{"id":119,"date":"2021-01-14T13:26:57","date_gmt":"2021-01-14T12:26:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/diealtvorderen\/?p=119"},"modified":"2021-01-14T13:26:57","modified_gmt":"2021-01-14T12:26:57","slug":"4-auf-gedeih-und-verderb-lebens-geschaefts-und-einkommensverhaeltnisse-im-hofer-druckerei-verlags-und-pressewesen-bis-zum-industriezeitalter-mit-einer-neuen-dokumentation-alter-quellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/diealtvorderen\/2021\/01\/14\/4-auf-gedeih-und-verderb-lebens-geschaefts-und-einkommensverhaeltnisse-im-hofer-druckerei-verlags-und-pressewesen-bis-zum-industriezeitalter-mit-einer-neuen-dokumentation-alter-quellen\/","title":{"rendered":"4.  Auf Gedeih und Verderb. Lebens-, Gesch\u00e4fts- und Einkommensverh\u00e4ltnisse im Hofer Druckerei- Verlags- und Pressewesen bis zum Industriezeitalter. Mit einer neuen Dokumentation alter Quellen"},"content":{"rendered":"<p><strong>E<\/strong><strong>inleitung und Strukturierung<\/strong><\/p>\n<p>Dank der \u00d6ffnung des Archivs der Firma Mintzel-Druck kann dieser Beitrag auf zahlreiche bisher unbekannte und unver\u00f6ffentlichte Dokumente aus dem 17. 18. und 19. Jahrhundert zur\u00fcckgreifen. Der ehemalige Inhaber der traditionsreichen Hofer Firma, Stephan Hoermann, hat mir im Jahre 2005 das gesamte Archivmaterial der Firma zur Sichtung, Auswertung und Publikation \u00fcbergeben. Die im alten, seit Generationen gef\u00fchrten Archiv entdeckten Dokumente aus mehreren Jahrhunderten &#8211; Originalhandschriften, Aktenvermerke der Landeshauptmannschaft und der markgr\u00e4flichen Regierung, Gesuche um Konzessionen, amtliche Berichte und gesch\u00e4ftliche Beschwerden \u2013 ver\u00e4ndern nicht das Bild, das die oberfr\u00e4nkische Gewerbe- und Kulturgeschichte bisher von der historischen Entwicklung des Hofer Druckerei-, Verlags- und Pressewesen entworfen hat. Sie bieten aber neue \u00fcberraschende Einblicke und lassen Vorg\u00e4nge und Zusammenh\u00e4nge genauer beschreiben. Akteure bleiben nicht l\u00e4nger Schemen in einem vagen historischen Kontext, sondern treten uns in ihren Gesuchen, Beschwerden und Korrespondenzen als Pers\u00f6nlichkeiten entgegen, die ihre gesch\u00e4ftlichen Ziele verfolgen und ihre Lebenssituation verbessern wollen. Dieser Beitrag ist als ein dokumentarischer Nachtrag zu meiner zweib\u00e4ndigen Publikation \u201eVon der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie\u201c zu verstehen, der Erg\u00e4nzungen, Korrekturen und Pr\u00e4zisierungen enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Firmengeschichten folgen h\u00e4ufig einem trockenen chronologischen Muster: \u201eAm einfachsten [\u2026] ist die Firmengeschichte in Form der sachlichen Aufz\u00e4hlung: A gr\u00fcndete und tat das; auf ihn folgte Sohn B und tat jenes; B starb kinderlos und die erben verkauften an C; C unternahm diese und jenes; auf ihn folgte sein Sohn D, und der regiert noch heute: Neckischer Zusatz: D junior ist drei Jahre alt und somit die Kontinuit\u00e4t gesichert.\u201c Dieses lebensferne, kn\u00f6cherige Schema hatten im 18. Jahrhundert der Hofer Rektor Paul Daniel Longolius und an der Wende zum 19. Jahrhundert der Bayreuther Gelehrte Georg Wolfgang Augustin Fikenscher in ihren Firmengeschichten der Druckereien im Markgrafentum Bayreuth angewandt. Longolius hatte sich mit einer stupenden, um nicht zu sagen stupiden Faktensammlerei begn\u00fcgt. Fikenscher war nicht weit dar\u00fcber hinausgegangen. Auch die sp\u00e4teren Firmengeschichten, welche die Firma Mintzel-Druck aus Anlass von Jubil\u00e4en publizierte, folgten diesem einfachen Schema. Damit konnten \u00dcberg\u00e4nge von einem Inhaber zum anderen sch\u00f6n \u201egegl\u00e4ttet\u201c werden, als habe es keine Br\u00fcche gegeben, keine gesch\u00e4ftlichen Fehlentscheidungen, als w\u00e4ren alle Inhaber nur t\u00fcchtige, weitsichtige Pers\u00f6nlichkeiten gewesen. Longolius und Fikenscher wiesen in ihren knappen chronologischen Skizzen zwar auf gesch\u00e4ftliche Konkurrenz- und Konfliktlagen hin, belie\u00dfen es aber bestenfalls bei Andeutungen.<\/p>\n<p>Die im Anhang wiedergegebenen Dokumente aus dem Firmenarchiv erm\u00f6glichen in Verkn\u00fcpfung mit anderen, teilweise schon bekannten Quellen noch mehr Licht in die vorindustriellen Lebens-, Gesch\u00e4fts- und Einkommensverh\u00e4ltnisse im Hofer Druckerei- Verlags- und Pressewesen zu bringen. Missliche Umst\u00e4nde, Existenz gef\u00e4hrdende Konkurrenzsituationen, betriebliche Schwierigkeiten und wirtschaftliche Fehlentscheidungen kommen noch deutlicher ans Tageslicht. Damals griffen vor allem obrigkeitliche Entscheidungen immer wieder tief in die Situation der Gewerbe ein. Das Druckerei-, Verlags- und Pressewesen war in besonderer Weise den obrigkeitlichen Gewerbe- und Polizeiordnungen unterworfen. Evangelische Pastoren, insbesondere die Superintendenten, und die Rektoren des Gymnasiums mischten sich ein und trugen zum Gedeihen, aber auch zum Schaden der Betriebe bei. Die Einkommensverh\u00e4ltnisse wurden, wie im Folgenden aufgezeigt wird, \u00a0von einer Mehrzahl von Wirkfaktoren bestimmt. Auch soziale und gewerbliche Netzwerke waren daran beteiligt. Verwandte Familien und benachbarte Berufskreise wie Buchbinder und Kleinverleger halfen Notzeiten zu \u00fcberstehen. Generell m\u00fcssen wir zwischen dem so genannten freien Handwerk und freien Erwerbsformen und dem z\u00fcnftigen Handwerk unterscheiden. Buchdrucker, Buchh\u00e4ndler und Papiermacher z\u00e4hlten zu den freien, das hei\u00dft, zu den nicht in Z\u00fcnften organisierten Handwerken. Sie waren folglich keiner Zunftordnung unterworfen.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Sie unterstanden direkt obrigkeitlichen Verordnungen und Kontrollen. Die Buchbinder waren hingegen in einer Zunft zusammengeschlossen.<\/p>\n<p>Die bestimmenden, wirkungsm\u00e4chtigen Faktoren k\u00f6nnen nach einem groben Schema aufgezeigt werden. F\u00fcr das Hofer Druckerei- und Verlagswesen, und das gilt mutatis mutandis, also mit den notwendigen lokalen Varianten, f\u00fcr die Markgrafschaft Bayreuth allgemein, l\u00e4sst sich eine \u201estille\u201c Wirkkraft erkennen. Nach einem \u201eehernen Gesetz\u201c konnte an den Druck- und Verlagsorten jeweils nur ein Druckereibetrieb wirklich florieren. Die obrigkeitliche Zulassung einer zweiten Offizin f\u00fchrte unter den gegebenen sozialen und gewerblichen Rahmenbedingungen regelm\u00e4\u00dfig zu gesch\u00e4ftlichen Einbu\u00dfen der ersten und zu einem ruin\u00f6sen Konkurrenzkampf unter beiden. Mal obsiegte die eine, mal die andere. Ich werde diese \u201estille\u201c Wirkkraft an vier Beispielen demonstrieren und ihre Auswirkungen auf die Lebens-, Gesch\u00e4fts- und Einkommensverh\u00e4ltnisse sichtbar machen.<\/p>\n<p>Es gab noch ein zweites \u201eehernes Gesetz\u201c, oder sagen wir eine notgedrungene Regelm\u00e4\u00dfigkeit in diesen Branchen, n\u00e4mlich Erwerbst\u00e4tigkeiten neben dem erlernten Hauptberuf nachgehen zu m\u00fcssen. Mitunter erhielten \u201eNebenerwerbst\u00e4tigkeiten\u201c wahrscheinlich das Gewicht des Hauptberufes. So waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und noch dar\u00fcber hinaus so gut wie alle Hofer Druckereibesitzer, seien es gelernte Drucker oder Schriftsetzer gewesen, gelegentlich oder dauerhaft auch als Verleger t\u00e4tig. Sie waren Druckerverleger. Sie handelten au\u00dferdem mit Schreibzubeh\u00f6r wie Papier, Federkiele, Schreibfedern und nicht zuletzt auch mit Altpapier. Man k\u00f6nnte sagen, die Druckereien f\u00fchrten zugleich einen Schreibwarenladen. In Konkurrenz zu, aber auch in Kooperation mit diesen Druckerverlegern und gleichzeitigen Kleinh\u00e4ndlern traten Futteralmacher, Buchbinder und Handelsleute, die allerlei Druckschriften verlegten (Johann Siegmund Strau\u00df; Johann Christoph Leidenfrost; Johann Gotthard P\u00fcttner; Georg Stephan Ritter). Eine dritte Gruppe bildeten die gelernten Buchh\u00e4ndler, die in der Regel ebenfalls mit Verlagsgesch\u00e4ften f\u00fcr sich eine weitere Einkommensquelle erschlossen. Es waren bekannte Verlagsbuchh\u00e4ndler wie Johann Gottlieb Vierling (1711 \u2013 1782) und seine Nachfolger Carl Johann Albrecht Meyer (? -1793) und Gottfried Adolph Grau (1765-1827), die mit der Zeit die Druckerverleger auf diesem Erwerbsfeld zur\u00fcckdr\u00e4ngten. Hofer Verlagsbuchh\u00e4ndler traten zudem auch als Leihbibliothekare und Versicherungsagenten auf. Vierling f\u00fchrte nebenbei ein Leihb\u00fccherei<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>, die erste private in Hof.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> Grau f\u00fchrte die Vierlingsche Leihb\u00fccherei fort und handelte au\u00dferdem mit Versicherungspolicen.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> Aus diesen Tatsachen k\u00f6nnen wir schlie\u00dfen, dass in der Regel das Einkommen aus dem erlernten Hauptberuf zum Lebensunterhalt nicht voll ausreichte, vor allem wenn gr\u00f6\u00dfere Familien ern\u00e4hrt werden mussten. Die Einkommensverh\u00e4ltnisse setzten sich folglich aus mehreren Komponenten zusammen. F\u00fcr quantitative Angaben \u00fcber die Anteile der Einzelertr\u00e4ge aus den verschiedenen Erwerbsfeldern fehlen allerdings einschl\u00e4gige Quellen. Wir m\u00fcssen es bei einer Art qualitativen Analyse belassen. Aus verschiedenen amtlichen Dokumenten und anderen Quellen erfahren wir zumindest punktuell einiges \u00fcber Lebensverh\u00e4ltnisse und Gesch\u00e4ftssituationen. Die Konkurrenten kamen sich immer wieder ins Gehege, es gab den sprichw\u00f6rtlichen Handwerkshader. Es kam zu Streitigkeiten \u00fcber angebliche oder tats\u00e4chliche gesch\u00e4ftliche Beeintr\u00e4chtigungen und Privilegien. Die Obrigkeit wurde angerufen und deren Machtwort erbeten. Handschriftliche und gedruckte Quellen enthalten dar\u00fcber Ausk\u00fcnfte zu unseren Fragestellungen. Beide wirtschaftlichen Wirkkr\u00e4fte, die ruin\u00f6se Konkurrenz zweier Druckereien, und die Notwendigkeit nebenberuflicher Erwerbst\u00e4tigkeiten, bestimmten \u00fcber zweihundert Jahre, bis zum Beginn des Industriezeitalters Mitte der 1850er Jahre, die Erwerbsverh\u00e4ltnisse in diesen Branchen.<\/p>\n<p>Folgendes ist noch allgemein zu bedenken: Es gab noch keine sozialstaatlichen Gesetze, keine Arbeitslosenversicherung, keine Sozialversicherung, keine Krankenversicherung, keine Altersversicherung, keine Pflegeversicherung und &#8211; au\u00dfer der christlich-karitativen Kranken- und Altenpflege und dem Almosenkasten &#8211; keine garantierte \u00f6ffentliche F\u00fcrsorge. Ein Pensions- oder Rentenalter war eben so wenig bekannt wie ein Stichjahr f\u00fcr den Eintritt in den Ruhestand. Gearbeitet wurde so lange, wie es die k\u00f6rperlichen und geistigen Kr\u00e4fte erm\u00f6glichten. Die Familie war die unersetzbare materielle und immaterielle Versorgungs- und Schutzgemeinschaft, Kinder waren die Alters- und Pflegeversicherung. Alle arbeitsf\u00e4higen Familienmitglieder mussten dazu beitragen, die materielle Versorgung der Familie sicher zu stellen. In der Arbeits- und Lebensgemeinschaft und im Regelwerk des Alltags kam der Ehefrau des Betriebsinhabers, der Prinzipalin, eine zentrale Rolle zu. Sie hatte f\u00fcr die Beherbergung, Verk\u00f6stigung und Pflege des Druckereipersonals zu sorgen. Sie nahm noch unmittelbar teil am Alltag des Betriebes, sie war noch in den Rhythmus des Arbeitsablaufes mit eingebunden. Sie wurde deshalb h\u00e4ufig \u201edie Seele des Betriebes\u201c genannt.<\/p>\n<p>Die Aufz\u00e4hlung der drei beruflichen Hauptgruppen, die in den fokussierten Branchen und weiteren Erwerbsfeldern t\u00e4tig waren, zeigt, dass im Rahmen dieses Beitrages ein Schwerpunkt gesetzt werden muss. Ich lege ihn auf das Druckerei- und Verlagswesen und befasse mich haupts\u00e4chlich mit den Einkommensverh\u00e4ltnissen der Hofer Druckerverleger und Zeitungsverleger seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Mit der Gr\u00fcndung der Bayreuther Druckerei 1659\/60 verlor das Hofer Druckerei- und Verlagswesen sein Monopolstellung, das es in der Markgrafschaft Kulmbach-Bayreuth hundert Jahre lang innehatte. Seither kam es auch an anderen so genannten Hauptst\u00e4dten der Markgrafschaft zur Gr\u00fcndung von Druckereien und Verlagen, welche die Erwerbsbasis des Hofer Druckereigewerbes schm\u00e4lerten.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> Der Hofer Druckerverleger Gottfried Mintzel (1642 &#8211; 1713) beschwerte sich deshalb in den 1670er und 1690er Jahren bei der markgr\u00e4flichen Regierung, konnte aber die Entwicklung nicht aufhalten. Im Jahre 1692 kam es dann am Ort zur Gr\u00fcndung einer zweiten Druckerei. Ein junger Drucker namens Johann Nikolaus Martius (1661 \u2013 1729), ein Pfarrersohn aus dem benachbarten Berg, lie\u00df sich in Hof nieder. An diesem Punkt beginne ich mit meinen speziellen Analysen.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Das \u201ceherne Gesetz\u201c: Der einen Gedeihen ist der anderen Untergang<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Beispiel 1: Die ruin\u00f6se Konkurrenz \u00a0Gottfried Mintzel \/ Johann Nicolaus Martius,<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a01692 &#8211; 1703<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Gr\u00fcndung der Offizin des Martius trat dessen Betrieb in Konkurrenz zur Mintzelschen. Wie sich rasch herausstellen sollte, hatte der Wettbewerb um Druckauftr\u00e4ge und um Einnahmequellen f\u00fcr beide Seiten ruin\u00f6se Auswirkungen. F\u00fcr zwei Druckereien gab es in Hof nicht genug zu tun, um florieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer war dieser Johann Nikolaus Martius? Er stammte aus der kinderreichen Familie des markgr\u00e4flichen Predigers Nicolaus Martius. Er war 1661 in Geroldsgr\u00fcn als neuntes Kind des Pfarrerehepaars Martius zur Welt gekommen. Das Buchdruckerhandwerk hatte er zur Zeit der t\u00fcrkischen Belagerung Wiens erlernt. Im Jahre 1683 war er in Wien als Buchdruckergeselle besch\u00e4ftigt. Danach war er nach Tyrnau in Ungarn gegangen, um dort in der Buchdruckerei der Jesuiten als Faktor zu arbeiten. Etwa 1691\/92 hatte ihn sein Weg zur\u00fcck in die Heimat gef\u00fchrt, wo er sich in Hof als Drucker niederlie\u00df. Seine Hoffnung, in Hof k\u00f6nne seine neu gegr\u00fcndete Offizin neben der Mintzelschen gedeihen, gr\u00fcndete wohl in den v\u00e4terlichen Beziehungen zur markgr\u00e4flichen Beamtenschaft. Vater Martius hatte, bevor er im Jahre 1690 in Berg bei Hof Pfarrer wurde, verschiedene Pfarrstellen inne und anscheinend das besondere Wohlwollen und die Unterst\u00fctzung des Hofer Superintendenten Joseph von Waldeck genossen. Von Waldeck hatte den Vater zum Senior des Kapitels bestellt, ein Ehrenamt, das Pastor Martius vierzig Jahre lang begleitete. Die guten Beziehungen zum Superintendenten d\u00fcrften dabei hilfreich gewesen sein, bei der markgr\u00e4flichen Regierung eine Druckerei- konzession zu erwirken. Die Herren Geistlichen waren, dessen d\u00fcrfen wir ziemlich gewiss sein, nicht \u201emarktorientiert\u201c, oder etwas pr\u00e4ziser ausgedr\u00fcckt, zu wenig am Bedarfsmarkt<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a> orientiert. Sie hatten als Autoren ihre eigenn\u00fctzige Sicht der Verh\u00e4ltnisse und verfolgten in hohem Ma\u00dfe eigene Interessen.<\/p>\n<p>Als sich dann rasch herausstellte, dass in Hof zwei Druckereien nebeneinander auf Dauer nicht existenzf\u00e4hig waren und eine im ruin\u00f6sen Wettbewerb unterzugehen drohte, rieten wohl die Geistlichen Herren den beiden Druckern , Gottfried Mintzel und Johann Nikolaus Martius, sich zusammen zu tun. Am 6. Mai 1693 schlossen die beiden Druckerherren einen Kooperationsvertrag, Mintzel und Martius wurden Kompagnons. Einzelheiten des Kooperationsvertrages sind nicht \u00fcberliefert, so dass manches unklar bleibt. Aber auch diese Hilfsma\u00dfnahme erwies sich schon nach kurzer Zeit als nicht tragf\u00e4hig. Erneut versuchte der Superintendent von Waldeck, dessen eigenn\u00fctzige Fehleinsch\u00e4tzungen die Misere vermutlich mit heraufbeschworen hatten, einzugreifen. Er wollte in dieser Situation, wie er meinte, beiden Druckern \u201egerecht\u201c werden. Er teilte zum Beispiel 1699 seine Leichenpredigtensammlung \u201eEhren-Ged\u00e4chtnis der Gerechten\u201c in einen ersten und zweiten Sammelband auf und lie\u00df den ersten bei Martius und den zweiten bei Mintzel drucken. Beide Druckwerke glichen sich bis auf geringe Abweichungen wie ein Ei dem anderen. Dem \u201eErsten Theil\u201c wurde ein Frontispiz mit dem Konterfei des Autors vorangestellt. Beide Drucker sollten wohl nicht sagen k\u00f6nnen, der Autor habe einen benachteiligt. Mintzel und Martius gaben ihr Bestes und zeigten, was sie typografisch zu leisten vermochten. Allerdings konnte diese Form einer vermeintlich \u201egerechten\u201c Verteilung von Druckauftr\u00e4gen bei dem auf kleine Kreise beschr\u00e4nkten kulturellen Leben in Hof und seiner Umgebung den Bankrott einer der beiden Druckereien nicht aufhalten. Das eherne \u00f6konomische Gesetz, dass sich bei gegebener \u201eBedarfsmarktlage\u201c nur eine halten konnte, wurde mit ganzer Wucht wirksam: Martius musste im Jahre 1703 aufgeben. Unser Gew\u00e4hrsmann, der Bayreuther Gelehrte Georg Wilhelm Augustin Fikenscher (1773 \u2013 1813) brachte es sp\u00e4ter in seinem kleinen Werk \u00fcber die \u201eGeschichte des Buchdruckerwesens in dem Burggrafthum N\u00fcrnberg oberhalb Geb\u00fcrgs\u201c auf den Punkt. Er schrieb 1802: \u201eDenn ob er [Martius] gleich auf seine Druckerei viel verwendete, sich gute Schriften anschafte und f\u00fcr das \u00e4u\u00dfere Empfehlende der ihm zu Drucken anvertrauten Sachen sorgte, so war Hof damals der Ort nicht , an welchem sich zwei Buchdrucker n\u00e4hren konnten. Mintzel, der sich auch \u00fcber ihn beklagte, litt daher durch ihn, und er selbst [Martius] gerieth in Verfall, worauf es ihm ziemlich hart gieng, bis er endlich im Dezember 1729 verstarb.\u201c Fikenscher bezog seine Informationen aus der Schrift von Paul Longolius, der 1741 geschrieben hatte, die ruin\u00f6se Konkurrenzsituation habe nicht nur Martius in den Bankrott getrieben, sondern auch die alteingesessene Offizin Mintzel gesch\u00e4digt. Deren Einnahmen hatten sich so verringert, dass sie in den Betrieb zur Verbesserung der Qualit\u00e4tsstandards nicht gen\u00fcgend investiert konnte.<\/p>\n<p>Wohlgemerkt: Es gab im 17. Jahrhundert in Hof keinen wirklich anonymen, offenen Markt, auf dem die Druckerzeugnisse h\u00e4tten an jedermann verkauft werden k\u00f6nnen. F\u00fcr die meisten Druckerzeugnisse, besonders f\u00fcr die in lateinischer Sprache, gab es nur einen \u00e4u\u00dferst beschr\u00e4nkten Bedarfsmarkt f\u00fcr kleine akademische Kreise und f\u00fcr wenige betuchte Interessenten. So dienten zum Bespiel die zum Teil in lateinischer Sprache verfassten Beitr\u00e4ge der Rektoren Christoph Lyriz und Johann Christoph Wei\u00df zur \u201eHistoria Curiana\u201c, die in den Jahren von 1685 bis 1694 bei Gottfried Mintzel gedruckt worden waren, der lokalen Geschichtsschreibung und dem Prestige des Hofer Gymnasiums als einer herausragenden regionalen Bildungsst\u00e4tte.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a> Bezeichnender Weise waren sie von ihren Autoren an \u201edie Ersten der Stadt Hof und an alle Gebildeten\u201c sowie an \u201ealle G\u00f6nner der Wissenschaften\u201c gerichtet, an ortsans\u00e4ssige, illustre Kreis also.<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a> Dar\u00fcber hinaus konnte nur mit einem geringen Absatz der Druckwerke gerechnet werden. Einige Exemplare wurden wahrscheinlich auf den Leipziger Messen feilgeboten. Mit dem Verkauf auf dem kleinen \u201eBedarfsmarkt\u201c sollten die Druck- und Herstellungskosten gedeckt und dar\u00fcber hinaus ein bescheidener Ertrag gewonnen werden. Eine Druckerfamilie hatte damit ein hinl\u00e4ngliches Auskommen, f\u00fcr eine zweite reichte es nicht aus. F\u00fcr die lokale und engere regionale Bedarfsdeckung gen\u00fcgte, wie die Beispiele zeigen, eine Druckerei.<\/p>\n<p>Die Buchdruckerfamilie Mintzel lebte bis Mitte des 18. Jahrhunderts zwar nicht in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen, sie musste aber doch ein bescheidenes Leben f\u00fchren. Sie wohnte von 1642 bis 1760\/61immerhin in ihrem eigenen Haus in der Ersten Gasse nahe am Oberen Tor, in der heutigen Ludwigstra\u00dfe 85.<\/p>\n<p><strong>Beispiel 2: Die ruin\u00f6se Konkurrenz Mintzel\/Schultze bzw. Hetschel\/Schultze,1733 &#8211; 1741<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Ableben Johann Christoph Mintzels (1676 \u2013 1733), der in der Generationsfolge der Hofer Druckerdynastie Mintzel der dritte Drucker gewesen war, kam es von 1733 bis 1741 erneut zu einer hoch dramatischen und wiederum f\u00fcr beide Konkurrenzparteien existenziell bedrohlichen Situation. Zwischen 1733 und 1741 spielte sich ein gewerblicher Existenzkampf auf Gedeih und Verderb ab. Kaum war der verstorbene Buchdrucker Johann Christoph Mintzel im Juni 1733 auf dem Sankt Lorenzfriedhof begraben worden, da fand sich schon Anfang Juli 1733 beim Magistrat der Stadt Hof ein Buchdrucker aus Schneeberg\/Sachsen ein und \u00fcbergab unter dem Datum des 3. Juli 1733 sein Gesuch, in Hof eine eigene Druckerei er\u00f6ffnen zu d\u00fcrfen. Es war der Buchdrucker Johann Ernst Schultze (1704 &#8211; ?), ein geb\u00fcrtiger Dresdner,<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a> der anscheinend \u00fcber die neue Situation in Hof gut informiert und beraten gewesen sein muss. Mintzel hatte vier noch unm\u00fcndige Kinder hinterlassen, darunter zwei minderj\u00e4hrige S\u00f6hne, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage gewesen waren, die Druckerei weiterzuf\u00fchren.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a> Schultze hatte sich anscheinend gute Chancen ausgerechnet die Mintzelsche Druckerei sich aneignen und mit seiner mitgebrachten zu einem gr\u00f6\u00dferen Betrieb vereinen zu k\u00f6nnen. Er erwarb die seit 1729 verwaiste Druckerei des verstorbenen Martius<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a> und strebte in Hof unverkennbar eine Monopolstellung an. Die \u00fcberlieferten Quellen lassen keinen Zweifel zu, Schultze setzte alles daran, in Hof zum alleinigen Druckerverleger aufzusteigen. Verst\u00e4ndlicherweise war der kleine Kreis der akademischen und gewerblichen Oberschicht der Stadt Hof daran interessiert, m\u00f6glichst bald wieder einen Drucker am Ort zu haben. Die Interessen beider Seiten kamen sich entgegen.<\/p>\n<p>Schultze betonte in seinem Gesuch, er, ein B\u00fcrger Schneebergs und dort etablierter Buchdruckerherr, habe keinen Grund, den Ort zu wechseln. Aber unter gewissen Bedingungen w\u00e4re f\u00fcr ihn eine Niederlassung in Hof vorteilhaft. Auch die Stadt Hof h\u00e4tte von seiner gro\u00dfen Druckerei viel Nutzen, denn er br\u00e4chte zahlreiche ausl\u00e4ndische Auftr\u00e4ge mit und somit ausl\u00e4ndisches Geld herein. Er habe insbesondere einen Gro\u00dfauftrag aus Halle, der seine Pressen f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit auslaste. Er besch\u00e4ftige zwanzig Gesellen und f\u00fcnf Lehrlinge. Was er zun\u00e4chst nur andeutete, um sein Gesuch interessant zu machen, legte er dann offen: Es handle sich um das \u201edas ieziger Zeit gr\u00f6\u00dfte gelehrte opus nehmlich das sogenannte Universal-Lexikon in 26. folianten stehend\u201c, das er \u201epro parte zu drucken unter H\u00e4nden habe.\u201c Schultze machte sein Gesuch mit beredten Worten schmackhaft, kehrte durch viele lateinische Wendungen sein \u201egebildetes Handwerk\u201c hervor und gerierte sich wie ein erfolgreicher Gro\u00dfunternehmer. Er trat selbstbewusst auf und ging zielstrebig aufs Ganze. Er unterstellte in seinem Gesuch, das Mintzelsche Druckereiprivileg sei mit dem Ableben des alten Druckers Mintzel erloschen. Es k\u00f6nne nun einem Bewerber, n\u00e4mlich ihm, ein neues Privileg gew\u00e4hrt werden. Schultze bedingte sich aus, au\u00dfer seiner Buchdruckerei d\u00fcrfe \u201ekeine andere k\u00fcnfftighin in Hof [\u2026] errichthet\u201c werden. Ihm m\u00fcsse folglich das jus prohibendi [das Recht des Verbietens] erteilt werden. Er forderte zudem, dass ihm die ehemaligen Steuerprivilegien der Mintzels \u00fcbertragen werden. Das Gesuch zeigte einen Bewerber, der genaue Kenntnisse der \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnisse hatte und sich ziemlich sicher w\u00e4hnte, unter vorteilhaften Bedingungen nach Hof berufen zu werden. Am Ende seines Gesuches gab sich Schultze noch g\u00f6nnerisch. Er erbot sich, der Witwe Mintzel, es war Anna Regina Mintzel (1698 \u2013 1765), damit ihr kein \u00dcbel geschehe, ihre Offizin zum Sch\u00e4tzpreis abzukaufen. Seine Absichten waren klar und unmissverst\u00e4ndlich. Er wollte den endg\u00fcltigen Untergang der Mintzelschen Buchdruckerei herbeif\u00fchren und in den alleinigen Genuss des Hofer Druckereiprivilegs kommen.<\/p>\n<p>Kenner der damaligen Verh\u00e4ltnisse erraten unschwer, wer hinter dem selbstbewussten Auftritt Schultzes stand. Es war der Rektor des Hofer Gymnasiums, n\u00e4mlich Paul Daniel Longolius (1704 \u2013 1779), der seit 1735 die Rektorenstelle innehatte. Bevor ich aber auf dessen Rolle zu sprechen komme, muss ich Anna Regina Mintzels couragierte Abwehr der, wie wir heutzutage sagen, \u201efeindlichen \u00dcbernahme\u201c ihrer Offizin schildern. Ich muss mich kurz fassen. Anna Regina Mintzel wehrte sich entschieden und tapfer gegen die Absichten Schultzes und seiner einflussreichen Helfer und Bef\u00fcrworter. Sie durchkreuzte deren Pl\u00e4ne mit einem lebensklugen Schachzug. Sie wollte unter allen Umst\u00e4nden die Mintzelsche Druckerei fortf\u00fchren und dachte zun\u00e4chst daran, sie zu verpachten.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a> Dann ergab sich unverhofft, wie das Leben so spielt, eine andere Situation.<\/p>\n<p>Mit Schultze war aus Schneeberg der Druckergeselle Johann Andreas Hetschel (1707-1791) nach Hof gekommen, um dort mit Schultze sein Gl\u00fcck zu finden. Neben dem offiziellen Schauplatz der Verhandlungen, die im Rathaus stattfanden, ergab sich situativ und im Stillen noch ein zweiter, ganz privater. Der junge Hetschel erkannte anscheinend rasch, dass in der Hofer Druckereisituation und bei den gegebenen Verh\u00e4ltnissen der Druckerfamilie Mintzel noch eine andere, f\u00fcr ihn wom\u00f6glich g\u00fcnstigere Chance gegeben sein k\u00f6nnte. Die Witwe Mintzel, die im 34. Lebensjahr stand<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[xiv]<\/a>, brauchte f\u00fcr sich und ihre Kinder einen Ern\u00e4hrer und wollte zu diesem Zweck die Druckerei fortf\u00fchren.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[xv]<\/a> Der Druckergeselle, erst 25 Jahre alt<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[xvi]<\/a>, sah, wie energisch sich Anna Regina Mintzel gegen die Absichten Schultzes wandte. Lag es da nicht nahe, sich mit ihr zu verb\u00fcnden? Bot sich ihm nicht gar eine g\u00fcnstige Gelegenheit zur Einheirat? Hetschel ergriff die Initiative und diente sich der Witwe als Helfer und Faktor an.<\/p>\n<p>Die Witwe fand Gefallen an ihm und machte ihn zum Betriebsleiter ihrer Offizin. Witwe und Faktor, zun\u00e4chst noch unverheiratet, fanden sich nicht nur gesch\u00e4ftlich, sondern auch im Bett und betrieben nach damaligen Konventionen und kirchlichen Vorschriften \u201eUnzucht\u201c. Das mag das gesch\u00e4ftliche B\u00fcndnis obendrein best\u00e4rkt haben. Beide unternahmen nun alles, eine \u201efeindliche \u00dcbernahme\u201c zu verhindern und fanden auch im Stadtmagistrat F\u00fcrsprecher. <a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[xvii]<\/a><\/p>\n<p>Der langwierige Streit lief 1734 am Ende darauf hinaus, dass beide Parteien ihre Forderungen zur\u00fcckstecken mussten. Schultze erhielt f\u00fcr seine Druckerei, die er inzwischen nach Hof \u00fcberf\u00fchrt hatte, die gew\u00fcnschte Konzession und Steuerbefreiung.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[xviii]<\/a> Zur Versorgung seines Haushalts, und dazu z\u00e4hlte sein vielk\u00f6pfiges Druckereipersonal, gestand die Bayreuther Regierung Schultze sogar zu, j\u00e4hrlich zwei Rinder und vier Schweine ohne Aufschlag (Steuer) schlachten lassen zu k\u00f6nnen und ein ganzes Gebr\u00e4u Bier Hofes Ma\u00dfes (15 Eimer Bier zu je 64 Ma\u00df) ohne Zahlung einer Biersteuer brauen zu d\u00fcrfen.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[xix]<\/a> Schultze musste sich jedoch damit einverstanden erkl\u00e4ren, dass der Mintzel &#8211; Hetschelsche Betrieb, der das alte Mintzelsche Privileg aus dem Jahr 1645 verlor, weiter existiert und berechtigt sei, alle Schriften aus dem Gymnasium zu drucken. Mit diesen obrigkeitlichen Entscheidungen bahnte sich wiederum eine unheilvolle Entwicklung an. Es war von oben eine ungleiche \u201eArbeitsteilung\u201c verf\u00fcgt worden, die der gesch\u00e4ftlich waghalsige Schultze zun\u00e4chst zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Dennoch ging seine Rechnung nicht auf. Johann Andreas Hetschel und Anna Regina Mintzel heirateten Mitte Oktober 1734, Reginas Schwangerschaft war nicht mehr zu verbergen.<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[xx]<\/a> Vier Monate sp\u00e4ter kam das Kind zur Welt.<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[xxi]<\/a> Das Ehepaar ging schweren, entbehrungsreichen Jahren entgegen. Von den schmalen Eink\u00fcnften aus dem Druck von Schriften aus dem Gymnasium allein konnte eine kinderreiche Familie nicht ern\u00e4hrt werden. Die Lehrer z\u00e4hlten selbst zu den am schlechtesten bezahlten in der Markgrafschaft.<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[xxii]<\/a><\/p>\n<p>Ein treibender und eigenn\u00fctziger Bef\u00fcrworter der Niederlassung Schultzes in Hof war ohne Zweifel Longolius, der Rektor des Hofer Gymnasiums. Der Verleger Johann Heinrich Zedler (1706.-.1763)<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[xxiii]<\/a>, der sich vorgenommen hatte, neben der Encyclopedie Diderots und -da\u00b4Alemberts<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[xxiv]<\/a> das gr\u00f6\u00dfte Lexikon aller Zeiten herauszubringen, hatte den Altphilologen Longolius f\u00fcr die Kompilation und Redaktion der B\u00e4nde 17 und 18 gewinnen k\u00f6nnen. Der ehrgeizige und Ruhm beflissene Longolius war f\u00fcr seine stupende Gelehrsamkeit, seinen au\u00dferordentlichen Flei\u00df und f\u00fcr seine \u201eVielschreiberei\u201c (Ludwig Philipp von Weitershausen) bekannt gewesen. Das Verlagsunternehmen Zedlers war auf seine schriftstellerischen Ambitionen und bunt gew\u00fcrfelten historischen Interessen und philosophischen Interessenfelder geradezu passgenau zugeschnitten. Also machte sich Longolius bienenflei\u00dfig an die Arbeit, sammelte, kompilierte, verfasste, redigierte und schuf in den ihm aufgetragenen B\u00e4nden 17 und 18 Tausende von Lemmata-Waben und f\u00fcllte sie mit dem Honig seiner literarischen Ausfl\u00fcge. Er setzte seinen ganzen Ehrgeiz und seine unerm\u00fcdliche Schaffenskraft daran, zu diesem Gro\u00dfunternehmen des Wissens beizutragen und sich hierdurch selbst ein Denkmal zu setzen. Die Stadt Hof und ihre lokale Geschichtsschreibung sind noch heute stolz auf diese Leistung und heben den Hofer Anteil am \u201eZedler\u201c mit Genugtuung hervor. Longolius schloss in der Tat mit seiner Beteiligung das kleine markgr\u00e4fliche Hof an die allgemeine deutsche und europ\u00e4ische Kulturgeschichte an. Es ist dem Longolius also gar nicht zu verdenken, dass er den von Zedler mit dem Druck von B\u00e4nden beauftragten Schneeberger Buchdrucker Schultze gleich am Ort haben wollte. Das erleichterte die unabdingbare enge Zusammenarbeit. Der kleine Mintzelsche Druckereibetrieb w\u00e4re wahrscheinlich mit der Drucklegung eines solchen grandiosen Werkes \u00fcberfordert gewesen, zumal nach dem Ableben Johann Christoph Mintzels. Die Handlungsstrategie und Parteinahme Longolius\u00b4 waren in dieser Hinsicht sicher realistisch.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit von Rektor und Buchdrucker f\u00fchrte zu einer merkw\u00fcrdigen Komplizenschaft, die bis heute so gut wie unbekannt geblieben und noch nicht ganz aufgekl\u00e4rt ist. Der ambitionierte Longolius und der sich als Gro\u00dfunternehmer gerierende Schultze machten sich jedenfalls tempor\u00e4re Schwierigkeiten des Verlegers Zedler zu Nutze und publizierten die B\u00e4nde 17 und 18 auf eigene Faust als Hofer Produkte. Zedler hatte bis 1738 in Sachsen nicht drucken lassen d\u00fcrfen. Schultze ergriff die Gelegenheit und brachte die beiden B\u00e4nde ohne Wissen und Zustimmung Zedlers unter eigenem Namen heraus: Im Titelblatt stand zu lesen: \u201eHof im Voigtlande, Gedruckt und verlegt von Johann Ernst Schultzen. Im Jahr 1738\u201c. Auf den Titelseiten erschien nicht einmal der Name Zedler. Schultze hatte Druck und Verlag buchst\u00e4blich an sich gerissen. Longolius war, so d\u00fcrfen wir annehmen, zumindest Mitwisser, wenn nicht gar stillschweigend am Coup beteiligt. Die Hofer lokale Geschichtsschreibung sagt dazu, es habe nur eine Missstimmung zwischen Zedler und Longolius gegeben. Nein! Zedler reagierte w\u00fctend auf diese Art des Raubdrucks und auf die skrupellose Usurpation der Verlegerrolle. In seiner zornigen Vorrede zum 19. Band prangerte Zedler die \u201eunzehligen Druckfehler\u201c der Hofer Edition an. Schlug er den Sack und meinte den Esel? Longolius hatte sich immer seiner flei\u00dfigen und akkuraten Korrekturarbeiten ger\u00fchmt. Griff also Zedler in seiner Philippika indirekt auch Longolius an? Zedler beendete jedenfalls seine Zusammenarbeit mit dem Hofer Rektor im Krach. Und an Schultze lie\u00df er kein gutes Haar. Schultze, so gab er in seiner Vorrede zum 19. Band K\u00e4ufern und Lesern bekannt, wolle, den Verlag des XVII und der folgenden Theile an sich [\u2026] reissen\u201c und ihn um seinen Profit bringen. Er warnte: \u201eDiejehnigen, welche aber sich aber durch die von [\u2026] Schultzen ausgestreuten gedruckten Unwahrheiten die Augen blenden lassen sollten, werden zu rechter zeit zu ihrem Schaden [\u2026] nicht allein unvollkommene, fehlerhafft gedruckte und verst\u00fcmmelte Theile erhalten:\u201c. Sie, die Bezieher und K\u00e4ufer der Edition des Schultze w\u00fcrden sp\u00e4testens dann ihren Nachteil und Schaden erkennen, \u201ewenn [\u2026] Schultze so entkr\u00e4ftet seyn wird, dass er die \u00fcbrigen Theile zu liefern nicht mehr im Stande seyn wird.\u201c Das werde schon bald eintreten, \u201eda er eine grosse Schulden=Last auf dem Hals hat [\u2026]\u201c Zedler sch\u00e4tzte die Gesch\u00e4ftslage Schultzes richtig ein. Er sollte Recht behalten. Zur Entlastung Schultzes muss allerdings einger\u00e4umt werden, dass damals zum \u00c4rgernis von Verlegern und Autoren Raubdruckerei noch gang und g\u00e4be war. Insofern hatte Schultze mit einer weit verbreiteten Praxis Geld verdienen wollen.<\/p>\n<p>Der unerm\u00fcdliche und initiativreiche Longolius wollte aus dem Hofer Gymnasium wieder eine Bildungsst\u00e4tte von hohem Rang machen und spannte f\u00fcr seine ehrgeizigen Pl\u00e4ne und vielen Schriften die am Ort t\u00e4tigen Drucker, Buchh\u00e4ndler und Freunde des Gymnasiums ein. Allerdings f\u00fchrten seine Initiativen und Druckauftr\u00e4ge, was die gesch\u00e4ftliche Seite anbelangt, zu \u00fcberspannten Hoffnungen. Einerseits ist es erstaunlich, was die sehr kleinen Kreise gebildeter und beamteter Stadtb\u00fcrger in diesem Ackerbaust\u00e4dtchen an geistigen G\u00fctern hervorbrachten. Andererseits weist diese ruin\u00f6se \u00dcberproduktion dickleibiger B\u00fccher auf eine k\u00fcnstlich \u00fcberhitzte Auftragslage hin. In Hof lebten keine reich beg\u00fcterten Patrizier<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[xxv]<\/a> und gro\u00dfe Handelsherren wie in Augsburg, N\u00fcrnberg oder Leipzig. Wer sollten die Abnehmer der gedruckten Werke sein? Wer die Leser? Schultze musste, und das galt auch f\u00fcr den Drucker Hetschel, die Kosten f\u00fcr das teuere Papier vorschie\u00dfen. Die Papierkosten machten den Hauptteil der Produktionskosten aus. Sie wurden Schultze zum Verh\u00e4ngnis. Longolius trug h\u00f6chstwahrscheinlich mit seinem Publikationseifer indirekt zu den Zahlungsschwierigkeiten und zum Ruin seines Proteges bei. Der Rektor hatte, und dies durchaus eigenn\u00fctzig, f\u00fcr Druckauftr\u00e4ge gesorgt und selbst viele erteilt, doch nicht den Absatz garantieren k\u00f6nnen. Er war ein ehrgeiziger, r\u00fchriger Gelehrter und Lehrer, aber kein Gesch\u00e4ftsmann. Wir k\u00f6nnen in Longolius durchaus das Paradebeispiel eines Autors sehen, der als Professor und Rektor des Hofer Gymnasiums zwar ein kleines, aber sicheres Einkommen hatte und ideelle Zwecke verfolgte, jedoch nicht in betriebswirtschaftlichen Kategorien dachte und handelte.<\/p>\n<p>In der Zeit um 1740\/41 spitzte sich die schlechte Gesch\u00e4ftslage der Offizin Schultzes zu. Die Schuldenlast, die \u00dcberkapazit\u00e4t an Druckereipersonal und eine viel zu optimistische Einsch\u00e4tzung der Lage auf dem kleinen Hofer und markgr\u00e4flichen B\u00fcchermarkt f\u00fchrten in<\/p>\n<p>eine gesch\u00e4ftliche Katastrophe. Schultze hatte seinen Druckereibetrieb viel zu gro\u00df aufgezogen und \u00fcberm\u00e4\u00dfig mit Produktionsmitteln ausgestattet. Zahlungsunf\u00e4higkeit war die Folge. 1741 war er am Ende. Er schuldete seinen Gl\u00e4ubigern \u201eviele Tausend Gulden\u201c und wurde au\u00dferdem zu 500 fl. Strafe verurteilt<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[xxvi]<\/a> Nach einem gro\u00dfspurigen Anfang ein unr\u00fchmlicher Abgang. Er verlie\u00df quasi \u00fcber Nacht Hof und musste seine Druckerei als Pfand zur\u00fccklassen.<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[xxvii]<\/a> Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Hetschel nahm den Bankrot Schultzens zum Anlass, die alten Mintzelschen Privilegien von neuem regierungsamtlich best\u00e4tigen zu lassen. Am 12. Juli 1741 schrieb er an die Bayreuther Obrigkeit: Ich finde n\u00f6thig, ja mich gen\u00f6thiget, occassione der mit des Schulzens falliment eingegangenen Buchdruckerey bey Serenissimo um die Confirmation der meiner Buchdruckerey vor alten Zeiten ertheilten Hochf\u00fcrstl. gen\u00e4digste Privilegien, zugleich aber auch gn\u00e4digtse Concession des juris prohibendi unterth\u00e4nigst anzulangen\u201c[zu bem\u00fchen \u2013 A.M.].<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[xxviii]<\/a>. Der Hofer Stadtrat wartete aber erst einmal ab, was mit der Schultzeschen Druckerei geschehen werde. Die Gl\u00e4ubiger sollten aus dem Erl\u00f6s des Verkaufes zumindest teilweise entsch\u00e4digt werden.<\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister und der Stadtrat von Hof berichteten in ihrem Schreiben vom 29. M\u00e4rz 1743 an die markgr\u00e4fliche Regierung, was sich seit 1733 in der Hofer Druckereibranche ereignet hatte, insbesondere \u00fcber den Konkurs des Schultze und seine Folgen.<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[xxix]<\/a> B\u00fcrgermeister und Stadtrat bezichtigten Schultze, seine Versprechungen, \u201efrembde Arbeit ins Land zu ziehen und der Stadt ein starckes Consumtions-Interesse zuzuwenden\u201c, nicht eingel\u00f6st habe. Schultze sei an dem \u201ezum Verlag \u00fcbernommenen Universal-Lexicons ungl\u00fccklich\u201c geworden.<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\">[xxx]<\/a> Die Stadtobrigkeit hatte offenbar kein klares Wissen \u00fcber die Usurpation der Verlegerrolle. Etwas verbl\u00fcmt gestanden B\u00fcrgermeister und Stadtrat ein, 1733\/34 gutgl\u00e4ubig auf die Versprechungen Schultzes hereingefallen zu sein. Sie legten aber auch den tieferen Grund der Misere dar, indem sie auf das \u201eeherne Gesetz\u201c verwiesen: \u201eDabey findet ein Buchdrucker endlich noch d\u00fcrftiges Brod. Wird aber die Zahl verdoppelt, so ruiniret einer den anderen, wie das Exempel gegenw\u00e4rtig am Tage ist\u201c<a href=\"#_edn31\" name=\"_ednref31\">[xxxi]<\/a> In ihrem Schreiben empfahlen die Stadtoberen der markgr\u00e4flichen Regierung, Hetschel wieder die alten Mintzelschen Privilegien zu gew\u00e4hren und sicher zu stellen, dass fortan wieder nur eine Druckerei in Betrieb ist.<\/p>\n<p>Der weitere Gang der Verhandlungen f\u00fchrte 1746 zum Verkauf des Mintzel-Hetschelschen Druckerei an das Hofer Gymnasium. Wiederum scheint Longolius eingegriffen zu haben. Es war wohl sein Vorschlag, die Druckerei f\u00fcr das Gymnasium zu erwerben. Nach dem Stillstand der Druckerei Schultzes war ihm sehr daran gelegen, dass der Mintzel-Hetschelschen wieder zu einem voll funktionsf\u00e4higen und gut ausgestatteten Druckereibetrieb hoch gezogen wird. Im Jahre 1746 erwarb das Gymnasium mit Mitteln aus dem Capital der Auerbachschen Stipendienstiftung die Druckerei und behielt sie bis 1800 in ihrem Eigentum. Longolius setzte den bisherigen Eigent\u00fcmer Hetschel als P\u00e4chter ein. Mit der \u00dcberf\u00fchrung der kleinen Druckerei in das Eigentum des Gymnasiums hatte Longolius erreicht, wonach er im Grunde gestrebt hatte: nach einer \u201eHausdruckerei\u201c, die in seinen Diensten stand. Die so genannte Gymnasiumsdruckerei konnte dann schlecht und recht durch die n\u00e4chsten Jahrzehnte gef\u00fchrt werden. Longolius hatte eines seiner \u201eLieblingsprojekte\u201c verwirklichen und sich nach dem kl\u00e4glichen Scheitern des Schultze, das letztendlich auch sein Scheitern gewesen war, als Retter in der Not ausgeben k\u00f6nnen. Man lese in \u201eDes H\u00f6fischen Gymnasiums Geschichte \u201e(II. Teil) aus dem Jahre 1746 nach, in der Longolius im \u201eFunfzehenden Hauptst\u00fccke\u201c seine Genugtuung ausdr\u00fcckt, dass ihm die \u201eAufsicht [\u2026] aufgetragen worden\u201c sei. Der Gelehrte verstand es, seine privaten Interessen immer als allgemeines Interesse darzustellen. In einer Fu\u00dfnote zum Kapitel \u201eVon der Buchdruckerey\u201c teilte Longolius mit, dieses Kapitel g\u00e4be einen Vorgeschmack von seiner \u201ezum Drucke fertig liegenden Jahrgeschichte des Buchdruckereiwesens der Brandenburgischen Lande oberhalb Geb\u00fcrgs\u201c Das war gelinde gesagt eine mehr als vollmundige Ank\u00fcndigung. Die L\u00fccken und M\u00e4ngel des Manuskripts waren noch viel zu gro\u00df, um es in Druck gehen lassen zu k\u00f6nnen. Zu den turbulenten Jahren zwischen 1733 und 1741 trug er wenig nach. Es blieb bei einer trockenen Faktensammlerei ohne analytischen Biss.<\/p>\n<p>Nebenbei bemerkt: Schultzes Druckerei war 1743 \u201enicht nur in \u00f6ffentl[ichen] Zeitungen, sondern auch durch \u00f6ffentlichen Anschlag in Leipzig, Wittenberg und Jena zu jedermanns Wissenschaft [Kenntnis] feilgeboten\u201c worden. Nach einigem amtlichen Hin und Her \u2013 die markgr\u00e4fliche Regierung gebot abzuwarten, bis der Verkauf erfolgt sei \u2013 best\u00e4tigte die Bayreuther Beh\u00f6rde noch im Jahre 1743 die alten Mintzelschen Privilegien. Hetschel musste f\u00fcr die neuerliche \u201eConfirmation\u201c einen Gulden und drei Kreuzer bezahlen. Die stillgelegten Pressen Schultzes, die keinen K\u00e4ufer gefunden hatten, \u00fcbernahm 1785 der Drucker Johann Georg Aemilius Bergmann aus Jena, wor\u00fcber weiter unten berichtet wird.<\/p>\n<p>Obschon die Gymnasiumsdruckerei als einziger Betrieb am Ort gesch\u00e4ftlich ruhigeren Zeiten entgegen ging, warf der Betrieb f\u00fcr die P\u00e4chterfamilie Hetschel und die verwandten Druckergesellen Mintzel und M\u00f6nnich, die in der heutigen Ludwigstra\u00dfe 85 gemeinsam in engen Verh\u00e4ltnissen wohnten, wenig Gewinn ab. Der Druck von Leichenpredigten, die im 17. und noch in der ersten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts ein fester Posten im Druckereigesch\u00e4ft, war allm\u00e4hlich aus der Mode gekommen. Die Barockzeit klang aus. Zur Zeit des Siebenj\u00e4hrigen Krieges stand der Betrieb monatelang still.<a href=\"#_edn32\" name=\"_ednref32\">[xxxii]<\/a> Gegen Ende des Krieges verschlechterten sich die gesch\u00e4ftlichen und privaten Lebensverh\u00e4ltnisse anscheinend so gravierend, dass das Stammhaus in der Ersten Gasse, in dem die Druckerfamilien Mintzel bis dahin 120 Jahre lang gewohnt hatten, verkauft werden musste. In den Druckerfamilien Hetschel, Mintzel und M\u00f6nnich gab es viele kleine hungrige M\u00e4uler zu ern\u00e4hren. Schmalhans war K\u00fcchenmeister. Die Druckerfamilien hatten vor dem Oberen Tor h\u00f6chstwahrscheinlich einen Kr\u00e4utergarten, in dem Gem\u00fcse gezogen wurde. Im Innenhof des Wohnhauses wurden Federvieh und vielleicht auch ein Schwein gehalten. Zum normalen Hofer Haushalt geh\u00f6rten Viehstall und D\u00fcngerst\u00e4tte im engen Innenhof. Der Grundbedarf an Nahrungsmittel wurde zu einem Teil durch Eigenanbau und Kleinviehhaltung gedeckt.<\/p>\n<p>Ich mache wiederum einen Zeitsprung und komme zum dritten Beispiel des \u201eehernen Gesetzes\u201c. In den Jahren von 1785 bis 1800 erlebte die Gymnasiumsdruckerei einen kl\u00e4glichen Niedergang. Wieder war es die Zulassung einer zweiten Druckerei, die dem Niedergang Vorschub leistete und ihn beschleunigte.<\/p>\n<p><strong>Beispiel 3: Die Konkurrenzsituation Gottlob Sch\u00f6nert \/ Georg Aemilius Bergmann, 1785 &#8211; 1800<\/strong><\/p>\n<p>Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts waren im Hofer Verlagswesen und Buchhandel im Zeichen der Aufkl\u00e4rung neue Entwicklungen in Gang gekommen, die auf die Auftragslage zur\u00fcckwirkten und neue Anforderungen an die einzige Druckerei am Ort mit sich brachten. Nach 1775 nahm an allen Druckorten der Markgrafschaft die Gesamtproduktion von Verlagswerken zu und erlebte um 1785\/86 einen ersten H\u00f6henpunkt. Allerdings gerieten die Verlagsorte Bayreuth und Hof gegen\u00fcber der Universit\u00e4tsstadt Erlangen ins Hintertreffen.<a href=\"#_edn33\" name=\"_ednref33\">[xxxiii]<\/a> In lateinischer Sprache verfasste Werke nahmen rapid ab. Die \u00fcberkommene evangelisch-lutherische Erbauungsliteratur wich deutschsprachiger Unterhaltungs- und diverser Fachliteratur. Philipp Ludwig von Weitershausen (1727 &#8211; 1795), von 1761 bis 1795 Landeshauptmann der Hauptmannschaft Hof,<a href=\"#_edn34\" name=\"_ednref34\">[xxxiv]<\/a> verfolgte seit 1770 ein anspruchvolles Zeitungsprojekt, das \u201eH\u00f6fer Intelligenz-Blatt\u201c. Die Ver\u00e4nderungen der Verh\u00e4ltnisse waren f\u00fcr die Gymnasiumsdruckerei, die Hetschel bis 1785 f\u00fchrte und in diesem Jahr an seinen Schwiegersohn Christian Gottlob Sch\u00f6nert (1732 \u2013 1811) \u00fcbergab, nicht g\u00fcnstig. Mehrere widrige Faktoren brachten Bewegung in die bisherigen Verh\u00e4ltnisse und beschleunigten den Niedergang der Gymnasiumsdruckerei.<\/p>\n<p>Im Jahre 1778 wurde ihr F\u00f6rderer, der Rektor Longolius, emeritiert. Mit ihm verlor die in das Gymnasium eingegliederte Druckerei ihren produktivsten Autor, Auftraggeber, Korrektor und Zensor. Hetschel feierte 1778 seinen 71. Geburtstag. Er war gebrechlich geworden und hatte schon seit einigen Jahren seinem Stiefenkel, dem Druckergesellen Johann Georg Mintzel (1753 \u2013 1790), die schwere Arbeit an der Presse \u00fcberlassen m\u00fcssen. Georg, der von 1767 bis 1778 in der Werkstatt seines Stiefgro\u00dfvaters gearbeitet hatte, wanderte 1778 von Hof ab.<a href=\"#_edn35\" name=\"_ednref35\">[xxxv]<\/a> Hetschel musste neue Gesellen unter Vertrag nehmen. Nachfolger im Amt des Rektors wurde 1778 Magister Georg Wilhelm Kirsch (1752 \u2013 1829). Der Wechsel im Rektorat brachte eine neue Interessenlage mit sich. Der junge Kirsch, der bei seinem Amtsantritt gerade einmal 26 Jahre geworden war, hatte eine Vorliebe f\u00fcr orientalische Sprachen und richtete f\u00fcr seine Publikationen in syrischer Sprache bei sich zu Hause eine Spezialdruckerei ein. An der Gymnasiumsdruckerei verlor er, abgesehen von den amtlichen Pflichtdrucken, anscheinend sein Interesse. Das Gymnasium hatte an Prestige eingeb\u00fc\u00dft und litt an einem erheblichen Sch\u00fclerschwund.<\/p>\n<p>Auch im Hofer Buchhandel trat eine personelle Z\u00e4sur ein. Der alte Hofer Verlagsbuchh\u00e4ndler Johann Gottlieb Vierling verstarb im Januar 1782. Der markgr\u00e4fliche Regierungsadvokat<a href=\"#_edn36\" name=\"_ednref36\">[xxxvi]<\/a> und Kommerzienrat Carl Johann Albrecht Meyer kaufte 1783 die Vierlingsche Verlagsbuchhandlung, die er bis zum Jahre 1793 f\u00fchrte. Von Weitershausen unternahm in der neuen Konstellation Anfang 1783 den zweiten Versuch, sein Zeitungsprojekt wieder aufleben zu lassen und gewann Meyer im M\u00e4rz 1783 als Herausgeber. Verleger und Herausgeber waren mit der Arbeit der Druckerei Hetschels unzufrieden, sie monierten Druckqualit\u00e4t und S\u00e4umnisse und wollten die Herstellung des \u201eH\u00f6fer Intelligenz-Blattes\u201c einer neuen Druckerei \u00fcbergeben. Dem alten Hetschel war anscheinend die F\u00fchrung der Druckerei entglitten. Die Gesellen schienen die ihnen aufgetragenen Arbeiten, so gab Hetschel zu Protokoll, nicht mehr korrekt und p\u00fcnktlich durchgef\u00fchrt und geliefert zu haben.<a href=\"#_edn37\" name=\"_ednref37\">[xxxvii]<\/a> Es gab innerbetriebliche Hemmnisse, vielleicht sogar geheime Illoyalit\u00e4t gegen\u00fcber dem greisen Prinzipal. Der Geselle Johann Georg Aemilius Bergmann, der seit 1782\/83 als Erster Setzer bei Hetschel arbeitete, verb\u00fcndete sich hinter dem R\u00fccken von Hetschel mit Meyer, wobei wohl auch von Weitershausen mit im Spiel gewesen sein d\u00fcrfte, und reichte am 29. M\u00e4rz 1785 beim Landeshauptmann sein Gesuch ein, in Hof eine zweite Druckerei er\u00f6ffnen zu d\u00fcrfen. Ohne Unterst\u00fctzung und vertrauliche Zusagen von Meyer &#8211; und \u201ehinter der Hand\u201c auch vom Landeshauptmann von Weitershausen &#8211; h\u00e4tte es der Setzergeselle Hetschels wohl nicht gewagt, diesen Schritt zu gehen. Korrespondenzen und Dokumente sprechen daf\u00fcr, dass es 1785 zu einem Fait accompli kam. Hetschel wurde auf Gehei\u00df der markgr\u00e4flichen Regierung erst im Juni 1885 \u00fcber den Vorgang in Kenntnis gesetzt und um eine Stellungnahme gebeten. .<\/p>\n<p>Nachdem die Sache offenkundig geworden war, fand sich ein zweiter Bewerber um die Konzession ein, es war Johann Georg Mintzel. Die Vorentscheidung f\u00fcr Bergmann war jedoch bereits gefallen. Mintzel wurde ausgetrickst. Die markgr\u00e4fliche Regierung erteilte 1785 Bergmann die erw\u00fcnschte Konzession. Johann Andreas Hetschel, Johann Georg Mintzel und Christian Gottlob Sch\u00f6nert (1732. \u2013 1811) standen auf der Verliererseite. Gekr\u00e4ngt, verbittert und ersch\u00f6pft gab Hetschel 1785 auf und \u00fcbergab die Leitung der Druckerei seinem Schwiegersohn Sch\u00f6nert. Georg Mintzel, der das abgekartete Spiel gegen ihn zu sp\u00e4t erkannt hatte, zerbrach psychisch und physisch und verstarb 1790 in Coburg.<a href=\"#_edn38\" name=\"_ednref38\">[xxxviii]<\/a>Erst seinem Halbbruder Johann Heinrich Mintzel (1763 \u2013 1840) sollte es gl\u00fccken, nach Hof zur\u00fcckzukehren und 1801 die Gymnasiumsdruckerei, also die alte Mintzel-Hetschelsche Offizin, zur\u00fcck zu kaufen.<\/p>\n<p>Unter dem P\u00e4chter Sch\u00f6nert ging es weiter bergab, die Gymnasiumspresse k\u00fcmmerte dahin. Der Ertrag war \u00e4u\u00dferst gering. Sch\u00f6nert und seine Frau &#8211; das Ehepaar blieb kinderlos &#8211; fristeten ein \u00e4rmliches Leben. Bergmann setzte sich mit seiner neuen Druckerei durch und grub der Gymnasiumsdruckerei das Wasser ab. Als Johann Theodor Benjamin Helfrecht (1753 \u2013 1819) 1795 Kirsch am Gymnasium im Amt des Rektors abl\u00f6ste, war das Schicksal der Gymnasiumsdruckerei so gut wie besiegelt. Helfrecht hatte mit der Leitung des Gymnasiums genug Arbeit und \u00c4rger und wollte sich nicht l\u00e4nger auch noch um die akut gef\u00e4hrdete Fortexistenz der Gymnasiumsdruckerei k\u00fcmmern. Die Bergmannsche Druckerei stellte die \u00f6rtlichen Bed\u00fcrfnisse mehr als genug zufrieden. Bergmanns Einkommensverh\u00e4ltnisse erlaubten ihm, in der Judengasse ein Haus zu erwerben und seine Pressen in einem guten Zustand zu halten.<\/p>\n<p>Im Jahr 1800 bot Helfrecht die Hausdruckerei des Gymnasiums zum Verkauf an. Mit dem Verkauf an Johann Heinrich Mintzel und der dadurch entstehenden neuen Konstellation komme ich zum vierten und letzten Beispiel.<\/p>\n<p><strong>Beispiel 4: Konkurrenz Johann Heinrich Mintzel\/Johann Georg Aemilius Bergmann, 1801 -1807<\/strong><\/p>\n<p>Johann Heinrich Mintzel (1763\u20131840) war in der Generationsfolge der Hofer Druckerdynastie Mintzel der f\u00fcnfte Druckerherr. Auf seine Lebensgeschichte und auf sein Wirken kann ich hier nicht weiter eingehen. Zum Verst\u00e4ndnis des Folgenden sei nur so viel gesagt: Er hatte noch bei Hetschel in Hof sein Handwerk gelernt, war auf Wanderschaft gegangen und von 1786 bis 1799 in Bayreuth als Geselle und Faktor in Friedrich Magnus Schwenters Hofbuchdruckerei t\u00e4tig gewesen. In den Jahren 1799\/1800 trat in seinem Leben unverhofft eine Wende ein. Schwenter verstarb 1799. Dessen Witwe verpachtete ihre Druckerei an einen anderen. In Hof befand sich Bergmann in einem so schlechten Gesundheitszustand, dass er einen Faktor berufen musste. Bergmann litt schwer an der Gicht. Er bot Mintzel um 1799\/1800 an, in seinem Druckereibetrieb die Stelle eines Faktors zu \u00fcbernehmen. Mintzel ergriff die Chance einer R\u00fcckkehr nach Hof und trat eben in den Betrieb ein, der dem Niedergang der Gymnasiumsdruckerei Vorschub geleistet hatte. Mintzel stand nun als Faktor des Bergmannschen im Interessengegensatz zu dem Druckereibetrieb, der vormals der Mintzel-Hetschelsche gewesen war. Eine f\u00fcrwahr verquere Situation. Sie kam aber seinem ureigenen Interesse entgegen. Er hatte immer gehofft und danach getrachtet, eines Tages die vormals Mintzel &#8211; Hetschelsche Offizin zur\u00fcck zu kaufen. Als Helfrecht die Gymnasiumsdruckerei zum Kauf anbot, ergriff er die Gelegenheit. Helfrecht lie\u00df ihn unter mehreren Bewerbern zum Zuge kommen, was wohl auch der Tatsache zuzuschreiben ist, dass er und Mintzel Freimaurerbr\u00fcder waren.<a href=\"#_edn39\" name=\"_ednref39\">[xxxix]<\/a> Mintzel erwarb zudem den Zeitungsverlag des ehemaligen \u201eH\u00f6fer Intelligenz-Blattes\u201c und wurde somit 1801 Verleger, Herausgeber und Drucker des \u201eNeuen H\u00f6fer-Intelligenz-Blattes\u201c, das am 7. Januar 1802 zum ersten Mal erschien. Was den Druckereibetrieb anbelangt, stand er nun im umgekehrten Interessengegensatz. Er musste sich neben der Bergmannschen Druckerei behaupten, der er als Faktor vorgestanden hatte.<\/p>\n<p>Das \u201eeherne Gesetz\u201c wurde von neuem wirkm\u00e4chtig. Bergmanns Druckerei lief relativ gut, Mintzel musste sich anfangs mit der Drucklegung von Schriften aus dem Gymnasium und seinem Umkreis begn\u00fcgen und firmierte zun\u00e4chst in Abgrenzung zu Bergmann und in Anlehnung an die alte Bindung an das Hofer Gymnasium als \u201eGymnasiumsdrucker\u201c. Mit seinem \u201eNeuen H\u00f6fer Intelligenz-Blatt\u201c setzte Mintzel die wenig erfolgreichen Bem\u00fchungen des 1795 verstorbenen Landeshauptmannes von Weitershausen fort. Schon von Weitershausen hatte aus dem Zeitungsunternehmen wegen fehlender Akzeptanz bei den Hofer Stadtb\u00fcrgern und in der umliegenden Landeshauptmannschaft nur wenig Gewinn gezogen. Der Regierungsbeamte hatte sich das Blatt, angetrieben von einem missionarischen Geist der Aufkl\u00e4rung, etwas kosten lassen. Mintzel, ebenfalls Ideen der Aufkl\u00e4rung zugeneigt, ging erst recht ein hohes unternehmerisches Risiko ein. Er bezog kein Sal\u00e4r aus einer amtlichen Position. Auch er konnte seine Kosten mit dem Abonnement und freien Verkauf der viel zu kleinen Auflage kaum decken. In den Jahren 1811\/12 wandelte er sein Intelligenzblatt in ein literarisches Unterhaltungsblatt in der Hoffnung um, damit neue Abonnenten und Leser gewinnen zu k\u00f6nnen. Die \u201eH\u00f6fer litterarische Zeitung zur Belehrung und Unterhaltung\u201c wurde zu einem niederschmetternden Misserfolg, dessen Kosten er allein tragen musste. Das Blatt fand zu wenig Anklang beim Hofer Lesepublikum. Mintzel kehrte mit Beginn des Jahres 1813 wieder zum Typus des Intelligenzblattes zur\u00fcck. Sein Misserfolg war allerdings, \u00fcberschaut man die Gesamtentwicklung des Pressewesens der damaligen Zeit, keine spezifisch Hofer Besonderheit, geschweige denn Folge eines pers\u00f6nlichen unternehmerischen Versagens. Damals gingen viele literarische Zeitungen wieder ein, w\u00e4hrend politische gemeinn\u00fctzige Zeitungen und Zeitschriften eine h\u00f6here \u00dcberlebenschance hatten.<a href=\"#_edn40\" name=\"_ednref40\">[xl]<\/a> Die Aktualit\u00e4t spielte im Vergleich mit dem heutigen Verst\u00e4ndnis eine untergeordnete Rolle.<a href=\"#_edn41\" name=\"_ednref41\">[xli]<\/a> Erst bei einer gesicherten Auflage von etwa f\u00fcnfhundert Exemplaren d\u00fcrfte die Gewinnzone begonnen haben. Eine so hohe Auflage h\u00e4tte in der Ackerbaustadt Hof, die damals rund 6.000 Einwohner z\u00e4hlte<a href=\"#_edn42\" name=\"_ednref42\">[xlii]<\/a>, selbst unter besten Bedingungen nicht erreicht werden k\u00f6nnen. Mintzel h\u00e4tte f\u00fcr sein literarisches Zeitungsunternehmen etwa ein Zw\u00f6lftel der Hofer B\u00fcrgerschaft als Abnehmer gewinnen m\u00fcssen. In Hof hatte weder das \u201eH\u00f6fer Intelligenz-Blatt\u201c des Philipp von Weitershausen, noch das \u201eNeue Intelligenz &#8211; Blatt\u201c und die folgende \u201eH\u00f6fer Intelligenz- Zeitung\u201c jemals diese Auflagenh\u00f6he erreicht. Die Auflagen hatten zwischen 180 und 400 Exemplaren geschwankt. Die kleine Hofer Leserschaft zeigte sich nach wie vor sperrig und wollte bestenfalls nur am Rande gesch\u00e4ftlicher und beh\u00f6rdlicher Informationen literarisch unterhalten und belehrt werden. Der Bedarf nach einer politischen Zeitung war seit ihrem Wiedererscheinen seit 1810 von der \u201eBayreuther Zeitung\u201c auch in Hof abgedeckt.<a href=\"#_edn43\" name=\"_ednref43\">[xliii]<\/a> Auf dem Zeitungssektor hatte Mintzel mit ausw\u00e4rtiger Konkurrenz zu rechnen. Hofer Leser und Zeitungslesegemeinschaften<a href=\"#_edn44\" name=\"_ednref44\">[xliv]<\/a> bezogen eine Reihe von ausw\u00e4rtigen Bl\u00e4ttern verschiedener Art.<\/p>\n<p>Aber auch in den Bereichen der Akzidenzdruckerei und des eigentlichen Buchdrucks waren die Ertr\u00e4ge bescheiden. Von den paar Dutzend Druckauftr\u00e4ge aus dem Gymnasium und seinem Umkreis konnte er seinen Lebensunterhalt und seine Betriebskosten nicht hinreichend bestreiten. Seine gesch\u00e4ftliche Situation verbesserte sich zwar merklich, als sein Konkurrent Aemilius Bergmann 1807 an der Gicht verstarb und dessen Buchdruckerei nach Bayreuth verkauft wurde, aber selbst in der neu gewonnenen Monopolstellung am Ort war im Druckereigewerbe kein gro\u00dfer Gewinn zu erzielen. Mintzel musste Nebenerwerbsquellen erschlie\u00dfen, um \u00fcber die Runden zu kommen und R\u00fccklagen bilden zu k\u00f6nnen. Er er\u00f6ffnete eine Leihb\u00fccherei,<a href=\"#_edn45\" name=\"_ednref45\">[xlv]<\/a> er \u00fcbernahm die Stelle eines staatlichen bayerischen Lotterieeinnehmers,<a href=\"#_edn46\" name=\"_ednref46\">[xlvi]<\/a> er machte sein Zeitungscomptoir am Maxplatz 20 zu einem Fundb\u00fcro und zu einem Kreditvermittlungsinstitut,<a href=\"#_edn47\" name=\"_ednref47\">[xlvii]<\/a> er betrieb in seinem Haus gewisserma\u00dfen einen Schreibwarenladen, verkaufte Schreibpapier, Federkiele und Schreibfedern.<a href=\"#_edn48\" name=\"_ednref48\">[xlviii]<\/a> Er verkaufte sogar Lik\u00f6r.<a href=\"#_edn49\" name=\"_ednref49\">[xlix]<\/a> Au\u00dferdem handelte Mintzel mit Altpapier.<a href=\"#_edn50\" name=\"_ednref50\">[l]<\/a> Er kaufte das so genannte \u201eStampfpapier\u201c an und verkaufte es an die Papierm\u00fchle weiter. Wahrscheinlich senkte er damit seine Kosten f\u00fcr Druckpapier. Er machte sein Intelligenzblatt mit Inseraten und privaten Mitteilungen mehr und mehr zu einer \u00f6rtlichen stadtb\u00fcrgerlichen Kommunikations- und gesch\u00e4ftlichen Vermittlungszentrale. Es erschienen die ersten Stellen- und Suchanzeigen. F\u00fcr alles nahm er kleine Geldbetr\u00e4ge, Inserat- und Vermittlungsgeb\u00fchren. Die Auflage des Blattes konnte er allerdings nicht \u00fcber 300 bis 400 Exemplare steigern. Hof blieb f\u00fcr eine Druckerei und f\u00fcr ein Zeitungsunternehmen noch bis zur 1848er Revolution und dar\u00fcber hinaus <a href=\"#_edn51\" name=\"_ednref51\">[li]<\/a>ein karges Gesch\u00e4ftsfeld. In Notzeiten, zum Beispiel in den Jahren von 1816 bis Anfang der 1820er Jahre hatten die Pressen zeitweise still gestanden. Es war zum verzweifeln.<\/p>\n<p>Aus dem \u201e Neuen H\u00f6fer Intelligenz-Blatt\u201c, das seit 1828 unter dem Titel \u201eWochenblatt der Stadt Hof\u201c erschien, k\u00f6nnen wir indirekt nicht nur N\u00e4heres \u00fcber die Lebens- und Einkommensverh\u00e4ltnisse erfahren, sondern auch \u00fcber die M\u00fchen und den \u00c4rger, die Mintzel mit seinen Nebenerwerbst\u00e4tigkeiten hatte. Er beklagte sich in Inseraten \u00fcber s\u00e4umige Leser, die entliehene B\u00fccher nicht p\u00fcnktlich oder gar nicht zur\u00fcckbr\u00e4chten, und forderte die Entleiher zur unverz\u00fcglichen R\u00fcckgabe auf.<a href=\"#_edn52\" name=\"_ednref52\">[lii]<\/a> Anderenfalls w\u00fcrde er sie gerichtlich belangen. Seine wiederholten Aufforderungen zeigten, dass es mit der Entleihermoral nicht gut bestellt gewesen war. Kunden ver\u00e4u\u00dferten die entliehenen B\u00fccher sogar an fahrende Tr\u00f6dler. Die kargen Einnahmen aus diesem Nebengesch\u00e4ft wurden au\u00dferdem von Konkurrenten geschm\u00e4lert. Aus den Inseraten Mintzels erfahren wir schlie\u00dflich auch etwas \u00fcber seine lebensnotwendige Viehhaltung<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der gro\u00dfen Brandkatastrophe am 4. September 1823 und in den Tagen danach ereigneten sich auch komische und groteske Vorf\u00e4lle. Am 20. September 1823 r\u00fcckte Mintzel in sein Intelligenzblatt, das an diesem Tage zum ersten Mal wieder erschien, eine Verlustanzeige ein. Sie hatte folgenden Wortlaut: \u201eDenjenigen Einwohner hiesiger Stadt und Umgegend, dem etwa mein Schwein zugelaufen ist und solches eingestellt hat, bitte ich hierdurch h\u00f6flichst mich davon in Kenntni\u00df zu setzen; es ist wei\u00df und glatthaarig und hat einen Tr\u00f6ller. Auch bitte ich die Wittwe W. mir meine 2 G\u00e4nse wieder zu bringen, damit ich solche nicht darf holen lassen. [gez.] Mintzel. Buchdrucker\u201c. Das Inserat zeigt einmal mehr den damals noch vorherrschenden Charakter Hofs als einer Ackerbaustadt. Viele Einwohner hielten wie eh und je zu ihrem Lebensunterhalt in den Hinter- und Innenh\u00f6fen ihrer H\u00e4user und drau\u00dfen vor den Toren in Scheunen und St\u00e4llen Schlachtvieh und Gefl\u00fcgel. So auch die Buchdruckerfamilie Mintzel. Ich konnte bisher nicht herausfinden, was an einem Schwein der \u201eTr\u00f6ller\u201c ist, an dem man es von anderen Schweinen soll unterscheiden k\u00f6nnen. Auch ein Blick in Grimms W\u00f6rterbuch brachte nicht die erw\u00fcnschte Auskunft.<\/p>\n<p><strong>III. Arme Drucker \u2013 reiche Drucker?: Schlussbetrachtungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Beispiele zeigen anschaulich, dass idealisierende Vorstellungen vom \u201egebildeten Handwerk\u201c der Buchherstellung und des Buchvertriebes auf die damalige Wirklichkeit in diesen Hofer Erwerbszweigen wenig zutreffen. Die Annahme, wer damals in Hof des Drucker- oder Setzerhandwerk oder beides erlernt hatte, habe eine gute berufliche Zukunft und werde viel Geld verdienen, ist, wenn \u00fcberhaupt, nur in einem sehr eingeschr\u00e4nkten Ma\u00dfe richtig. Die sch\u00f6n gedruckten B\u00fccher, gro\u00dfartigen Folianten wie die bei Schultze gedruckte Markgrafen-Bibel von 1736 und zum Teil mit gef\u00e4lligen Holz- und Kupferstichen ausgestatteten Druckwerke jener Zeit, die wir heute so hoch sch\u00e4tzen, entstanden oftmals unter schwierigen und risikoreichen betrieblichen und gesch\u00e4ftlichen Bedingungen. In den fokussierten Erwerbsbranchen hatten das Handwerk und das Verlagswesen keinen \u201egoldenen Boden\u201c. Reicht\u00fcmer konnten damit nicht erworben werden. Die Lebensf\u00fchrung der Druckerverleger und anderer Berufe, die mit der Herstellung und dem Vertrieb von Druckerzeugnissen zu tun hatten, war bescheiden, der Lebensstil schlicht und einfach. Die Lebensumst\u00e4nde und gesch\u00e4ftlichen Rahmenbedingungen lie\u00dfen nichts anderes zu, als sparsam und gen\u00fcgsam zu leben und jeden Kreuzer der \u00fcbrig blieb, auf die hohe Kante zu legen. Die Druckereibesitzer, fr\u00fchen Zeitungsverleger und Verlagsbuchh\u00e4ndler, die in ihrer Mehrzahl in der Ersten Gasse wohnten und arbeiteten, geh\u00f6rten der gehobenen st\u00e4dtischen Mittelschicht an. Der Wert ihrer H\u00e4user war niedrig, er lag unter hundert Gulden.<a href=\"#_edn53\" name=\"_ednref53\">[liii]<\/a><\/p>\n<p>An Jean Pauls bissiger Kritik, die Hofer l\u00e4sen keine B\u00fccher, selbst wenn man sie ihnen schenken w\u00fcrde, war sicher etwas Wahres dran. Auch von Weitershausens bittere Klage, sein Zeitungsunternehmen f\u00e4nde bei den verstockten Hofern und Einwohnern der Landeshauptmannschaft zu wenig Abonnenten und Unterst\u00fctzung, beruhte auf Tatsachen. Die meisten Hofer, auch die schrift- und lesekundigen, waren noch lange altfr\u00e4nkisch-konservativen Denkweisen und Handlungsmaximen verhaftet. Sie f\u00fchlten sich in ihrer althergebrachten Lebensweise wohl. Dennoch wurden die Hofer Stadtb\u00fcrger, zumal die h\u00f6her gebildeten, etwas zu schnell und zu abf\u00e4llig als Lesemuffel und wenig wissbegierige Zeitgenossen hingestellt. Die breite Unterschicht konnte sich ohnehin keine B\u00fccher und Zeitungen leisten. Die kleinen gebildeten Kreise \u2013 Pfarrer, Advokaten, Gymnasialprofessoren, Sekret\u00e4re, Revisoren, Lehrer Diakone und andere \u2013 hatten ein j\u00e4hrliches Einkommen von nur 200 bis 300 Talern, zum Teil noch weniger. Im Jahre 1803 erhielt der Rektor des Hofer Gymnasiums j\u00e4hrlich nur 270 Reichstaler an Gehalt und dazu Zuwendungen in Form von Naturalien im Wert von 71 Reichstalern.<a href=\"#_edn54\" name=\"_ednref54\">[liv]<\/a> Die \u00fcbrigen Lehrer mussten sich mit noch weniger Sal\u00e4r begn\u00fcgen. Von dem niedrigen Einkommen blieb nur wenig \u00fcbrig f\u00fcr einen Buchkauf oder gar f\u00fcr die Drucklegung eigener Werke.IV In der sp\u00f6ttischen Kritik an den Hofer Lesemuffeln und an ihrer spie\u00dfigen Gen\u00fcgsamkeit und Ignoranz lag ein Schuss elit\u00e4ren Hochmuts. Jean Paul bereute sp\u00e4ter ein wenig seine Bissigkeit.<\/p>\n<p>Ich mache einen letzten Zeitsprung von 1840 bis ins ausgehende 19. Jahrhundert, einen Zeitsprung ins Industriezeitalter. Das \u201eeherne Gesetz\u201c, wonach nur eine Druckerei am Ort wirklich florieren konnte, war bis zum\u00a0 Jahre 1895 wirksam Aschaffenburg. Dem Buchdrucker\u00a0 Rudolph G\u00fcnther, der 1867 aus Aschaffenburg nach Hof gekommen war und hier eine zweite\u00a0 Druckerei er\u00f6ffnet hatte, war unter den obwaltenden\u00a0 Rahmenbedingungen noch kein dauerhafter Erfolg beschieden. Er war gegen die Mintzel\u00b4sche Buchdruckerei und ihrem Zeitungsverlag nicht aufgekommen und 1870 nach Selb ausgewichen. Erst im jahre 1895 gelang es dem Druckmaschinisten Hans Kleemeier (1862 \u2013 1943) mit seinem neugegr\u00fcndeten Druckereibetrieb und seinem kleinen Verlag das Monopol der Mintzel\u00b4schen Buchdruckerei zu brechen und dauerhaft zu einem ernsthaften Konkurrenten zu werden. Industriegesellschaftliche, demografische, politische, staatliche Entwicklungen setzten das eherne Gesetz au\u00dfer Kraft. Die Einwohnerschaft der jungen Industriestadt Hof wuchs rasch und geradezu explosiv von 8.108 (1841) auf 16.010 (1871) und dann bis 1900 auf das Doppelte an.IVI \u00a0Das Zeitalter der Schwarzen Kunst ging in den 1860er Jahren endg\u00fcltig zu Ende. Die alten Holzpressen wurden zerkleinert und verbrannt.<\/p>\n<p>Ein Spaziergang \u00fcber den Maxplatz zum zweiten Stammhaus der Mintzel\u00b4schen Buchdruckerei und ihres Zeitungsverlages am Maxplatz Nr. 20 und von dort hinauf zum Oberen Torplatz 1 l\u00e4sst uns den gro\u00dfen Wandel an den Geb\u00e4uden ablesen: Am Maxplatz das n\u00fcchtern-schlichte Druck- und Wohnhaus aus vorindustrieller Zeit, am Oberen Torplatz das 1893 errichtete\u00b4Druck-, Verlags- und Wohnhaus der Buchdruckereibesitzer und Zeitungsverleger Hoermann im neudeutschen Renaissancestil! Gewerblicher Reichtum und betuchte wirtschaftsb\u00fcrgerliche Lebensverh\u00e4ltnisse wurden erst im Kaiserreich durch die industriemaschinelle Produktion erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>1\u00a0 Der vorliegende Beitrag bringt knapp und pr\u00e4gnant zusammengefasste Ausschnitte aus meinem zweib\u00e4ndigen Werk \u201eVon der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie. Die Buchdruckerei Mintzel und ihr Zeitungsverlag. Ein Familienunternehmen in f\u00fcnf Jahrhunderten\u201c. Berlin: Duncker &amp; Humblot 2011. Dort k\u00f6nnen en detail viele einschl\u00e4gige Belege abgerufen werden. Anmerkungen zu diesem Beitrag enthalten allerdings Erg\u00e4nzungen, Pr\u00e4zisierungen und Korrekturen.<\/p>\n<p>2 Trautmann, 1979: Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Stadt Hof von Anbeginn bis zur Gegenwart, Teil 1: Die Zeit bis zur Eingliederung in das K\u00f6nigreich Bayern, S. 208ff.<\/p>\n<p>3 \u00a0Zu dieser Nebent\u00e4tigkeit der Verlagsbuchh\u00e4ndler Vierling und Grau siehe Mintzel, 2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie Bd. II, S. 707.<\/p>\n<p>4 \u00a0In diesem Punkt muss ich meine Ausf\u00fchrungen in \u201eVon der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie\u201c, Bd. I, S. 514 korrigieren und pr\u00e4zisieren. Nicht Johann Heinrich Mintzel gr\u00fcndete und f\u00fchrte die erste Leihb\u00fccherei in Hof, sondern der Verlagsbuchh\u00e4ndler Vierling.<\/p>\n<p>5 \u00a0Der Verlagsbuchh\u00e4ndler Gottfried Adolph Grau trat als Agent der \u201eLebensversicherungsbank f\u00fcr Deutschland in Gotha\u201c auf und machte auf diese Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit wiederholt in Inseraten aufmerksam. Siehe Wochen-Blatt der Stadt Hof Nr.36 vom 05.09.1829, S. 180; Nr. 39 vom 25.09.1930, S.182, Nr. 41 vom 08.10.1831, S. 189; Nr.51 vom 19.12.1835, S. 241.<\/p>\n<p>6 \u00a0Gr\u00fcndungen von Buchdruckereien in der Markgrafschaft Bayreuth: Kulmbach 1551\/52; Bayreuth 1659\/60; Neustadt\/Aisch 1678; Erlangen 1686; M\u00fcnchberg 1686; Thurnau 1730; Wunsiedel 1799.<\/p>\n<p>7 \u00a0Zum Bedarfsdeckungsprinzip versus Gewinnmaximierungsprinzip siehe Dietmar Trautmann, 1979: Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Stadt Hof, S.389. 398, 485.<\/p>\n<p>8 \u00a0\u00a0Chronik der Stadt Hof, Band VI. Alte Hofer Stadtbeschreibungen. Herausgegeben von der Stadt Hof 1966.<\/p>\n<p>9 \u00a0\u00a0Siehe ebd. S. 75, 125, 163, 190, 264, 276, 283, 297, 314, 321.<\/p>\n<p>10 \u00a0\u00a0Geboren am 01. 04. 1704 laut Konzession zur Errichtung einer zweiten Druckerei und Privilegierung des Buchdruckers Johann Ernst Schultze vom 20. Juli 1735. Quelle: Paul Daniel Lonhgolius: Vollst\u00e4ndige Geschichte der Buchdruckerey in der Marggr\u00e4flich-Brandenburg-Culmbachischen Haupt-Stadt Hof [\u00a0\u00a0 ]Hof 1741 [ Manuskript; Standort: Archiv des Historischen Vereins f\u00fcr Oberfranken, Bayreuth; Abschrift des Verfassers].<\/p>\n<p>11 \u00a0Die vier noch unm\u00fcndigen Kinder waren: (1) Anna Maria Mintzel (II), getauft am 20. 02. 1717 in Hof (am 11.05.1738 Eheschlie\u00dfung mit Johann Adam M\u00f6nnich, Buchdruckergeselle und Faktor bei Johann Andreas Hetschel); (2) Anna Margaretha Mintzel, getauft am 29.05.1720 in Hof; (3) Johann Christoph Mintzel, getauft am 02. 06. 1722 in Hof, gestorben am 14. 12 1762 in Bayreuth ( er war der Vater von Johann Heinrich Mintzel, 1763 \u2013 1840); (4) Johann Friedrich Mintzel, getauft am 18. 12. 1724 in Hof (Buchdruckergeselle, er wanderte von Hof mit unbekanntem Ziel ab, wird 1750 im Gesellenbuch der Buchdruckerinnung in Frankfurt\/ Main genannt).<\/p>\n<p>12 \u00a0Schreiben des B\u00fcrgermeisters und Rat der Stadt Hof vom 29. M\u00e4rz 1743 an den Markgrafen zu Brandenburg-Bayreuth \/ Buchdruckerei &#8211; Angelegenheiten. Staatsarchiv Bamberg, C 7 VIII Nr. 2451 (im Folgenden nach der Registernummer zitiert).<\/p>\n<p>13 \u00a0Actum Hoff den 28. Augusti 1733: \u201e[\u2026] und die verwittibt Buchdrucker M\u00fcntzelin durch ihren Schwager den Kirchner Mayer die Anzeige machen lassen, wie sie gemeynet sey, ihre Buchdruckerey P\u00e4chtern: [\u2026] zu \u00fcberlassen .(Originaldokument \/ Handschrift im Archiv der Firma Mintzel-Druck).<\/p>\n<p>14 \u00a0Anna Regina Mintzel, geb. K\u00fcchler, geboren am 16.09.1798 in Hof, gestorben am 21.01.1765 ebenda. Sie war das f\u00fcnfte Kind des Hofer Buchbinders Christoph K\u00fcchler (1649 &#8211; 1710).<\/p>\n<p>15 \u00a0Einzelheiten \u00fcber die Familienverh\u00e4ltnisse mit genauen Daten und Belegen siehe bei Alf Mintzel, 2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie, Band I, S. 403 ff.<\/p>\n<p>16 \u00a0Johann Andreas Hetschel, geboren am 21.12.1707 in Nordhausen, gestorben am 28.01.1791 in Hof an einem Schlaganfall.<\/p>\n<p>17 Einzelheiten zu dem gesamten Vorgang siehe bei Alf Mintzel, 2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie, Band I, S, 403ff.<\/p>\n<p>18 \u00a0Siehe Anhang, Dokument Nr. 3.<\/p>\n<p>19 \u00a0Ebenda.<\/p>\n<p>20 Anna Regina Mintzel und Johann Andreas Hetschel verheirateten sich am 17.10.1734 in Hof, Verehelichungsregister Hof 1695 \u2013 1743; 1734\/32.<\/p>\n<p>21 \u00a0Johann Adam Hetschel, geboren am 27.02.1735 in Hof, gestorben am 29.11.1736 ebenda.<\/p>\n<p>22\u00a0 Siehe Mintzel, 2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie, Bd. I, S. 641, Anm. 61; Mulzer, 1996: Das Gymnasium unter der Regierung der Markgrafen (1546 \u2013 1791),in: Des H\u00f6fischen Gymnasiums Jubil\u00e4um. 450 Jahre &#8211; Jean Paul \u2013 Gymnasium Hof Festschrift und Bericht \u00fcber das Schuljahr 1995\/96, S. 51.<\/p>\n<p>23 Der deutsche Verleger Johann Heinrich Zedler, geboren in Breslau am 07.01.1706, gestorben 1763 in Leipzig, gr\u00fcndete in Freiburg eine Buchhandlung, die er sp\u00e4ter nach Leipzig verlegte. Hier erschienen u. a. eine Ausgabe der deutschen Schriften Martin Luthers (22 B\u00e4nde), eine \u201eAllgemeine Staats \u2013, Kriegs-, Kirchen und Gelehrten \u2013Chronicke\u201c (20 B\u00e4nde, 1733 \u2013 1754) und als ber\u00fchmtestes Werk das Zedlersche Lexikon: Gro\u00dfes vollst\u00e4ndiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und K\u00fcnste\u2026\u201c in 64 B\u00e4nden und vier Supplementb\u00e4nden in Halle und Leipzig 1732 \u2013 1754.<\/p>\n<p>24 \u00a0Encyclopedie ou Dictionnair raisonne des sciences, des arts et des metiers, 28 Bde., 1751 \u2013 72.<\/p>\n<p>25 \u00a0Dazu Jean Paul : Siebenk\u00e4s, Erstes B\u00e4ndchen, Zweites Kapitel, in: Jean Paul Werke, Bd.3, Hanser Verlag, S.75: \u201eHingegen [zu den N\u00fcrnberger Verh\u00e4ltnissen ] bin ich zu jeder Stunde durch Tauf- und Sterbelisten darzutun erb\u00f6tig, dass im Reichsmarktflecken Kuhschnappel beinahe nicht mehr B\u00fcrger als Patrizier leben, welches um so wunderbarer ist, da die letzten \u2013 wegen ihres Hungers &#8211; schwer zu leben haben.\u201c<\/p>\n<p>26 \u00a0\u00a0Siehe Dokument Nr. 14.<\/p>\n<p>27 \u00a0In der lokalgeschichtlichen Literatur gibt es widerspr\u00fcchliche Angaben dazu, was mit der zur\u00fcckgelassenen Druckerei Schultzes weiterhin geschah. Dietmar Trautmann behauptet, sie sei vom Gymnasium \u00fcbernommen worden, gibt daf\u00fcr jedoch keinen Beleg.<\/p>\n<p>28 \u00a0Siehe Dokument Nr. 5.<\/p>\n<p>29 \u00a0Schreiben des B\u00fcrgermeisters und Rat der Stadt Hof vom 29. M\u00e4rz 1743. Staatsarchiv Bamberg, C 7 VIII, Nr. 2451.<\/p>\n<p>30 \u00a0Ebenda.<\/p>\n<p>31 \u00a0Ebenda.<\/p>\n<p>32\u00a0 Siehe Dokument Nr. 14.<\/p>\n<p>33\u00a0 Mintzel, 2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie, Bd. I, S. 555ff.<\/p>\n<p>34\u00a0 Johann Nicolaus Pr\u00fcckner, 1999: Synchronistik und Lebensl\u00e4ufe der Lehrer am Hofer Gymnasium von 1502 bis 1817p. 709, Anm. 1; p. 304, Anm. 4.<\/p>\n<p>35\u00a0 Siehe Dokument Nr. 13\u00a0\u00a0 Johann Georg Mintzel absolvierte bei seinem Stiefgro\u00dfvater Hetschel von 1767 bis 1772 seine Lehre und arbeitete danach von 1773 bis 1778 als Geselle in der Gymnasiumsdruckerei weiter. Nach der Abwanderung Mintzels aus Hof (um 1778\/79) traten andere Gesellen in den Betrieb ein, so der aus Jena stammende Georg Aemilius Bergmann und Christian Gottlob Sch\u00f6nert.<\/p>\n<p>36 Vierling verstarb am 18.011782 in Hof. Meyer f\u00fchrte die Firma unter dem Namen \u201eIn der Vierlingschen Buchhandlung\u201c oder \u201eIm Verlag der Vierlingschen Buchhandlung\u201c bis 1793 weiter. Mintzel, 1986: Bayreuther und Hofer Kleinverleger des 18. Jahrhunderts und ihre Verlagswerke, in: Archiv f\u00fcr Geschichte von Oberfranken, 66. Bd., S. 106.<\/p>\n<p>37\u00a0 Siehe Dokument Nr. 14.<\/p>\n<p>38\u00a0 Einzelheiten und Belege bei Mintzel, 2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie, Bd. I, S. 519ff.<\/p>\n<p>39\u00a0 Dar\u00fcber ausf\u00fchrlich Mintzel, 2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie, Bd. II, S. 57ff.<\/p>\n<p>40\u00a0 St\u00f6ber, 2000: Deutsche Pressegeschichte, S.90.<\/p>\n<p>41\u00a0 Ebd., S.85 u. 92.<\/p>\n<p>42\u00a0 Im Jahre 1808 z\u00e4hlte Hof 5.899 Einwohner, davon 2.912 m\u00e4nnliche und 2.987 weiblich. Trautmann, 1979: Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Stadt Hof, Teil 1, S.115.<\/p>\n<p>43\u00a0 Siehe hierzu Engelbrecht: \u201eDas Neueste aus Bayreuth\u201c, S. 133f; R. Hoermann, 1938: Der Hofer Anzeiger, S. 40.<\/p>\n<p>44 Es war damals aus Gr\u00fcnden der Kostenersparnis \u00fcblich, sich zu Zeitungslesegemeinschaften zusammenzuschlie\u00dfen und gemeinsam ein ausw\u00e4rtiges Blatt, zum Beispiel den \u201eDresdner Anzeiger\u201c, zu abonnieren. Siehe\u00a0 H\u00f6fer Intelligenz- Zeitung Nr. 14 vom 07. 04. 1810.<\/p>\n<p>45\u00a0 Siehe zum Beispiel Hofer Intelligenz-Zeitung Nr.38 vom 20. 09. 1817, S. 154; Nr. 50\u00a0 vom 13.12.1817, S. 202; Nr.1 vom 01.01.1820, S. 2; Wochen-Blatt der Stadt Hof vom 10.01.1829, S. 3.<\/p>\n<p>46\u00a0 Siehe zum Beispiel Intelligenz-Blatt der Stadt Hof Nr. 42 vom 16. 10. 1824, S. 198; Wochen-Blatt der Stadt Hof Nr. 1 vom 03 .01. 1829, S. 3.<\/p>\n<p>47\u00a0 Mintzel, 2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie, Bd. II; S. 85f.<\/p>\n<p>48\u00a0 Siehe zum Beispiel H\u00f6fer Intelligenz-Zeitung Nr. 17 vom 29 .04. 1809, S.102; Nr. 30 vom 29. 07. 1809, S.164.<\/p>\n<p>49\u00a0 \u00a0H\u00f6fer Intelligenz-Zeitung vom 30. 06. 1810, S. 125.<\/p>\n<p>50\u00a0\u00a0 H\u00f6fer Intelligenz-Zeitung Nr.8 vom 19. 02. 1820, S. 30.<\/p>\n<p>51\u00a0 Siehe Mintzel, 2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie, Band II, S. 223ff.<\/p>\n<p>52\u00a0 Hofer Intelligenz-Zeitung Nr. 38 vom 20. 09.1817, S.154; Nr. 50 vom 13. 12.1817, S. 202; Nr. 1 vom 01. 01. 1820, S. 2. Siehe hierzu Mintzel,.2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie, Band II, S. 180ff.<\/p>\n<p>53\u00a0 Trautmann,1979: Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Stadt Hof, S. 384.<\/p>\n<p>54\u00a0 Zur Besoldung von Schullehrern in der Markgrafschaft Bayreuth siehe Jean Paul Werke, Bd. 12, S.1041: \u201eSein Schulhaus [des Vaters] war ein Gef\u00e4ngnis, zwar nicht bei Wasser und Brot, aber doch bei Bier und Brot; denn viel mehr als beide \u2013 und etwa fr\u00f6mmste Zufriedenheit dazu \u2013 warf ein Rektorat nicht ab, das obwohl vereinigt mit der Kantor- und Organistenstelle, doch dieser L\u00f6wengesellschaft von 3 \u00c4mtern ungeachtet nicht mehr abwarf als 150 Gulden j\u00e4hrlich. Und an dieser gew\u00f6hnlichen baireuthischen Hungerquelle f\u00fcr Schulleute stand der Mann 35 Jahre lang und sch\u00f6pfte.\u201c<\/p>\n<p>55\u00a0 Zur Besoldung der Lehrer an Gmnasium in Hof um 1803\u00a0 siehe I die detaillierten Angaben\u00a0 bei Mintzel, 2011: Von der Schwrzen Kunst zur Druckindustrie,\u00a0 Band I, S. 530f, 641.<\/p>\n<p>56\u00a0 Dr. Friedrich Ebert \/ Dr. Axel Herrmann, 1988: Kleine Geschichte der Stadt Hof, S. 261.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anhang: 17 Dokumente<\/strong><\/p>\n<p>Die Originalhandschriften aller im Folgenden abgedruckten Dokumente stammen, ausgenommen Dokument Nr. 1, aus dem Archiv der Firma Mintzel-Druck. Sie wurden vom Verfasser abgeschrieben und transkribiert. Erl\u00e4uternde Zus\u00e4tze wurden vom Verfasser in eckige Klammern gesetzt.<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 1<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gesuch des Buchdruckers Johann Ernst Schultze aus Schneeberg\/Sachsen vom 3. Juli 1733 um die Konzession f\u00fcr die Errichtung einer Buchdruckerei in Hof.<\/strong><\/p>\n<p>An Die. Hochwohl=und Gelehrten auch Hoch= und Wohlweisen Herren B\u00fcgermeister und Raths zum Hof<\/p>\n<p>Gehorsames Memorial<\/p>\n<p>Johann ernst Schultzens Buchdrucker zu Schneeberg<\/p>\n<p>Mir ist bekannd gemachet worden, dass nach Absterben des H\u00f6fischen Buchdruckers Herrn Minzels ein in solchen profession verst\u00e4ndiger Mann desideriret wird.<\/p>\n<p>Ob ich nun schon als zeitheriger B\u00fcrger und Meister der Buchdruckerkunst zu Schneeberg nicht Ursache habe, auf ein Changement des Orts zu drucken, und meines Bleibens daselbst gar wohl h\u00e4tte, So habe ich doch, in Hoffnung mein Gl\u00fcck in gewissen St\u00fccken in Hof noch be\u00dfer zu finden, mich hier einfinden und Ew.\u00a0 F\u00fcrtstl. Hoch-und Wohledel solche meiner unter gewi\u00dfen Conditionen gefa\u00dfte Resolution entdecken, dabey aber gleich Anfangs erwehnen wollen, wie\u00a0 meine Officin gegen der Minzlischen gerechnet, ganz ein ander und vollkommenes Werck und so beschaffen ist, da\u00df gegenw\u00e4rttig und zwar in Ermangelung mehrerer 8. Gesellen \/: deren ich doch vorher 11. gehabt, und auch k\u00fcnfftig eben wieder so viel n\u00f6thig habe,:\/ und 2. Lehr-Jungen darinnen arbeiten, welche, wenn meinen Entzweck erreichen sollte, alle mit hierher bringen werde, zwar nicht in der intention, selbige mit H\u00f6fischer Arbeit zu versehen, sondern die nach Halle verdingte und bereits zu prastiren angefangenen operas zu continuiren. Aus welcher Anzahl derer bey mir arbeitenden Persohnen Ew. Hoch-und Wohledel der Quantitaet derer in Breitschafft habenden Littern leichtl. abzunehmen belieben werden. Nicht eine aber befindet sich meiner officin ratione quantitatis wohl instruiret, sondern es ist, da\u00df dieselbe auch respectu qualitatis ohne Tadel und Fehler seyn m\u00fcsste, daher sicher zu glauben, weiln ich voritzo das ieziger Zeit gr\u00f6\u00dfte gelehrte opus nehml. das sogenannte Universal-Lexicon in 26. Folianten bestehend, pro parte zu drucken unter Handen habe.<\/p>\n<p>Sowenig nun an meiner reichlich versehenen und wohlangerichteten officin einiger Abgang sich zeiget, ebenso wenig ist auch an meiner Persohn und gef\u00fchrten Lebens-Wandel nach dem sub Lit: A. et B. abschrifftl. \u00a0anliegenden Zeugni\u00df meiner Geistl. und Weltl. Obrigkeit etwas auszusezen. Wannenhero ich glaube, da\u00df auf Seiten E. E.Magistrats, daferne Selbe anderts eine mit allen Nothwendigkeiten wohl versehene Buchdruckerey und einen in derselben habilen Mann im Ernst desideriren, die Sache hoffentl. schon ihre Richtigkeit erhalten m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Alleine gleichwie ich dem W\u00fcnschen und Verlangen E. E. Stadt-Raths satisfaciren w\u00fcrde: also m\u00fcste, weilen sich von einem Ort, allwo man mit sovielen Gesind\u00a0 ans\u00e4\u00dfig, sich weg zubegeben etwas sehr schwehres ist, \u00a0nothwendig\u00a0 auch meinem Suchen und Bitten hinwiederumb deferiret und ich darinnen gl\u00fcckl. werden.<\/p>\n<p>Es bestehet aber mein billiges Suchen darinnen, dass 1.) au\u00dfer meiner Buchdruckerey keine andere k\u00fcnfftig hie in Hof d\u00fcrffte errichtet, somit von h\u00f6chster Landes=Herrschaft\u00a0 \u00a0mir das Jus prohibendi m\u00fcsste ertheilet werden. 2.) hat man mir berichtet, dass die zeither in Hof befindl. Buchdruckerey und deren Besizer von dem Landschafftl. und anderen Steuer=oneribus exemt gewesen.<\/p>\n<p>Welches privilegii ich gleichergestalt, nachdeme die Minzelische Buchdruckerey eingienge, theilhafftig zu werden verlange.<\/p>\n<p>Vielen nun die ins Gewichte fallende Officin, als welche mit allen Zubeh\u00f6rungen \u00fcber 100. Centner am Gewichte betr\u00e4gt, und meine andere Mobilien hieher zuschaffen sehr viele Kosten wenden m\u00fcste, so w\u00fcrde es ganz billig seyn, im Betracht solches grosen Costen Uffwands 3.) mich mit einer freyen Wohnung solange zu versehen, bi\u00df sich bequeme Gelegenheit zeigte, entweder ein Hau\u00df zu kauffen, oder eine von deren hiesigen Brandst\u00e4tten zu erbauen, zu welcher Zeit ich das ben\u00f6thigte Bier selbsten brauen w\u00fcrde, da mir dann 4.) die Umbgelds-Freyheit von gn\u00e4digster Herrschafft sowohl, als auch von E. E. Raths ertheilet und die Concession solches privilegii\u00a0 mir ebenfalls gleich zu Anfang obschon de futuro mir angedeihen\u00a0 werden wird, als worum und endl. noch 5.) um die Freyheit, j\u00e4hrl. etl. Rinder zu be\u00dferer Fortbringung meiner schwehren und starcken oeconomie ohne\u00a0 Fleisch-Uffschlag zu schlachten, hierdurch eben m\u00e4\u00dfig anlange, \u00fcberhaupt aber gehorsamst bitte, bey S. Hochf\u00fcrstl. Durchl. mein Vorhaben und die\u00df mein in angebrachten 5. puncten beruhendes Suchen mittelst unterth\u00e4nigster Berichts-Erstattung zu secundiren, in mehreren Betracht, nicht nur dem publico durch eine wohlbestelte Buchdruckerey groser Nutzen zuw\u00e4chset, indeme occasione der hiesigen Pappier-M\u00fchle durch h\u00e4uffige Consumirung des Pappieres das Geld von ausl\u00e4ndischen Orten ins Land gebracht wird, sondern auch insonderheit der hiesigen Stadt wegen des in meiner officin zu haltenden vielen Gesindes mehr Nahrung verschaffet wird. Dazu nun aber auch der allhiesigen Minzelischen Wittib kein Tort geschehe, bin ich erb\u00f6thig, ihr die habende officin um taxm\u00e4\u00dfigen Prei\u00df abzukauffen.<\/p>\n<p>We\u00dfen mich nun zu versehen, ob nehmlich ich in meinem Gesuch reuissiren werde oder nicht, hoffe nach schleuniger Berichts-Erstattung in balden zu erfahren, bi\u00df dahin wie sonsten mit allem Respect erharre.<\/p>\n<p>Ewl. Hoch-und Wohledel etc.<\/p>\n<p>gehorsamer Diener<\/p>\n<p>Johann Ernst Schultze<\/p>\n<p>1.Buchdrucker aus Schneebergk<\/p>\n<p>Hof, den 3. Juli 1733.<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 2<\/strong><\/p>\n<p><strong>Referenzschreiben des Lic. Johann Joachim H\u00f6nicker f\u00fcr den Buchdrucker Johann Ernst Schultze vom 30.ten Juni 1733.<\/strong><\/p>\n<p>Da\u00df tit: Herrn Johann Ernst Schulze, Tit: Herrn Martin Schulzens seel., weyl. K\u00f6nigl. Pohln. Churf\u00fcrstl. S\u00e4chsischer Ober-Accis-Einnehmenrs nachgela\u00dfener eheleibl. Sohn, aniezo angese\u00dfener B\u00fcrger und Buchdrucker, sich zeit seines Hierseyns eines Christl. friedliebenden \u00a0Lebens und Wandels beflie\u00dfen , Gottes Wortt flei\u00dfig geh\u00f6ret und sich nebst denen Seinigen des heil. Abendmahls \u00f6ffters mit Andacht gebrauchet, sich auch in der Buchdrucker Kunst r\u00fchmlich erwiesen und noch erwei\u00dfet; Solches alles wird hierdurch, fide pastorali, attestiret und bezeuget.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schneeberg am 30.ten Juni: Anno etc, 1733.<\/p>\n<p>L.S. Lic: Johann Joachim H\u00f6nicker [Rh\u00f6nicker?]<\/p>\n<p>P.P.und Ministerii 1. Senior.<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 3<\/strong><\/p>\n<p><strong>Markgr\u00e4fliches Privileg f\u00fcr den Buchdrucker Johann Ernst Schultze vom 20. Juli 1735. (Quelle: Paul Daniel Longolius: Vollst\u00e4ndige Geschichte der Buchdruckerey in der Marggr\u00e4flich \u2013 Brandenburg &#8211; Culmbachischen Haupt-Stadt Hof [\u2026]Hof 1741. [Manuskript; Standort : Archiv des Historischen Vereins f\u00fcr Oberfranken, Bayreuth]<\/strong><\/p>\n<p>(Ein Abdruck dieses Privilegs ist zu finden in Georg Wolfgang August Fikenscher: Geschichte des Buchdruckerwesens in dem Burggrafthum N\u00fcrnberg oberhalb Geb\u00fcrgs. Baireuth 1802, S. 48ff.)<\/p>\n<p>Von Gottes Gnaden Wir Friedrich Marggraf zu Brandenburg in Preu\u00dfen, zu Magdeburg, Stettin, Pommern, der Cassuben und Wenden, zu Mecklenburg: auch in Schlesien und zu Crossen Hertzog, Burggraf zu N\u00fcrnberg, F\u00fcrst zu Halberstadt, Minden, Camin, Wenden Schwerin und Ratzeburg, Graf zu Hohenzollern und Schwerin, Herr der Lande Rostock und Stargard; [usw.] urkunden und bekennen hiermit vor Un\u00df, Un\u00dferer Erben und Nachkommen, und f\u00fcgen hierdurch jederm\u00e4nniglich Zu wi\u00dfen, was gestalten allschon bey Lebzeiten Un\u00dfers in Gott hochseelig ruhenden Herrn Vater Gnaden der Buchdrucker Johann Ernst Schultz Zu Hof unterth\u00e4nigst vorgestellt, dass er Zwar ehehin Zu Schneeberg in dem Chur-S\u00e4chsischen, Als Buchdrucker wohnhaft gewe\u00dfen, vor kurzten aber seine in mehr als 100. Centner Gewicht bestehende Buchdruckerey, um verschiedener Ursachen willen von dar hinweg und in Unsere Haubt-Stadt Hof transferiret habe, bey welcher er auch mit so viel frembder und ausw\u00e4rthiger Arbeit bereits versehen seye, dass er nicht nur von Jahren zu Jahren eine Anzahl von 15. bis 18. Persohnen f\u00f6rdern, sondern auch der dasellbst schon befindlichen Mintzlischen Buchdruckerey \/: welcher wegen er sich gegen die Wittib sothaner Buchdruckerey und ietzo verehligte Vierlingin [ Irrtum: Hetschel &#8211; A.M.] ohnehin besonders inreserviret :\/ so gar davon noch ein und anders Zuwenden k\u00f6nne, wodurch dann Un\u00dferer Stadt Hof ein nicht geringes Consumtions- Interesse und anderer Vortheil Zugezogen w\u00fcrde, solchen nach am Ende gehorsamst gebetten, ihme \u00fcber ermelde seine Buchdruckerey ein Privilegium ausfertigen und demselben Zu aneignen [?] obschon geringen Behuff seines gro\u00dfen und weitl\u00e4uffigen Hau\u00dfhaltens Zugleich etwelche Befreyungen von Gewerb-Steuer, Umbgeld und Fleisch- Ufschlag gn\u00e4digst einverleiben zu lassen. Wenn Wir nun in Ansehung solche Buchdruckerey, denen eingezogenen Berichten nach, Uns und dem Publoco Zu mercklichen Nutzen gereichet, dem Gesuch Zu deferiren in Gnaden resolviret; Als ertheilen Wir aus Landes F\u00fcrstlicher Macht und Gewalt hiermit und in Krafft die\u00df; Ihme Johann Ernst Schultzen und dessen Erben das gebethene Privilegium \u00fcber gedachte seine nach Hof transferirte Buchdruckerey dergestalt und also, da\u00df er bey derselben wieder alle unziemende Beeintr\u00e4chtigungen, worinnen auch solche bestehen m\u00f6gen, cr\u00e4fftigst gesch\u00fctzt und gehandhabet, sodann auch ihme Zu des Wercks Aufrecht-Erhaltung iederzeit mit der erforderlichen Assistentz Zur Seiten getretten werden solle. Wobey Wir ferner, damit er Schultze desto be\u00dfer bestehen, und dieses viele Kosten und Verlag erfordernde Werck in einem guten Stand fortw\u00e4hrig erhalten k\u00f6nne, gn\u00e4digst verwilligen da\u00df derselbe gleich anderen in Un\u00dferm Land und F\u00fcrstenthum etablierten Buchdruckereyen von aller Gewerb-Steuer, wie auch Zug, Wacht, Ausschu\u00df, Einquartierungen und andern b\u00fcrgerlichen Oneribus hink\u00fcnfftig exempt und befreyet bleiben, neben dem auch ihme alle Jahr ein gantzes Gebr\u00e4u Bier H\u00f6fer Maa\u00df Umgelds frey selbst abzubrauen, dann Zwey Rinder und vier Schweine ohne Entrichtung eines Aufschlags, in sein Hau\u00dfhalten j\u00e4hrlich zu schlachten, verstattet seyn solle: Dargegen Wir Un\u00df Zu ihme Schultzen versehen, er auch ohne di\u00df schuldig und gehalten ist, dass er jedermann mit der von ihm erfordernde Drucker-Arbeit, nach vorher davon beschehener jedesmahligen Anzeige bey Un\u00dferer nachgesetzten Regierung in einem billigen Prei\u00df an Handen gehen und geb\u00fchrend fordern werde, wie er denn auch hierdurch Zugleich ernstlich angewiesen wird ohne Un\u00dfern oder Un\u00dferer verordneten Hof- und Justitien-R\u00e4the oder wem Wir solches sonsten Zu \u00fcbertragen gn\u00e4digst gemeynet seyn werden, vorgehenden Vorwissen, Befehl und Erlaubn\u00fc\u00df, ingleichen was geringe privat-Arbeiten betrifft, ohne vorhero beh\u00f6rigen Orts erfolgte Censur und Correctur, nichts in den Druck zu nehmen, weniger aber Sachen, welche wider das Christenthum, die Gesetze und Erbarkeit streiten, unn\u00fctze sch\u00e4ndliche B\u00fccher, Carmina, Schm\u00e4h-Schrifften, ingleichen Bildni\u00dfe oder andere dergleichen unziemende Dinge bey Vermeidung schwehrer Straffe und allenfalstigen Verlust dieses ihme hiermit lediglich aus Gnaden ertheilenden Privilegii, Zu drucken, noch der M\u00fcnzlischen privilegirten Buchdruckery an der bi\u00dfhero gehabten Schul- und andern Arbeit, seinen von sich gestellten Revers Zu wieder, einigen Eintrag Zu thun. Uebrigens behalten Wir Uns, Unsern Erben und Nachkommen in der Regierung bevor, k\u00fcnfftig nach Befinden und Erheischung der Umst\u00e4nde, darunter Zu mindern und Zu wehren. Urkundlich ist die\u00dfes Privilegium unter Un\u00dferer Unterschrifft und anhangenden Regierungs-Siegel ausgefertiget worden. So geschehen in Un\u00dferer Residenz-Stadt Bayreuth den 20. Juli Anno 1735.<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 4<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aktennotiz des Stadtrats von Hof: Anzeige Johann Ernst Schultzes vom 12. Juli 1737, dass [Johann Adam] M\u00f6nnich, ein Buchdruckergeselle Hetschels, damit begonnen habe, in Hof eine dritte Buchdruckerey einzurichten, und Bitte um Verbot der rechtswidrigen Aktion.<\/strong><\/p>\n<p>Actum \u00a0Hoff den 12. Juli 1737.<\/p>\n<p>Zeiget der alhiesige Buchdrucker Schultze an, was gestalten alhier sich der dritte Buchdrucker, namentl.[ich] M\u00f6nnich, welcher des Buchdrucker Hetschels Stieftochter heirathen w\u00fcrde, niederlassen wolte, wie er dann albereits eine Pre\u00dfe in das Mollische Haus hieselbst hat bringen lassen.<\/p>\n<p>Wenn nun aber dieses unbefugte eigenm\u00e4chtige Unternehmen wider die gn\u00e4digst ertheilte Privilegien, krafft derer keine andere, als seine und des Hetschels Druckerey alhier gestattet werden solle, liefe, als wolle er ein solches hierdurch er\u00f6rtert und gehorsamst gebeten haben, ihme hierinnen zu sch\u00fczen und dem M\u00f6nnich dieses unerlaubte und wider die gn\u00e4digst ertheilten privilegia laufende Beginnen mit Nachdruck zu inhibiren.<\/p>\n<p>Resolution [Beschluss]<\/p>\n<p>Solle das beh\u00f6rige verf\u00fcgt werden.<\/p>\n<p>Actum ut supr. P.<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 5<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schreiben des Buchdruckers Johann Andreas Hetschel vom 12. Juli 1741 an den Rat der Stadt Hof mit Bitte um Bekr\u00e4ftigung der alten Mintzelschen Druckerei &#8211; Privilegien.<\/strong><\/p>\n<p>Hoch- und Wohledle, Hoch- und Wolhlgelehrte, auch hoch- und wohlweise, hochgeehrteste Herren!<\/p>\n<p>Ich finde n\u00f6thig, ja mich gen\u00f6thiget, occasione der mit des Schulzens falliment eingegangnen Buchdruckerey bey Serenissimo um die Confirmation der meiner Buchdruckerey vor alten Zeiten ertheilten Hochf\u00fcrstl. gn\u00e4digsten Privilegien, zugleich aber auch\u00a0 gn\u00e4digste Concession des juris prohibendi unterth\u00e4nigst anzulangen, so mit vor die be\u00dfere und wiederhergestellte Aufnahme der selben besorgt zu seyn. Damit ich nun aber in meinen unterth\u00e4nigsten Gesuch desto leichter re\u00fcssiren m\u00f6ge, bitte Ew: Hoch- und Wohledel ich hiermit gehorsamst, meine beyfolgende unterth\u00e4nigste Supplication mittelst unterth\u00e4nigten Berichts dergestalt zu secundiren, da\u00df alles, was ich vorgebracht, der Wahrheit gem\u00e4\u00df, und zur Conservation meiner Buchdrucker-Offizin die gebethene Hochf\u00fcrstl. Gnade allerdings h\u00f6chst von n\u00f6then sey. Diese g\u00fctigste Willfahrung werde ich mit dem ersinnlichsten Danck erkennen und allstets mit besondere respect erharren,<\/p>\n<p>Ew.: Hoch- und Wohledlen<\/p>\n<p>Hof, den 10. Juli 1741<\/p>\n<p>gehorsamster Johann Andreas Hetschel<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 6<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bericht des Hofer B\u00fcrgermeisters und Stadtrat vom 29. M\u00e4rz 1743 an die markgr\u00e4fliche Regierung zu Bayreuth \u00fcber die Vorg\u00e4nge im Hofer Druckereiwesen <\/strong><\/p>\n<p>Durchlauchtigster Marggraf, Gn\u00e4digester F\u00fcrst und Herr.<\/p>\n<p>Ew. Hochf\u00fcrstl. Durchlaucht ist gn\u00e4digst bekand,<\/p>\n<p>was, als Anno 1733. Johann Ernst Schultze seine Buchdruckerey von Schneeberg anhero transferiret; zwischen \u00a0ihme und des bereits hier gewesenen Buchdruckers Johann Christoph Mintzels hinterbliebenen Wittib verhandelt worden und wir jenen besondere Immunitaeten und freyheiten zu erhalten gesuchet, diese aber unter Beziehung auf die von ihrem Mann und seinen Vorfahren geno\u00dfenen Privilegia, dabey gesch\u00fctzet zu werden gebeten. \u00dcber beyderseitiges Gesuch ist mittelst gn\u00e4digster Rescriptorum sub 16. und 20. Martii 1734 unterth\u00e4nigster Bericht abgefordert, auch dieser sub 11. et 13. Maii ei.a. [eiusdem anni] erstattet, seitdeme aber, wie weit ein oder der andere Theil in seinem Bitten reussiret, uns nicht bekannt worden. Inmittelst hat die Mintzlische Wittib sich an Johann Andreas Hetscheln verheyrathet und dieser die Buchdruckerey seithero fortgesetzet, da hingegen Schultze, welcher anf\u00e4nglich frembde Arbeit ins Land zu ziehen und der Stadt eine strackes Consumtions- Interesse zuzuwenden die\u00a0 Bestimmung\u00a0 gemachet, bey Gelegenheit des zum Verlag \u00fcbernommenen Universal-Lexicons ungl\u00fccklich worden, alle auswertige Arbeit eingeb\u00fc\u00dfet, und wider sein Promission sich mit Druckerey inl\u00e4ndischer Piecen hingeflicket, folglich damit nicht nur die andere Buchdruckery mit ruiniret, sondern auch endlich sich selbsten in so weit gef\u00e4hrdet, dass zu seinen\u00a0 Verm\u00f6gen ein starker Concursus Creditorum ausgebrochen. Bey dieser\u00a0 Gelegenheit suchte Hetschel in der Meynung, da\u00df\u00a0 mit Schultzens Concurs dessen Buchdruckerey v\u00f6llig Zergehen w\u00fcrde, in anliegender Supplication unterth\u00e4nigst an, dass ihme seine Vorfahren gn\u00e4digst ertheiltes Privilegium wieder angedeyhen, auch k\u00fcnfftig weiter keine Buchdruckerey neben der seinigen alhier etabliret &#8211; \u00a0somit\u00a0 ihme hierunter ein jus prohibendi mitgetheilet werden m\u00f6gte. Zur Zeit k\u00f6nnen wir nicht\u00a0 anf\u00fchren, wie es noch eigentlich mit dem Schultzischen Concurs und der ad massam geh\u00f6rigen Buchdruckerey ablauffen m\u00f6gte, sintemahlen jener wegen desjenigen Besteuerungs-Rechtes und\u00a0 Steuer-Rechtes Hochf\u00fcrstl. Landschafft auf\u00a0 des Debitoris Hau\u00dfe zu behaupten suchet und der \u00a0dieserwegen zwischen derselben \u00a0und einer Ritterschaft hiesigen Bezirks, welche das Hau\u00df vormahls bese\u00dfen, obwaltenden Different, seithero einigen\u00a0 Verzug leiden m\u00fc\u00dfen, zu der Buchdruckerey aber, ob sie wohl nicht nur in \u00f6ffentl. Zeitungen, sondern auch durch \u00f6ffentl. Anschlag in Leipzig, Wittenberg und Jena zu jedermanns Wissenschafft feil gebothen worden, bi\u00df dato sich\u00a0 so wenig ein Liebhaber gefunden, als \u00a0wenig der andere Buchdrucker Hetschel solche an sich zu kauffen das Verm\u00f6gen besitzet, und welcherley Ursachen\u00a0 willen auch nur erwendes Hetschel unterth\u00e4nigstes Suchen an Ew. Hochf\u00fcrstl. Durchl. zu bringen, wir seithero Anstand genommen und \u00a0den Ausgang des Schultzischen Bucdruckerey-Verkauffs abzuwarten gemeynet gewesen. Da aber Hetschel die Intention f\u00fchret, in Zeiten vorzubeugen, da\u00df nicht etwa durch jenen Retablissement ihme weiterer Schaden zugef\u00fcget werde; So wie es zu Ew. Hochf. Durchl. H\u00f6chsten Disposition beruhen, wie weit sein Bitten mit gn\u00e4digster\u00a0 Erh\u00f6rung\u00a0 er zu sehen vor thunlich erachtet werden wolle.<\/p>\n<p>Umb des hiesigen Gymnasii ist freylich eine Buchdruckerey fast unentbehrlich, und dieses sonder\u00a0 Zweffel die Ursache, welcher wegen\u00a0\u00a0 fr\u00fcherer Albrecht M\u00fcntzel von Leipzig anhero vociret, und nebst \u00a0seinen Successoribus von Durchlauchtigster Landesherrschafft mit verschiedenen Begnadigungen, \u00a0wovon\u00a0 aber gegenw\u00e4rtig weiter nichts, als die Befreyung von der ordinairen Steuer, darin Zug und Wacht, von der \u00a0Hochf\u00fcrstl. Landschafft, ingl. Etwelche Umbgelds \u2013 Befreyung von der Hochf\u00fcrstl. Cammer annoch\u00a0 zugestanden wird, angeshen werden; Dabey findet ein Buchdrucker endlich auch nothd\u00fcrfftiges Brod. Wird aber die\u00a0 Zahl verdoppelt, so ruiniret einer den andern, wie das Exempel gegenw\u00e4rtig am Tage ist. Zu Ew. Hoch[ohl] D[urchlauchtigsten] erlauchtesten Penetration stellen \u00a0Wir demnach submittest aus, ob H\u00f6chstdieselbe Hetschels unterth\u00e4nigtsten Suchen Platz geben und ihn auf \u00a0den \u00a0Fall, da die Schultzesche Buchdruckerey g\u00e4ntzl. zergehen sollte, mit dem suchenden \u00a0\u00a0\u00a0jure prohibendi ueber eine weitere Buchdruckerey-Anrichtung zu begnadigen geruhen wollen, die wir in tiefster Erniedrigung\u00a0 verharren.<\/p>\n<p>Ew, H. D.<\/p>\n<p>Hof<\/p>\n<p>Den 29. Martii 1743.<\/p>\n<p>B[\u00fcrgermeister] u. R[ath]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 7<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schreiben der markgr\u00e4flichen Regierung zu Bayreuth vom 26. April 1743 an die Landeshauptmannschaft Hof mit der Aufforderung, bis zum Verkauf der Schultzeschen Buchdruckerei abzuwarten.<\/strong><\/p>\n<p>Von Gnaden, Friedrich, Marggraf zu Brandenburg [usw.]<\/p>\n<p>Unsern gn\u00e4diglichen Gru\u00df zuvor, Ehrsame, Liebe Getreue! Es ist dahier eingelanget, und breitens Inhalts verlesen worden, was ihr wegen der ad concursum gezogenen Schultzischen Buchdruckerey sub pr\u00e4s: 20. De curr: unterth\u00e4nigst einberichtet, dann wie der Buchdrucker Johann Andreas Hetschel in dem eurem Bericht beygelegenen gewesenen Supplicato um Confirmation derer dem ehemahligen Buchdrucker Min[t]zel verliehenen Privilegiorum cum jure prohibendi, weilen seiner Meynung nach die Schultzische Buchdruckerey durch den Verkauff einzugehen scheine, die unterth\u00e4nigste Ansuchung gethan [sein Gesuch eingereicht].<\/p>\n<p>Gn\u00e4digtst darauf befehlend, ihr soltet dem Hetschel er\u00f6ffnen, da\u00df die gesuchte Confimation in so lange Anstandt haben [warten] m\u00fcsse, bi\u00df man sehe, wie es mit dem Verkauff oben gedachter Schulzischen Buchdruckerey ablauffen werde, da so dann nach Befinden weitere Resolution erfolgen solle. Wornach ihr euch gehorsamst zu achten.<\/p>\n<p>Datum Bayreuth, den 26. April, 1743.<\/p>\n<p>MC von Feilitzsch<\/p>\n<p>Johann Christoph Braun<\/p>\n<p>Chr. Ernst Sch\u00fcliin<\/p>\n<p>Johann Georg Kayser<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 8<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vermerk des Hofer B\u00fcrgermeisters und Stadtrats vom 10. Mai 1743, dass der Ratsdiener dem Buchdrucker Johann Andreas Hetschel den Bescheid der markgr\u00e4flichen Regierung\u00a0 pers\u00f6nlich \u00fcbermittelt hat, Hetschel solle sich in Geduld \u00fcben, bis der Verkauf der Schultzeschen Buchdruckerei gekl\u00e4rt sei.<\/strong><\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtiges gn\u00e4digegstes Rescriptum, worinnen Johann Andreas Hetschel Buchdrucker wegen suchender Confirmation derer hiebeyvorigen Mintzlischen Privilegiorum in so lange, bi\u00df man sehen wird, wie es noch mit Verkauff der Schultzischen Buchdruckerey ergehen m\u00f6gte, Zur Gedult verwiesen wird, wurde ernanden [genannten] Hetschel durch den Rathsdiener Willer [?] von der Hand originaliter ad notitiam communiciret [mitgeteilt].<\/p>\n<p>Hof den 10. Maji 1743.<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister und Rath<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 9<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gesuch des Buchdruckergesellen Johann Georg Aemilius Bergmann vom 29. M\u00e4rz 1785 um die Konzession f\u00fcr die Errichtung einer zweiten Buchdruckerei in Hof, gerichtet an den Geheimen Rat und Landeshauptmann Philipp Georg von Weitershausen <\/strong><\/p>\n<p>Reichsfreyhochwohlgebohrner Herr, gn\u00e4dig und hochbefehlender Herr Geheimer Rath und Landes-Hauptmann.<\/p>\n<p>Es kann dem scharfsehenden Auge Ew. Reichsfreyhochwohlgebohrnen Excellenz unm\u00f6glich entgehen, dass aus Mangel guter Buchdruckereyen in dem F\u00fcrstenthume Brandenburg-Culmbach Oberhalb Geb\u00fcrges, nicht nur hiesige Buchhandlung, sondern auch die Bayreuther ihre Zuflucht zu den benachbarten ausl\u00e4ndischen nehmen, und mithin das Geld, welches im Lande verdienet werden k\u00f6nnte, Ausw\u00e4rtigen in ansehnlichen Summen j\u00e4hrlich liefern m\u00fcssen. Die Vierlingische Buchhandlung allhier, wird in angebogener [?] Vertretung dieses bekr\u00e4ftigen und den Nachtheil, der ihr hierdurch zuw\u00e4chst, bekennen m\u00fcssen. Der hiesige Buchdrucker Hetschel ist ein Mann von 78 Jahren, der seine Buchdruckerey nach seinen Umst\u00e4nden nicht h\u00f6her treiben kann. Seine zwey Pressen besetzen immer Verlagsb\u00fccher von Buchbindern zu zwey bis drittehalb tausend Auflage; womit er ohne andere Arbeit zu \u00fcbernehmen, sich Jahre lang besch\u00e4ftigen mu\u00df. Ich getraue mir dahero zu behaupten, da\u00df Hetschel im geringsten kein Abbruch geschehe, wenn ich der Aufforderung der hiesigen Buchhandlung zur Folge eine neue Buchdruckerey errichten, und mir hierzu die gn\u00e4digste Erlaubni\u00df ertheilet w\u00fcrde, da ich nach meinen, in vielen ansehnlichen Buchdruckereyen seit 13 Jahren her gesammelten Kenntnissen zum Besten des Landes und vorz\u00fcglich hiesiger Buchhandlung benutzen w\u00fcrde. Ich wollte mich zum voraus verbindlich machen, Hetscheln von seiner Arbeit nichts zu entziehen, sondern ihn vielmehr bey \u00fcberh\u00e4ufter Arbeit selbst abzugeben im Falle es ihm an Arbeit fehlen sollte. Ich w\u00fcrde, weil meine Unterst\u00fctzung von Hause, so lange meine Mutter noch am Leben, nicht zu zwey oder mehreren Pressen hinreichend ist, anf\u00e4nglich nur mit einer einzigen anfangen, mit welcher ich j\u00e4hrlich 50. bis 53. Ballen zu verdrucken, im Stande bin, nach einiger Zeit aber, vielleicht durch eine vortheilhafte Parthie, oder auch dadurch, da\u00df ich meine Mutter zu mir nehme, meiner und des Publikums Convenienz nach, die Pressen vermehren.<\/p>\n<p>Mir ist seit meiner zweyj\u00e4hrigen Condition allhier nicht verborgen geblieben, wie r\u00fchrig Ew. Reichsfreyhochwohlgebohrene Excellenz bem\u00fcht sind, jeden Nahrungsstand in gr\u00f6\u00dferen Flor zu setzen, und jeden fehler derselben zu verbessern. Desto getroster wage ich es Ew. Reichsfreyhochwohlgebohrenen Excellenz unterth\u00e4nig gehorsamst zu bitten:<\/p>\n<p>Mich bey der h\u00f6chsten Beh\u00f6rde in meinem Gesuche Gn\u00e4dig und Hochgeneigt zu unterst\u00fctzen, und es durch Hochdero gn\u00e4digen Vorsprache dahin zu verm\u00f6gen da\u00df mir, als einen Anf\u00e4nger dessen wichtigtste Unterst\u00fctzung, Th\u00e4tigkeit und P\u00fcncktlichkeit seyn wird, die Kosten pro concessione nicht erschweret werden.<\/p>\n<p>Unter der Hoffnung gn\u00e4diger Erh\u00f6rung in tiefem Respect<\/p>\n<p>Ew. Reichsfreyhochwohlgebohrene Excellenz gg.<\/p>\n<p>Hof, den 29. M\u00e4rz 1785<\/p>\n<p>unterth\u00e4niger Diener<\/p>\n<p>Johann Georg Aemilius Bergmann, aus Jena.<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 10<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schreiben des Verlagsbuchh\u00e4ndlers und Zeitungsherausgebers Carl Johann Albrecht Meyer vom 29. M\u00e4rz 1785 an den Geheimen Rat und Landeshauptmann Philipp von Weitershausen zur Unterst\u00fctzung der Konzessionierung einer zweiten Buchdruckerei in Hof.<\/strong><\/p>\n<p>Reichsfreyhochwohlgebohrner Herr<\/p>\n<p>Gn\u00e4dig und hochbefehlender Herr geheimer Rath und Landeshauptmann,<\/p>\n<p>Der in hiesiger Buchdruckerei in Condition stehende Georg Aemilius Bergmann w\u00fcnscht die gn\u00e4digste Erlaubni\u00df zu einer zweyten Buchdruckerei alhier zu erhalten und hiesige Buchhandlung stimmt in diesen Wunsch auf das feyerlichste ein, weil sie eben so wenig als die Bayreuther verm\u00f6gend ist den dritten Theil der Verlags Artikul bey der Verfassung unserer Obergeb\u00fcrgischen Buchdruckereien im Lande gedruckt zu erhalten. Die hiesige Buchdruckerei bek\u00fcmmert sich wenig um Buchhandels Arbeit weil solche immer B\u00fccher die eine starcke Auflage erfordern unter der Presse hat, und die Culmbacher und Bayreuther Buchdrucker sind zu dergleichen Arbeit nicht eingerichtet, teils \u00a0mit dem Druck des Calenders, teils mit der politischen Zeitung besch\u00e4ftiget. Ich befinde mich auf solche Weise in die Nothwendigkeit\u00a0 versetzt bey nahe alle meine Verlagsartikul auserhalb Landes drucken zu lassen und ansehnliche Summen in jene Gegenden zu senden, woher Hof, wenn mehrere Pressen vorhanden w\u00e4ren, Geld ziehen k\u00f6nnte, des grosen Nachtheils nicht zu gedencken der mir durch die Entfernung vom\u00a0 Druckorte, durch Porto und andere unvermeidliche Umst\u00e4nde zuw\u00e4chst. Ich w\u00fcrde bey alledem Supplicantens Bitte so wol als meine Clage auf jede Art ungerecht und unbillig finden, wenn der hiesige Buchdrucker Hetschel durch Errichtung einer zweyten Buchdruckerei \u2013 die aber schon ehemals neben der Hetschelischen vom Schulze behauptet wurde \u2013 die er weder mir noch der Bayreuther Buchhandlung wegen anderen Arbeiten wenig oder gar nichts drucken kann, an seiner Nahrung Abbruch litte. Ich verpflichte mich im Gegenteile ihm so viel er mir zeithero drucken konnte, so lange er am Leben, zu geben und Supplicanten nur das was ich\u00a0 bishero auser Landes drucken lassen mu\u00dfte, nebst den von andern Gegenden zur Besorgung des Druckes zu gesendeten Manuscripten\u00a0 zu \u00fcber- lassen. Euer reichsfreyhochwohlgebohrn Excellenz als Kenner jeder hiesigen Gebrechen \u00a0das Nahrungsstandes werden durch hochdero viel verm\u00f6genden Vorwort bey h\u00f6herer Beh\u00f6rde der Buchhandlung alhier diesen Vorteil, Supplicanten aber, von dessen Geschicklichkeit ich Proben habe, die gn\u00e4digste Deference seiner Bitte gegen eine geringe Abgabe, gn\u00e4dig und hochgeneigtest zu bew\u00fcrcken geruhen. Da ich \u00fcbrigens mit der gr\u00f6sten Verehrung in Submission erharre<\/p>\n<p>Euer Reichsfreyhochwohlgebohrn Excellenz<\/p>\n<p>Hof, den 29. Merz 1785<\/p>\n<p>Unterth\u00e4nig gehorsamster<\/p>\n<p>Carl Johann Albrecht Meyer.<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 11<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schreiben des Landeshauptmannes Philipp von Weitershausen an den Markgrafen von Bayreuth vom 10. Mai 1785. [Acte die von dem Buchdruckergesellen Bergmann gesuchte u. erhaltene Concession zu einer 2ten Buchdruckerey betreffend.\u00a0 Staatsarchiv Bamberg C 7 VIII Nr. 2452]<\/strong><\/p>\n<p>Duchlauchtigster Marggraf<\/p>\n<p>Gn\u00e4digster F\u00fcrst und Herr!<\/p>\n<p>Der hiesige Buchdruckergesell Johann Georg Aemilius Bergmann, welcher aus Jena geb\u00fcrtig ist, w\u00fcnschet, die gn\u00e4digste Erlaubnis zu einer Buchdruckerei zu erhalten, und hat mich, wie die Beilage ergibt, um meine Vertrettung gebeten. Nach der weitern Anlage \u00e4u\u00dfert die Vierlingische Buchhandlung eben diesen Wunsch , weil sie von der bereits hier befindlichen Hetschelischen so wohl, als der Baireuther und Culmbacher Buchdruckerey nicht gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnte, sondern die meisten Verlagsartikel oefters zu ihren gr\u00f6sten Schaden ausw\u00e4rts drucken lassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Es ist sehr augenscheinlich,, wo nicht mit Gewi\u00dfheit zu behaupten, da\u00df zwei Buchdruckereien hier immer genug zu drucken haben, und keine die andere verderben werde, zumalen die hiesige Buchdruckerey nur 2. Pressen hat, davon \u00f6fters nur eine aus bloser Nachl\u00e4ssigkeit des Hetschels und wegen mangel der Lettern gangbar ist.<\/p>\n<p>Da nun der Bergmann die Erlaubni\u00df zu einer neuen Buchdruckerei \u00fcberdie\u00df ohne Nachtheil der Hetschelischen verlangt, solches auch, da eine es immer fehlen l\u00e4\u00dfet, thun kann, und dadurch das sonst\u00a0 ausw\u00e4rts gehende Geld im Lande behalten wird; so bin ich des unzielsezlichen Daf\u00fcrhaltens , da\u00df dem Bergm\u00e4nnischen Gesuch gn\u00e4digst willfahret werden koennte.<\/p>\n<p>Ich \u00fcberla\u00dfe jedoch alles Ew. Hochf\u00fcrstlicher Durchlaucht h\u00f6chstem Ermessen und erharre in gr\u00f6\u00dfter Ehrfurcht,<\/p>\n<p>Hof den 10ten Mai 1785.<\/p>\n<p>Ew. Hochf\u00fcrstlichen Durchlaucht<\/p>\n<p>Unterth\u00e4nig gehorsamster<\/p>\n<p>Weitershausen<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 12<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aufforderung der markgr\u00e4flichen Regierung vom 30. Mai 1785 an den Geheimen Rat und Landeshauptmann Philipp Georg von Weitershausen, den Buchdrucker Hetschel \u00fcber den Vorgang in Kenntnis zu setzen und dessen Stellungnahme dazu einzuholen. <\/strong><\/p>\n<p>Von Gottes Gnaden, Christian Friedrich Carl Alexander, Marggraf zu Brandenburg [usw.]<\/p>\n<p>Unsern gn\u00e4diglichen Gru\u00df zuvor: Wohlgebohrner, Lieber Getreuer! Wir sind zwar gar nicht ungeneigt, dem mit eurem Bericht de praes:12.ten hujus einbef\u00f6rderten Concessions Gesuch des Buchdruckergesellen Bergmanns zu einer neuen Buchdruckerey zu deferiren; Wir erachten aber, um die Sache ausser allen Anstand zu sezen, die Erkl\u00e4rung des Buchdrucker Hetschels annoch f\u00fcr n\u00f6thig: wannenhero Wir Euch unter Zur\u00fcckgabe der eingesandten Meyer- und Bergm\u00e4nnischen Exhibitorum befehlen, ersagtem Hetschel hievon Er\u00f6fnung zu machen, und dessen Erkl\u00e4rung ad Protocollum zu nehmen, dann solche sub Remissione communicatorum mit anderweiten gut\u00e4chtlichen Bericht einzusenden. Deme Wir in Gnaden gewogen. Datum Bayreuth den 30. Maii 1785. [Eine Abschrift dieser Aufforderung befindet sich im Staatsarchiv Bamberg C 7 VIII Nr. 2452]<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 13<\/strong><\/p>\n<p><strong>Johann Georg Mintzel: Bewerbung um die Konzession f\u00fcr eine zweite Druckerei in Hof. Schreiben vom 18. Juni 1785 an den Geheimen Rat und Landeshauptmann Philipp von Weitershausen. <\/strong><\/p>\n<p>Reichsfreyhochwohlgebohrner Herr, Gn\u00e4diger Herr Geheimder Rath und Landeshauptmann!<\/p>\n<p>Schon seit 18. Jahren habe ich mich der Buchdrucker Kunst beflissen, und solche nicht nur hier bey meinem Gros Vater, dem Buchdrucker Hetschel erlernet und sie nach erstandener Lehr Zeit noch \u00fcber 6. Jahre lang bey ihm als Geselle getrieben, sondern auch um darinnen noch mehrere Fertigkeit und K\u00e4nntni\u00df zu erlangen, ausw\u00e4rtige ber\u00fchmte Buchdruckereyen besuchet, und in solchen beynahe 8. Jahre conditioniret, wodurch ich denn sowohl als auch anhaltenden Flei\u00df in meinem Metier eine solche Wissenschaft erworben habe, da\u00df ich nunmehro einer eigenen Buchdruckerey wohl vorstehen kan. Bereits stehe ich auch in den Jahren, die mich ein eigenes Etablissement w\u00fcnschen lassen, und in dem Vorsaz mich hier in meiner Vaterstadt darum zu bewerben, bin ich von Coburg hieher gereist. Bey meiner gestern erfolgten Ankunft aber vernehme ich, da\u00df der Buchdrucker Gesell Bergmann aus Jena die nehmliche Absicht heget und bereits um eine Concession zu Errichtung einer neuen Buchdruckerey angesucht hat. Ich habe Gelegenheit gehabt, sein di\u00dffalls bey Euer Reichshochfreyherrl. Excellenz angebrachtes schriftliches Gesuch zu lesen, und ich mu\u00df ihm vollkommen beystimmen, da\u00df eine zweite Buchdruckerey sowohl \u00fcberhaupt f\u00fcr die hiesige Stadt als insbesondere f\u00fcr die hiesige Buchhandlung vortheilhaft und n\u00fczlich sey. Auch darinnen hat er Recht, da\u00df dadurch unter den von ihm selbst vorgeschlagenen Einschr\u00e4nkungen der schon etablirten Buchdruckerey kein Abbruch geschehen w\u00fcrde. Ob er aber der Mann ist, f\u00fcr den er sich sonst ausgiebt, mu\u00df ich dahin gestellet seyn lassen. Soviel ist indessen gewi\u00df, da\u00df er noch nicht vor langer Zeit meinen Unterricht \u00f6fters gesucht und benuzt hat, wenigstens kan ich es wegen des Vorzugs allemal auf eine Probe ankommen lassen. Auf alle F\u00e4lle getraue ich mir eine bessere und accuratere Arbeit zu liefern, als es Bergmann im Stand ist, und in Ansehung der Verm\u00f6gens Umst\u00e4nde bin ich ihm wenigstens auch gleich. Da ich nun hiern\u00e4chst ein hiesiges Stadtkind bin, und mich zu den nehmlichen Bedingungen, zu welchen sich Bergmann erboten hat, verbindlich mache und da auch die hiesige Buchhandlung gegen mich nichts einwenden wird, indem mir deren Besizer, Herr Commercien Rath Meyer bereits im vorigen Jahr mit Hand und Mund versprochen hat, da\u00df er mich, wenn ich mich hier etabliren w\u00fcrde, aufs kr\u00e4ftigst unterst\u00fczen und mir seine s\u00e4mtlichen Verlags Artickel zuwenden wolte; so bitte ich Euer Reichshochfreyherrl. Excellenz in aller Unterth\u00e4nigkeit Hochdieselben wollen sich bey Hochf\u00fcrstlicher h\u00f6chstprei\u00dflichen Regierung f\u00fcr mich in Gnaden dahin verwenden, da\u00df mir die gn\u00e4digste Concession zu Errichtung einer neuen Buchdruckerey vor dem Ausl\u00e4nder Bergmann, und in der Art wie derselbe sie gesucht hat, huldreichst ertheilet werde.<\/p>\n<p>Da Euer Reichshochfreyherrl. Excellenz ohnehin schon r\u00fchmlich gewohnt sind, dem Inl\u00e4nder, wann sonst kein Vorzug eintritt, vor dem Ausl\u00e4nder aufzuhelfen, und da ich mich wegen meiner guten Auff\u00fchrung durch die besten Zeugnisse legitimiren kan; so darf ich zuversichtlich hoffen, da\u00df hochdieselben mich, wenn ich auch des Umstandes, da\u00df meine Voreltern seit 150. Jahren in dem Besiz der hiesigen Buchdruckerey gewesen nicht erwehnen, in meinen unterth\u00e4nigsten Gesuch kr\u00e4ftigst unterst\u00fczen werden, daher ich um diese gn\u00e4dige Verwendung nochmals dem\u00fcthig bitte und in tiefer Erniedrigung erharre,<\/p>\n<p>Euer Reichshochfreyherrl. Excellenz.<\/p>\n<p>Coburg, jetzt Hof,<\/p>\n<p>den 18. Junius 1785<\/p>\n<p>unterth\u00e4nig gehorsamster<\/p>\n<p>Johann Georg Mintzel<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 14<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stellungnahme des Buchdruckers Johann Andreas Hetschel zur Konzession einer zweiten Buchdruckerei in Hof in seinem Schreiben vom 18. Juni 1785 an den Geheimen Rat und Landeshauptmann Philipp von Weitershausen. <\/strong><\/p>\n<p>Reichsfreyhochwohlgebohrner Herr, Gn\u00e4diger Herr Geheimder Rath und Landeshautmann!<\/p>\n<p>Das Concessions Gesuch des Buchdrucker Gesellens Bergmann aus Jena nebst dem Vertretungs Schreiben der hiesigen Buchhandlung haben mir Euer Reichshochfreyherrl. Excellenz mittelst eines am 9. dieses ergangenen hochverehrlichen Decret unter der Auflage zugefertiget, dass ich mich dar\u00fcber binnen 8. Tagen vernehmen lassen soll.<\/p>\n<p>In dem hohen Alter, worinnen ich gegenw\u00e4rtig stehe, mu\u00df es in der That die gr\u00f6ste Kr\u00e4nkung f\u00fcr mich seyn, da\u00df ich jezt am Ende meiner Tage mein karges Brod mit einem andern, theilen soll. Dieses Ansinnen f\u00e4llt mir auch um so empfindlicher, als ich die \u00dcberzeugung habe, dass ich die hiesige Buchdruckerey, in den 52. Jahren, als ich ihr vorstehe, jederzeit mit aller m\u00f6glichen Accuratesse versehen, und niemals zu einer gerechten Beschwerde Anla\u00df gegeben habe. Wahr ist es zwar, dass ich seit einiger Zeit mit vielen Arbeiten \u00fcberh\u00e4uft und dadurch verhindert war, da\u00df ich die hiesige Buchhandlung mit ihren Verlags Artickeln nicht allzeit in der Eilfertigkeit, als sie verlangt wurden, f\u00f6rdern konnte. Allein dieses ist ein Zufall der sich mir selten ereignet, und der \u00f6fters nur von ganz kurzer Dauer ist, auch nicht einmal merckbar worden seyn w\u00fcrde, wenn einige von meinen Leuthen nach Gewissen gearbeitet h\u00e4tten. Leider aber hat mich haupts\u00e4chlich deren Nachl\u00e4ssigkeit und Pflichtvergessenheit verhindert, da\u00df ich seit einiger Zeit die mir geschehenen Auftr\u00e4ge nicht mit der P\u00fcncktlichkeit, wie sonst, verrichten konnte, wie auch diese ungetreuen Mitarbeiter Schuld sind, da\u00df ich alles angewandten Flei\u00dfes ungeachtet etliche 100. f. Schulden habe machen m\u00fcssen, welche ich jedoch, wenn mir meine Nahrung nicht geschm\u00e4lert wird, und sich die gegenw\u00e4rtigen schweren und theuren Zeiten bessern, in balden als ein ehrlicher Mann wiederabzuzahlen hoffe, zumal wenn es mir gl\u00fcckt, da\u00df ich f\u00fcr jene Mietlinge, fleisige und geschickte Mitgeh\u00fclfen \u00fcberkomme. Es wendet zwar Supplicant vor, dass er mir nichts von meinen Arbeiten entziehen wolle. Es ist dieses aber ein Versprechen, das er weder halten will noch kann. F\u00fcr sein Anerbieten hingegen, da\u00df er mir bey \u00fcberh\u00e4uften Gesch\u00e4ften selbst Arbeiten zuwenden wolle, danke ich, und soll er mich nur bey den Rechten lassen, die mir geh\u00f6ren, und die ich titulo oneroso erworben habe.<\/p>\n<p>Wahr ist es, da\u00df sich vor 40. Jahren auser mir noch ein anderer Buchdrucker Namens Schulze hier angesezet hat. Aber ebenso wahr und stadtk\u00fcndig ist es auch, dass dieser Schulze aus Mangel der Nahrung einen Banquerot gemacht und seine Gl\u00e4ubiger um viele Tausend Gulden verk\u00fcrzet hat. Eben dieser Fall w\u00fcrde sich auch ereignen, wenn jezt noch eine Druckerey errichtet w\u00fcrde, und gewi\u00df ist es, da\u00df entweder diese oder die meinige zu Grunde gehen m\u00fcste. Den ich kann Euer Reichshochfreyherrl.[iche] Excellenz gewissenhaft versichern,dass ich \u00f6fters zu halben Jahren aus Mangel der Arbeit m\u00fcsig habe sizen m\u00fcssen und in dem 7-j\u00e4hrigen Krieg hat sich dieses sogar vierthalb Jahre lang zugetragen. Da\u00df es gegenw\u00e4rtig einige Gesch\u00e4fte giebt, ist ein Zufall, der die Anrichtung einer neuen Druckerey sowenig nothwendig macht, sowenig es n\u00fczlich gewesen w\u00e4re, wenn die meinige, zu der Zeit, wo ich feyern muste, w\u00e4re aufgehoben worden. \u00dcberdem mache ich mich hierdurch verbindlich, meine Druckerey in einigen Monathen in einen solchen Stand zu sezen, dass nicht nur die Auftr\u00e4ge der hiesigen Buchhandlung sondern auch alle andern vorkommenden Arbeiten aufs p\u00fcnktlichste und so gut als in einer von den angesehensten Druckereyen besorgt werden solle.<\/p>\n<p>Bey diesen Umst\u00e4nden bitte ich also Euer Reichshochfreyherrl. Exzellenz umso aufs angelegentlichste unterth\u00e4nig \u00a0Hochdieselben geruhen sich f\u00fcr mich in Gnaden dahin zu verwenden, da\u00df der Supplicant Bergmann mit seinem Concessions Gesuch \u00a0Ortes unter Verurtheilung in die dadurch verursachten Kosten gerechtest abzuweisen werde.<\/p>\n<p>Gn\u00e4diger Erh\u00f6rung getr\u00f6ste ich mich zuversichtlich. Sollte aber wider Vermuthung die Errichtung einer zweyten Buchdruckerey absolut f\u00fcr nothwendig erachtet werden; so bitte ich auf diesen f\u00fcr mich betr\u00fcbten Fall unterth\u00e4nig, da\u00df Euer Reichshochfreyherrl. Excellenz die Concession dazu meinem Enckel dem Buchdrucker Gesellen Johann Georg Mintzel, der, ihr, sowohl in Ansehung seiner guten Conduite \u00a0als auch besonders wegen seiner Geschicklichkeit weit vor dem Bergmann w\u00fcrdig ist, vor diesem Ausl\u00e4nder, in Gnaden ausw\u00fcrcken m\u00f6chten. Dieser in Verh\u00e4ltni\u00df meines dabey leidenden Verlustes geringen Consolation werde ich hoffentlich w\u00fcrdig seyn und verharre \u00fcbrigens in tiefer Erniedrigung,<\/p>\n<p>Euer Reichshochfeyherrl Excellenz.<\/p>\n<p>Hof, den 18. Junius 1785.<\/p>\n<p>Unterth\u00e4nig gehorsamster,<\/p>\n<p>Johann Andreas Hetschel<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr. 15<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schreiben des Buchh\u00e4ndlers Carl Johann Albrecht Meyer vom 23. Juni 1785 an den Geheimen Rat und Landeshauptmann\u00a0 Philipp Ludwig von Weitershausen mit einer Stellungnahme.<\/strong><\/p>\n<p>Reichsfreyhochwoghlgebohrner Herr, Gn\u00e4diger Herr geheimer Rath und Landeshauptmann.<\/p>\n<p>Als ich Ew. Reichsfreyhochwohlgebohrne Excellenz wegen Verbesserung der hiesigen Buchdruckerey-Anstalten unterth\u00e4nige Vorstellung machte, und zugleich den zu Erreichung dieses Endzwecks in Vorschlag gebrachten Buchdrucker-Gesellen Bergmann in seinem Gesuche zu unterst\u00fctzen f\u00fcr nothwendig hielt, vermuthete ich nicht, dass dieses zu einem\u00a0 Schriftwechsel zwischen mir und dem hiesigen Buchdrucker Hetschel Anla\u00df geben und einem Prozess \u00e4hnlich werden w\u00fcrde. Ich stand in der Ueberzeugung, dass Buchdrucker-Pre\u00dfen, die zuverl\u00e4\u00dfig einen betr\u00e4chtlichen Nahrungszweig ausmachen, und zumal in der Lage, wie Hof, ansehnliche Summen ins land ziehen k\u00f6nnen, statt da\u00df seit 15 \u2013 20 Jahren starke Geld, Kosten au\u00dferhalb Landes gesendet werden musten, nicht nur hier in Hof, sondern auch h\u00f6heren Orts einige Aufmerksamkeit verdienten, ja ich ging so weit, dass ich, da mir die H\u00f6fer Polizey-Anstalten auf der besten Seite bekannt sind, von dieser Seite einzig und allein durch Berichterstattung meinen Wunsch erf\u00fcllt zu sehen hatte. Durch die mir unter dem 20ten dieses Monats zugefertigten und anbey zur\u00fcckfolgenden Hetschlisch- und M\u00fcnzlischen Gegendarstellungen, die ich der K\u00fcrze wegen in einer Schrift beantworten will, werde ich\u00a0 eines andern belehrt.<\/p>\n<p>Wahr ist es, dass Hetschel ein Mann ist, der seine Kunst versteht, ich gebe auch sehr gerne zu, da\u00df seine Buchdruckerey vor andern Vorz\u00fcge habe, allein was w\u00fcrde. Trattners ganze Buchdrucker-Fabrique, wenn sie nur den dritten Theil der Arbeiten zu f\u00f6rdern im Stande w\u00e4re, dem Publikum und mir n\u00fctzen? Da\u00df ich nicht ohne Ursache diese Beschwerde f\u00fchre, gesteht Hetschel selbst ein, beweisen meine ungedruckt liegengebliebenen Verlagsartickel, best\u00e4tigt,\u00a0 so ein der andern, auch der heurige Oster-Me\u00df- Catalogus, den ich erst seit 8 Tagen aus der Pre\u00dfe erhalten konnte; und gleichwol besch\u00e4ftigte nur der 4te Theil meiner heurigenVerlags-Artickel die hiesigen Pressen, oder sollten sie vielmehr besch\u00e4ftigen, dass blos der Catalogus \u00a0von drei B\u00f6gen und eine Piece von 7 und einen halben Bogen konnte ich bis dato fertig erhalten, nicht etwann aus Eigensinn des Hetschels, sondern heute ich bis dato fertig erhalten nicht etwann aus Eigensinn des Hetschels, sondern wegen \u00fcberh\u00e4ufter Arbeit. So war es nicht nur heuer, sondern schon seit 3 Jahren als ich die hiesige Buchhandlung \u00fcbernahm in der Hetschelsen Buchdruckerey bestellt. Hetscheln bey solchen Umst\u00e4nden, die Vermehrung der Pre\u00dfen anzurathen, w\u00e4re eben so viel, als Anla\u00df zu Vermehrung seiner Passiv-Capitalien \u2013 zur gr\u00f6\u00dferen Unruhe in seinem hohen Alter zu geben. Ich hingegen, bemerke von Jahr zu Jahr den merklichen Schaden, den ich durch die schlechte Korrektur, durch Verunstaltung der B\u00fccher, durch Porto und \u00fcbertriebenen Zuschu\u00df\u00a0 bey ausw\u00e4rtigen und ausl\u00e4ndischen Pressen leiden mu\u00df; ich kann den Ueberschlag machen, dass ich in einem Zeitraum von 20 Jahren wenigstens 30000 fl.\u00a0 au\u00dfer Land wegen Mangel an Pre\u00dfen gesendet werden m\u00fc\u00dfen, und diese Umst\u00e4nde verm\u00fc\u00dfigten mich, \u00a0so hart ich auch daran gieng, einem alten Manne, wie Hetschel, der, ohnerachtet er die Versicherung von mir erhalten, da\u00df ich ihm\u00a0 j\u00e4hrlich immer so viel Arbeit geben werde, als er zeithero f\u00fcr mich leisten konnte, dennoch \u00fcber Abbruch an seiner Nahrung schreiet, das zu thun, was ein jeder ehrliche Mann sich und \u2013 wo nicht seinem Vaterlande &#8211; \u00a0doch wenigstens seiner Vaterstadt schuldig ist.<\/p>\n<p>Schulze, der vor 40 Jahren eine starke Buchdruckerey hier besa\u00df, und zu Grunde gieng, lebte nicht in diesen ver\u00e4nderten Zeitl\u00e4uften, nicht in diesem schreibs\u00fcchtigen Jahrzehend, gleichwol war an seinem Untergang nicht Mangel der Arbeit, sondern eine Geldbu\u00dfe von 500 fl. und der Druck eines starken Werkes Schuld. Vielleicht w\u00fcrden die in den benachbarten Gr\u00e4flich. Reusischen kleinen Orten vorhandenen Pre\u00dfen nicht entstanden, nicht so ansehnlich vermehret worden und nun \u00a0der Zufluchtsort f\u00fcr mich und die Bayreuther Buchhandlung seyn, wenn Schulze nach eben so\u00a0 wol, als Hetschel existirte. Ich bin \u00fcberzeugt, dass Hetschel selbst nicht an dem Fortkommen einer zweyten Buchdruckerey allhier zweifelt, er w\u00fcrde gewis nicht mit seinem Enkel M\u00fcnzel [das ist Johann Georg Mintzel \u2013 A.M.] den Versuch machen wollen, welcher von ihnen am unachtsamsten seyn, und am wenigsten von der jetzigen Zeit profitiren oder,\u00a0 wlches einerley ist, Banquerot machen werde. Letzterer will den Weg betreten, den Bergmann gebahnt hat, theils weil er sich f\u00fcr\u00a0 f\u00e4higer h\u00e4lt, theils weil er das Gl\u00fcck hat, ein H\u00f6fer zu seyn. Ich kenne M\u00fcnzeln blos aus einer halbst\u00fcndigen Unterredung; ich spreche ihm seine Geschicklichkeit nicht ab, sondern glaube, dass er der Mann sey, der hiesiger Buchdruckerey bey einer dereistigen Ver\u00e4nderung vorstehen, auch hierzu vor einem andern einen Vorzug haben und Unterst\u00fctzung verdienen k\u00f6nne. Allein der Bergmann an die Stelle des ehemaligen Schulze treten will, da dieser drey Jahre lang als erster Setzer\u00a0 in hiesiger Buchdruckerey gestanden, die als hier das Recht des Ausl\u00e4nders\u00a0 mit dem Rechte des Inngebohrnen\u00a0 auf der Wagschaale, die dieses Vorzugsrecht nicht kennt, immer das Gleichgewicht h\u00e4lt, da ich endlich nicht ohne Grund vermuthe, dass M\u00fcnzels Gesuch nichts anders zum Grunde habe, als die Sache so weit zu bringen; wie sie gegenw\u00e4rtig ist, so kann ich da\u00dfselbe nicht anders, als f\u00fcr unbillig und zweckwidrig ansehen. M\u00fcnzel bem\u00fche sich, die Hetschelsche Buchdruckerey, die seine Voreltern besa\u00dfen und die er aus diesem Grunde einer jeden anderen vorziehen wird, zu erheben, als wird ihm diese Bem\u00fchung den Wunsch, Bergamann zu verdr\u00e4ngen, gewis verge\u00dfen machen, und meiner Absicht nahe kommen, die keineswegs dahin gehet, die\u00a0 gegenw\u00e4rtige einzige Buchdruckerey durch eine andre zu Grunde zu richten,welches, wenn ich mich auch so weit unter das menschliche Gef\u00fchl erniedrigen k\u00f6nnte, bey Th\u00e4tigkeit und Nacheiferung auch nicht einmal in meinen Kr\u00e4ften steht. Bergmann, zwar ein Ausl\u00e4nder, aber ein Mensch, der\u00a0 troz der M\u00fcnzelischen Verkleinerung seine Sache versteht und verstehen mu\u00df, wenn sich anders Hetschel bey seiner \u00a0Berufung \u00a0auf seine gutbestellte Buchdruckerey, in welcher Bergmann erster Setzer ist, nicht widersprechen will, wird seine Pre\u00dfe mit dem Theil meiner Verlagsartickel besch\u00e4ftigen, die ich seit 3 Jahren\u00a0 ausw\u00e4rts drucken la\u00dfen muste, und, eben weil er Ausl\u00e4nder ist, um so eher im Stande seyn, seine Bekannte und Landsleute zu seinen Kunden zu machen.<\/p>\n<p>Ich erharre unter Wierderholung meiner ersten unterth\u00e4nigen Bitte, und der Hofnung gn\u00e4diger Willf\u00e4hr mit vollkommensten Respect<\/p>\n<p>Ew. Reichsfreyhochgebohrn Excellenz<\/p>\n<p>Hof, den 23. Junii 1785.<\/p>\n<p>unterth\u00e4nig gehorsamster<\/p>\n<p>Carl Johann Albrecht Meyer<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Dokument 16<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schreiben Johann Georg Aemilius Bergmanns vom 5. Oktober 1785 an den Markgrafen von Bayreuth [Quelle: Staatsarchiv Bamberg, C 7 VIII Nr. 2452]<\/strong><\/p>\n<p>Durchlauchtigster Marggraf, Gn\u00e4digster F\u00fcrst und Herr!<\/p>\n<p>Aus denen bereits vorliegenden Acten, und denren von der Hochf\u00fcrstl. Landeshauptmannschaft Hof unterth\u00e4nigst eingesanden Berichten, werden Ew. Hochf\u00fcrstl. Durchlaucht, des mehrern gn\u00e4digst zu ersehen geruhet haben, da\u00df ich um gn\u00e4digste Ertheilung der Concession, zu einer 2ten Buchdruckerey\u00a0 auf hiesige Stadt, submissest eingekommen bin, und da\u00df mir solche bereits eventualiter gn\u00e4digst deferiret worden ist:<\/p>\n<p>Wie nun der Buchdrucker Hetschel dahier weiter nichts einzuwenden vermochte, als da\u00df er vermeynet, einen andern statt meiner unterzubringen, und durch meine Kunst dem Lande dadurch gro\u00dfer Nutzen zuw\u00e4chst, weil mehr als zu wohl bekannt, da\u00df vieles au\u00dfer Land gedruckt und somit das Geld dahin gezogen wird, welches \u00a0aber ganz gewis weg f\u00e4llt, als ich bereits schon viele Bestellung habe, wohingegen ich vorhero zu meinem Metier alles neu verfertigen la\u00dfen muss, welches doch ohne vorhero erlangte gn\u00e4digste Resolution nicht geschehen kann, mithin, da die Me\u00dfen herannahen, der Verschub, f\u00fcr mich als einen jungen Anf\u00e4nger sehr sch\u00e4dlich w\u00e4re;<\/p>\n<p>Als falle f\u00fcr dem Thron Ewr. Hochf\u00fcrstl. Durchlaucht nieder, und bitte in gr\u00f6ster Ehrfurcht dem\u00fcthigst, HochDieselben wollen Huldreichst geruhen: mich bey solchen vorwaltenden Umst\u00e4nden, in meinen dem\u00fcthigsten Concessions-Gesuch zu erh\u00f6ren und das gen\u00e4digste Rescript, worauf ich zu warthen gesonnen \u00a0balden ausferttigen zu lassen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr ersterbe in tiefster Erniedrigung<\/p>\n<p>Ewr. Hochf\u00fcrstl. Durchl.<\/p>\n<p>Hof, dermalen anwesend in Bayreuth<\/p>\n<p>dem\u00fcthigster Knecht<\/p>\n<p>Johann Georg Aemilius Bergmann.<\/p>\n<p><strong>Dokument Nr.17<\/strong><\/p>\n<p><strong>Konzession der markg\u00e4flichen Regierung zur Errichtung einer zweiten Druckerei in Hof f\u00fcr den Buchdruckergesellen Johann Georg \u00c4milius Bergmann vom 11. Oktober 1785:<\/strong><\/p>\n<p>Von Gottes Gnaden Wir Christian Friedrich Carl Alexander, Z. B. O. et C. etc. etc. Tot. Titul:<\/p>\n<p>Urkunden und bekennen hiermit, wasma\u00dfen bey Unserer F\u00fcrstlichen Regierung der Buchdrucker Gesell Johann Georg Emilius Bergmann zu Hof, um die Concession zu Errichtung einer zweyten Buchdruckerey zu gedachten Hof unterth\u00e4nigst nachgesucht hat.<\/p>\n<p>Nachdem\u00a0 Wir nun bey denen Von der Landeshauptmannschaft Hof angezeigten Umst\u00e4nden, und in Erw\u00e4gung des dem Publico \u00a0hierunter zugehenden Nutzen und Vortjeils dem Gesuch zu deferiren in Gnaden resolvirt haben; Als verwilligen Wir ihm Bergmann gegen Erlegung Zwanzig Gulden Zum Casten Amt Hof, in Kraft des die gebettene Concession zu Errichtung einer 2ten Buchdruckerey zu besagten Hof und ertheilen ihm hier\u00fcber gegenw\u00e4rtiges Privilegium zu seiner\u00a0 erforderlichen Legitimation, dergestalten und also da\u00df er bey solcher Buchdruckerey wider alle Beeintr\u00e4chtigungen gesch\u00fctzt werden soll. Dagegen Wir Uns zu ihm Bergmann versehen, er werde ihm zum Druck anvertraut werdende Sachen sauber und mit geb\u00fchrendem Flei\u00df verfertigen, auch sonst jedermann mit der von ihm erfordert werdenden Drucker Arbeit beh\u00f6rig f\u00f6rdern, aber auch nichts von privat-Arbeiten ohne vorher erfolgte Cesur in Druck nehmen, weniger aber Sachen, welche wider das Christentum, die Gesetze und Ehrbarkit streiten, unn\u00fcze, sch\u00e4dliche B\u00fccher Schm\u00e4h-Schriften, oder andere dergleichen unziemende Dinge, bey Vermeidung schwerer Ahndung, und allerfal\u00dfigen \u00a0Verlust dieses ihm aus Gnaden ertheilten Privilegii, drucken, \u00dcbrigens behalten Wir Uns, Unsern Erben und Nachkommen in der Regierung bevor, k\u00fcnftig nach Befinden darunter zu mindern und zu mehren. Urkundlich ist gegenw\u00e4rtiges Privilegium mit Beydruckung Unseres Regierungs-Canzley-Innsiegels corroboriret und angefertigt worden. So geschehen<\/p>\n<p>Bayreuth den 11ten Oct; 1785.<\/p>\n<p>(L. S.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref31\" name=\"_edn31\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref32\" name=\"_edn32\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref33\" name=\"_edn33\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref34\" name=\"_edn34\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref35\" name=\"_edn35\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref36\" name=\"_edn36\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref37\" name=\"_edn37\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref38\" name=\"_edn38\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref39\" name=\"_edn39\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref40\" name=\"_edn40\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref41\" name=\"_edn41\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref42\" name=\"_edn42\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref43\" name=\"_edn43\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref44\" name=\"_edn44\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref45\" name=\"_edn45\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref46\" name=\"_edn46\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref47\" name=\"_edn47\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref48\" name=\"_edn48\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref49\" name=\"_edn49\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref50\" name=\"_edn50\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref51\" name=\"_edn51\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref52\" name=\"_edn52\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref53\" name=\"_edn53\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref54\" name=\"_edn54\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung und Strukturierung Dank der \u00d6ffnung des Archivs der Firma Mintzel-Druck kann dieser Beitrag auf zahlreiche bisher unbekannte und unver\u00f6ffentlichte Dokumente aus dem 17. 18. und 19. Jahrhundert zur\u00fcckgreifen. Der ehemalige Inhaber der traditionsreichen Hofer Firma, Stephan Hoermann, hat mir im Jahre 2005 das gesamte Archivmaterial der Firma zur Sichtung, Auswertung und Publikation \u00fcbergeben. 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