoch wenige Ber\u00fchrungspunkte mit den gesellschaftlichen und politischen Vorg\u00e4ngen im China Maos hatte. Inge Lus Vater hatte von 1928 bis 1930, von der Rockefeller-Stiftung unterst\u00fctzt und finanziert, als Neurologe in Peking und danach kurze Zeit in Japan gearbeitet und geforscht. Er war in den 1950er Jahren davon \u00fcberzeugt, China werde sich bald \u00f6ffnen und in den Rang einer Weltmacht aufsteigen. Wer die chinesische Sprache und Schrift lerne, werde in absehbarer Zeit zu einer gefragten Fachkraft werden, der sich eine gro\u00dfartige Welt er\u00f6ffne. Er griff in den 1950er Jahren mit seiner Sicht der Entwicklung Chinas weit voraus und \u00fcbertrug Eindr\u00fccke seiner ostasiatischen Berufsjahre und seine geopolitischen Zukunftserwartungen als berufliches Wunschprojekt auf seine Tochter. Inge Lu war mehr den Wunschvorstellungen ihrer Eltern gefolgt als eigenen Neigungen. Sie w\u00e4re lieber Dolmetscherin f\u00fcr Englisch und Franz\u00f6sisch geworden oder Psychologin. Solche Berufsw\u00fcnsche hatten ihre Eltern aber f\u00fcr zu bieder und anspruchslos gehalten. So lernte Inge Lu wunschgem\u00e4\u00df altchinesische Sprache, Schrift und Literatur, konnte aber nach mehreren Semestern nicht einmal das moderne Zeitungschinesisch lesen, das mit ein paar Tausend Schriftzeichen auskommt. Trotz hoher Arbeitsdisziplin und gro\u00dfer Ausdauer sollte Inge Lu sp\u00e4ter an den akademischen Realit\u00e4ten dieses Faches scheitern.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Umzug nach Westberlin war folglich kein freiwilliger, sondern ein von den Verh\u00e4ltnissen an deutschen Universit\u00e4ten fremdbestimmter Vorgang. Ich zog mit nach Berlin, weil ich nach den vielen Jahren getrennter Ausbildungswege nicht schon wieder \u203aStrohwitwer\u2039 werden wollte. Au\u00dferdem geh\u00f6rte ich den sogenannten \u203aWei\u00dfen Jahrg\u00e4ngen\u2039 der Kriegskinder an, die vom Dienst in der Bundeswehr befreit waren. Viele junge M\u00e4nner zogen nach Westberlin, um ihrer Wehrdienstpflicht zu entgehen. Uns hatten also keine politischen Motive geleitet, in die Vier-M\u00e4chte-Stadt zu ziehen und am Berliner Brennpunkt des Kalten Krieges die besonderen weltpolitischen Verh\u00e4ltnisse kennen zu lernen. Im Gegenteil, wir erschraken, als am 13. August 1961 die Medien meldeten, Ostberlin werde durch eine Mauer vom Westen der Stadt abgeriegelt. Wir fragten uns, ob es bei so viel politischer Verunsicherung und zunehmender Sch\u00e4rfe des Ost-West-Konfliktes noch ratsam sei, dorthin zu ziehen. Doch w\u00e4hrend Inge Lus Vater wegen der Zuspitzung der Weltlage in der S\u00fcdschweiz einen Atomschutzbunker in sein Ferienhaus einbauen lie\u00df, begaben wir uns in die Gefahrenzone Westberlin.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-684 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_002-700x1134.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1134\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_002-700x1134.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_002-185x300.jpg 185w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_002-768x1244.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_002-800x1296.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_002.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>\u00bbDer Westen beh\u00e4lt die Oberhand. An der deutsch-deutschen Grenze l\u00e4sst der britische General John Hackett im August 1985 den dritten Weltkrieg beginnen und mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion enden.\u00ab Thilo Bode: Der Westen beh\u00e4lt die Oberhand, in SZ Nr. 165 , 21. 07. 1976, S. 7; Copyright S\u00fcddeutsche Zeitung GmbH, M\u00fcnchen; mit freundlicher Genehmigung von S\u00fcddeutscher Zeitung Content.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dort standen uns von 1961 bis 1981\u00a0 extrem turbulente Jahre bevor: Die tagt\u00e4glichen Folgen des Mauerbaus, der Schie\u00dfbefehl und seine Opfer, die Kuba-Krise von 1962 und die unmittelbare Gefahr eines Atomkrieges auf dem H\u00f6hepunkt des Kalten Krieges, in der zweiten H\u00e4lfte der 1960er Jahre die \u203aAu\u00dferparlamentarische Opposition\u2039 (APO) und die Unruhen an der Freien Universit\u00e4t, in den 1970er Jahren die Terroraktionen der \u203aRoten Armee Fraktion\u2039 (RAF) und nicht zuletzt private Ereignisse, unsere Eheschlie\u00dfung 1964 und unsere Familiengr\u00fcndung mit den Geburten unserer drei T\u00f6chter. Au\u00dferdem wechselte ich kurz nach Beginn meines Studiums unter dem Eindruck des\u00a0Berliner Studienangebotes meine Studienf\u00e4cher. Ich schrieb mich im Hauptfach Soziologie ein und belegte Politische Wissenschaft und Psychologie als Nebenf\u00e4cher. Von meinen f\u00fcnf absolvierten juristischen Semestern wurden mir drei anerkannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Mit Flei\u00df und Gl\u00fcck in die Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mein wissenschaftlicher Werdegang, der seit 1962 fast bruchlos von Examen zu Examen und von Position zu Position stetig aufw\u00e4rts ging, war nicht allein ein Ergebnis von Intelligenz, Flei\u00df, Risikobereitschaft, Zielorientierung und Durchhaltekraft. Eine Reihe von gl\u00fccklichen Zuf\u00e4llen und richtigen Entscheidungen half mit, angestrebte Ziele zu erreichen. Eben in Westberlin angekommen schlenderte ich vor Beginn des Wintersemesters 1961\/62 in der Garystra\u00dfe durch die R\u00e4ume der Freien Universit\u00e4t und nahm die Informationstafeln in Augenschein. Dabei entdeckte ich die Ausschreibung eines F\u00f6rderungsprogrammes f\u00fcr wissenschaftlichen Nachwuchs, das von der US-amerikanischen Ford Foundation finanziert wurde. Kurz entschlossen bewarb ich mich. Drei\u00dfig Mitbewerber mussten sich in zwei Gespr\u00e4chsrunden einem Auswahlverfahren stellen. Ich geh\u00f6rte zu den vier Gl\u00fccklichen, die im Januar 1962 aufgenommen wurden. Neben meinem Studium arbeitete ich im Rahmen dieses F\u00f6rderungsprogramms von 1962 bis 1966 an dem Forschungsprojekt \u203aBerlin \u2013 Hauptstadtanspruch und Westintegration\u2039 mit. Die gro\u00dfe Studie, in der ich das Kapitel \u00fcber die Berliner Parteien und Gewerkschaften \u00fcbernommen hatte, erschien 1966 im Westdeutschen Verlag. Dieser Beitrag war meine erste wissenschaftliche Publikation und mein Einstieg in die politikwissenschaftliche Parteienforschung. Allerdings verz\u00f6gerte sich hierdurch der Abschluss meines Diplomexamens bis zum Ende des Wintersemesters 1966\/67. Ich bestand im Fach Soziologie mit dem Pr\u00e4dikat \u203agut\u2039. Als die prominente Soziologin Prof. Dr. Renate Mayntz-Trier die Absolventen bei der Aush\u00e4ndigung der Urkunden danach fragte, was sie nun beruflich vorh\u00e4tten, brauchte ich nicht selbst zu antworten. Ehe ich mich dazu \u00e4u\u00dfern konnte, sagte mein Professor Otto Stammer (1900\u20131978) zu meinem Erstaunen: \u00bbHerr Mintzel wird bei mir wissenschaftlicher Assistent\u00ab. Etwas Besseres h\u00e4tte ich mir nicht w\u00fcnschen k\u00f6nnen. So kehrte ich am 1. April 1967 in das Institut f\u00fcr politische Wissenschaft zur\u00fcck und setzte in der Abteilung Parteien- und Verb\u00e4ndeforschung meine Arbeit fort. Ich nahm mein Dissertationsprojekt zur Geschichte der CSU in Angriff und konnte es unter exquisiten institutsinternen Arbeitsbedingungen abschlie\u00dfen. Im Jahre 1974 wurde ich am Otto-Suhr-Institut bei Otto Stammer mit \u203asumma cum laude\u2039 promoviert. Mein erstes Mammutwerk \u00fcber die CSU wurde 1975 mit Mitteln des Instituts f\u00fcr politische Wissenschaft in dessen Publikationsreihe publiziert. Auch das hatte ich nicht voraussehen k\u00f6nnen.\u00a0 In den Jahren von 1962 bis 1978 war ich von der Position einer wissenschaftlichen Hilfskraft bis zum Assistenzprofessor aufgestiegen und wurde 1978 am Otto-Suhr-Institut im Fach Politische Wissenschaft habilitiert. Von 1962 an finanzierte ich mein Studium selbst, so dass ich von meinen Eltern unabh\u00e4ngig war, die mir das Studium nur unter der Bedingung\u00a0 finanzieren wollten, dass ich einer Burschenschaft beitr\u00e4te.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Extremer Politisierungsschub<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Unser Studium an der Freien Universit\u00e4t Berlin hatte in meinem Denken und Handeln einen extremen Politisierungsschub mit sich gebracht. Nach dem Wechsel zu den F\u00e4chern Soziologie und Politikwissenschaft besuchte ich bei den Professoren Otto Stammer, Hans-Joachim Lieber und Peter Furth, die Politische Soziologie lehrten, Seminare \u00fcber gesellschaftliche und politische Eliten, \u00fcber die Gesellschaftslehren und Revolutionstheorien von Auguste Comte, Michail Alexandrowitsch Bakunin, George Sorel, Pierre-Joseph Proudhon, Karl Marx, Wladimir Jljitsch Lenin, Rosa Luxemburg und anderen und \u00fcbernahm Referate zu den anarchistischen Gesellschaftslehren und zur Klassentheorie von Karl Marx. Ich arbeitete mich tief in diese f\u00fcr mich bis dahin unbekannten Schriften und theoretischen Fragestellungen ein. Sie geh\u00f6rten zum Kanon der Gesellschaftslehren des 19. und 20. Jahrhunderts. Ich wurde nach monatelanger intensiver Lekt\u00fcre der Schriften von Karl Marx zu einem \u203amarxistischen Klassentheoretiker\u2039, dessen Ausarbeitungen als Hilfsmittel f\u00fcr Pr\u00fcfungen die Runde machten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Des Weiteren lernte ich Kommilitonen kennen, die in politisch-soziologischen Seminaren mit viel Wissen und auf hohem theoretischen Niveau an den Diskussionen teilnahmen. Etliche geh\u00f6rten dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund an. Im Laufe des Jahres 1962 wurde ich zu Veranstaltungen des SDS eingeladen. Ein wichtiges Motiv f\u00fcr meinen Beitritt war der Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD-F\u00fchrung, die sich nach der Bad Godesberger programmatischen Wende vom SDS getrennt hatte. In der ersten H\u00e4lfte der 1960er Jahre glich der SDS an der Freien Universit\u00e4t Berlin nach meinen Erfahrungen einem linken Intellektuellen-Club. Dieser war mitnichten eine linksradikale Kaderschmiede von und f\u00fcr Jungrevolution\u00e4re und schon gar nicht Zelle einer Stadtguerilla. Sein Charakter als Intellektuellen\u2013Club zeigte sich auch darin, dass von den damaligen akademischen Wortf\u00fchrern sp\u00e4ter eine auffallend gro\u00dfe Anzahl auf Professuren an deutschen Universit\u00e4ten und Hochschulen berufen wurden. Aus dem Berliner Kreis, dem ich angeh\u00f6rte, kann ich auf einen Schlag neun mir aus pers\u00f6nlichen Diskussionen bekannte Namen nennen (Bernhard Blanke, Klaus D\u00f6rner, Wilfried Gottschalch, Harald Kerber, Klaus Meschkat, Urs M\u00fcller-Plantenberg, Wolfgang Nitsch, Claus Offe und Ulrich K. Preu\u00df). Die Liste lie\u00dfe sich fortsetzen. Sie alle z\u00e4hlten sich selbst zum sogenannten undogmatischen Fl\u00fcgel der Studentenbewegung und grenzten sich von den radikalen Aktivisten der zweiten H\u00e4lfte der 1960er Jahre ab. Einige von ihnen waren bezeichnenderweise 1967 Mitbegr\u00fcnder des Berliner \u203aRepublikanischen Clubs\u2039, der ein linksintellektueller Debattierklub war. Ulrich K. Preu\u00df, sp\u00e4ter Professor f\u00fcr Staats- und Verfassungsrecht, l\u00f6ste ich 1963\/64 im Vorsitz an der Freien Universit\u00e4t Berlin ab. Doch schon am 13. August 1966, am 5. Jahrestag des Berliner Mauerbaus, beendete ich meine Mitgliedschaft abrupt. Das hatte zur Folge, dass ich sp\u00e4terhin aus s\u00e4mtlichen Mitgliederlisten des SDS verschwand. Ich h\u00e4tte meine SDS-Vergangenheit verschweigen k\u00f6nnen. Niemand h\u00e4tte es gemerkt. Mir ist durchaus bewusst, dass ich mir mit diesem Blogeintrag eine \u00f6ffentliche Bl\u00f6\u00dfe gebe.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Der Schrecken einer atomaren Apokalypse, 1962 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die wichtigsten politischen Vorg\u00e4nge in Form von chronologischen Stichworten aufzuz\u00e4hlen, um anzudeuten, was wir erlebten, bringt Gewicht und Drama weltpolitischer Ereignisse nicht angemessen zum Ausdruck. Wir waren gerade ein knappes Jahr in Westberlin, als im Oktober 1962 der Kalte Krieg zwischen der Sowjetunion und den USA und ihren milit\u00e4rischen Machtbl\u00f6cken einen h\u00f6chst gef\u00e4hrlichen H\u00f6hepunkt erreichte. In der so genannten Kuba-Krise, die zugleich den Vierm\u00e4chte-Status Berlins bedrohte, standen sich die Superm\u00e4chte in der Karibik und in Berlin milit\u00e4risch direkt gegen\u00fcber. Sie waren zum atomaren Schlag und Gegenschlag bereit. In Berlin-Mitte gingen an beiden Seiten der Demarkationslinie Panzer in Stellung. Nur Zuf\u00e4lle waren es, die eine atomare Apokalypse verhinderten. Wir waren in den Tagen vom 22. bis zum 28. Oktober 1962 in h\u00f6chster Gefahr. Ein menschlicher Fehler, ein Irrtum, ein zuf\u00e4lliger Knopfdruck h\u00e4tten ein globales Inferno ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Wir konnten nur ahnen, welcher Bedrohung wir tats\u00e4chlich ausgesetzt waren, weil die Nachrichten \u00fcber die milit\u00e4rischen Vorg\u00e4nge nur bruchst\u00fcckhaft und generalisierend an die \u00d6ffentlichkeit gelangten. Wir verfolgten am Radio tagelang und fast im Stundentakt h\u00f6chst gespannt die Meldungen. Alle Diskussionen drehten sich um die Frage, was geschehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am 14. Oktober hatte die US-amerikanische Luftaufkl\u00e4rung entdeckt, dass die Sowjetunion auf Kuba atomare Basen errichtet hatte und weitere sowjetische Schiffe nach Kuba unterwegs waren, um diese Basen mit atomar best\u00fcckten Raketen auszubauen. Die US-Milit\u00e4rmaschinerie wurde in h\u00f6chste Alarmbereitschaft versetzt. Am 22. Oktober informierte John F. Kennedy in einer Rede die amerikanische und globale \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Konfrontation. Er forderte darin zugleich Nikita Chrustschow auf, den Aufbau von Raketen zu stoppen. Am 24. Oktober wurden die Verb\u00fcndeten der NATO alarmiert. Fraglich war, inwieweit die sowjetische Seite f\u00fcr ihren Abzug zur Bedingung machen w\u00fcrde, den Vier-M\u00e4chte-Status Berlins zu beenden. Die USA bef\u00fcrchteten, dass die sowjetische Regierung den Abzug der ehemaligen Alliierten aus Westberlin fordern w\u00fcrde. Diese Koppelung machte die Kuba-Krise zugleich zu einer neuerlichen Berlin-Krise. Die h\u00f6chst explosive Situation war tagelang nicht im Griff. Die USA schickten eine Armada von Kriegsschiffen in die Karibik, wo auch sowjetische U-Boote kreuzten. Letztere hatten atomare Sprengk\u00f6pfe an Bord, was den US-Milit\u00e4rs nicht bekannt war. Erst am 28. Oktober 1962 bahnte sich eine Wende an. Chrustschow befahl den sowjetischen Transportschiffen abzudrehen und leitete den Abzug aus Kuba ein. Doch hielten westliche Strategen den Vier-M\u00e4chte-Status Berlins weiterhin f\u00fcr gef\u00e4hrdet. Sie beharrten auf drei Grunds\u00e4tzen: Der Vier-M\u00e4chte-Status m\u00fcsse unangetastet, die Zufahrtswege nach Westberlin f\u00fcr den Verkehr von und nach Westberlin offen und die politische Einheit Westberlin erhalten bleiben. Von der Durchsetzung dieser Grunds\u00e4tze hing unser Leben in Westberlin fundamental ab. Im Jahre 1963 besuchte der amerikanische Pr\u00e4sident John F. Kennedy Westberlin und bekr\u00e4ftigte, von Hunderttausenden bejubelt, in seiner ber\u00fchmten Rede den Selbstbehauptungswillen der Berliner. Wir erlebten den Besuch Kennedys in Dahlem, wo er in der Garystra\u00dfe am Geb\u00e4ude des Instituts f\u00fcr politische Wissenschaft vorbeifuhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Inge Lu und ich waren folglich gerade zu dem Zeitpunkt nach Berlin umgezogen, in dem der Kalte Krieg in seine gef\u00e4hrlichste Phase getreten war und eine Weltkatastrophe herbeizuf\u00fchren drohte. Die Bev\u00f6lkerung der \u203aInsel\u2039 Westberlin bef\u00fcrchtete, vom Westen abgeschnitten und vom Osten geschluckt zu werden. In der Stadt vibrierten h\u00f6chste Anspannung und Nervosit\u00e4t. Unwillk\u00fcrlich erinnerten uns die Vorg\u00e4nge an die \u00c4ngste der letzten Kriegsmonate 1945. Wir fragten uns nat\u00fcrlich immer wieder, ob es klug gewesen war, nach Westberlin gegangen zu sein. Inge Lu erlitt nach den Aufregungen einen sogenannten \u203aBerlin-Koller\u2039. Sie f\u00fchlte sich am falschen Ort, in einem ummauerten Steinmeer, einem politischen Gef\u00e4ngnis, aus dem man nur auf wenigen Fluchtwegen entrinnen konnte. Ringsum Mauern und Stacheldraht, nur wenige garantierte Durchgangswege, schikan\u00f6se Grenzkontrollen der DDR-Volkspolizei, Willk\u00fcr und Angst. Bei mir hingegen begann mit dem Wechsel zur Soziologie und mit der Aufnahme in das F\u00f6rderungsprogramm der Ford Foundation mein Lebensweg in die Sozialwissenschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Auschwitz-Prozess und Vietnamkrieg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Nachdem die Kuba-Krise entsch\u00e4rft worden war, wirkten sich zwei weitere Gro\u00dfereignisse ganz verschiedener Art auf unser politisches Leben aus: au\u00dfenpolitisch 1963 der Eintritt der USA in den seit 1955 tobenden Vietnamkrieg, innenpolitisch der 1. Frankfurter Auschwitz Prozess (1963\u20131965). Der Auschwitz-Prozess der auf Betreiben des hessischen Generalstaatsanwaltes Fritz Bauer 1963 zustandegekommen war, konfrontierte das geteilte Deutschland erstmals massiv und bis in den politischen Alltag hinein mit den im kollektiven Ged\u00e4chtnis weitgehend verdr\u00e4ngten Verbrechen der Nazi-Diktatur. Der Prozess wurde zu einem Wendepunkt bei der Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Es standen zweiundzwanzig Angeklagte vor Gericht, darunter SS-Offiziere und Wachleute der Konzentrationslager. Mehr als 300 Zeugen sagten in dem zwanzig Monate dauernden Prozess aus, darunter 181 Auschwitz-\u00dcberlebende. Die Berichte der KZ-Opfer lie\u00df den Zuh\u00f6rern das Blut in den Adern gerinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Mich betraf der Prozess als Sohn eines ehemaligen Nationalsozialisten, der von 1947 bis 1949 am N\u00fcrnberger Milit\u00e4rtribunal als Verteidiger von NS-Verbrechern gewirkt hatte, ganz direkt. Ich hatte damals als Jugendlicher, als <em>son of the attorney, <\/em>Hitlers Geheimdienstchef Walter Schellenberg pers\u00f6nlich kennengelernt und von meinem Vater einiges \u00fcber die Gr\u00e4ueltaten geh\u00f6rt, ohne hierdurch in einer konkreten Weise politisiert worden zu sein. Jetzt erlebte ich als Student der Soziologie und Politikwissenschaft in doppelter Weise die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und die Widerst\u00e4nde gegen eine Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Das L\u00fcgen und Leugnen und das sich gegenseitig deckende Vernebeln auf der Anklagebank, die Widerst\u00e4nde in der deutschen Justiz gegen eine rasche und gr\u00fcndliche Aufkl\u00e4rung der Verbrechen und die weit verbreitete Forderung, unter die NS-Vergangenheit einen Schlussstrich zu setzen und T\u00e4ter nicht mehr zur Rechenschaft zu ziehen, weckten meinen Gerechtigkeitssinn, der eine harte Bestrafung der Schuldigen forderte. Er riss mich hinein in die Auseinandersetzungen in und au\u00dferhalb der Freien Universit\u00e4t Berlin. Ich \u00e4rgerte mich \u00fcber Konrad Adenauers leichtfertige und besch\u00f6nigende Worte, wonach es in der Bundesrepublik Deutschland keinen nennenswerten Antisemitismus und Rechtsradikalismus mehr gebe. Ich hatte in den 1960er Jahren im protestantischen Franken mit eigenen Augen gesehen, dass in Wohnungen noch NS-Flaggen, NS-Wimpel, Nazi-Orden und andere Devotionalien an den W\u00e4nden hingen und eine stramme NS-Ideologie die politischen Gespr\u00e4che bestimmte. Es gab in fr\u00e4nkischen Mittelst\u00e4dten, beispielsweise in Neustadt an der Aisch oder in Bad Windsheim rechtsradikale und neonazistische \u203aNester\u2039. In diesen Bereichen gewann die 1964 neugegr\u00fcndete Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) in erschreckendem Ma\u00dfe an Boden. In Bayern zog sie in der Landtagswahl 1966 mit 7,4 Prozent der Stimmen in den Bayerischen Landtag ein. Mein Vater hatte zwar inzwischen seine pers\u00f6nliche NS-Vergangenheit ad acta gelegt und als W\u00e4hler seinen Frieden mit der Zweiten Demokratie Deutschlands geschlossen, meinte jedoch wie viele andere der nationalsozialistischen V\u00e4ter-Generation, es m\u00fcsse endlich ein Schlussstrich gezogen werden, um eine gesellschaftlich-politische Befriedung zu gew\u00e4hrleisten und die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland dauerhaft zu stabilisieren. Dies war auch Tenor und Absicht der Adenauer-Regierung. Adenauer hielt im Bundeskanzleramt an seinem schwer belasteten Staatssekret\u00e4r Hans Globke (1898\u20131973) fest, der Mitverfasser und Kommentarautor der N\u00fcrnberger Rassengesetze (1935) gewesen war. Der Auschwitz-Prozess stellte die Schlussstrich-Politik grunds\u00e4tzlich infrage, bewirkte ein Umdenken und st\u00e4rkte institutionelle Vorkehrungen gegen eine Politik des Verdr\u00e4ngens und Vergessens. Die Zwanzig-Jahre-Frist f\u00fcr NS-Verbrechen w\u00e4re noch w\u00e4hrend des Prozesses abgelaufen, w\u00e4re sie nicht auf \u00f6ffentlichen Druck hin bis 1969 verl\u00e4ngert worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Die Hochzeit, 19.03.1964<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Anfang des Jahres 1964 waren wir fest entschlossen, unsere \u201ewilde Ehe\u201c endlich nach dem Muster b\u00fcrgerlicher Ordnung in eine legale \u00fcbergehen zu lassen. Seit unserer ersten Begegnung im Jahre 1953 waren elf turbulente Jahre ins Land gegangen. Wir hatten Schillers ber\u00fchmter Ermahnung aus dem <em>Lied von der Glocke<\/em> \u203aDrum pr\u00fcfe, wer sich ewig bindet\u2039 alle Ehre gemacht. Es war genug der Pr\u00fcfung! Die freiz\u00fcgige Berliner Atmosph\u00e4re entsprach ohnehin nicht unserer gutb\u00fcrgerlich-romantischen Vorstellung von Liebe und Ehe. Ende 1963, Anfang 1964 suchten wir in Zeitungsinseraten nach einer Wohnung, fanden in Berlin-Zehlendorf ein kleines Haus mit 1000 Quadratmetern Garten und erledigten die Formalien. Der 20. M\u00e4rz war im Standesamt schon l\u00e4ngst ausgebucht, viele hatten den Tag des Fr\u00fchlingsbeginns gew\u00e4hlt. So schlossen wir am 19. M\u00e4rz um zehn Uhr vormittags im Standesamt Berlin-Zehlendorf die Ehe.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-685 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_003-700x512.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_003-700x512.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_003-300x219.jpg 300w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_003-768x562.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_003-800x585.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_003-80x60.jpg 80w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_003.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>H\u00e4uschen in Berlin-Zehlendorf, Hammerstra\u00dfe 34, gemietet f\u00fcr 250 DM monatlich, Fr\u00fchjahr 1964; Wohndauer Februar 1964 bis August 1966. Die Kontraste konnten kaum krasser sein zwischen fast l\u00e4ndlicher Wohnidylle im S\u00fcden Westberlins und \u203aFrontstadt-Leben\u2039 in der Vierm\u00e4chte-Stadt.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Es w\u00e4re ja verwunderlich gewesen, wenn unser Hochzeitstag nicht mit kuriosen Ereignissen begonnen h\u00e4tte. Als wir gerade das H\u00e4uschen verlie\u00dfen, um zum Standesamt zu hetzen \u2013 wir waren sp\u00e4t dran \u2013, lieferte die Berliner M\u00fcllabfuhr gerade unsere erste Tonne. Wir rannten aus dem Garten und bedeuteten den M\u00fcllm\u00e4nnern, die Tonne vorn in den Garten zu stellen, wir m\u00fcssten eilig zum Standesamt. Nachdem wir mit dem Bus am Rathaus Zehlendorf angekommen waren, st\u00fcrmten wir in einen Blumenladen, um den Brautstrau\u00df zu kaufen. Die Floristin fragte, zu welchem Termin sie den Strau\u00df binden solle. \u00bbSofort!\u00ab Die v\u00f6llig verdutzte Blumenfrau stellte in Windeseile einen Strau\u00df zusammen. Und schon eilten wir weiter. Unsere Trauzeugen, beide befreundete Studierende, standen schon vor der T\u00fcr. Die Beamtin des Standesamtes vollzog das skurrile Zeremoniell. Auf dem Weg zum Ausgang gab ich Inge Lu einen leichten Klaps auf den Po. Das war mein pers\u00f6nlicher \u203ah\u00f6chstamtlicher\u2039 Vollzug. Meine Tochter kl\u00e4rte mich vor dem Hochladen dieses Blogeintrags dar\u00fcber auf, dass ein solches Verhalten heute als machohaft empfunden werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-683 size-large\" src=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_001-700x988.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"988\" srcset=\"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_001-700x988.jpg 700w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_001-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_001-768x1084.jpg 768w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_001-800x1129.jpg 800w, https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/14_001.jpg 1368w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><em>Hochzeit am 19. M\u00e4rz 1964: Inge Lu und Alf Mintzel vor dem Standesamt Berlin-Zehlendorf<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Danach luden wir unsere Trauzeugen zu einem gemeinsamen Mittagessen im Europa-Center ein. Prosaischer konnte es nicht ablaufen. So viel N\u00fcchternheit bildete nach elf Jahren \u203aLiebesleid\u2039 und \u203aLiebesfreud\u2039 den legalen H\u00f6hepunkt eines sogenannten unvergesslichen Tages im b\u00fcrgerlichen Leben. Eine kirchliche Trauung kam f\u00fcr uns kirchenferne Gesch\u00f6pfe nicht in Frage, ebenso wenig ein anachronistisches wei\u00dfes Brautkleid. Inge Lu trug ein schickes Kost\u00fcm.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die gro\u00dfe Familienfeier fand drei Tage sp\u00e4ter, am 22. M\u00e4rz 1964, in W\u00fcrzburg im neu erbauten Hause Schaltenbrand statt. Die Dynamik der familienpolitischen Konstellation wollte es, dass sich in den gro\u00dfen R\u00e4umen die Verwandten in zwei Gruppen aufteilten, in die der Schaltenbrands und in die der Mintzels. Die Eltern Schaltenbrand schenkten uns eine Hochzeitsreise in den Tessin und einen kostenfreien Aufenthalt in der \u203aCasa Lu\u2039, dem neu erbauten Estate der Schaltenbrands am Lago Maggiore. Als wir dort unsere Flitterwochen verlebten, drohten Wassermassen sintflutartiger Regeng\u00fcsse ins Haus einzudringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Inge Lu beendete um 1966\/67 ihr Sinologie-Studium, nachdem sie erfahren hatte, dass das Thema ihrer Doktorarbeit in Australien bereits behandelt worden war. Es gab damals in diesen F\u00e4chern noch keine systematische internationale Kommunikation, geschweige denn eine digitale, die ein solches Desaster h\u00e4tte abwenden lassen. Inge Lu resignierte und gab nach einem fast zehnj\u00e4hrigen, h\u00f6chst anstrengenden Studium auf. Sie hatte somit nicht einmal ein kleines Diplom, das man h\u00e4tte vorzeigen k\u00f6nnen und entschied sich in dieser beruflich aussichtslosen Situation daf\u00fcr, mit mir eine Familie zu gr\u00fcnden und sich in die traditionelle Rolle der Hausfrau, Ehefrau und Mutter zu f\u00fcgen. Ihre Entscheidung hatte f\u00fcr unser weiteres gemeinsames Leben insofern einen Vorteil, als hierdurch die Rollenverteilung in vorgegebenen Rahmenbedingungen gekl\u00e4rt war. Au\u00dferdem \u2013 und das will ich nicht als konventionelle Dankesfloskel verstanden wissen \u2013, wusste meine Frau aus ihrem Elternhaus, welche Strapazen und Risiken Wissenschaftler in der Regel ertragen und durchstehen mussten, bis sie, wenn \u00fcberhaupt, auf eine ordentliche Professur berufen wurden. Ihre Bereitschaft, mir den R\u00fccken freizuhalten und ihre Rolle anzunehmen, stabilisierte unsere Beziehung, w\u00e4hrend um uns herum in den 1960er und 1970er Jahren die Ehen vieler junger Nachwuchswissenschaftler gef\u00e4hrdet waren, weil die Durststrecken zu lang und die beruflichen Chancen unberechenbar waren und zudem die Emanzipationsbestrebungen der Frauen st\u00e4rker wurden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wechsel nach Westberlin, Herbst 1961 Das Jahr 1961 wurde f\u00fcr Inge Lu und mich zu einem lebensgeschichtlichen Wendejahr. Prof. Dr. Alfred Hoffmann, der Doktorvater meiner Verlobten, war in diesem Jahr auf einen Lehrstuhl f\u00fcr Sinologie an die Freie Universit\u00e4t Berlin berufen worden. F\u00fcr Inge Lu bedeutete der Weggang ihres Lehrers, dass auch sie zum wiederholten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[45,43,41,46,40,319,50,49,44,48,51,47,42],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=96"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":735,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96\/revisions\/735"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=96"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=96"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=96"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}