II. Frühe Arbeiten aus der Studienzeit

Die frühen Arbeiten stammen, wie eingangs heraus-gestellt, aus der Zeit des Studiums an der Werkkunst-schule in Hannover, der späteren Fachhochschule für visuelle Kommunikation und Design, und an der Hamburger Akademie der bildenden Künste. Krengel nutzte an der Werkkunstschule vor allem die von einem hervorragenden Drucker und Lithografen geleitete Druckwerkstatt. Bei Meister Erich Jaeckel, der von Worpswede gekommen war, lernte er die druck-grafischen Techniken der Radierung und der Lithografie und brachte es dabei schon damals zu einer erstaunlichen Fertigkeit. Der junge Kunststudent schuf großformatige Lithografien von hoher technischer und bildnerischer Qualität: Akte, Stillleben, menschliche Figurengruppen, Porträts, darunter das seiner Groß-mutter, und ruhende Rinder auf imaginärem Weide-grund. Er setzte sich mit dem grafischen und maler-ischen Schaffen von Pablo Picasso und Max Beckmann auseinander. In der gut ausgestatteten Druckwerkstatt entstanden stark ansprechende, an die Genres und lithografischen Techniken dieser Großen der klassischen Moderne angelehnte Bilder, so das Gruppenbild mit elf Personen auf einem Gelage, oder der Maler vor seiner Staffelei und einem Harlekin, der ihm Modell sitzt, oder der Halb-Akt vor dem Spiegel und andere Motive (Abb. I, 1 - I, 5). Schon mit diesen frühen Blättern ließ Krengel das Mittelmaß hinter sich. Im Januar 2005 schrieb er an den Verfasser über diese Zeit und seine Arbeit bei Jaeckel: „Das war eine schöne Zeit. Ich habe ja damals alles ignoriert und nur noch bei dem alten Drucker gearbeitet“. Immer orientierte er sich auch an Bildern alter Meister, bezeichnender Weise an den großen Stillen, an Nicolas Poussin, Claude Lorrain und Jan Vermeer. Und er war von Anfang an ein unermüdlicher Zeichner.

Im Jahre 1958 bewarb sich Krengel an der 1950 gegründeten Freien Akademie der Künste Hamburg, wurde aufgenommen und trat in die Malklasse von Professor Karl Kluth ein. Er hoffte auf dem gewählten Weg gegenständlicher Malerei weiterzukommen, was sich nicht erfüllen sollte. Über seine Hamburger Studienzeit berichtete er später:

„Bestimmend war damals die École de Paris. Die großen Alten wie Picasso, Braque und Matisse arbeiteten zwar noch, aber es kam eine neue Generation junger gegenstandsloser Maler. Diese Welle schwappte nach Deutschland und die beiden Großideologen Grohmann und Haftmann übernahmen die Regie. […]. Alle kleinen Talente wurden plötzlich ungeheuer produktiv und lächelten nur noch über diejenigen, die noch gegen-ständlich arbeiteten. Willem Grimm und [Karl] Kluth hatten damals Malklassen in Hamburg. Ich war bei Kluth. Auch er war verunsichert und versuchte Gegen-stand und Abstraktion zu verbinden. […]. Ich hätte zu [Paul] Wunderlich wechseln können. [Alfred] Mahlau war nicht mehr da und Horst Janssen hatte man bereits von der Schule relegiert. Hundertwasser war bereits als Gastdozent angekündigt. Als erstes zog er die endlose Linie. Damit begann auch an der Hamburger Hoch-schule der Unfug. Das war nicht mehr mein Ding und ich packte meine Koffer.“ (Brief vom 12. September 2006 an den Verfasser).

„Der Wechsel nach Hamburg sollte eigentlich ein Aufbruch sein, aber es war wohl nur ein Ausflug“ (Brief vom 28. August 2012 an den Verfasser).

Enttäuscht vom akademischen Kunstbetrieb und dessen kunsttheoretischen Streitereien kehrte Krengel der Hamburger Akademie schon nach einem Jahr den Rücken. Er ging nach Hannover zurück und arbeitete dort im erlernten Beruf als Werbegrafiker und Retuscheur weiter. Der Malerei und Druckgrafik widme-te er sich bis in die Mitte der 1970er Jahre nebenher und nur noch sporadisch. Sein Brotberuf, in dem er sehr erfolgreich an großen Aufträgen aus der Wirtschaft mitarbeitete, nahm ihn voll in Anspruch. Doch drängte ihn eines Tages sein Künstler-Ich wieder zurück in die Existenz eines Malers und Grafikers. Er schaffte 1974 eine Druckpresse an und wechselte nun für immer ins künstlerische Metier über. In den Jahren 1974/75 begann erneut ein reicher bildnerischer Schaffens-prozess, der bis heute anhält. Er schuf zahlreiche Radierungen unterschiedlichen Formats, von der Miniatur (z. B. Abb. II, 11; III, 2 u. III, 3) bis zum großen Blatt (z. B. Abb. II, 2; II, 5) Landschaft und Stillleben machte er zu seinen Sujets, die er bis heute fast ausschließlich thematisiert. Und generell ist hinzuzu-fügen: Krengel blieb in der Wahl der Farbmittel konse-quent bei Aquarellfarben und  bei der Ölmalerei. Es gibt von ihm kein einziges mit Acrylfarben gemaltes Bild.