{"id":80,"date":"2018-09-23T15:05:55","date_gmt":"2018-09-23T13:05:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/diealtvorderen\/?p=80"},"modified":"2018-09-23T15:05:55","modified_gmt":"2018-09-23T13:05:55","slug":"2-speinshart-ein-magischer-ort-meiner-kindheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.prof-dr-alf-mintzel.de\/diealtvorderen\/2018\/09\/23\/2-speinshart-ein-magischer-ort-meiner-kindheit\/","title":{"rendered":"2. Speinshart &#8211; Ein magischer Ort meiner Kindheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Zur\u00fcck an den oberpf\u00e4lzischen Ursprungsort<\/strong><\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdige Zuf\u00e4lle und Begebenheiten waren es, die mich fast 350 Jahre sp\u00e4ter an den oberpf\u00e4lzischen Ursprungsort meiner Altvorderen zur\u00fcckf\u00fchrten. Als sei eine geheimnisvolle Kraft im Spiel gewesen, als h\u00e4tten mich unsichtbare H\u00e4nde dorthin geleitet, erlebte ich die sch\u00f6nsten Jahre meiner Kindheit in der Gegend und an dem Ort, wo der lateinische Schulmeister Johann Mintzel (um 1560-1611) gut drei\u00dfig Jahre lang im kurpf\u00e4lzischen Dienst seinen Beruf aus\u00fcbte (1580-1611), 1586 heiratete und mit seiner Frau eine kinderreiche Familie gr\u00fcndete. Der kurpf\u00e4lzische Klosterort Speinshart wurde ein magischer Ort meiner Kindheit \u2013 und ist es bis heute geblieben. Wer sich dorthin verirrt, muss besondere Gr\u00fcnde haben &#8211; wie ich. Als h\u00e4tten sie mich aus der fernen Vergangenheit angesprochen und gebeten, sie aus der Vergessenheit herauszuholen und wieder in Erinnerung zu bringen, erkundete ich ihre Spuren. Erst in den Jahren 1967\/68 stie\u00df ich \u00fcber Leipziger Quellen auf die Tatsache, dass Speinshart einstmals die Familie des Schulmeisters Mintzel beherbergt hatte. Aus den Leipziger Kirchenb\u00fcchern und Dokumenten im Stadtarchiv Leipzig geht hervor, dass der sp\u00e4tere Buchdrucker Johann Albrecht Mintzel in Speinshart als legitimes eheliches Kind geboren wurde. Das brachte mich auf die richtige Spur. Sehr viel mehr \u00fcber die Schulmeisterfamilie erfuhr ich in sp\u00e4teren Jahren aus den Archivalien, die im Staatsarchiv Amberg zu finden sind.<\/p>\n<p>Ich befinde mich auf Zeitreise, ich wei\u00df mehr, sehr viel mehr als der Schulmeister Mintzel hatte wissen k\u00f6nnen. Ich kenne die Zukunft von zweien seiner S\u00f6hne, von Johann Christoph Mintzel (1598-1669) und von Johann Albrecht Mintzel (1600-1653), die in Speinshart geboren wurden und dort ihr Kindheit und fr\u00fche Jugend erlebten. \u00a0Mein Vater hat mich nach Johann Albrecht Mintzel benannt, dessen Lebensgeschichte ich sp\u00e4ter niederschreiben werde. Auf meinen Zeitreisen zur\u00fcck in die Zukunft stelle ich eine mentale Verbindung her und hole die Schemen aus der Vergangenheit zur\u00fcck. Johann Mintzel war auf Wiesenpfaden und Fuhrwegen gegangen, auf denen ich 350 Jahre sp\u00e4ter zur Schule ging und nach Speinshart wanderte. Er hat, wie ich sp\u00e4ter, auf die sanften H\u00f6hen geschaut, die zwischen den Ru\u00dfweihern und Speinshart liegen. Er hat, wie ich in der gleichen Gegend, am gleichen Ort, in lauen Fr\u00fchlingsn\u00e4chten den unheimlichen Ruf der Rohrdommel geh\u00f6rt. Ich teile mit dem Begr\u00fcnder der ehemaligen Druckerdynastie Mintzel, mit Johann Albrecht Mintzel, die Kindheit in Speinshart und erkunde auf heute verschwundenen Pfaden die Umgebung des alten Klosterortes. Er und seine Geschwister tranken Wasser aus dem gleichen Brunnen auf dem Klosterplatz wie ich in meiner Kindheit. Ich sehe ihre Schatten, ich h\u00f6re ihre Stimmen aus der Ferne der Zeit her\u00fcberklingen. Sie erz\u00e4hlen in zahlreichen schriftlichen und gedruckten Dokumenten aus ihrem Leben. Ich zeichne auf, was sie berichten. Auf Reisen und im Geiste kehre ich wiederholt in das mittelalterliche Speinshart zur\u00fcck und begleite, wie so oft, die Schulmeisterfamilie auf ihren Wegen. Ferne Vergangenheit und mein gegenw\u00e4rtiges Leben verflie\u00dfen, das Damals wird zum Jetzt, das Jetzt wird Damals und schon bald werde ich zu den Fr\u00fcheren von damals geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Welche Zuf\u00e4lle und Begebenheiten waren es, die mich in diese abgelegene oberpf\u00e4lzische Gegend f\u00fchrten? Nach den ersten gro\u00dfen Luftangriffen auf N\u00fcrnberg entschlossen sich meine Eltern im Fr\u00fchjahr 1943, die \u201eStadt der Reichsparteitage\u201c zu verlassen und die Familie auf dem Lande in Sicherheit zu bringen. Mein Gro\u00dfvater Otmar Mintzel (1870\u20131950), ein direkter Nachfahre des Speinsharter Schulmeisters Mintzel, hatte auf seinen Ausfl\u00fcgen in die Oberpfalz in einer Senke mitten im Wald die Holzm\u00fchle entdeckt. Wir verlie\u00dfen N\u00fcrnberg und zogen mit Sack und Pack in diese Ein\u00f6de. Sie bestand aus einem alten Bauernhaus, an das eine M\u00fchle und ein S\u00e4gewerk angebaut waren, aus einer gro\u00dfen Scheune, aus Stallungen f\u00fcr Rinder, Pferde und Schweine und aus einem stattlichen, freistehenden Neubau. In das neue Haus, das am Hang gegen\u00fcber dem Geh\u00f6ft lag, sollte sp\u00e4ter einmal die n\u00e4chste Generation der Bauernfamilie einziehen. Meine Mutter, mein Gro\u00dfvater, wir f\u00fcnf Kinder und unser Dienstm\u00e4dchen Emmy fanden darin gen\u00fcgend Platz. Wir w\u00e4hnten uns dort vor Fliegerangriffen sicher. Mein Vater musste in N\u00fcrnberg bleiben, wo er, \u201euk\u201c-gestellt, als \u201eunabk\u00f6mmlicher\u201c Oberverwaltungsrat im Dienst der Stadt stand. Ein merkw\u00fcrdiger Zufall? Oder seltsame F\u00fcgung? Die Holzm\u00fchle liegt nur wenige Kilometer von Speinshart entfernt, wo der Schulmeister Johann Mintzel mit seiner Familie von 1580 bis 1611 gewohnt hat. Wenn mein Vater am Wochenende aus N\u00fcrnberg kommt, um mit seiner Familie zusammen zu sein, wandern wir an hei\u00dfen Sommertagen von der Holzm\u00fchle \u00fcber die Herrnm\u00fchle nach Speinshart und dann weiter zum Rauhen Kulm. In Speinshart erfrischen wir uns, meine Eltern, meine Geschwister und ich, vor dem Klostergeb\u00e4ude an dem Brunnen, aus dem Johann Mintzel und seine Ehefrau vor zehn Generationen Wasser gesch\u00f6pft haben. Wir stehen vor dem Haus, an dessen Stelle Johann Albrecht Mintzel am 1. Oktober 1600 geboren wurde.<\/p>\n<p>[Abb.: Kloster Speinshart, Kupferstich von 1670. Haus mit Nr. 26, unten im Vordergrund Mitte, schr\u00e4g an der Mauer Haus des Schulmeisters. Quelle: Museen der Stadt Regensburg, Dachauplatz 2-4, Regensburg. Mit freundlicher Genehmigung]<\/p>\n<p>Hier an diesem Platz vor dem Klostergeb\u00e4ude ist die Kinderschar des Schulmeisters herumgetollt. Ein merkw\u00fcrdiger Zufall, w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges in dieser entlegenen Gegend Schutz vor den Luftangriffen zu finden.<\/p>\n<p>Im Alter von acht und neun Jahren wanderte ich in den Sommermonaten der Jahre 1943 und 1944 \u2013 ohne es damals zu wissen \u2013 auf den Spuren der Speinsharter Mintzels nach Neustadt am Rauhen Kulm. Die alte Stra\u00dfe, die nach Neustadt f\u00fchrte, war, wie viele andere Landstra\u00dfen in der &#8222;Ur&#8220;-Welt der Oberpfalz, noch nicht asphaltiert. Es sind noch die alten, schotterbelegten Fuhrstra\u00dfen, auf denen wir 1943\/44 laufen. Sie werden seit vielen Jahrhunderten befahren und begangen. Vom Klosterort bis zur n\u00f6rdlichen Grenze der Oberpfalz sind es nur sechs Kilometer, dahinter liegt das ehemalige evangelisch-lutherische Markgrafentum Bayreuth. Das protestantische St\u00e4dtchen Neustadt am Rauhen Kulm, fr\u00fcher eine markgr\u00e4flich-brandenburgische Enklave, ist bequem in anderthalb Stunden zu Fu\u00df zu erreichen. \u00dcber diesen Weg sind im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg (1618-1648) Oberpf\u00e4lzer Exilanten in das Markgrafentum hin\u00fcbergewechselt und in den protestantischen Konfessionsraum abgewandert. Der Basaltkegel des Rauhen Kulms, Rest eines nie ausgebrochenen Vulkans, ragt weit aus der bewaldeten Landschaft heraus.<\/p>\n<p>[Abb.:Pr\u00e4monstratenserabtei; Kloster Speinshart, Postkartenan- sicht, 20. Jahrhundert; im Hintergrund der Rauhe Kulm]<\/p>\n<p>Er ist ein riesenhafter nat\u00fcrlicher Grenzstein zum protestantischen Norden, ein Naturdenkmal, das noch heute zwei Konfessionswelten trennt, die katholische Oberpfalz und das protestantische Oberfranken. Wer sich die M\u00fche macht und \u00fcber die Basaltbl\u00f6cke bis an die Spitze hinaufklettert, die ein h\u00f6lzerner Aussichtsturm kr\u00f6nt, wird mit einem weiten Rundblick \u00fcber die Senke belohnt. Ich war als kleiner Junge mehrmals ganz oben auf der Plattform und sah in die Landschaft hinaus und hin\u00fcber nach Speinshart und nach dem benachbarten Tremmersdorf, in dem ich von 1943 bis 1945 zur Schule ging.<\/p>\n<p>[Abb.: Aquarell von Johann Karl, 18. Jh., Landschaftsdarstellung mit Speinshart und Rauhen Kulm, Quelle: Museum der Stadt Regensburg]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Speinshart \u2013 ein idyllisch-verschlafener Klosterort<\/strong><\/p>\n<p>Seit der Zeit des Schulmeisters hat sich der architektonische Grundriss des abgelegenen Ortes wenig ver\u00e4ndert. Doch sein stilistisches Gesicht hat sich stark gewandelt. Das vormals mittelalterliche Gepr\u00e4ge mit seinen in einem nahezu geschlossenen Quadrat um das Klostergeb\u00e4ude gereihten \u00e4rmlichen Fachwerkh\u00e4uschen und Wirtschaftsgeb\u00e4uden ist vom Ende des 17., bis weit in das 18. Jahrhunderts einer barocken Anlage und Verkleidung gewichen. Der einstmalige mehrst\u00f6ckige Wehrturm und andere Geb\u00e4ude sind g\u00e4nzlich verschwunden. Die ecclesia triumphans, die gegenreformatorisch auftrumpfende und stilbildende katholische Kirche, hat dem Ort zwar ein neues Gepr\u00e4ge verliehen, aber seine Gestalt und Topografie in der Landschaft beibehalten.<\/p>\n<p>[Abb.: Kloster Speinshart, 1839. Um die Hauptgeb\u00e4ude (shwarz) gruppieren sich die Wirtschaftsgeb\u00e4ude (schraffiert) mit Obstg\u00e4rten und dem Klosterfriedhof (Kreuze), Umfassungsmauern und Umfassungsgraben. Quelle: Motyka, 1972, S.39]<\/p>\n<p>Wie eine steinerne Wagenburg gruppieren sich die niedrigen einst\u00f6ckigen Wohn- und Wirtschaftsgeb\u00e4ude von heute fast ma\u00dfgenau in dem Geviert, das schon zu Zeiten Johann Mintzels das Leben am Ort eingeschlossen hat. Teile der Umfassungsmauer und des Umfassungsgrabens, die die Innenwelt von der Au\u00dfenwelt getrennt hatte, sind noch erhalten. Kein Fremdenverkehr, kein Tourismus st\u00f6rt bis in die 1970er Jahre hinein die Ruhe des Klosterortes. Das Klosterareal bildet einen Zellkern im Innern des Ortes. Jeder der Fr\u00fcheren, kehrte er ins Leben zur\u00fcck, w\u00fcrde sich zwar verwundert die Augen reiben, aber sich dort sofort wieder zurechtfinden. Das l\u00e4ndlich-verschlafene Leben folgt nach wie vor dem Rhythmus der Jahreszeiten und des Kirchenjahres.<\/p>\n<p>Das Haus des Schulmeisters stand dort, wo sich heute die Klosterwirtschaft befindet, direkt gegen\u00fcber der Klosterkirche. Es war ein schlichtes, einst\u00f6ckiges Fachwerkhaus, in dem es unten auch Platz f\u00fcr Vieh gab.<\/p>\n<p>Vor meinem inneren Auge sehe ich den Schulmeister heraustreten. Er geht auf mich zu. Zwischen uns liegen zehn Generationen. Kinder spielen um den Brunnen herum Fangen. Am Brunnen treffen sich die Dorfbewohner, M\u00e4gde und Knechte, niedere und h\u00f6here kurpf\u00e4lzische Bedienstete, der Pfarrer, der Richter, der Gerichtsschreiber und der Klosterverwalter. Er ist ein sozialer Treffpunkt. M\u00e4gde und Knechte sch\u00f6pfen Wasser, die einen f\u00fcr den h\u00e4uslichen Bedarf, die anderen f\u00fcr das Vieh. Gelegenheit zum Plaudern und Schwatzen, zum Lachen und Schimpfen. Gespr\u00e4che \u00fcber Alltagssorgen und Neuigkeiten. Rund um den Brunnen herrscht ein reges Treiben. In dem h\u00f6chstens zweihundert Seelen z\u00e4hlenden Klosterdorf kennt jeder jeden. Das Stimmengewirr der Klostergemeinschaft, das Gackern und Geschnatter des Federviehs, das Knirschen und \u00c4chzen der einfahrenden Bauernkarren, das Klatschen der Taubenfl\u00fcgel, das Kreischen der Kinderschar, die Rufe der M\u00fctter, das F\u00fcllen der B\u00fctten bilden eine vielstimmige Lautkulisse. Es riecht nach Dung. Um das Dach des Wehrturmes schwirren Schwalben. Der hei\u00dfe Sommertag br\u00fctet \u00fcber den D\u00e4chern. Auf den gro\u00dfen Vorplatz setzt ein kleines Kind Schritt vor Schritt. Johann Albrecht Mintzel, vor ein paar Monaten ein Jahr alt geworden, tr\u00e4gt wie die anderen Kleinkinder ein Kleidchen. Er probt auf dem Klostervorplatz das Laufen, er wankt noch ein wenig, h\u00e4lt seinen K\u00f6rper mit erhobenen Armen in der Balance, tapst vom unsichtbaren Faden seiner Sinne\u00a0 und seiner Motorik gezogen vorw\u00e4rts. Er streckt die H\u00e4nde nach seinem Vater aus. Der Schulmeister verfolgt aufmerksam den Probelauf seines Sohnes. Ein kleiner Mensch lernt gerade aufrecht zu gehen und Schritte allein zu setzen. Tauben stelzen kopfnickend um den Kleinen herum. Mit h\u00f6chster Konzentration bewegt er sich auf die V\u00f6gel zu, die zu greifen ihm die gr\u00f6\u00dfte M\u00fche wert ist. Das S\u00f6hnlein strahlt, jauchzt. Den aufrechten Gang zu lernen, ist ein spannender, gro\u00dfartiger Moment. Zum ersten Mal wirklich frei und aufrecht gehen zu k\u00f6nnen, ist ein triumphales Ereignis, das uns kognitiv aufrichtet und autonom werden l\u00e4sst. Ohne Hilfe eine Wegstrecke zu durchmessen und ein selbstbestimmtes Ziel erreichen zu k\u00f6nnen, und sei es das geringste, ist eine wunderbare Grunderfahrung jeder Generation, ein Ur-Erlebnis aller Geschlechter und Kulturen. So habe ich das wunderbare Wagnis, zum ersten Mal aufrecht zu gehen, bei meinen T\u00f6chtern erlebt und sp\u00e4ter bei meinen Enkelkindern. Es ist ein Moment des Gl\u00fccks, aber auch der Sorge, die richtigen Schritte ins Leben zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Der mittelalterliche Wach- und Wehrturm, eine familiengeschichtliche Ikone<\/strong><\/p>\n<p>Mitten in Speinshart. Der massive, vier Stockwerke hohe Wehr- und Schutzturm steht frei vor dem Kloster. Die gro\u00dfen, schweren Steinquader sind zu klobigen Kuben zusammengef\u00fcgt, die jeweils ein Stockwerk bilden. Auf dem obersten sitzt ein spitzer Dachhelm. Der Turm ruht auf einer quadratischen Basis, jedes Stockwerk ist vom anderen durch eine Zwischendecke getrennt.<\/p>\n<p>[Abb.: Ausschnitt Wach- und Wehrturm, 1670]<\/p>\n<p>Schulmeister Johann Mintzel l\u00e4dt mich zu einem Aufstieg ein. Im Turm f\u00fchrt uns eine Holztreppe \u00fcber Eck in die schwindelnde H\u00f6he. Der massive Wehr- und Schutzturm \u00fcberragt alle Klostergeb\u00e4ude und die kleinen H\u00e4user im Mauergeviert des Ortes. Vom obersten Geschoss aus ist der gesamte Ort einzusehen und jede Ann\u00e4herung an die Klostermauern zu beobachten. Von der Plattform schweift unser Blick in jede Himmelsrichtung, nach Norden zum Vulkankegel des Rauhen Kulms, nach S\u00fcden \u00fcber die Talsenke der Creu\u00dfen hinweg nach Tremmersdorf. Wir klettern die Treppe wieder hinunter. Der Klostervorplatz ist nicht gepflastert. Schottersand und Gestein bilden einen festen Boden, der bei langem Regen aufweicht.<\/p>\n<p>Der hohe Wehrturm, der gegen\u00fcber dem Wohnhaus stand, hatte sich tief in das Ged\u00e4chtnis des kleinen Albrecht eingepr\u00e4gt. Als er sich im Jahr 1627 in Leipzig sein Buchdruckeremblem anfertigen lie\u00df, beauftragte er den Formschneider, nach seinen Angaben einen hohen Wehrturm ins Zentrum des inneren Ovals zu setzen. Ich kann nach mehr als 375 Jahren noch vieles entschl\u00fcsseln, was ihm in seinem Leben und Wirken wichtig war. Der Speinsharter Wach- und Wehrturm mit einem spitzen Helm und vier Eckt\u00fcrmchen<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> ist f\u00fcr mich zu einer familiengeschichtlichen Ikone geworden.<\/p>\n<p>[Abbildung: Druckermarke Johann Albrecht Mintzels von 1627]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Besuch der Volksschule im benachbarten Tremmersdorf<\/strong><\/p>\n<p>Zur Klosterpfarrei Speinshart geh\u00f6rte von jeher Tremmersdorf, ein verschlafenes D\u00f6rfchen, das etwa drei Kilometer s\u00fcdlich an der Landstra\u00dfe liegt, die nach Eschenbach f\u00fchrt. Auch dort begegne ich dem Schulmeister Mintzel. Im Kirchenvisitationsbericht vom 12. Oktober 1582 wird dem Schulmeister vorgeworfen, er sei, ohne den Pfarrer zu informieren, \u00f6fters abwesend und \u201eausl\u00e4ufferisch\u201c gewesen.<\/p>\n<p>[Abb.: Staatsarchiv Amberg. Oberpf\u00e4lzer Religions- und Reformationswesen 52, fol.206]<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Mintzel sei h\u00e4ufig irgendwo in der Umgebung unterwegs gewesen.\u00a0 Der junge Schulmeister, so vermute ich, ist nach seiner Bestallung neugierig und will die Umgebung und seine Klientel kennenlernen. Er liebt zudem die Natur, er wandert gern und beobachtet die Fauna und Flora. \u00dcber den ganzen Sommer bis tief in Herbst hinein bleiben seine Sch\u00fcler vom Unterricht fern. Sie m\u00fcssen bei der schweren Feldarbeit mithelfen. Schulmeister Mintzel nutzt die Zeit und unternimmt Exkursionen in die Umgebung. Sein Weg f\u00fchrt ihn auch nach dem benachbarten Tremmersdorf. Dort treffen sich, wie aus kirchlichen Visitationsberichten hervorgeht, auch die Pfarrer von Speinshart und Tremmersdorf in einer kleinen Schankwirtschaft. War es die neben der Kirche, in der ich 1988, auf einer Fahrt zur\u00fcck in meine Kindheit, bei Anton und Annemarie Vetter auf eine Halbe Bier einkehren werde? \u00a0Annemarie, die j\u00fcngste Tochter des M\u00fcllers Reis von der Holzm\u00fchle, war mein erster Schwarm. Sie war sechzehn, ich zehn Jahre alt, als der Krieg 1945 zu Ende ging.<\/p>\n<p>Nach unserer Evakuierung aus dem von Luftangriffen bedrohten N\u00fcrnberg besuchten meine Schwester und ich von 1943 bis 1945 in Tremmersdorf die Dorfschule. Die Verh\u00e4ltnisse hatten sich in den letzten 350 Jahren wenig ver\u00e4ndert. Die Sch\u00fcler der ersten bis achten Klasse sa\u00dfen in einem Schulraum. Zur Sommerszeit gingen wir am taufrischen Morgen barfu\u00df zur Schule, die wir in einer guten halben Stunde Fu\u00dfweg erreichten. Der Fu\u00dfpfad f\u00fchrte von der Holzm\u00fchle durch ein lichtes Waldst\u00fcck, das nach einer Weile von offenen, h\u00fcgeligen Fluren abgel\u00f6st wurde. Auf einem taufeuchten Wiesenpfad ging es weiter bis nahe an die Creu\u00dfen heran, die mitten durch Tremmersdorf flie\u00dft und erst in ihrem weiteren Verlauf zu einem Fluss anschwillt, durch den man nicht mehr waten kann. Der Pfad bog vor den ersten Scheunen und Bauernh\u00f6fen nach rechts ab und stie\u00df auf einen Fuhrweg, der zur Dorfmitte und von dort hinauf zum Schulhaus f\u00fchrte. In den nasskalten Jahreszeiten, im Fr\u00fchjahr und im Herbst, und im Winter sowieso, kamen wir selten mit trockenem Schuhwerk in die Schule. Der Fu\u00dfpfad war vom Regen durchweicht und mit Pf\u00fctzen bedeckt, daneben sumpfiges Gel\u00e4nde.<\/p>\n<p>Die kleine Dorfschule lag am oberen Ortsrand direkt an der Landstra\u00dfe, die sich von Eschenbach \u00fcber Tremmersdorf und Speinshart nach Neustadt am Kulm hinzog. Das ganze Dorf machte, wie viele D\u00f6rfer in dieser Gegend, einen \u00e4rmlichen Eindruck. Es gab keine gro\u00dfen, stolzen Geh\u00f6fte mit reichem Holzdekor und Balkonen, sondern nur einfache, schmucklose H\u00e4uschen, die sich entlang der Creu\u00dfen reihten und um die alte Dorfkirche gruppierten. Sofern sie \u00fcberhaupt schon an das elektrische Stromnetz angeschlossen waren, gab es in den D\u00f6rfern keine Stra\u00dfenbeleuchtung. In den k\u00e4rglich eingerichteten Bauernstuben spendeten in der dunklen Jahreszeit und zur Nachtzeit Petroleumlampen ein sp\u00e4rliches Licht.<\/p>\n<p>Das modernste, will hei\u00dfen neueste Geb\u00e4ude im Dorf war die Schule, die wohl in der Nazi-Zeit gebaut worden war. In dem einst\u00f6ckigen Zweckbau befand sich im Erdgeschoss der Schulraum, dar\u00fcber wohnte in einfachen Verh\u00e4ltnissen der Lehrer mit seiner Familie. Die Tremmersdorfer Schule war das Muster einer urigen bayerischen Zwergschule, wie sie auf alten vergilbten Abbildungen in Heimatmuseen zu sehen sind. Es m\u00f6gen h\u00f6chstens zwei Dutzend Kinder dort gewesen sein, mehr h\u00e4tten kaum Platz gefunden.<\/p>\n<p>Im Schulraum angekommen zogen wir die quietschend nassen Stiefel und tropfenden Str\u00fcmpfe aus. Im Winter legten wir sie um den Kanonenofen, der den Schulraum w\u00e4rmte. Fr\u00fchmorgens, vor Beginn des Unterrichtes, hatte Lehrer Mailer den Ofen schon angeheizt, um den Raum vorzuw\u00e4rmen.<\/p>\n<p>Der Unterricht begann morgens um acht Uhr und endete mittags. Die Z\u00f6glinge sa\u00dfen nach Klassen geordnet in zwei Bankreihen auf je zw\u00f6lf Sitzen, ganz vorne die J\u00fcngeren der ersten und zweiten, hinten die \u00c4lteren der siebten und achten Klasse. Die Sch\u00fcler der unteren Klassen schrieben mit Griffeln auf Schiefertafeln, die der oberen benutzten Schulhefte aus schlechtem Papier. Lehrer Anton Mailer, ein schm\u00e4chtiger Mann, ging nach Schulbeginn durch die Bankreihen und erteilte jeder Klasse ihr Pensum. Die Schulanf\u00e4nger mussten das ABC lernen, die zweite Reihe sich im Sch\u00f6nschreiben \u00fcben, die in den mittleren Reihen wurden in Heimatkunde unterrichtet und die hinten mussten Rechenaufgaben l\u00f6sen. Ich liebte das Sch\u00f6nschreiben und h\u00f6rte gern zu, wenn der Lehrer im Fach Heimatkunde \u00fcber das Maindreieck sprach und den Flussverlauf mit farbigen Kreiden auf die schwarze Tafel zeichnete. Das war der Vorteil des \u2013 wie es heute hei\u00dft \u2013 \u201ebinnendifferenzierten\u201c Zwergschulunterrichts. Das Lehrmaterial war k\u00fcmmerlich, verglichen mit heutigen Standards sogar katastrophal. Hatte ich gut aufgepasst und meine Aufgaben erledigt, konnte ich lauschen, was den \u00e4lteren Sch\u00fclern an Stoff beigebracht wurde. \u00a0Der Unterricht f\u00fcr acht Klassen in einem Raum verlangte Disziplin. Die Sch\u00fcler, meist unruhige Bauernl\u00fcmmel, waren schwer im Zaum zu halten. Zwischen den letzten Schulb\u00e4nken und der r\u00fcckseitigen Wand war ein schmaler Raum, der Platz f\u00fcr Z\u00fcchtigung bot. Hier strafte Lehrer Mailer die Sch\u00fcler, wie damals \u00fcblich, mit Rute und Stock. Sch\u00fclerinnen kamen mit milden Verwarnungen davon.<\/p>\n<p>Das Sch\u00f6nschreiben geh\u00f6rte zu unseren t\u00e4glichen Hausaufgaben. Zeile f\u00fcr Zeile schrieb ich auf meiner Schiefertafel Buchstabenreihen, m-Reihen, n-Reihen, besonders sch\u00f6n das \u201et\u201c und das \u201ez\u201c. Daf\u00fcr wurde ich in meinem Schulzeugnis mit der besten Note belohnt. Darauf war ich stolz. Sch\u00f6nschreiben wurde zur Manie und pr\u00e4gte meine Schriftz\u00fcge bis ins hohe Alter. Noch heute schreibe ich gern.<\/p>\n<p>Vor dem Schulgeb\u00e4ude befand sich ein umz\u00e4unter Platz. Dieser bot in den Pausen gerade einmal gen\u00fcgend Fl\u00e4che zum Herumtollen. An der Seite stand, die H\u00f6he des Schulhauses \u00fcberragend, ein Fahnenmast f\u00fcr den nationalsozialistischen Flaggenappell. Nach wirklichen oder vermeintlichen Siegen der deutschen Wehrmacht mussten wir am Fahnenmast strammstehen und das Horst-Wessel-Lied und die Deutschlandhymne singen. Hoch \u00fcber unseren K\u00f6pfen flogen gegen Kriegsende fast t\u00e4glich Geschwader fliegender Festungen hinweg. Klein wie Eintagsfliegen umkreisten Jagdflieger als Begleitschutz die Bomber, die lange Kondensstreifen hinter sich herzogen. Die Geschwader entluden irgendwo \u00fcber Hitlers rasch schrumpfendem \u201eGro\u00dfdeutschland\u201c ihre t\u00f6dliche Last. Erst im Fr\u00fchjahr 1945 bekamen wir in unserer tr\u00fcgerischen Idylle die Schrecken des Krieges zu sp\u00fcren. Es gab selbst noch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs idyllische Orte und Nischen, wo der Anschein herrschte, sie w\u00fcrden vom Weltgeschehen ausgespart bleiben. Wir w\u00e4ren dort fast vergessen worden. Wie vor Jahrhunderten, wie zu Zeiten des Schulmeisters Mintzel, lag dieser Winkel der Welt abseits der entsetzlichen Geschehnisse. Bis zum Kriegsende hatte ich nichts von dem millionenfachen Morden der nationalsozialistischen Todesmaschinerie geh\u00f6rt. Erst ganz sp\u00e4t, in den letzten Kriegsmonaten, gab es ein Gemunkel der Erwachsenen, als h\u00e4tten sie etwas Ungeheuerliches, kaum Glaubhaftes vernommen. Wenn sie schon eher etwas gewusst haben sollten, dann teilten sie es uns nicht mit, sie lie\u00dfen uns in der Idylle fr\u00f6hlich in den Tag hineinleben.<\/p>\n<p>Der auch schon damals \u00fcbliche Schulausflug f\u00fchrte nicht einmal zur n\u00e4chstgelegenen Kleinstadt, geschweige denn in eine Gro\u00dfstadt. Es blieb bei beschaulichen Fu\u00dfwanderungen im Umkreis der Schule, an den Kleinen und Gro\u00dfen Ru\u00dfweiher, die damals noch keine \u00fcberlaufenen Naherholungsziele f\u00fcr St\u00e4dter waren. Die Gegend war reich an Weihern, deren Biotope sp\u00e4ter unter Naturschutz gestellt wurden. Der Lehrer hielt uns zu Naturbeobachtungen an und lehrte uns Baumarten zu unterscheiden: Erlen, Birken, Eichen, F\u00f6hren, Fichten und Tannen. Der Anschauungsunterricht in freier Natur vermittelte uns s\u00e4mtliche biologischen Grundkenntnisse, denn Biologieb\u00fccher mit anschaulichen Abbildungen gab es nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Leben, wo die Gro\u00dfe Rohrdommel ruft<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>In den Sommern\u00e4chten der Jahre 1943 und 1944 packte mich das Grauen, wenn pl\u00f6tzlich ein seltsam dumpfes &#8222;\u00dc\u00fcpruumb&#8220; unheimlich durch die Landschaft schallte. Das langgezogene &#8222;U&#8220; hatte die Lautst\u00e4rke eines Ochsenschreis, als br\u00fcllte ein gro\u00dfes Tier seinen Urschrei in die Nacht hinein. Wenn diese fremdartige Stimme durch die Nachtschw\u00e4rze drang, zuckte ich innerlich zusammen und erschrak zutiefst. Es war der dumpfe Balzruf der Gro\u00dfen Rohrdommel, die in den sumpfigen Gew\u00e4ssern des Gro\u00dfen und Kleinen Ru\u00dfweihers lebte. Von alters her boten die schilfbewachsenen, morastigen Gew\u00e4sser mit ihren zahlreichen runden Schilfh\u00f6ckern einer gro\u00dfen, vielartigen Schar von Schwimm- und Tauchv\u00f6geln, Sumpfv\u00f6geln und S\u00e4ngern ein nahrungsreiches Brutgebiet. Seit jeher bev\u00f6lkerte diese Weiher und das umliegende Sumpfgebiet eine gro\u00dfe Schar von Lachm\u00f6wen. Das dichte Schilfrohrgebiet mit seinen zahlreichen Inselchen war ein beliebter Brutplatz. Das nimmer endende Geschrei einer vielk\u00f6pfigen Lachm\u00f6wenkolonie erf\u00fcllte die Luft. Doch in der Nacht, wenn alle anderen Vogelstimmen verstummt waren, ert\u00f6nte das dumpfhohle &#8222;\u00dc\u00fcpruumb&#8220; der Gro\u00dfen Rohrdommel. Insbesondere in mondlosen, schwarzen N\u00e4chten, in denen ich meine Hand nicht vor den Augen sah, jagte mir jeder Schrei Schauer durch den Leib. Es war ein unheimliches Urerlebnis, es klang nach dem wilden Schrei eines m\u00e4chtigen Naturgeistes, als wolle er mich rufen und warnen.<\/p>\n<p>Dieser dumpfe Ruf war kilometerweit zu h\u00f6ren, so stark war sein Schall. Er drang bis nach Speinshart, bis Tremmersdorf, bis zur Herrnm\u00fchle und bis zu uns in die Holzm\u00fchle. Als wir uns in den letzten Kriegsjahren dort hinten, tief in der Oberpfalz, versteckt hielten, lag die Landschaft noch wie vor drei- oder vierhundert Jahren vor uns. Seit Jahrhunderten hatte der Mensch dieses sumpfige Gebiet so belassen, wie es war. Manchmal wateten ein paar M\u00e4nner durch das Schilf und raubten die Eier der auffliegenden Lachm\u00f6wen. Wenn die Bauern der Umgebung im Fr\u00fchjahr ihre \u00c4cker pfl\u00fcgten, flogen hinter der Pflugschar Schw\u00e4rme von hungrigen M\u00f6wen und fielen mit heiserem Gekreische in die Furchen. Mit jeder Wendung stoben sie wieder hoch. Die Kiebitze flogen im Gaukelflug, f\u00fchrten die k\u00fchnsten Schwenkungen aus und stie\u00dfen dabei ihr helles &#8222;i \u2013 kwitt&#8220; aus.<\/p>\n<p>So sah die Landschaft aus, so zeigten sich die sumpfigen, schilfbedeckten Gew\u00e4sser vor 350 Jahren, als Johann Mintzel im Kloster Speinshart Schule hielt und, wie er es vermutlich gern tat, durch die Gegend streifte. Er h\u00f6rte die Rufe der Rohrdommel wie ich, der kleine, fast zehnj\u00e4hrige Volkssch\u00fcler auf der Holzm\u00fchle. Er ging auf denselben Wiesenpfaden wie ich, 350 Jahre sp\u00e4ter, zur Schule nach Tremmersdorf. Er sah die sanfte H\u00f6he, die zwischen den Weihern und Speinshart liegt. Er besuchte den einsamen kleinen Weiler, der seit alters an den Weihern liegt. Er h\u00f6rte in lauen Fr\u00fchlingsn\u00e4chten, wie ich in der gleichen Gegend, am gleichen Ort, den unheimlichen Balzruf der Rohrdommel. Seine Kindheit in Speinshart und meine Kindheit in der Holzm\u00fchle \u00e4hneln sich in vielem: Kein elektrisches Licht, kein flie\u00dfendes Wasser im Haus, ein Plumpsklo, ein Herd, der mit Holz aus dem nahegelegenen Wald beheizt wird, kalte, eisklirrende Wintern\u00e4chte, trockene Sommer und Myriaden von Stechm\u00fccken, die wir mit Erlenlaub abwedelten.<\/p>\n<p>[Abb.: Alte Postkarte \u201eGru\u00df aus Tremmersdorf, Oberpfalz\u201c aus der 1. H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wo die &#8222;lutherischen Brockenfresser&#8220; herstammen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Dort hinten in der Oberpfalz gab es weit und breit keinen einzigen Protestanten. Herzog Maximilian, der sp\u00e4tere Kurf\u00fcrst von Bayern, hatte, nachdem die Obere Pfalz und mit ihr Speinshart 1621 an Bayern gefallen war, konfessionell durchgegriffen, Protestanten amtsenthoben und vertrieben und bis 1628 die R\u00fcckkehr zum katholischen Glauben erzwungen. Diese Gegend war noch bis 1945 fast geschlossen katholisch. Es war fast unm\u00f6glich, an einem protestantischen Religionsunterricht teilzunehmen oder eine evangelische Kirche zu besuchen. Nirgendwo wurde ein evangelischer Gottesdienst abgehalten, auch nicht am Karfreitag, Ostersonntag oder am Heiligen Abend geschweige denn am Reformationstag. In der rein katholischen Volksschule wurde ich der &#8222;lutherische Brockenfresser&#8220; genannt. Ich wusste damals nur, dass mit diesem Spottnamen irgendwie Protestanten, Lutherische, gemeint waren, die anderen eben, die nicht dem richtigen Glauben anhingen. Wir, meine Familie, waren die einzigen &#8222;Brockenfresser&#8220; weit und breit, ich lernte in diesen Jahren keine anderen kennen. Ich hielt mich deshalb nicht einmal f\u00fcr ein Mitglied einer geduldeten Minderheit, sondern f\u00fcr ein exotisches Exemplar unter lauter Katholiken, das die Bauernkinder fr\u00f6hlich neben sich leben lie\u00dfen. Das exotische Exemplar st\u00f6rte sie nicht sonderlich. Es blieb beim Spottnamen, den sie mehr am\u00fcsiert denn in ausgrenzender Absicht gebrauchten. Erst Jahrzehnte sp\u00e4ter, auf den Spuren des Speinsharter Schulmeisters Johann Mintzel, entschl\u00fcsselte ich den urspr\u00fcnglichen Sinn des Spottnamens, mit dem mich meine Klassenkameraden, Oberpf\u00e4lzische Bauernbuben und Bauernm\u00e4dchen, in den Kriegsjahren geh\u00e4nselt hatten. Der Schimpfname, obschon er mich unangenehm ber\u00fchrt hatte, war nur mehr ein Nachhall aus nach- und gegenreformatorischer Zeit. Ich war nicht \u201eder Jude\u201c, der mit dem Davidstern markierte &#8222;Untermensch&#8220;. Ich war nur ein heranwachsender &#8222;Volksgenosse&#8220; anderen christlichen Glaubens.<\/p>\n<p>In der Zeit zwischen der Einf\u00fchrung der Reformation in der Oberpfalz-Kurpfalz und der gewaltsamen Rekatholisierung dieses Gebietes, im Zeitraum zwischen 1520 und 1620, hatten nicht nur alter und neuer Glaube gewechselt, sondern auch innerhalb des Protestantismus, der 1520 zun\u00e4chst gegen\u00fcber dem Katholizismus sich durchzusetzen begonnen hatte, war ein erbitterter Kampf zwischen Lutheranern und Calvinisten entbrannt(vgl. Lippold,2003: Der Kalvinismus, S.278; Schottenloer,122: Flugblatt und Zeitung, S. 262ff). So wechselreich die dynastische Geschichte der Oberpfalz damals gewesen war, so wechselreich waren auch die konfessionellen Verh\u00e4ltnisse, die von dem Grundsatz &#8222;cuius regio, eius religio\u201c bestimmt waren. Der regierende F\u00fcrst und sein Regierungsapparat hatten bestimmt, welche Religion in seinem Lande die &#8222;wahre&#8220; und allein zu praktizierende sei. Die f\u00fcr &#8222;wahr&#8220; und &#8222;absolut&#8220; gehaltene Konfession war mit mehr oder weniger starkem Nachdruck durchgesetzt worden, meist mit gewaltsamen Mitteln. Das galt selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr die protestantische Seite und ihre internen Auseinandersetzungen, f\u00fcr die Anh\u00e4nger des lutherischen Protestantismus und f\u00fcr die Anh\u00e4nger der Lehre Calvins (Hartmann, 2003: Konfessionelle Kulturen im 17. Jahrhundert, S. 46ff). Die Obere Pfalz erlebte unter ihren Kurf\u00fcrsten in ihrer protestantischen Zeit mehrmals einen Konfessionswechsel zwischen lutherischen und calvinischen Protestantismus. Zu den dogmatischen Streitpunkten hatten insbesondere der Charakter des Abendmahls und seine Feier gez\u00e4hlt. Nach der lutherischen Glaubenslehre verwandeln sich beim Abendmahl Brot und Wein in den Leib und in das Blut Christi. Luther sagt: Christus sei \u201ein, mit und unter\u201c Brot und Wein gegenw\u00e4rtig. Nach Calvins Lehre findet dagegen keine Wandlung \u2013 Transsubstantion genannt &#8211; statt. Brot und Wein symbolisieren nur Leib und Blut Christi. Die calvinische Formel lautet nach Paulus: \u201eDas Brot, das wir brechen, ist eine Anteilnahme am Leib Christi.\u201c Zur lutherischen Abendmahlfeier geh\u00f6rt die Oblate, zur calvinischen das Brot, das gebrochen wird. Es waren die Anh\u00e4nger der Lehre Luthers, die zuerst Calvinisten wegen des Brotbrechens als \u201ezwinglische, calvinische Brockenfresser\u201c beschimpft hatten. Es war, wie wir wissen, nicht bei den sprachlichen Kampf- und Propagandaschlachten geblieben. Es folgten die Gr\u00e4uel des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges. Katholiken hatten in der Oberpfalz anscheinend in den Glaubensk\u00e4mpfen das Schimpfwort generalisiert. F\u00fcr sie waren alle Protestanten, gleich ob Lutheraner oder Calvinisten, Brockenfresser. Wie es die Katholiken in den Zeiten der konfessionellen Auseinandersetzungen und K\u00e4mpfe getan hatten, so hielten es auch noch ihre Nachfahren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In der Oberpfalz wurden Protestanten auch noch in der Zeit des Zweiten Weltkrieges so genannt. Inzwischen verloren diese dogmatischen Abgrenzungen und konfessionellen Ressentiments und Animosit\u00e4ten an Wirkkraft, obschon sie noch immer konfessionelle Grenzlinien markieren und Familiengeschichten pr\u00e4gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Am Grabe von Johann Mintzel, 1611<\/strong><\/p>\n<p>Bei meinen sp\u00e4teren Besuchen des Klosterortes unternahm ich im Geviert des idyllischen Geb\u00e4udekomplexes jedes Mal einen stillen Rundgang. Ich ging an den schlichten H\u00e4uschen entlang und kehrte in Gedanken und inneren Bildern in die Zeit des lateinischen Schulmeisters Johann Mintzel zur\u00fcck. Ich lehnte mich an den Brunnen, aus dem noch immer Wasser pl\u00e4tschert. Das Jetzt verschwamm in einem Damals, die Vergangenheit wurde gegenw\u00e4rtig. Einunddrei\u00dfig Jahre lang hat der ergraute Schulmeister im kurf\u00fcrstlichen Dienst mit viel Flei\u00df und p\u00e4dagogischer Verantwortung Kinder und Jugendliche unterrichtet. Noch im Dezember 1610, kurz vor Weihnachten, bat er in einem abermaligen Bittschreiben, es sollte sein letztes sein, an die kurf\u00fcrstliche Regierung um eine Aufbesserung (\u201eAddition\u201c) seiner Bez\u00fcge in Geld und Naturalien. Er hat noch Weihnachten 1610 und Neujahr 1611 erlebt, dann griff der Tod nach ihm. Die Obere Pfalz wurde in den Wintermonaten 1610\/11 von einer Schneedecke tief zugedeckt. Speinshart versank im Schnee, in den schmalen H\u00e4usern herrschte klamme Feuchtigkeit, an den W\u00e4nden der unbeheizten R\u00e4ume glitzerten Eiskristalle, die Fensterscheiben waren vom Frost erblindet, die Familie scharte sich um das K\u00fcchenfeuer. Die Fr\u00fchjahrsmonate waren in der Oberen Pfalz nass und kalt, es dauerte bis in den April hinein, bis das letzte Eis geschmolzen war. Ich habe in meiner Kindheit in der Oberpfalz diese kalten Jahreszeiten 1943\/44 und 1944\/45 selbst erlebt.<\/p>\n<p>Johann Mintzel wurde gut f\u00fcnfzig Jahre alt, f\u00fcr damalige Lebensverh\u00e4ltnisse hatte er ein recht hohes Alter erreicht. Wer in jenen Zeiten so alt geworden war, galt schon als Greis. Wir kennen nicht die Todesursache. M\u00f6glicherweise hatte er sich erk\u00e4ltet, gar eine Lungenentz\u00fcndung zugezogen. Wir wissen auch nicht, an welchem Tag genau er verstarb. Die medizinische Versorgung lag im Argen, in Speinshart soll es nicht einmal einen Bader gegeben haben. Aber selbst diese waren h\u00e4ufig nur Quacksalber, die mit unwirksamen Mitteln Kranke zu Tode kurierten. Nur sein Todesjahr l\u00e4sst sich aus den Archivalien zweifelsfrei erschlie\u00dfen, das Jahr 1611 (AM: Blog \u201eLebensgeschichten und Erelebniswelten\u2026\u201c, 1. Kap., S. 5).<\/p>\n<p>Der verstorbene Schulmeister wurde, wie allgemein \u00fcblich, zu Hause eingesargt, aufgebahrt und bei ihm eine Kerze angez\u00fcndet. Im Klosterdorf wird sich schnell herumgesprochen haben, dass der alte Mann gestorben war. Jeder hatte ihn gekannt, aber nicht alle hatten ihn gemocht. Allzu oft hatte er, wie kirchliche Visitationsberichte auch f\u00fcr Speinshart bezeugen, s\u00e4umige Eltern und ihre Kinder ermahnen m\u00fcssen, die Katechismus-Lehre und die Schule zu besuchen. Der mehrmalige Konfessionswechsel hatte auch in Speinshart und seinem Umland zu verdecktem Widerspruch und passivem Widerstand gef\u00fchrt, ja sogar Verweigerung hervorgerufen. Unter allerlei Vorw\u00e4nden war man dem Gottesdienst ferngeblieben. Das hatte dem Schulmeister Verdruss und \u00c4rger beschert. Es hatte so manchen Zoff gegeben. Doch begleitete wohl jeder, der gehen konnte und nicht selbst krank darniederlag, den Sarg zur Aussegnung in die Klosterkirche und danach an das Grab. Der Speinsharter Friedhof lag innerhalb der Mauern hinter den Klostergeb\u00e4uden in einem Winkel, der r\u00e4umlich vom Treiben der Lebenden abgesondert war. Dorthin zog der kleine Leichenzug zur ausgehobenen Grube: die Witwe Mintzels, sechs seiner Kinder, die das Kindes- und fr\u00fche Jugendalter \u00fcberlebt hatten, ein H\u00e4uflein kurf\u00fcrstliche Amtstr\u00e4ger und Honoratioren des Ortes, gefolgt von einer Schar Kinder und Jugendlicher, der Sch\u00fclerschaft des Verstorbenen, alle in Reih und Glied und im stillen Gedenken. Der Gl\u00f6ckner l\u00e4utete das Totengl\u00f6ckchen. Pfarrer Johann Lucas (I.), selbst vom Tod gezeichnet \u2013 er starb noch im gleichen Jahr &#8211; hielt die Leichenpredigt, die damals viel l\u00e4nger ausfiel als heutige Nachrufe. Am Ende der rituellen Handlungen kamen alle zum Leichenschmaus zusammen und tauschten Anekdoten aus.<\/p>\n<p>Der Tod des alten Schulmeisters ver\u00e4nderte die Lebenssituation seiner Hinterbliebenen drastisch. Im Laufe des Jahres 1611 wurde Kaspar Eck in das vakante Schulmeisteramt berufen.\u00a0 Eccius, wie er sich lateinisch nannte, kam aus Schlesien. Sein Schwager, der Speinsharter Richter Jonas Liebing, hatte ihn der Obrigkeit empfohlen. Witwe Mintzel und ihre sechs Kinder mussten aus dem Schulmeisterhaus ausziehen und im Ort eine andere Bleibe finden. Eck unterrichtete wohl noch ein paar Jahre die S\u00f6hne des verstorbenen Mintzel, Johann Christoph bis zum Jahre 1614, Johann Albrecht bis 1616. Nach Abschluss der Lateinschule verlie\u00dfen beide ihren Heimatort, wo keine h\u00f6here Ausbildung m\u00f6glich war. Christoph wanderte nach Leipzig und begann dort Theologie zu studieren. Albrecht ging in einer renommierten Buchdruckerei in die Lehre. Im Jahre 1620 tritt er uns in Leipzig zum ersten Mal als Buchdruckergeselle in der damals weithin bekannten Verlagsdruckerei der Verlegerfamilie Gro\u00dfe entgegen. Diese Daten sind jedenfalls zweifelsfrei belegt. Die weiteren Schicksale der Mutter und der anderen Geschwister sind unbekannt. Als \u201enobodies\u201c wurden sie nicht einmal als Sterbef\u00e4lle in die nachl\u00e4ssig gef\u00fchrten Kirchenregistern eingetragen, so als h\u00e4tte es sie nie gegeben. M\u00f6glicherweise zogen sie schon vor Beginn des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges von Speinshart weg. Vielleicht f\u00fchrt meine Fehl- und Suchanzeige zu Entdeckungen in anderen genealogischen Zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Aus konfessionspolitischen Gr\u00fcnden unternahmen damals Oberpf\u00e4lzer, evangelisch-lutherische und calvininische Theologen, Pfarrer und Schulmeister weite Wanderungen, um in Territorien ihrer Konfession Aufnahme und Anstellung zu finden. Die Speinsharter Schulmeisterfamilie Mintzel teilte mit vielen anderen dieses Schicksal: Amtsenthebung und Vertreibung. Sie wurden zu einer &#8222;Migrantenfamilie&#8220;, zu Wanderern, die weite Wege zur\u00fccklegten. Die Gebr\u00fcder Johann Christoph und Johann Albrecht Mintzel konnten nicht in ihre Heimat zur\u00fcckkehren. Die gewaltsame Rekatholisierung, die 1621 einsetzte, verwehrte es ihnen. Ihre Wanderrouten zeigen, dass sie in protestantische Territorien Mittel- und Norddeutschlands gingen und sich im fernen \u201eAusland\u201c niederlie\u00dfen. Orte, wo der zeitweise Aufenthalt der Br\u00fcder und ihrer Kinder belegt ist, sind Leipzig, Frankfurt\/Oder, Libbenichen\/Oder, Berlin, Oranienburg, Stettin, Kolberg in Pommern und Hof\/Saale. Der sp\u00e4tere Buchdrucker Johann Albrecht Mintzel, dessen Namen ich trage, verlor am Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges in Leipzig die Hoffnung, in der vom Krieg heimgesuchten Stadt seine Druckerei auf Dauer fortf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Er folgte einem Ruf des Rates der markgr\u00e4flich-brandenburgische Stadt Hof im Vogtland, \u00fcbersiedelte 1642 mit seiner Familie und Druckerei nach Hof und f\u00fchrte dort seine in Leipzig erworbene Buchdruckerei weiter (Alf Mintzel, 2011: Von der Schwarzen Kunst zur Druckindustrie, Band I, S, 46-277).<\/p>\n<p>Das Kurf\u00fcrstentum Bayern blieb als ein Hort der Gegenreformation bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ein konfessionelles &#8222;Sperrgebiet&#8220; f\u00fcr protestantische Drucker und Theologen. Speinshart wurde bald nach dem Abzug der Mintzels wieder katholisch und erhielt am Ende des 17. Jahrhunderts ein barockes Kleid. Die gro\u00dfe Geschichte pr\u00e4gte sich auch im Familienleben aus. Die Einstellungen und Werthaltungen in den Familien Mintzel waren bis ins 20. Jahrhundert hinein stark antikatholisch gepr\u00e4gt. Es gab mit einer Ausnahme bis zur zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts keine Mischehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur (Auswahl): Bernhard Fuchs: Geschichte des Klosterarchivs Speinshart; Peter Claus Hartmann,2003: Konfessionelle Kulturen im 17.Jahrhunder, in: Wolf, Peter: u. a. (Hrsg.): Der Winterk\u00f6nig V. Der letzte Kurf\u00fcrst aus der Oberen Pfalz. Haus der Geschichte, S. 46-52; Daniel Heinrich Hering, 1784 u. 1785: Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Evangelisch-Reformierten Kirchen in den Preu\u00dfisch \u2013Brandenburgischen L\u00e4ndern. Erster und Zweiter Theil; Stephan Lippold, 2003: Der Kalvinismus, in: Wolf, Peter u. a. (Hrsg.): Der Winterk\u00f6nig V. Der letzte Kurf\u00fcrst aus der Oberen Pfalz. Haus der Bayerischen Geschichte, S. 278f; Alf Mintzel: Von der Schwarzen Kunst zu Druckindustrie, 2011, Band I, Kapitel I, S.22-37; Gustav Motyka: Das Kloster Speinshart, Weiden 1972; Josef Scherl: Die Grundherrschaft des Klosters Speinshart, Nachdruck 1940; Motyka, 1972: Das Kloster Speinshart, S. 39.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur\u00fcck an den oberpf\u00e4lzischen Ursprungsort Merkw\u00fcrdige Zuf\u00e4lle und Begebenheiten waren es, die mich fast 350 Jahre sp\u00e4ter an den oberpf\u00e4lzischen Ursprungsort meiner Altvorderen zur\u00fcckf\u00fchrten. 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